Jahr: 2013

auf ein neues

Ich kann mich nicht dagegen verwehren. Auch wenn ich mir noch so oft sage, dass es doch auch nur ein Tag wie jeder andere ist und völlig überbewertet wird, mit Erwartungen auf die beste Party überfrachtet. Alles Quatsch. Dieses kleine Kribbeln ist im Magen und die Freude auf ein neues Jahr, auf 365 Tage, die so neu und frisch vor einem liegen, die ergreift mich doch immer wieder. Alles ist möglich. Das ist es immer. Aber heute und morgen ganz besonders. Wie frisch bezogene Betten, gepackte Koffer, neue Wohnungen, alles Neue, diesen Zauber haben, so hat es auch die eine Nacht. Weil wie könnte ich nicht voller Dankbarkeit sein für alles, was ich schon erlebt habe und voller Vorfreude, auf das was noch kommt? Eine Nacht mal alle Pläne, Vorhaben, Ambitionen und Vergleiche vergessen, alle Petitessen des Alltags hinter sich lassen und ergriffen sein von dem Wissen, dass es doch ein grandioses und glänzendes Leben ist, dass wir da haben. Das macht diese eine Nacht. Habt eine leuchtende, glänzende. Ob im kleinen oder großen. Nur …

um mich geschehen

Ich kaufe Bücher auf Vorrat. Mit Büchern ist es wie mit Kleidern. Wenn ich dieses eine ganz bestimmte sucht, finde ich es bestimmt nicht. Aber dafür die perfekte Chino. Also einfach immer mitnehmen, was passt und gefällt. Die guten Dinge finden einen von selbst. Dem gleichen Prinzip folgend, packe ich immer jedes Buch, das mich irgendwie anspricht, ein. Für später. Der Bücherstapel neben meinem Bett löst somit eine beruhigende Wirkung auf mich aus. Er wird nie kleiner. Dafür stellt sich dann, analog zur Kleiderfrage, die, welches als nächstes dran ist. Viele wieder verworfen und zum Schluss standen das nicht mehr ganz so neue von Zeruya Shalev zur Auswahl oder eines, das ich beim Weihnachtsmarkt in Berlin entdeckt hatte. Die Frau, die allein ein ganzer Tisch war. Der Titel war es, in den ich mich gleich verliebt habe. Und dazu kommt es von einem kleinen Verlag, ist ganz wunderschön und liebevoll gesetzt. Wie die Bücher der Büchergilde. Und damit war es um mich geschehen und das Buch gekauft. Abends die erste Seite angelesen. Weggelegt. Doch Shalev. …

wenn Nebensachen zur Hauptsache werden

Manche Beilagen sind so gut, dass sie gut auch als Hauptgang durchgehen könnten. Kartoffelgratin ist so ein Kandidat. Wenn die Kruste wirklich knusprig, die Kartoffeln hauchdünn in einer sämigen Creme schwimmen: Wer fragt da noch nach einem Steak? Wirsingauflauf kommt gleich hinter Kartoffelgratin. Aber braucht auch keine Nebenspieler. Ein wenig Baguette vielleicht. Um die Creme-fraiche-Mischung bis auf den letzten Tropfen zu erwischen. Wirsinggratin nach einem Rezept von hier * 1 Wirsingkopf * 1 Zwiebel * 3 Knoblauchzehen * 2 Esslöffel Butter * 150 gr Crème fraîche * Salz, Pfeffer, frisch geriebener Muskat * 100 g Semmelbrösel * 150 g frisch geriebener Greyerzer oder Parmesan * 3 Esslöffel Butter für die Flöckchen Den Wirsing putzen, Strunk entfernen und in ganz schmale Streifen schneiden. In kochendem Salzwasser eine Minute blanchieren, in Eiswasser kurz abschrecken und gut abtropfen lassen. Derweil Zwiebel und Knoblauch schälen, fein hacken. In Butter andünsten. Wirsing darin fünf Minuten schmoren. Crème fraîche unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Ofen auf 200 Grad vorheizen. Gratinform einfetten, den Wirsing hineinfüllen. Semmelbrösel und Greyerzer oder Parmesan mischen, auf den Wirsing …

fragil

„… denn ich kann nicht reden, wenn es darauf ankommt, und nicht im richtigen Ton. Ich bin dann zu bewegt und verhärte mich, um mich vom Gefühl nicht überwältigen zu lassen. Wie soll man den innerern Aufruhr, den ein Gefühl auslöst, in eben dem Moment, da es stattfindet, ganz mitteilen?“ „Es war ganz natürlich, dass Sie mir von Ihrer Freundschaft erzählten, die nun reiner, da von Verlangen, Eifersucht, Erwartungen frei sei. Man muss etwas geben; also denkt man an Freundschaft, diese edlere Schwester der Liebe, man bietet sie an und versucht dabei darzulegen, dass sie viel besser sei als die Liebe, die man vorher gab und die man nun einer anderen gibt. Sie sind ziemlich überzeugend; übrigens ist man nie so überzeugend, wie wenn man in Ihrer Lage ist. Das man sicher erst einmal selbst überzeugen muss, findet man geschickte Argumente und einen herzlichen, überaus wirksamen Ton. Und wenn man mit seiner Beweisführung fertig ist, ist man so zufrieden mit seiner Leistung, dass die angesprochene Person, wenn sie nicht überzeugt ist, wirklich nur einen schlechten …

aufgelistet: kleine Glücklichmacher

Langsame Tage. Alle Energie sammeln, um vor die Tür zu gehen und es dann doch nicht tun. Obwohl im Hauseingang die schönen Bodenfliesen auf mich warten. Aber warum auch, wenn noch der beste Käse im Kühlschrank schlummert und es drinnen gerade so gemütlich ist? Kleine Glücklichmacher für drinnen, bevor es nach draußen geht. * kleine Kleiderbügel aus Büroklammern machen. Man weiß nie, wofür man das noch gut gebrauchen kann. * Berlin-Tipps und Grüße aus Berlin * Schoko-Pops selbst machen * sich fragen, ob man zu oft Nein gesagt hat? * mein neuer Lieblingstumblr. Der von Katharina Krug * dieses Lied und der Versuch, es zu leben * Stilleben. Stundenlang durch Tische, Blumen und Kaffeetassen virtuell blättern * wie gerne hätte ich ein Hirschbettbild. * gut zu wissen, warum man manchmal keinen Sinn macht * die schönste und schlüssigste Antwort, warum es Kinder sind, die das Leben bereichern. Von einem Blog, den ich sehr gerne lese. „Mich begeistert zum Beispiel gerade die Begeisterung, mit der Sohn die Welt entdecken möchte, dieser Riesenhunger auf Wissen und Erfahrung und die Bereitschaft, …

ganz oder gar nicht

Es gibt diesen wohlgemeinten und so freundlich daher kommenden Satz: Lass uns Freunde bleiben. Wogegen nichts zu sagen wäre. Außer, dass das mit der Freundschaft doch so selten gelingt, in den seltensten Fällen ernst gemeint und meist einfach nur der Versuch eines feigen Abgangs ist. Was sich Freundschaft nennt, endet dann in obligatorischen Weihnachtswünschen, dem Gruß zum Geburtstag, einem Aufblitzen auf der facebook-Timeline. Was so erwachsen und reif scheint, ist nur fehlende Ehrlichkeit und versteckte Feigheit. Was hätte ich mir den Mut von Marcelle Sauvageot gewünscht. Sie hat die einzige mögliche und die wahre Antwort auf ein schales Freundschaftsangebot geliefert. An Tuberkulose erkrankt, reist sie von Paris ins Sanatorium nach Hauteville und findet dort einen Brief ihres Verlobten. Ein Abschiedsbrief. „Ich heirate… Unsere Freundschaft bleibt.“ Fast ganz die Deine ist das einzige Buch, das sie geschrieben hat und es ist eigentlich kein Buch, sondern vielmehr ein Brief. Ein Brief, den ich selbst im Kopf oder auf Papier schon so viele Male geschrieben habe und dann doch nie abgeschickt. Sie hat es auch nicht getan. Er wurde erst nach ihrem …

Leichte Lust

Es gibt eine Theorie, dass der Körper schon nach den richtigen Lebensmitteln gelüstet. Selbst Kinder würden – sich selbst überlassen- nach übermäßigem Süßigkeitenkonsum freiwillig zu Obst und Gemüse greifen. Auf Birne, Gurke und Minze im Glas habe ich momentan sehr viel Lust. Was auch immer das heißen mag. Mein Körper wird es schon wissen. Birne-Gurke-Minz-Drink [von diesem herrlichen Frühstücksblog] * 2 Birnen * 1 Gurke * 1 Handvoll Minze * 1/4 Glas Mineralwasser Birne, Gurke und Minze in den Mixer. Wasser dazugeben. Wer mag, noch süßen.

Zwischenmahlzeit

Zwischen Rotkohl, Entenbrust, glasierten Maronen, Kartoffelsalat, Vanillekirpferln und Zimsternen ist ein Mandarinen-Lassi einfach nur gut, leicht, erfrischend und irgendwie auch gesund. Mandarinen-Lassi [hier entdeckt und in diesem großartigen Kochbuch] * 6-8 Mandarinen * 600 gr. Joghurt * 5 Esslöffel Zucker * ein paar Eiswürfel Mandarinen auspressen [oder einfach geschält in den Mixer. Geht auch. Mache ich immer.] Mit Joghurt, Zucker und Eiswürfel im Mixer zerkleinern. Trinken. Kraft sammeln und Platz schaffen für Gans, Klöße, Christstollen und Dominosteine.

für immer angezogen

Was ich gerade dauernd trage und mich darin so wohl und zu Hause fühle, dass ich es gar nicht mehr ausziehen mag, darin schlafen könnte und mich frage, wie ich jemals vor dem Kleiderschrank stehen konnte und nichts zum Anziehen finden konnte. Meine damit-kann-ich-nichts-falsch-machen-Uniform für faule Tage, letzte Weihnachtseinkäufe und entspannt im Cafe sitzen, lesen und noch einmal einen Espresso bestellen-Stunden. Kupfernfarbene Schuhe, Boyfriendjeans, Jeanshemd, Kashmirpullover in Camel und Weihnachtsnagellack.

Über die große Schönheit

Ein Film, der so schön, skurril, traurig und berührend zugleich ist, dass während der Abspann noch läuft, ich am liebsten sofort raus möchte, nur um mich vorne wieder in der Schlange anstellen und ihn gleich noch einmal zu sehen. Noch einmal in diese Welt eintauchen, sie aufsaugen, weil ich bestimmt ein Detail übersehen habe. Bilder wie Gemälde. Der Pastor, der auf der Schaukel schwingt, die Flamingos auf dem Balkon, das Versteckspiel im Klostergarten und immer wieder die Spaziergänge durch Rom in diesem ganz besonderen Licht, wenn die Nacht in den Tag übergeht, früher Morgen, späte Nacht, in dieser Zwischenwelt, in der sich die Welt noch sammelt, noch nicht ganz bereit ist. La grande bellezza. Diese Bilder unterlegt mit einer Musik, die auch nie aufhören soll. Klassische und die zum Feiern. Und zwischen Bildern, Geigenklängen oder tiefem Bass, Sätze, von denen ich nicht genug bekommen kann. Wie dieser: „In meinem Alter sind schöne Frauen allein nicht mehr genug.“ Bei Liedern drücke ich oft die Wiederholungstaste. Bei Filmen selten. Einmal die Geschichte kennengelernt und der Reiz ist …

folgenschwer

„Desmond hat mal die Theorie aufgestellt, dass die Welt nicht funktioniert, weil man von allem immer erst den Entwurf kennenlernt. Erst zeigt man uns Aufklärungsbüchlein, zehn Jahre danach kommt die Praxis. Erst baut man sich eine Faller-Welt zusammen, und nachher merkt man, dass man schon immer in ihr gelebt hat. Deshalb ist man dann dauernd enttäuscht, und Humorlosigkeit, Völkermord und Designerstühle sind die Folge.“ aus: In Plüschgewittern von Wolfgang Herrndorf