Monate: Februar 2014

viel hilft manchmal viel

„I think really brilliant people do a number of different things when they´re working. They´re able to force themselves to put a lot of time into things and give them a lot of attention, and not succumb to the shortcuts that regular practice can lead to.“ aus: How to Think Like a Great Graphic Designer von Debbie Millmann

Wunschmusik

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Aber so eine Seidentunika in zartem Blau {1} und eine Vogellampe, die über meinem Kopf schwebt {2} wären schon schön. Oder eine blaue über-die-Schulter-alles-passt-rein-Tasche {3} und diese Bettwäsche von Hay {4}. Und jetzt schon von Sommertagen träumen und in leichten Sandalen {5} durch die Wohnung laufen auch.

Tiefenentspannte Croissantliebe

Der Weg zum Croissant. Viel ausprobiert, aber bei diesem hängengeblieben. Den Respekt vor dem sensiblen Blätterteig beiseite gelegt und  gemerkt, dass es machbar ist. Auch das. Wie so vieles im Leben. Croissants aus: Gutes Brot selber backen von Emmanuel Hadjiandreou (ja, das Buch ist so toll wie der Name des Autors) * 250 Gramm Weizenmehl Typ 550 * 1 1/2 Teelöffel Zucker * 1 Teelöffel Salz * 10 Gramm frische Hefe * 125 ml warmes Wasser * 150 Gramm weiche Butter * 1 Ei Mehl, Zucker und Salz vermischen. In einer anderen Schüssel die Hefe mit dem warmen Wasser verrühren, bis sie sich ganz aufgelöst hat. Zur Mehlmischung geben und zu einem Teig verarbeiten. Abgedeckt für zehn Minuten ruhen lassen. Anschließend kneten. In der Croissant-Technik. Den Teig in der Schüssel an einer Seite hochziehen und dann wieder auf die Mitte des Teigballens drücken. Die Schüssel drehen und das Ganze wiederholen. Acht Mal. Bei jedem Mal wird der Teig ein wenig fester. Den Teig wieder abdecken und zehn Minuten ruhen lassen. Die Croissant-Technik nochmals anwenden. Danach wieder …

klar sehen

Es gibt einen Abschnitt, den habe ich in der letzten Woche immer und immer wieder gelesen. „Sag es, und zwar sofort. Nie mehr im Leben wird es so sein wie jetzt, das weiß ich. Ich werde dich bitten, die Musik leiser zu stellen, damit ich arbeiten kann, und du wirst sie bei jedem „Bitte“ lauter drehen. Es wird mir gefallen, wenn du dir Sorgen machst, und es wird mir gefallen, dir Grund zur Sorge zu geben, um es mir immer wieder bestätigen zu lassen. Du wirst eine meiner Vertraulichkeiten benutzen, um mich zu verletzen, und ich werde es bereuen, dir etwas anvertraut zu haben. Hassen werde ich dich, weil du mich so gut kennst. Wenn ich einsehe, einen Fehler gemacht zu haben, werde ich dir am nächsten sein; es wird meine Art und Weise sein, dich um Entschuldigung zu bitten. Sollten wir eine Tochter haben und sollte sie mitten in der Nacht aufwachen, weil „da schreckliche Monster sind“, werde ich weiterschlafen, und du wirst schlicht fragen: „Wo?“ Aus einem Drama wirst du eine Lappalie machen …

Gebietsabgrenzung

„Ich hatte begriffen, dass jeder Mensch ein Gebiet der Zeit bewohnt und ihm nie entkommen kann. Manche Menschen leben in der fortdauernden Vergangenheit, es sind die mit der geringsten Lebenslust: Sehnsucht schadet dem Verlangen. Andere leben in der abgeschlossenen Vergangenheit: Sie brechen mit allem und jedem, keiner weiß, warum und wieso, vielleicht allein um der Freude willen, das Messer schneiden zu hören. Wieder andere Menschen sind imstande, in der Gegenwart zu leben: Mit ihnen kommt man am leichtesten aus, weil sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie besitzen jene Höflichkeit, die man für banal und natürlich halten könnte, während sie in Wirklichkeit eine Seltenheit ist: die Höflichkeit da zu sein. Sie sind da, wenn sie sprechen, da, wenn sie ein Gericht kosten, und da, wenn sie in Wut geraten, da, und nicht woanders, wenn sie lieben.  Und ich? War ich jetzt bereit für die Gegenwart, nachdem ich so lange in der Zukunft gelebt hatte? aus: Lied für eine geliebte Frau von Erik Orsenna

der lange Weg

Morgens kaufe ich mir gerne eins. Zusammen mit einem Kaffee zum Mitnehmen. Auf die Schnelle, auf die Hand. Letzte Woche zum ersten Mal selbst gemacht. Und fürs Leben gelernt. Wiederholen Sie den Schritt 8 bis 10 insgesamt elf Mal. Solche Sätze stehen in diesem Rezept. Und nicht nur einmal. Teig ziehen, falten, einwickeln, warten. Und nochmal. Und nochmal. Elf Mal. Und das Ganze wiederholen. Nichts von schnell auf die Hand. Und doch für mich genau das Richtige. Weil gerade alles ein wenig schnell geht und ich mich wünschen würde, manche Tage nochmal wiederholen zu können. Nochmals hinzuschauen, wirken zu lassen, warten, ruhen. So schnell ist es wieder weg. Das Croissant, der Tag und schon fast zwei Monate dieses Jahres. Aber es lohnt sich. Immer, immer wieder.

genau

 „Ich hatte vergessen, mich noch für etwas anderes zu bedanken. Danke für Ihre Genauigkeit, Madame Vauciare. Sie haben mir, als ich klein war, eine Ahnung davon gegeben und mich später begreifen lassen, dass Unschärfe Trägheit ist. Genauigkeit, Gestaltung und Zärtlichkeit gehören zur selben Familie.“ aus: Lied für eine geliebte Frau von Erik Orsenna

kleinliche Bilanz

„Was hast Du denn erwartet?, dachte er wieder. Eine Art Freude überkam ihn, kam wie auf einer Sommerbrise. Undeutlich erinnerte er sich, ans Scheitern gedacht zu haben – als wäre das wichtig. Jetzt fand er solche Gedanken kleinlich, fand sie unwürdig angesichts dessen, was sein Leben gewesen war.“ aus: Stoner von John Williams

die Wahrheit

Okka hatte es empfohlen. Und weil mich ihre Herzenswärme – nicht nur für ihre Tochter Fanny – so oft berührt, war ich sofort neugierig. Es klang nach Ratgeber und für die bin ich generell affin, weil ich die Suche nach der Anleitung für dieses Leben hier noch nicht aufgegeben habe. Dear Sugar gibt Ratschläge für Lebensfragen. Nicht die leichten, sondern die schweren.  Fragen, die das Leben so mit sich bringt. Wie soll ich meinem Vater begegnen, der meine Mutter mit einer Frau betrogen hat, die halb so alt ist wie ich? Ich weiß nicht genau, ob ich wirklich Kinder will oder nur weil alle welche haben und ich es später bereuen könnte, wenn ich keine bekommen hätte? Ich bin neidisch auf meine Freunde, die mit ihren Büchern erfolgreich sind und denke das sollte doch mir zustehen? Soll ich meinen Vater zur Hochzeit einladen, obwohl ich weiß, dass er zu viel trinken und sich daneben benehmen wird? Ich habe mich nach zwanzig Jahren frisch getrennt, sehe nicht sonderlich gut aus und weiß nicht, ob ich jemals …

Kinderkram

Dass ich dort war, ist schon über ein Jahr her. Die Ausstellung ist schon lange vorbei. Aber sie hallt immer noch nach. Ich denke oft an sie zurück. Kinderkreuzzug von Martin Honert im Hamburger Bahnhof. Erinnerungen an die eigene Kindheit. Eine Reise zurück. Vor dem Tisch stehen, an dem der kleine Junge sitzt und wieder wissen, wie es ist, wenn diese Welt einfach zu groß ist. Im Film tauche ich manchmal noch ein. 3 Minuten 58 und bei Minute 1 auf Pause und wieder getroffen sein von diesem Kinderblick.

nie

„Wir können uns immer über tausenderlei Schwächen beklagen, unsere Wildheit und unsere Ungerechtigkeiten verurteilen, unserer Ungeduld und unsere verletzenden Wünsche hassen, eines zumindest werden wir nie gestreift haben, weder er noch ich, die Gefahr des Wohlbehagens, wenigstens wird er mich nie gemildert, und ich werde ihn nie gemindert haben.“ aus: Nirgendwo von Yasmina Reza

Immer schön eins nach dem anderen

Das ist eine Tarte für die moderne, digitale Frau. Natürlich weil sie wunderbar schmeckt und die adäquate Belohnung für einen Tag des Mutitasking ist. Aber auch weil sie die perfekte Lehrmeister dafür ist, nur eine Sache gleichzeitig zu machen. Die Tatsache, dass ich am Computer immer mindestens zehn Tabs gleichzeitig auf habe und munter zwischen Mails, Konzepten und Powerpoints hin- und herspringe, verleitet mich oft zu der Annahme dieses Prinzip liese sich auf den Rest des Lebens auch übertragen. Wobei mir gerade einfällt, dass das schon immer so war, aber die mantra-artige Wiederholung meiner Mutter: „Mach doch eines nach dem anderen“ wollte nicht fruchten. Diese Tarte schafft es. Weil es anders nicht geht. Das muss natürlich jeder für sich selbst herausfinden. Bei mir ging die Rechnung während des Kandierens schon mal die Schokolade zu  Schmelzen oder den Teig rauszunehmen nicht auf. Weshalb es vier Anläufe und zwei Sonntagvormittag gebraucht hat, bis es endlich geklappt hat. Eines nach dem anderen. Minze kandieren. Warten. Teig zubereiten. Warten. Backen. Auskühlen lassen und ja, warten. kandierte Minze-Schokoladen-Tarte [hier gesehen, …

ruhig, ruhig

Ich lasse es ruhig angehen. Aber es gibt einige Dinge, die würden das Leben doch schöner machen. Seidenblusen beispielsweise. Seidenblusen kann ich niemals genug haben {1}. Sofakissen auch nicht und schon gar nicht, wenn sie so schön gezackt sind {2}. Diese schwere Teekanne hat es mir schon lange angetan {3}. Ebenso wie dieses Bild, das meine Ungeduld vielleicht ein wenig zügeln hilft {4}. Auf diesem französischen Bistrostuhl würde ich dann nämlich geduldig warten {5} und meine Auftragsarbeiten in dieser schicken Tasche herumtragen {6}. Perfekt. Und ganz ruhig.

ruhmreich

„… Wer oder was verleiht Rang? Die Leistung tut es zum Teil. Verleiht einer den Rang sich selbst? Auch der Gescheiterte kann Rang haben. Wodurch? Rang bedeutet noch nicht Ruhm. Ich kenne Leute, die ihren Ruhm verloren haben zur Lebzeit; der Rang ist ihnen geblieben. Rang ist nicht der Glanz des Siegers. Wie bekundet sich Rang? Ich bin Leuten von Rang begegnet, Männermund, Frauen, älteren und jüngeren, berühmten und anderen; ich bin Giacometti nie begegnet. Die Begegnung mit Leuten von Rang (sie müssen nicht von der gleichen Fakultät sein) macht Mut auf merkwürdige Weise; sie bedienen sich nicht des Lobes, um Mut zu machen. Sie verleihen Rang, ob sie zustimmen oder widersprechen; noch eine Fehde führen sie in der Erwartung von Rang. Solche Erwartung kann natürlich enttäuscht werden. Bei Leuten von Rang besteht die Erwartung von Rang nicht blindlings, aber unabhängig von Erfolg oder Nichterfolg; sie selber setzen die Maßstäbe. Das kennzeichnet sie untrüglicher als ihre Leistungen, die der anderen in vielen Fällen ja nicht beurteilen kann. Ihr Rang beglänzt ihre Leistung. Sie sind nicht …