Monate: April 2014

Montagsmögen

Jeden Montag (bis auf Urlaubsmontage): Zwei, die ich mag. Diese Sonnenbrille [1] beispielsweise mag ich sehr. Rosa Rahmen und rosa getönt, dass ist genau die Portion Rosarot, die ich brauche, weil sich hier alles noch ein wenig zu Grau anfühlt. Grau-rosa-Wochen lassen sich am besten starten mit der schönen Songzeile als Tages-, Wochen- und gerne auch Lebensmotto: „Lass uns doch einfach alles geben“. In voller Gänze zu hören in dem Mitschnitt eines Konzerts mit weiteren schönen Liedern und noch mehr klugen Worten von ebendieser Band.

zinsfrei

„Entspann dich und schau dich nicht allzu viel um, Antonia. Diese Leute können uns nichts anhaben. Du und ich, wir werden nie so sein, wie sie es sind und uns haben wollen. Wir werden nicht unser Leben lang Danke und Bitte sagen und aus jeder Hilfe eine Investition machen, um später etwas gutzuhaben. Ich gebe dir ausschließlich, um zu geben, und erwarte nur, dass du mir ebenfalls gibst, damit auch ich dir wieder geben kann. Wir legen keine Vorräte an, sondern tauschen ständig dieselbe Materie aus, und wie der Schnee, den man zwischen den Händen zusammenpresst, wird sie immer kompakter und fester.“ aus: Wörterbuch der Liebe von Guilia Carcasi

sehr

Sehr leicht, sehr schnell gemacht, sehr gut zu etwas Brot und Wein oder auch einfach so. Erst in Scheiben schneiden, dann kurz kochen, mit kaltem Wasser abspülen, über Nacht ruhen lassen und am nächsten Tag in Olivenöl frittieren. Mit Chili würzen oder etwas Minzpfeffer oder mit grobem Meersalz. Sehr knusprig, sehr süchtig-machend. Sehr Rote Beete Chips.

hin und weg von Roger

Roger Willemsen, für den ich schon lange  eine geheime Schwäche hege, der sowieso immer Kluges, Berührendes formuliert und mich immer wieder trifft, sagt hier etwas so Schönes über seine Beweggründe für das Schreiben: „Ich schreibe, um zu rühren. Ich schreibe, um zu amüsieren. Ich schreibe, um Kenntnisse in die Welt zu setzen. Ich schreibe, um Artenschutz für meine Art des Lebens aufrecht zu erhalten, um die Meinen zu schützen.  Die Meinen, das sind verschrobene Leute mit Minderheiteninteressen, die dann und wann impulsartig humanitär bewegt sind und die eine andere Vorstellung davon haben, wie gelebt werden sollte und die sich in Notwehr dauernd zur Welt verhalten müssen, weil sie ein Schrumpfen ihres eigenen Milieus sehen, ihres Lebensraums, ihrer Interessen, der Dinge, die sie noch wiederfinden, von dem was sie gerne hätten und mir scheint das eine sehr plausible Tätigkeit zu sein, dann tue ich alles dafür diesen Lebensraum aufrecht zu erhalten.“ Und wer ihm nach diesen Sätzen noch nicht verfallen ist, der muss nur diese Sendung sehen. Ich liebe, wie er auf die Frage, wie lange er schreibt …

auseinander

„Es ärgerte mich, dass sie mir einen Einblick in ihr Leben gab, das mir egal ist in seiner Belanglosigkeit. Es ist eine Dummheit zu glauben, Gefühle brächten einen näher, im Gegenteil, sie bekräftigen die Distanz zwischen den Menschen.“ aus: Glücklich die Glücklichen von Ysamina Reza

Kann man das essen?

Kann man das essen? Überraschungsmomente beim Essen zu schaffen, verschafft mir eine diebische Freude. So geschehen mit der Olivenerde. Eine Schicht Oliven, klein hacken. Hacken. Nicht aus Zeitersparnisgründen in den Mixer geben. Das führt einzig und allein zu Olivenpaste und lehrt einmal mehr, dass es im Leben keine Abkürzungen gibt. Ich weiß, wovon ich rede. Also mit dem Messer und von Hand ganz fein haken. Bei 180 Grad im Ofen trocknen. Für zwei Stunden. Immer wieder wenden. Cornichos ebenfalls sehr klein hacken. Buchweizen für zehn Minuten rösten und unter die Oliven rühren. Das sind die Erdkrumen. Die Cornichos ebenfalls fein unterrühren. Sie geben der Erde den Anschein, dass sie gerade frisch umgegraben sei und lassen alles leicht fallen. Würzen. Die Olivenerde ist im Geschmack sehr dominant. Eie Tasse mit kleingeschnittenem, gedünstetem Gemüse oder einer Kräutermousse bedeckt mit einer Schicht Olivenerde ist allerdings eine unschlagbare Kombination. Schnittlauch, einer abgeschnittenen Karotte, Radieschen oder Blumenkohl drauf setzen und das Ganze sorgt für den schönen Effekt. Kann man das essen? Man sollte. Denn das Auge isst zwar mit, macht aber …

aufgelistet: Nötigendes

Aus dem Berliner Journal von Max Frisch gelesen, dem die Kommunikation fehlte, das Briefeschreiben:  „… Palaver schriftlich, Kumpanei auf Distanz, kein Aufwerfen einer Frage, die einen dazu nötigt, dass man sich einen Tag lang oder eine Nacht lang hinsetzt.“ Einiges, was zum Hinsetzen nötigen könnte. Ich überlege, mich für die Insel zu bewerben weil ich Garance so mag, mag ich diese ganze Rede. Sehr. Sie mag ich auch sehr. Also ihre Bücher und konsequenterweise auch ihren Blog. eine Rede übers Glücklichsein und warum es nicht immer wichtig ist. und nein. Man kann sie nicht oft genug hören. eine so gute Ansprache darüber, wie das funktioniert mit der Kreativität. ein Artikel, der mich sprachlos hinterlassen hat. Sehnsüchtig, voller Achtung. Mittenrein.

ganz leise

Es gibt Lieder, die nehmen mir den Atem. Sie lassen mich flacher Luft holen, weil sie so schön und zart sind, dass ich Angst habe etwas zu zerstören. So fragil wie eine Seifenblase, ein Rascheln, ein lautes Ausatmen wäre schon zu viel. „Frauen verlassen“ von Kat Frankie ist so ein Lied. Ganz leise sein. Dieser ätherischen Stimme zuhören und warten bis mitten im englischen Liedtext das schöne Wort „Ernsthaftigkeit“ auftaucht. Was nur konsequent ist, weil es doch so in und mit unserer Sprache verhaftet ist, dass keine Übersetzung ihm genügen könnte. Für Please don´t give me what I want trifft das gleiche zu. Alleine des Titels wegen sollte man Luft holen, lächeln, hinhören und hin und weg sein. Tief Luft holen. Und dann nochmals von vorne abspielen.  

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Klassische Cocktails. Trinken. Schreiben. Trinkend schreibend [1]. Egal, sieht gut aus mit diesen Bleistiften. Mindestens so gut wie Wildledershorts [2], die das Zeug zum Klassiker haben. Und ein Lied von einem, von dem ich mir wünschen würde, dass ihn mehr hören. Er hat etwas zu erzählen. Einer meiner persönlchen Klassiker.

grundlos

Am Tag davor oder danach immer wieder die Frage nach dem warum. Warum? Weil es fast nichts Schöneres gibt, als Gastgeber zu sein, zu bewirten, ganz sorgsam zu sein in den kleinen Dingen und dann zu sehen, wie sie sich zusammenfügen und daraus einer dieser Abende entsteht, der nachhallt. Dagegen sind die schmerzenden Füße und der ziepende Rücken ein lächerlicher Passivposten in der Gesamtbilanz. Die richtige Frage lautet: Warum nicht?

Papierparadies

Vom neuen Typehype in Berlin habe ich schon viel gehört und für alle, die den Weg dorthin finden, sollten die Straße noch ein Stück weiter herunter Richtung Volkstheater gehen. Dort gibt es den kleinen, feinen Laden Luiban. Mit allem, was man nicht braucht. Aber was so schön ist. Farbige Briefumschläge, Letterpresskarten, die schönen Füllfederhalter, von denen ich träume, Büroklammern in allen erdenklichen Formen, Maskingtape, Geschenkpapier und mehr muss ich nicht sagen. In München gibt es das carta pura. Der Laden mit der schönsten Papierschaufensterauslage, die man sich vorstellen kann.  

schön

„Du starrst die schönen Frauen an und greifst dir unwillkürlich an die Frisur, richtest dein Kleid, was macht dich so nervös? Die Schönheit verliert an Schönheit, wenn sie nicht mit etwas anderem einhergeht, und wenn man zu dick aufträgt, erregt das nur Ekel. Hast du mal versucht, einen Löffel Öl zu essen oder eine Handvoll Salz?“ aus: Wörterbuch der Liebe von Giulia Carcasi

Osterbacken

Nicht, dass es einen besonderen Anlass bräuchte zum Backen. Beziehungsweise den gibt es ja immer irgendwie. Irgendeiner hat immer Geburtstag (irgendwo auf dieser Welt). Aber jahrezeitliches und auf Festivitäten ausgerichtetes Backen ist doch etwas Besonderes. Vielleicht weil es nur zwei Mal im Jahr die Gelegenheit dazu gibt. Weihnachten (das hatten wir schon) und Ostern. Zwei Mal im Jahr für das ganze Land die Pflicht zum Familienbesuch, Montage sind Feiertage und bescheren uns lange Wochenenden, es gibt Ferien und wenn schon alle zusammen sind, dann wird herrlichst gespeist. Wobei bei Ostern, als quasi der kleinen Schwester von Weihnachten, alles etwas bescheidener ausfällt. Nicht mit diesem Karottenkuchen. Der ist barockes Ostern, der ist praller gefüllt mit Nüssen, Äpfel und Karotten als jeder Nikolaussack und schöner geschmückt als mancher Weihnachtsbaum. Und doch frühlingshaft locker. Von leicht kann aufgrund des üppigen Butter- und Frischkäseeinsatzes keine Rede sein. Aber es ist der schönste, leckerste Anlass zum Backen und der Kuchen für ein Osterfest, das den Namen wirklich verdient hat. Das Rezept ist aus Aus Liebe zum Kochen und dem Blog photisserie.