alles sonst so, lesen
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von Anfang an: gut

121Es ist doch niemals von der ersten Sekunde an gut. Da muss man die Erwartungen schon herunterschrauben. Ein wenig Zeit geben. Es braucht eben ein wenig, bis man warm wird miteinander. Auch bei Büchern. Gerade bei Büchern. Ein paar Seiten sind nötig, um anzukommen. Im Buch, in der Geschichte und der Sprache, die immer wieder eine andere ist.

Beim Vorwort gilt es sowieso ein Auge zuzudrücken. Die Bedeutung desselbigen hat sich mir sowieso noch nicht erschlossen. Ich kaufe ein Buch, weil sich der Klappentext gut liest, weil mir jemand gesagt hat, dass es ein gutes ist und auch oft weil mir ein Empfehlungsmechanismus beim elektronischen Buchhändler es vorgeschlagen hat. Auf jeden Fall ist es gekauft und dann liegt es lange auf Stapeln herum und irgendwann dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, ich will es lesen und dann ist da dieses Vorwort, in dem ein anderer mir meistens sagt, dass dies ein gutes Buch ist. Davon gehe ich schon aus, sonst würde ich es ja nicht gerade lesen wollen und außerdem mir lieber selbst eine Meinung darüber bilden. Auf jeden Fall ist das Vorwort so eine Sache und ich lese es natürlich trotzdem, weil ich so einen Lesezwang habe, der mich dazu zwingt auch schlechte Bücher zu Ende lesen, weil doch vielleicht auf der letzten Seite noch etwas kommen könnte, mich unglaubliche Sätze überraschen oder verwirrte Erzählstränge sich zusammenfügen könnten oder einfach weil ich selbst das schlimmste Buch doch irgendwie liebgewonnen habe und nicht mittendrin aufgeben mag. Also lese ich das Vorwort und erwarte nicht viel. Beim diesem Buch mochte ich selbst das Vorwort.

Es war von der ersten Seite an gut. Vom Vorwort an. Da versuchte einer nicht mit der üblichen Abgeklärtheit und völlig unnötiger Distanz zu erklären, warum dies ein gutes Buch ist, sondern schreibt über das Schreiben von Geschichten, in dem man versucht sich selbst näher zu kommen, im Leben der anderen, über die man schreibt, sich selbst zu finden. „Ein bisschen Wirklichkeit, gespiegelt durch das eigene Temperament“ und die Wirklichkeit von Marc Fischer ist so glänzend und melancholisch und doch irgendwie heiter und nachdenklich machend. Es sind kleine Geschichten und Alltagsgeschichten, Reportagen, Hirngespinste und Erfundenes und Wirklichkeit waren noch nie so nah beieinander wie hier. Wer nach Objektivität ruft, hat sie nicht verstanden, die Wirklichkeit und wer noch reist, hat es noch nicht entdeckt und das sind keine Widersprüche.  Ein Buch, das mit dem Vorwort beginnend und von der ersten Seite an einen kleinen Sog entwickelt. Als käme ein alter Freund zu Besuch. So unkompliziert, so vertraut, so schon längst alles geklärt.
Von der ersten Sekunde an gut. Dieses Buch.

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