Monate: Mai 2013

Jane mal anders

„Jemanden zu lieben heißt, ihn mit offenen Augen und wissendem Blick zu sehen. Und ein solches Urteilsvermögen (und Bewusstsein der Mängel, die jemand hat) impliziert, anders als wir es heute erwarten würden, keine zwiespältigen Gefühle…. dass sie ihn gerade deshalb respektiert und liebt, weil dieser sie als einziger gegenüber einem Moralkodex verantwortlich macht, der sie beide übersteigt.“ über Emma von Jane Austen aus: Warum Liebe weh tut von Eva Illouz

rosig

Mit manchen Speisen ist es wie mit Menschen. Ich sehe sie und weiß, das ist es. Die Milch-Pistazienrosen und ich – das war Liebe auf den ersten Blick. Und auch der Zeitpunkt passte, weil noch Filoteigreste im Kühlschrank schlummerten. Milch-Pistazienrosen 60 gr. Butter 8 Bögen Filoteig 1/2 Teelöffel Zimt 1 1/2 Tassen Milch 3 Eier 1/2 Tasse Zucker 1 Teelöffel Vanillezucker 2 Teelöffel Agavensirup 1/2 Tasse Pistazien Den Filoteig mit flüssiger Butter bestreichen und zu Rosen zusammenkräuseln. In eine gefettete Backform geben, nochmals großzügig die restliche geschmolzene Butter darübergeben und bei 180 Grad für 15 Minuten backen. In der Zwischenzeit die Milch zum Köcheln bringen. Währenddessen die Eier mit dem Zucker und der Vanille schaumig schlagen und dann vorsichtig die heiße Milch einrühren. Die Filorosen aus dem Backofen, die Eier-Milch-Mischung drübergießen und nochmals für zwanzig bis dreißig Minuten in den Ofen, so lange bis der Vanillepudding fest ist. Mit dem Agavensirup übergießen, Pistazien drüberstreuen und genießen. Schmeckt auch gut mit Vanilleeis.

Wartestellung

„Immer ging es darum, etwas bloß nicht zuerst zu tun, immer musste man darauf achten, nichts zu machen, was auf Ablehnung stoßen könnte, weil das viel zu weh tat, deswegen war es so einfach, immer alles zu verneinen und einem Ja aus dem Weg zu gehen, die Frage nach einem Ja gar nicht zu stellen.“ aus: Elisabeth Rank,  Bist du noch wach?

süß, aber nicht zu süß

Ich kenne Horachata aus Spanien. Sehr lecker, irgendwie auch sehr süß. Und wie so vieles im Leben, gar nicht so schwer. Hier gesehen und nachgemacht. Die Variante ist dank Datteln auch nicht überzuckert, sondern mild, leicht süßlich und mit Eiswürfeln das Sommergetränk schlechthin. Damit fühlt man sich selbst in München wie an der Copacabana. Horchata 3/4 Tasse weißer Reis 6  Tassen Wasser 1 Tasse Kuh- oder Mandelmilch 1/2 Tasse Datteln 1/2 Teelöffel Vanille 1 Zimtstange Zwei Tassen kochend heißes Wasser über den Reis gießen und zwei Stunden ziehen lassen. Der Reis ist danach so weich, dass er sich mit einem Fingernagel teilen lässt. Abseihen und gemeinsam mit vier Tassen Wasser, den Datteln, der Zimtstange und der Vanille in den Mixer. Kleinhexeln und mixen. Danach abseihen, in eine Flasche oder gleich mit Eiswürfeln ins Glas. Hält sich im Kühlschrank verschlossen bis zu zwei Tagen. Als nächstes ist Mandelmilch dran.

aufgelistet: hätte mir auch mal einer sagen können

Nagellack orange und darüber Nagellack weiß geben genau das Pfirsich, das ich immer wollte, aber nirgends finden konnte  Bye, bye vertrocknetes Basilikum Croissants selbst zu machen ist nicht so einfach immer neue Sachen über das Telefon dass wenn pinterest nicht weiter weiß, es die Bildersuche gibt dass das beste Eis nach München kommt Fussmatten ansehnlich zu machen ist ganz leicht dass es Spiele gibt, die man erst gar nicht anfangen sollte. Schon gar nicht, wenn man eigentlich arbeiten sollte. (bei Nora entdeckt) Flieder riecht nicht nur gut, macht sich auch gut im Zucker.

Montagsmögen

Jeden Montag, zwei, die ich mag. Yoga. [1] Mag ich zwar noch nicht. Aber Anja hat mich neugierig gemacht auf die heiße Variante. Die wird jetzt zehn Tage am Stück ausprobiert. Handcreme [2]. Die Verpackung gab den Ausschlag. Neugierig eben. Hier wird diese Eigenschaft gelobt. Was ich auch mag.

Wachstumsstörung

„… wahrscheinlich sind wir auch deshalb nie richtig zusammengewachsen, weil das Seelische, die Untiefen, das Dunkel und manchmal auch Kaputte so gar keinen Raum hatten zwischen uns beiden… Ich glaube, wir sind uns zu einer Zeit begegnet, da jeder von uns dringend einen anderen Menschen brauchte, an dessen Seite er sich von einigen Desastern der Vergangenheit erholen konnte.“ aus: Untitled von Joachim Bessing

schmerzempfindlich

Ja, manchmal tut sie das. Manchmal tut sie sehr weh. Und das ein wenig besser zu verstehen, was da mit einem passiert, was da mit dem anderen passiert und warum es heute vielleicht ein wenig schwieriger oder eben anders ist als noch vor dreißig Jahren – das beschreibt Eva Illouz. Ganz wissenschaftlich räumt sie auf mit dem romantischen Jane Austen-Vorstellungen und erklärt, wie sich das Lieben mit der Zeit verändert hat. Was das online jemanden kennen lernen, die scheinbar große Auswahl zu haben, die Erwartungshaltungen und die ewige Frage, ob ich schon anrufen soll oder lieber noch warten, weil er dann ja denken könnte, dass ich ihn mag – was das alles mit uns macht. Die eigene Gefühlswelt so wissenschaftlich analysiert und im richtigen Zeitkontext eingeordnet vorzufinden, tut irgendwie gut. Und nur ein bisschen weh.

bemuttert

M illefeuilles wollte ich machen. So in der Art. Eigentlich hatte ich ein Rezept für knusprige Schokoladen-Erdnuss-Röllchen. Die verlangten allerdings nach acht Metallrohrstücken. Wer so etwas in seiner Küche rumliegen hat, möge sich bei mir melden. Aber geschichtet geht auch, dachte ich. Geht auch. Gemacht habe ich sie am Muttertag. Das war mehr als passend. Das liegt nicht nur daran, dass sie wahrscheinlich jeden so richtig schlechten Tag versüßen, sondern auch daran, dass sie Multitasking der Extraklasse erfordern und das Ergebnis tagesformabhängig ist. Mutter-Millefeuilles 200 ml Sahne 200 gr Zucker 100 gr. dunkle Schokolade 100 gr. Vollmilch-Schokolade 1 Packung Strudelteig- oder Filoblätter 50 gr. Butter 100 gr. Erdnüsse Sahne in einem Topf erhitzen. Gleichzeitig den Zucker in einem Topf karamellisieren. Den richtigen Zeitpunkt abpassen, in dem die Sahne nicht überkocht und der Zucker schon so goldbraun-flüssig ist, dass sie zusammengerührt werden können. Danach die kleingehackte Schokolade unterrühren und die ebenfalls kleingehackten Erdnüsse unterheben. Das Ganze dann im Kühlschrank für 20 Minuten auskühlen lassen. In der Zwischenzeit die Filoblätter mit flüssiger Butter bestreichen, in Streifen schneiden …

Homöopathische Dosen

Ich bin eine von den Dünnhäutigen, von denen, die Stimmungen erspüren, denen die Luft schnell zu dick oder zu dünn wird, die Zwischentöne hören, die sehr leise und manchmal auch gar nicht wahrnehmbar sind. Logisch eigentlich, dass ich auch Musik-sensibel bin. So nebenbei kann ich nicht hören. Fahrstuhlmusik, Supermarktgedudel und Radiolalala macht mich ganz kirre. Dafür funktioniert sie richtig dosiert als Gefühlsverstärker. Mein nicht rezeptpflichtiger Medikamentenschrank. Diese vier sind mein Valium. Zuverlässiges Mittel, mehrfach erprobt und das schon seit vielen, vielen Jahren. Getz / Gilberto haben eine Doppelwirkung: Ruhig und fröhlich. Jasmine von Keith Jarrett macht ruhig, aber schon eher melancholisch. Und The Köln Concert und Winter in Venice geben diese schöne traurige Melancholie, die sich über das Herz legt und in der zu baden so schön ist. Keine weiteren Risiken und Nebenwirkungen bekannt. Fragen Sie mich.