Monate: September 2012

entsorgt

„… ich überlegte, ob ich die beiden Abendzeitungen kaufen sollte. Sie zu lesen bedeutete, sich einen Sack Müll in den Kopf zu kippen. Manchmal tat ich das, wenn ich das Gefühl hatte, dass ein bisschen mehr oder weniger Müll auch keine Rolle mehr spielte…“ Karl Ove Knausgard

Selbstverantwortlich

„Und wer glaubt, die Beschaffenheit der Gegenwart wäre dafür verantwortlich, dass er oder sie schlecht angepasst ist, der ist entweder größenwahnsinnig oder lediglich dumm, und in beiden Fällen mangelt es ihm oder ihr jedenfalls an Selbsterkenntnis.“ Karl Ove Knausgard, Liebe

ganz und gar ihr eigenes

Ich wusste, dass weder Linda noch ich jemals etwas sagen könnten, was so eine Reaktion hervorrufen würde, und ich begriff plötzlich jäh und mit unmittelbarer Klarheit, dass sie nicht uns gehörte, dass ihr Leben ganz und gar ihr eigenes war.“ Karl Ove Knausgard, Lieben

Hinterhofschönheit

  Über die Hofflohmärkte geschlendert. Immer in unterschiedlichen Vierteln in München wird in Hinterhöfen verkauft. Die Gelegenheit die schönen Ecken zu entdecken, in Winkeln zu stöbern, die sonst verborgen sind. Nachbarn verkaufen, grillen, bieten an. Welch schönes Miteinander und nicht nur ein sanfter Septemberwind, sondern auch ein wenig Fernwärme lag in der Luft. Dieses warme Wir-Gefühl für Menschen, die ich nicht kenne, die aber so liebenswert-freundlich einen Teil ihrer Häuser öffnen und mir mit Freundlichkeit begegnen. Hinterhofschönheit – in vielerlei Hinsicht.

Gleichmacherei

  „Es ist nicht so, dass wir gleich geboren werden und die Lebensbedingungen unsere Lebensläufe ungleich machen, es verhält sich umgekehrt, wir werden verschieden geboren, und die Lebensbedingungen gleichen unseres Leben einander an.“ Karl Ove Knausgard

machen

Der Lebenslauf, der der Bewerbung beigelegt ist. Diese trockene Angelegenheit, die in Jahreszahlen ein Leben einkategorisiert. 1978 geboren, Grundschule, Studium, Heirat, Elternzeit. Selten erquicklich zu lesen. Manchmal ein Spiegel. Schonungslos dokumentieren die Zahlenreihen, wie Entscheidungslosigkeit lähmt und darüber ein Leben vergeht. Schwarz auf weiß legt er dar, dass Dinge, die dem Bauch schon lange klar waren, über Jahre hinausgezögert wurden. Wusste ich nicht schon viel früher, dass das Studium kein Sinn, die Beziehung eine Einbahnstraße und der Job, der falsche ist? Der Gedanke kam mir, als ich gestern diese Vita las. Immer und immer wieder. Mit einem Lächeln. Ein Lebenslauf, der aller eingebläuten weiblichen Bescheidenheit strotzt. Da ist keine Rede davon, dass einer nicht zu viel fordern darf. Da ist kein langes Zögern. Da hat sich einfach jemand vom Leben immer das größte Stück genommen, genießt es und war nie um einen Neuanfang verlegen. Welch schönen Lauf das Leben doch nehmen kann.

Kindheitserinnerungen

„Ihre Kindheit zu begleiten, verändert auch das Bild meiner eigenen Kindheit, nicht so sehr wegen der Qualität, sondern wegen der Quantität, der vielen Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt, die schier unermesslich lang ist. So viele Stunden, so viele Tage, so unendlich viele Situationen, die sich ergeben und durchlebt werden. Aus meiner eigenen Kindheit sind mir nur eine Handvoll Episoden im Gedächtnis geblieben, die ich alle als bahnbrechend und bedeutsam empfand, obwohl sie eigentlich, wie ich heute erkenne, in einem Meer anderer Geschehnisse schwammen, was ihren Sinn gänzlich auslöscht, denn woher will ich eigentlich wissen, dass ausgerechnet diese Ereignisse, die sich mir eingebrannt haben, entscheidend waren und nicht all die anderen, über die ich nicht das Geringste weiß?“ Karl Ove Knausgard, Lieben

Salbei für alle

  Salbeibutter mag ich schon lange. Gnocchi mit Salbeibutter sind schwerlich zu übertreffen. Das Buttersamtige und das Salbei-Milde verstehen sich außerordentlich gut. Salbei im Brot funktioniert auch: 500 gr. Dinkelmehl 1/2 l Buttermilch 1 Handvoll Salbei 1 Prise Salz oder zwei 2 Teelöffel Backpulver 1 Teelöffel Natron Salbeiblätter klein hacken. Mehl mit Salz, Backpulver und Natron vermischen. Buttermilch unterrühren. Salbei untermengen und bei 180 Grad für 45 Minuten in den Ofen. Nachtrag: Salbeibrot mit Salbei-Zitronenbutter ist keineswegs zuviel des Guten.

Hausdachmusik

  So wohl ich mich in München fühle, so sehr beneide ich die Hauptstäder um ihre Konzert-Kultur. TV Noir ist schwer zu überbieten und und heute wird in Berlin auf den Dächern gespielt. Original Gauloises-Freiheit-Gefühl. Für den Rest der Republik und mich gibt es aber im nachhinein das Video.