Monate: Oktober 2014

wenigstens darauf ist Verlass

Dieses Jahr ist schon jetzt so vollgepackt mit Neuem. Es passiert so viel und ich komme nicht hinterher. So oft die Gelegenheit beim Schopfe gepackt in den letzten Monaten, dass es wenigstens beim Essen Verlässlichkeit sein muss. Der Glasnudelsalat enttäuscht nicht. Niemals. Man kann ihn an fünf Tage hintereinander abends zusammenrühren und jedes Mal schmeckt er wieder neu. Ich habe es ausprobiert. Verlässlich gut. Verlässlich guter Glasnudelsalat [beim Fräulein, ursprünglich von hier] * 1 Packung Glasnudeln * Olivenöl * 400 Gramm gemischtes Hackfleisch * 2 gehackte Knoblauchzehen * 3 Teelöffel Masala * 2 große Teelöffel geriebener frischer Ingwer * 3 Teelöffel brauner Zucker * 1 Bund Frühlingszwiebeln in dünnen Ringen * 5 Esslöffel frischer Limettensaft * 3 Esslöffel Fischsoße * 2 Chilischoten * 1 großer Bund frischer Koriander Das Hackfleisch mit etwas Öl scharf anbraten. Salz, Pfeffer, Masala, den Knoblauch und Ingwer hinzugeben. Schließlich den Zucker hinzufügen, bis er schön kristallisiert. aufgelöst hat. Die Nudeln für zwei bis drei Minuten in heißes Wasser geben. Abtropfen und das Hackfleisch unterrühren. Frühlingszwiebeln, den Limettensaft, Fischsoße, die gehackten Chilis und etwas Öl in einer Schale vermischen und über …

Bücher. Zehn.

Das mit den Eiskübeln ging an mir vorbei. Die Frage nach zehn Büchern nicht. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera. Allein den Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und darin steckt sie schon, die Poesie, die wunderbare, die sich durch das Buch zieht. I.M. von Connie Palmen und alle ihre Bücher. Connie Palmen schreibt Sätze, die so unmittelbar sind und so treffend, dass ich zusammenzucke, weil ich mich erkannt fühle. Sie benennt Dinge, die ich umschiffe und diese sezierende Ehrlichkeit ist so entwaffend und befreiend und wahr. So viel ärmer wäre ich, hätte ich ihre Bücher nicht gelesen. Montauk von Max Frisch. Was ein Buch. Und natürlich Stiller für die schönste Passage, die je geschrieben würde über das Leben als Paar. Ach, und alle seine Tagebücher. Wie ärgere ich mich, dass so viele durch die Schullektüre von Homo Faber die Lust verloren haben auf diesen Schweizer Autor, den alle Welt lesen müsste, weil er so viel zu sagen hat. Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben: Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte von Andre Comte-Sponville. Ich …

Montagsdienstagsmögen

Jeden Montag oder manchmal auch Dienstag: Zwei, die ich mag. Emerson Fry. Wie gut, dass sie nicht nach Deutschland liefert. Es ist klassisch, es ist grandios, es ist so, dass ich den gesamten Shop leerkaufen könnte. Ebenso zeitlos diese Uhr. Und so ein wenig zeitlos täte gerade ganz gut, da die Zeit verrinnt und viel zu schnell läuft und bald schon Weihnachten ist.

aufgelistet: Innenperspektive

Zu Hause in der digitalen Welt bin ich. Das predige ich immer denen, die nur von außen betrachten und sich Urteile anmaßen. Aber als eine, die drin ist (und alt genug diesen schlechten Kalauer zu verstehen) und nicht wieder raus möchte, stelle ich mir doch immer wieder die Frage. Ob ich sie noch habe, die Kontrolle. Denn ich bin mir durchaus bewusst, dass ich sie nicht in der Hand habe und weiß darum, wie schnell man sie verlieren kann. Und was es mit mir macht, dieses alles. Noch suchend, immer hinterfragend, aber mittendrin, statt nur außen vor. Nachdenkenswertes: sieben Sünden. Die digitalen. Schon länger, immer, immer wieder gesehen. Jede einzelne. Und mich erkannt, manchmal ertappt gefühlt. Das süchtig-machenden Likes-Sammeln, das bestätigt Fühlen, das hier aber nicht da sein-Gefühl. Andere sind immer schöner, klüger, glücklicher. Nur dass man jetzt noch so vielen mehr dabei zusehen kann und jeder seine 15 Minuten hat. Optimier dich doch selbst, Du Opfer. Ein Text, der beschreibt, wozu es führen kann. ein Lied, dass es gut zusammenfasst und das ich so gerne mag. dieser …

Abendstudium für ein besseres Weltverständnis

Ich habe es noch nicht ausgelesen. Aber wie sehr ich es schon jetzt mag. Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt, dieser Frau, die so schön ist und mit Paul Auster verheiratet und auf diese unglaublich Weise klug. Ich lese ihre Essays, einen nach dem anderen und schüttle immer den Kopf über ihr Wissen und ihre Neugier, was sie sich angelesen und angeeignet hat, wie sie verstehen will und begreifen, so unermüdlich wissensdurstig. Das lässt mich staunen. Immer wieder. Sie schreibt über das Lesen, neun Seiten lang und ich bleibe verwundert zurück, weil sie Aspekte beleuchtet und einen Blickwinkel wählt, der mich das, was ich zu kennen und zu wissen glaubte in anderem Licht sehen lässt. Die Essays, die kleinen Geschichten handeln nicht von den großen weltpolitischen Themen, sondern von Büchern, dem Verhältnis zur Mutter, über Blumen, über Frauen und Bildung oder Migräne. Sie tut dies mit einer unglaublichen Bildung, die so selten zu finden ist heute, vielleicht weil sie Zeit braucht. Sie verbindet ihr Wissen über Kunsttheorie, Literaturwissenschaften, Psychoanalyse, Philosophie und Neurowissenschaften, verknüpft dies und auf einmal erscheinen …

zitronig auftanken

Ausgewrungen wie eine Zitrone. Ein wenig leer. Antrieblos. Aber Tarte. Tarte geht immer. Zitronentarte [aus: Aus Liebe zum Kochen] * 140 Gramm Butter * 1 Prise Meersalz * 75 Gramm Puderzucker * 25 Gramm gemahlene Mandeln * 1 Vanilleschote * 1 Ei * 200 Gramm Mehl ……………………………. * 3 Zitronen * 175 Gramm Butter * 120 Gramm Zucker * 2 Eier Butter, Salz, Puderzucker und Mandeln schaumig rühren. Das Mark der Vanilleschote unterrrühren. Die Eier unterheben und zum Schluss das Mehl. Es soll gut verrührt sein, aber nicht überrührt. In Frischhaltefolie packen und über Nacht in den Kühlschrank. Den Backofen auf 160 Grad vorheizen. Den Teig ausrollen und blind backen für ungefähr zwanzig Minuten. Währenddessen die Zitronen schälen und die Zitronen auspressen. 120 Milliliter abmessen und mit dem Zucker, den Zitronenschalen und den Eiern unter Rühren aufkochen lassen. Die Hitze runterdrehen und kurz weiterrühren bis es andickt. Durch ein Sieb pressen und den Sud gemeinsam mit der Butter cremig rühren. Die Creme auf den ausgekühlten Teigboden gießen und für eine Stunde kühlen. Stück für Stück genießen …

Auf die Merkliste für immer

Es gibt viele schöne Sätze in Okka´s Buch. Aber diese haben es mir besonders angetan. Keine Sätze streng genommen, sondern drei Punkte. Sie stammen aus einer Liste mit Dingen, die sie ihrem Kind irgendwann einmal zeigen möchte und diese drei sind so sehr meine. Ich habe sie auch auf meiner Merkliste für immer. Über all den Kleinigkeiten, möchte ich die großen nicht vergessen. Wie grandios Faulheit ist. Und wie grandios es ist, sich anzustrengen. Für das Eigene. Für das, was einem wichtig ist. Egal, wie weit man damit kommt. Dass es nicht darauf ankommt, ob man ein Angsthase ist. Nur auf den Versuch, es in den wirklich wichtigen Dingen ein bisschen weniger zu sein.

die blödste und beste Idee überhaupt

Ich bin heute 30 Kilometer gelaufen. 42,195 hätten es sein sollen. Das war die blödeste und beste Idee seit langem. Ich war vollkommen unvorbereitet. Nicht ganz, ich habe Murakamis Buch über die Parallelen zwischen Laufen und Schreiben nochmals gelesen. Aber rein körperlich, habe ich weder Übungssequenzen eingehalten und seit fast einem Monat noch nicht einmal meine 10-km-Läufe geschafft, weil Beruf und Studium einfach zu viel waren. Eine Woche vorher hat mich dann noch eine Grippe vollkommen erwischt. Aber ich hatte es mir in den Kopf gesetzt. Seit Jahren wollte ich einmal einen Marathon laufen. Hatte mir auch schon munter Trainingspläne heruntergeladen, aber dann kam immer das dazwischen, was eben so das Leben ist. Dann bin ich gelaufen. Es war eine einzige Quälerei. Ich wusste, dass ich den Halbmarathon ganz okay schaffen würde und das alles danach ein Experiment wäre. Ich habe jeden Anfängerfehler gemacht, den man nur machen kann. Nichts abklebt, mit neuen Schuhen gelaufen, zu warm angezogen. Aber ich bin gelaufen. Die letzten vier Kilometer eher gegangen und gehumpelt. Aber es war mir egal. Ich bin körperlich fertig, wie …

gesunde Mutterliebe und große Buchliebe

Die Grippe hatte mich erwischt und ich war fertig wie lange nicht mehr. Glieder schwer, der Kopf dick, der Hals kratzt und jede kleine Bewegung einfach nur zu viel. Ans Bett gefesselt, weil alles andere zu anstrengend wäre. Alleine mit mir und dem Buch, dass ich gleich bestellt hatte, als ich davon erfahren habe. In zwei Tagen gelesen. Und genesen. Ich glaube fest daran, dass dieses Buch Anteil daran hatte. Es wurde mir so warm ums Herz und ein klein wenig feucht in den Augen. Mutterliebe. Diese große, unumstößliche schwappt einem in voller Wucht entgegen und hüllt einen ein. Geborgenheit fühlen mit einem Buch. Dieses Gefühl, das man als Kind hatte an Samstagsabenden gebadet und eingewickelt in ein viel zu großes Badetuch, leicht matt vom heißen Wasser auf dem Sofa sitzend, meine Mutter in der Küche und mein Vater irgendetwas schreibend oder sortierend im Hintergrund ein Fußballspiel im Radio oder Barock-Musik. (Beides Dinge, die ich auch heute noch nur kurz hören muss, um hoffnungslos melancholisch zu werden) Diese Geborgenheit aus Kindertagen, in denen man noch …

dahinter sehen

Roger Willemsen schreibt täglich zur Buchmesse und lässt einen so teilhaben an diesem Spektakel mit dem ihm so ganz eigenen Blick. Wie ich seinen heutigen Text aufgesogen habe. Er handelt nicht von Büchern, sondern von den Schreibenden. Und diese Achtung vor den Autoren, vor den Menschen hinter dem Geschriebenen, die würde ich mir so viel öfter wünschen und die lässt mich ihn noch mehr mögen, falls dies überhaupt möglich ist. „Ich sitze am Tisch zwischen Menschen, die alle gute Gründe gefunden haben, ihr Leben Büchern zu widmen. Mein Glück liegt gerade darin zuzusehen, wie die Bücher aus ihnen heraus scheinen, die schon geschriebenen und die noch nicht entfalteten. Judith Hermann spricht unangestrengt, doch bewusst, das heißt voller Skrupel. Auf die Weise, wie ihr Gedanken und Worte kommen, verrät sich selbst im Sprechen das jahrelange Arbeiten an haltbaren Sätzen. Sie muss eine ethische Provokation gewesen sein vor allem für Männer mit einem ordinären Verhältnis zu Sätzen. …Und ich denke, selbst wenn diese Menschen und ihresgleichen scheiterten, unverstanden blieben, dann wären da eine Integrität und auch Zartheit, die sich …

ohne große Worte: Das Frühstücksei

Lieblingsfrühstück derzeit. Dem ist nichts hinzuzufügen. Croque madame [nach einem Rezept von hier] * ungesundes Toastbrot. Die ganze Ladung Kohlenhydrate und Weizen * 1 Ei * etwas Butter * 1/2 Esslöffel Greyerzer Sauce Mornay * 1/2 Esslöffel Butter * 1/2 Esslöffel Mehl * 100 Milliliter Milch * 1/4 Teelöffel Dijon-Senf * 1/4 Teelöffel Muskatnuss (gerieben) Für die Sauce Mornay, die kann aber nicht muss einfach die Butter in einem Topf schmelzen. Das Mehl langsam einrieseln und alles zu einer glatten Mehlschwitze verrühren. Kurz abkühlen lassen. Die Milch langsam einrühren und den Topf wieder auf den Herd stellen. Senf und Muskatnuss einrühren und alles bei mittlerer Hitze nochmals zehn Minuten köcheln lassen. Dabei regelmäßig umrühren, damit die Sauce nichtansetzt. Ist die Sauce dick und cremig, den Topf vom Herd ziehen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Rinde vom Toastbrot entfernen und die Scheiben mit einem Nudelholz flach rollen. Von beiden Seiten mit flüssiger Butter bestreichen. Die Scheiben in eine Form legen und mit dem Boden eines kleinen Glases in die Form drücken. Das Ei in die Mulde füllen. Sind die Eier zu groß, …

Montagsdienstagsmögen

Jeden Montag, manchmal auch am Dienstag: Zwei, die ich mag. Dieses Bild von Todd Jordan [1], so schlicht und ruhig und doch klar in der Sprache. Und ein neues Kochbuch [2]. Von Sunday Suppers, deren schöne und schlichte Essen, ich so mag. Und statt eines Liedes, einen Satz wiedergefunden, den ich mir herausgeschrieben habe, der mich in seiner Klarheit und Schönheit berührt hat. „Er fordert mich. Das ist eine Auszeichnung, so wie er es macht; er fordert nicht wie so viele Kluge, um sich bestätigt zu sehen, wenn der andere den Forderungen nicht genügt; er fordert mich aus Hoffnung.“ aus: Aus dem Berliner Journal von Max Frisch

wiedervereinigt

Ich bin zu spät dran. Aber das war ich schon damals. Was diese Wiedervereinigung bedeutet oder bedeuten könnte, habe ich erst in Südafrika verstanden. Mein Zimmer dort teilte ich mir mit zwei Südkoreanerinnen, die mir immer wieder sagten, dass es ihnen Hoffnung machen würde, was in unserem Land passiert, für ihr eigenes. Da war der Mauerfall schon fast zehn Jahre her. Gestern musste ich wieder daran denken. Deutschlandfunk gehört, diese herrlich aus der Zeit gefallen Art des Radio und diese Ungeheuerlichkeit vielleicht wieder ein Stück mehr verstanden, die irgendwie an mir vorübergegangen ist, weil ich keine Berührungspunkte hatte in meinem Leben und einfach zu jung war. Und immer noch kenne ich zu wenig und weiß zu wenig. Mit diesem Lied im Ohr und der Erinnerung an ein Buch komme ich ihm näher. Besser spät als nie.