Monate: Juni 2014

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Nicht für immer, aber mal ausprobieren. Nicht irgendwas, sondern mit Stil und in Anführungszeichen. Für immer sollte gelten: Träumer sein, Macher sein, Denker sein und überall Möglichkeiten sehen. Eine, die das tut und glänzend und begeistert darüber gesprochen hat, ist hier zu hören und zu sehen.

das eigene Spiegelbild

„Ist das Foto von einem Ereignis am Ende mehr oder weniger wert als die paar Sekunden, die wir nicht hingeguckt haben, um die richtige Schärfe der Kamera einzustellen? Und was ist eigentlich überhaupt noch das wirkliche Geschehen: Das Ereignis oder das Foto? Ist es vielleicht auch eine Illusion, dass man gleichzeitig durch die Linse schauen, ablichten und dazu noch hinsehen kann? Kann man überhaupt gleichzeitig leben und übertragen? Könnte irgendwer von uns noch leben, ohne zu übertragen? Und wenn nicht: Worauf soll sich unsere Verpassensangst richten? Darauf, dass wir selbst den Moment verpassen, oder darauf, dass andere nichts von ihm mitbekommen? Wem sollen wir unsere Energie und unsere Aufmerksamkeit mehr widmen? Dem Moment oder seiner Verdoppelung? Und gibt es uns, wenn wir ihn verdoppeln, nicht irgendwann auch doppelt? Oder sind wir etwas schon jetzt in zwei Teile aufgebrochen? Und wenn ja: Welcher Teil ist der wichtigere? Und wen gehören überhaupt all diese Augenpaare, die uns ständig beobachten? Wer sind all diese Gesichter in unserem Spiegellabyrinth?“ aus: LG;-) Wie wir vor lauter Kommunizieren unser Leben verpassen …

50 shades of Grün

Wie viel Grün verträgt das Auge? Die Farbe, die das Auge beruhigt, die Kräfte sammelt und Regeneration bringen soll. Sie soll das Auge nicht anstrengen, sondern stärken, weil es sich ausruhen kann. Urlaub in Irland. Das ist mehr Grün und so viel Grün und immer anderes Grün, dass nicht nur die Augen sondern auch der Rest des Menschen zur Ruhe kommt. Eine Landschaft, die an die sattgrünen, mit Kunstgras überzogenen Berge von Spielzeugeisenbahnlandschaften erinnert. Das tiefgrüne, dunkle Moos und schillernde Farbenspiele. Das sind Felslandschaften und dazwischen das hellgrüne Gras. Gras, Gras und noch mehr Gras und nur die Schafe die dort grasen, weil das Land sonst nicht mehr hergibt. Das sind die Eichenwälder. Mächtige Bäume und dann wieder Farne. So viel Grün in allen Nuancen. Und wahrscheinlich hat sie abgefärbt, diese freundliche Farbe auf die Menschen. Wie freundlich und fröhlich sie sind. Wie vieles immer „lovely“ ist. Und ja, das ist es und ich kann mich daran nicht satthören. Alles ist lovely und das Wetter gleich heavenly und die Iren so zugewandt und gastfreundlich. Vielleicht weil …

Spargel, Erdbeeren, Salat und Pinienkerne

Solange es noch geht. Sich die letzten schnappen: Die Erdbeeren und den Spargel. Das-Beste-vom-Sommer-Salat Entdeckt bei Joanna *500 Gramm grünen Spargel *500 Gramm Erdbeeren *eine Handvoll Pinienkerne *frisch gepresster Saft einer halben Orange *4 Esslöffel weißer Balsamicoessig *6-8 Esslöffel Olivenöl *Meersalz und Orangenpfeffer Den Spragel schälen, dritteln und kurz mit etwas Öl anbraten. Die Erdbeeren kleinschneiden.Die Pinienkerne anrösten. Alle Zutaten für das Dressing gut vermischen und unter den Spargel, die Erdbeeren heben und mit Pinienkernen bestreuen. Esst, so lange Ihr noch könnt.

intensiv

„Was also ist es, das einen Augenblick intensiv macht? Das Herzeigen oder das Verbergen? Das Blitzlicht oder das Dunkle? Die große Bühne oder der blickdichte Vorhang? Was gibt unseren Momenten Gewicht? Und was lässt sie, andersherum, leicht werden, so leicht, dass sie nur flüchtig an uns vorbeiziehen, obwohl wir sie doch eigentlich gerade erleben? Wann verpassen wir einen Augenblick? Rinnt er uns durch die Finger, wenn wir ihn tatenlos vergehen lassen? Oder entwischt er uns, gerade weil wir krampfhaft versuchen, ihn festzuhalten? Wird unser Leben gelebter, bedeutender, einzigartiger und erfüllter, wenn wir pausenlos darüber sprechen, es kommentieren, es abfotografieren, beschreiben, hochladen, markieren und für immer irgendwo speichern? Oder ist das wahre, das richtige, wichtige Leben das, was passiert, wenn wir schweigen und gar keiner hinguckt? Leben wir bewusst genug, wenn wir all die Momente, die, aneinandergereiht, unser Leben ausmachen, nicht ganz fest packen und miteinander teilen? Oder leben wir sie gerade deshalb nicht bewusst genug, sondern immer nur unkonzentriert, weil wir andauernd so busy damit sind, sie zu packen und miteinander zu teilen?“ aus: LG;-) …

Fernseh schauen

Falls das Wetter schlecht ist, Pistazien nehmen und diese zwei Filme sehen. Ich mochte sie beide sehr. * diesen Film über die Finanzkrise. Ich wollte ihn damals schon im Kino sehen und hatte es aber verpasst. Er ist differenziert und lässt in eine Welt blicken, die sonst so fern und verschossen ist. Und das tut er auf eine gute Art. Er beobachtet und lässt erzählen, er betrachtet die Situation und das nur wenig wertend. Was sonst passiert, die einfache, schnelle Kritik, in der der eine Schuldige sofort ausgemacht ist  – all dies passiert nicht. Dafür fällt ganz oft der Satz „das ist menschlich“ und es diese menschliche Perspektive, die den Film trägt. Er verweist auf eine Komplexität, die sich bedingt und die Akteuere und wie etwas nicht per se schlecht ist, aber zu etwas Schlechtem werden kann. Er zeigt auf, wie es kam, wozu es kam, warum sich vieles bedingt. Und so lässt sich nachvollziehen viel wichtiger vielleicht noch, nachfühlen, was mit pauschaler schwarz und weiß, gut und böse-Aufteilung nicht gelingt. Er heißt nicht gut, aber …

Wanderer zwischen den Welten

„Wenn es doch bloß nicht immer so furchtbar anstrengend wäre, unsere beiden Ichs zu koordinieren. Denn dass es am Ende dann eben doch nichts anderes als ein Doppelleben ist, das wir da führen, merken wir eigentlich nur immer dann, wenn uns die wahnsinnige Energie, die es uns kostet, ständig beide Bühnen gleichzeitig zu bespielen und all die Rollen auf ihnen simultan zu bespielen, kurz einmal verlässt. Wie sehr unsere Welt in zwei Teile geteilt ist, fällt immer dann auf, wenn uns das ganze Theater, das wir uns da angelacht haben, kurz einmal über den Kopf wächst…. In diesem Moment wird sie dann plötzlich auch doch wieder mehr als offensichtlich: unsere Zerissenheit. … Denn es liegt eben nicht alles, wie es uns diese begeisterten Berichte vom Leben ohne Internet vorzuleben versuchen, am On/ Off-Knopf unserer Geräte. Anders, als sie es schildern, würden wir einfach nicht mehr vollständig, wenn wir einfach den Stecker zögen. Im Gegenteil. Denn die wahre Wirklichkeit, sie ist doch schon lange nicht mehr deckungsgleich mit der Fläche dieses romantisch verwunschenen Landes namens Offline. …

aufgelistet: über Arbeiten und Tun

Es gibt viel zu tun. Zu lesen, zu recherchieren, zu verstehen, zu analysieren, Zusammenhänge zu erkennen und wenn dann auf einmal Sinn macht, was vorher keinen gemacht hat, dann ist das eines der großartigsten Gefühle, die es gibt. ein Satz von Maya Angelou, der mich getroffen hat in seiner Schlichtheit und Wahrheit. eine Seite, über Menschen, die das, was sie machen, gerne machen. Geschichten über Moderatoren, Fußpfleger oder den Schriftsteller Sasa Stanisic. Habe mich festgelesen in den Interviews, weil nur die von Work-Life-Balance reden, die das Glück nicht kennen, das im Tun liegen kann. beeindruckend, aber auch ein wenig Angst machend, wenn man das schon mit 15 weiß, was man tun will. ein Text übers Arbeiten und Generationen. Das mit dem Einteilen in die vor 1982-geborenen und die 25-35 gefällt mir so gar nicht. Vielleicht weil ich da schon wieder eine Schublade sehe und in die, will ich weder reinpassen, noch reingesteckt werden. Aber was sie über das Arbeiten sagt, das sollte für jedes Alter gelten. ein Lied, darüber was zu tun ist ein Interview. Immer wieder …

bis ins letzte Detail perfekt

Oft ist es nur die Kleinigkeit. Aber immer die alles entscheidende. Etwas fehlt oder sitzt noch nicht richtig und auf einmal fügt es sich dann und dann ist es klar, so ist es gut. So und genauso muss es sein. Erdbeeren um diese Jahreszeit bedürfen wenig. Weil sie erst jetzt so süß sind und saftig. Wenn jetzt noch Balsamico dazukommt, dann ist da auch ein Hauch von Schärfe und Bitterkeit, ein wenig Salz und Pfeffer. Wenn das Ganze dann noch warm ist und sich ein Erdbeermarmeladen-Duft durch die ganze Wohnung zieht, dann, ja dann, ist es perfekt. So gut, wie es besser nicht geht. Doch. Die herrlich erdbeerote Jackson Pollock-Optik fürs Auge. Die, die hat noch gefehlt. Geröstete Erdbeeren [von Susanne inspiriert und von hier nachgekocht] * eine halbe Schale Erdbeeren * 2 Teelöffel Ahornsirup * 1 Teelöffel Olivenöl * 1/4 Teelöffel Meersalz * 1 Teelöffel Portwein * ein wenig Balsamicoessig Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Die Erdbeeren vierteln. Ahornsirup, Olivenöl und Salz vermischen. Über die Erdbeeren geben und vermischen. Bei 180 Grad für dreißig Minuten in den …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Alles auf den Kopf stellen, sein Ding machen und gerne auch mal das Gegenteil von dem, was sie alle erwarten [1]. „What if I fail? But oh, my darling, what if you fly?“ Zweitens: Mich völlig unvernünftig, leicht kopflos schon einmal in den Sale stürzen [2]. Außerdem: Ein Lied, so ruhig, schlicht und klar, dass es alles gleich wieder gerade rückt.

aufgelistet: nicht immer leicht zugängliches

Der Preis für das fotogenste Gemüse geht immer wieder an die Artischoke. Was so biestig aussieht, schmeckt zwar bitter, aber auch so zart. Nicht immer leicht zugänglich, aber dass sind sie ja oft nicht, die guten Sachen. getroffen hat mich die Nachricht und sie tut es immer noch. Es fühlt sich weniger gut aufgehoben an. Auf eine seltsame Art und Weise erlebe ich es als beruhigen an, in einem Land zu leben, in dem solche Denker und freien Geister etwas zu sagen haben und ständig hinterfragen. Als würde da jemand schon gut aufpassen auf uns. Und der fehlt jetzt. dankbar einer Seite für zwei Mal einfach schöner gesagt: Weg mit bemerkenswerten Sätzen und her mit Wordporn. Blogger hat sich für mich noch nie gut angehört, Berufskommentierer dagegen nehme ich sofort. Außerdem von ihm und großartig: „In the morning when I wake up I look like desigual.“ angetan, wenn gutes Design auf gute Fotos trifft, kommt ewas heraus, was mehr ist als eine Fotomappe. immer zu haben für antizykliches Liedgut: Soon it will be cold enough to build fires. begeistert von Shrigley in der Pinakothek der Moderne und neugierig auf eine andere Sicht auf …

die Sache mit der Ehe

Das überhaupt Schönstmöglichste und Ehrlichste und Klarste über die Ehe gelesen: „Der Sinn der Ehe ist nicht mehr aus früheren Vorgaben zu beziehen, vielmehr wird es zur Aufgabe der Beteiligten selbst, ihr Sinn zu geben, mit ihr wiederum dem Leben: Beispielsweise, um im Anderssein, das einer für den Anderen ist, eine größere Spannweite des Lebens zu erfahren, sich wechselseitig eine Ressource, eine immer neue Quelle von Kraft zu sein, ein Schutz um mit den Stärken des Einen die Schwächen des Anderen abzuschirmen, ein Ansporn, um sich weiterzuentwickeln und Dinge gemeinsam zu verwirklichen, ein Ärgernis, um negative Energien beieinander loszuwerden, ein Anlass zu Auseinandersetzungen, die den eigenen Kern berühren und ihn damit spürbar machen, eine frei gewählte Schicksalsgemeinschaft, um den Weg durchs Lebens nicht alleine zu gehen.“ aus: Dem Leben Sinn geben von Wilhem Schmid

über die Einsamkeit

„Einsamkeit. Man weiß instinktiv, dass sie mehr an Befriedigung bereithält als andere Zustände, aber trotzdem ist sie schwierig. Und außerdem, wie soll man zwischen Zuständen unterscheiden, die wertvoll sind, die uns trotzt ihrer Unbequemlichkeit Kraft geben und zu großen Dingen treiben, und den anderen, denen man besser ausweichen sollte? Welche sind kostbar und welche nicht? Warum ist es so schwer, allein glücklich zu sein? Warum ist es unmöglich? Warum werde ich, wann immer ich nichts zu tun habe, manchmal sogar, wenn ich mitten in einer Beschäftigung stecke, langsam, aber unvermeidlich zum Opfer dessen, was sie tun, der Kraft ihrer Handlungen ausgeliefert?“ aus: Ein Spiel und ein Zeitvertreib von James Salter

gefühltes Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Der Feiertag macht, dass sich der Dienstag anfühlt wie ein Montag. Rote Lippen und rote Nägel [1] fühlen sich an jedem Tag der Woche gut an. Ebenso wie Espardrilles [2] an den Füßen. Was sich auch gut anfühlt: Ein Lied wiederzuentdecken. Eines, an dem man sich schon satt gehört hatte, so satt, dass es fast vergessen war. So wie dieses hier. Und auf einmal ist es wieder da. Fast wie neu fühlt es sich. So gut.

3 x Melone, bitte

Einpacken. Kiloweise. Wenn das erste Eis den Frühling ankündigt dann ist Wassermelone das Mittagsgeläut des Sommers. Wir sind mittendrin. Zum Strandbad mitnehmen, die Finger klebrig suhlen, die Kerne ausspucken. Oder aber in einen Salat packen mit Feta, grünem Spargel und gerösteten Cashwekernen. Oder in eine Suppe mit Tomaten und einem Schuss Tabasco. Zum Nachtisch als Granita mit einem kleinen oder etwas größerem Hauch Wodka. Die Zurückhaltung kann einpacken. In Sachen Melone auf jeden Fall.