Monate: Oktober 2013

Binsenweisheit

„Es hält sich eigentlich die Waage. Ich bemerke deine Mütze auf dem Tisch und spüre heftige Sehnsucht nach dir, auch wenn du direkt im Zimmer nebenan bist. Wenn ich weiß, dass du nicht hinschaust, halte ich mir die grüne Wolle vors Gesicht, atme diesen Hauch deines Shampoos ein und die Kälte der Luft von draußen. Aber dann gehe ich ins Badezimmer und sehe, dass du die Zahnpastatube schon wieder nicht zugemacht hast, und es wird genau dieser Splitter sein, in den ich immer wieder trete.“ aus: Das Wörterbuch der Liebenden von David Levithan

Joch des Glück

 „Die einzige bedingungslose Liebe, die es gebe, so behauptet sie, sei die des Kindes zu seinen Eltern. Die Eltern – Nachkriegseltern – seien schuldbewusste, hart arbeitenden Menschen. Sie hätten buchstäblich alles für ihre Kinder übrig und vernachlässigten dabei sich selbst. Das Land erstehe wieder auf. Sie seien von dem Gedanken erfüllt, dass ihre Kinder ihnen dankbar seien, und das seien sie meistens auch. Aber es gebe nur einen Weg, das auch sichtbar zu machen. Und der sei Glück. Unglücklichsein sei nicht erlaubt. Wer unglücklich sei, sei undankbar. Das nennt sie das Joch des Glücks.“ aus: Logbuch eines unbarmherzigen Jahres von Connie Palmen

Essensbegleiter

Brot und Butter sind manchmal fast schon ein Essen. Wenn es selbstgemacht und noch warm ist allemal. Zum letzen Essen gab es Brot und Butter als Beilage. Walnuss-Cashew-Brot mit Heidelbeer-Pfeffer-Butter und Basilikum-Parmesan-Butter. * 75 g Walnüsse * 75 gr. Cashew * 1/2 Päckchen Hefe * 500 gr. Mehl * etwas Salz Die Hefe in 350 ml Wasser auflösen. Mehl und Salz hinzugeben und zu einem Teig verrühren und kneten. Nüsse klein hacken und in den Teig einarbeiten. Zugedeckt eine Stunde gehen lassen. Baguettes formen, nochmals kurz gehen lassen und dann bei 200 Grad für 20 Minuten mit einer kleinen Schale Wasser [für knackige Krusten] in den Ofen. Heidelbeerbutter wird so richtig gut, wenn Sahne so lange geschlagen wird,bis sich die Buttermilch löst. Dann den Butterbrei nochmals in einem Tuch auswringen. Jetzt frische Heidelbeeren leicht ankochen, abkühlen lassen und unter die weiche Buttermasse rühren. Mit Pfeffer und Minzpfeffer würzen.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Feierabendgefühl, Tagwerk vollbracht. Hier eingefangen von Brian W. Ferry [1], der übrigens auch alle Werktagsmomente so schön und leicht festhält, dass es nie nach Arbeit aussieht.  Die Arne Jacobsen-Lampe [2] die am Feierabend, wenn alle Lichter aus sind, angehen kann. Und ein Lied für den Feierabendverkehr, das Aufstehen, das Heimkommen und überhaupt alle Wochentage.

hängengeblieben

Den Lieblingspullover getragen, warme Grapefruit mit braunem Zucker überbacken gegessen und viele Stunden im Bett verbracht. Sätze, die hängengeblieben sind. Über Camus: „Er lebte, was er schrieb, war kompromisslos, demütig und leidenschaftlich. Er glaubte an nichts, außer an das Leben.“ Über das Normale: „Normal ist, woran wir uns gewöhnt haben. das macht die Vergangenheit so hübsch übersichtlich – und die Gegenwart so irritierend.“ Über Arbeit und Glück: „Glück erlebt man in Momenten, in denen sich die Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes richtet.“ Zeit gehabt, mir etwas über Beschleunigung und Entschleunigung anzuhören mit einem Philosophen, der so herrlich schnell über eine notwendige Verlangsamung spricht.

Kürbis für die Seele

Immer nur Suppe geht nicht. Kürbis-Pie hatte ich schon. Aber Kürbisbrezeln. Das schmeckt wie Zimtschnecken, warm, einladend, klebrig. Das was die Amerikaner soulfood nennen. Essen für die Seele. * 1/2 Tasse Wasser * 1 Teelöffel Trockenhefe * 1/4 Tasse brauner Zucker * 3 1/4 Tasse Mehl * 1 Teelöffel Salz * 1 Teelöffel Kürbisgewürz (Kurkurma, Zimt, Nelkenpulver, Piment, Muskat, Vanille, Ingwer) * 2 Teelöffel Öl * 3/4 Tasse Kürbisbrei (Kürbis pürieren) * 1 Ei Das warme Wasser, Hefe und braunen Zucker in einer Schüssel vermischen und kurz ruhen lassen. Das Mehl mit Salz, dem Kürbisgewürz vermischen, das Ei dazugeben, das Öl, die Hefe-Wasser-Mischung und den Kürbisbrei unterrühren. Gut kneten – auch mit mehr Mehl. Eien Stunde ruhen lassen und den Teig in Ruhe gehen lassen. * 1 Tasse heißes Wasser * 2 Teelöffel Natron Kneten und Brezeln formen. Kurz in die Wasser-Natron-Mischung geben und anschließend in den 210 Grad heißen Backofen für acht bis zehn Minuten backen. Auskühlen lassen. * Butter * noch mehr Kürbisgewürz * noch mehr Zucker * Walnüsse * 1/2 Tasse Puderzucker * …

sehen mit Callahan

Die Harry Callahan Ausstellung besucht. Eine kleine, feine. Callahn, der immer wieder seine Familie und seine Frau Eleaonor fotografiert hat. Berührende Bilder. Ganz direkt und zwischen den Bildern Sätze, weswegen sich allein schon der Besuch lohnt. „I wish more people felt that photography was an adventure the same as life itself and felt that their individual feelings were worth expressing.“ „A photo is able to capture a moment that people can´t always see. Wanting to see more makes you grow as a aperson and grwoning makes you want to show more of life around you.“

aufgelistet: Mädchenzeugs, das süchtig macht

Am Flughafen eingepackt, eher zufällig im Duty-free-Shop und seitdem süchtig nach diesem guten Gefühl auf den Lippen und dem leichten, ganz dezenten Geruch. Ebenfalls süchtig machend: * eine Seite. Nicht nur für das weibliche Geschlecht. Freudig, traurig, melancholisch stimmend. * ein Tanz, den ich mir immer wieder anschauen kann. * jede Plastikblume kann einpacken gegen diese Papierblumenkreationen * ich kann nur flach. Ballerinas. Kitten Heels das Maximale der Gefühle. Aber seit hier weiß ich, dass ich nicht alleine bin. * ein Blog über Schönmachendes und noch einer, der alleine wegen des Namens foxy cheeks schon toll ist.

verraten

„Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr. Wir kündigen ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei. „Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich dich gehalten habe“. Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.“ aus: Max Frisch, Tagebuch 1946-1949

alt jung werden

„Im späteren Leben erwartet man doch ein wenig Ruhe, nicht wahr? Man meint sie verdient zu haben. Jedenfalls war das bei mir so. Aber dann begreift man allmählich, dass das Leben sich nicht bemüßigt fühlt, Verdienste zu belohnen. Außerdem meint man in jungen Jahren vorhersehen zu können, was im Alter wahrscheinlich an Schmerzen und Trübsal mit sich bringen wird. Man stellt sich vor, dass man einsam, geschieden, verwitwet ist; dass die Kinder einem entwachsen, Freunde sterben. Man stellt sich den Statusverlust vor, den Verlust des Begehrens – und den Verlust des Status eines begehrenswerten Menschen.  Dabei richtet man nie den Blick nach vorn und stellt sich dann vor, wie man vor der Warte der Zukunft aus zurückschaut, die neuen Gefühle erlernt, die die Zeit mit sich bringt. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass es, weil es immer weniger Bestätigung und folglich weniger Gewissheit darüber gibt, was man ist oder geworden ist. „ aus: Vom Ende einer Geschichte von Julian Barnes

immer wieder Duchamp

The Afternoon Interviews ist eines dieser Bücher, die ich immer wieder lese. Calvin Tomkins gibt darin die fünfeinhalb Stunden Interview mit Duchamp in dessen New Yorker Apartment wieder. Tomkins ist ihm zum ersten Mal als Newsweek-Reporter begegnet und sagte damals von sich selbst, dass er wenig Ahnung von Kunst hatte. Aber Duchamp hatte eine Art, jede noch so einfache Frage zu drehen und so enstanden Antworten über Freiheit, die Freiheit des Denkens die berühren, mich stocken lassen ob so viel Klugheit. Immer und immer wieder. Eine, die ich nicht kenne, aber die die Liebe zum Künstler zu teilen scheint,  einer meiner liebsten flickr-Bildermacher: duchamp blinks. Diese Picknicks. Auch immer wieder.