Monate: November 2014

vom Festhalten

Fotografie möchte den Moment festhalten und bewahren. Bewahren für alle Zeit. Und wenn die zu Ende geht, dann bekommt dieses Festhalten eine ganz eigene Bedeutung. „Gärtners Reise“ von Sibylle Fendt hat festgehalten. Und es ist eines dieser eindringlichen Bildbänder, die Bilder hinterlassen, die einen nicht loslassen. Die Fotografin begleitet Lothar und Elke Gärtner auf einer Reise mit dem Wohnwagen. Es wird ihre letzte sein, denn bei Elke Gärtner wurde eine schwere Form von Demenz diagnostiziert. Ihr Leben lang waren sie gemeinsam mit dem Wohnmobil durch Europa gereist. Nur das Baltikum. Das hatten sie noch nicht gesehen. Die Fotografin Sibylle Fendt hält Bilder fest, die so eindringlich, so nah sind und dabei immer respektvoll bleiben. Sie touchieren diese Angst vor dem Altern, dem nicht mehr Herr seiner selbst sein und es zerreißt einen nicht, weil sie liebevoll eingerahmt sind und sie getragen und begleitet. Bilder, die das Altern und Verlieren festhalten, habe ich vor Jahren schon gesehen und noch immer im Kopf. Phillip Toledano, der die letzten Tage mit seinem Vater auf Bildern einfängt. Diese sind von einer Schönheit, Verletzlichkeit, Nähe und Würde, die …

wieder entdeckt

Auf der Suche nach ich weiß es nicht mehr so genau, eine Essay von Watzlawick wiederentdeckt. Und was er über Konstruktivismus sagt, trifft den Kern für mich gerade so genau, wie kaum etwas anderes. Es rückt in Perspektive, es ordnet ein, es nimmt den Menschen nicht aus der Verantwortung und befreit zugleich. »Ich behaupte, wenn es Menschen gäbe, die wirklich zu der Einsicht durchbrächen, daß sie die Konstrukteure ihrer eigenen Wirklichkeit sind, würden sich diese Menschen durch drei besondere Eigenschaften auszeichnen. Sie wären erstens frei, denn wer weiß, dass er sich seine eigene Wirklichkeit schafft, kann sie jederzeit auch anders schaffen. Zweitens wäre dieser Mensch im tiefsten ethischen Sinn verantwortlich, denn wer tatsächlich begriffen hat, dass er der Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit ist, dem steht das bequeme Ausweichen in Sachzwänge und in die Schuld der anderen nicht mehr offen. Und drittens wäre ein solcher Mensch im tiefsten Sinne konziliant.« Beim schlichten Avocado-Brot ebenfalls wieder gelandet. Vergessenes wieder hervorkramen. Ein Hoch auf das Revival.

aufgelistet: was einem so über den Weg läuft

Die Ausstellung ist leider schon vorbei. Hans Op de Beeck, von dem ich nie gehört hatte, der mir aber seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Selten hat ein Museumsbesuch so viele Spuren hinterlassen. Jedes Werk, jeder Raum, jede Installation – immer etwas, das an den Grundfesten rüttelt, ganz sanft. Einmal mit allen Gefühlen und Ängsten gespielt, durchgewalkt, Bilder im Kopf erzeugt, die dort festsitzen und nicht rausgehen. Ein wenig nachfühlen, kann man es vielleicht mit diesem Video oder einem, das mit den Sinnen spielt und die Augen öffnet. Beige. Die Unfarbe. Eine herrliche Dokumentation, die der Frage nachgeht, warum bei älteren Menschen im Zweifel gilt: In doubt, wear beige. meiner Lieblingsbuchhandlung in Berlin geht es nicht gut. Weihnachtsbücher dort bestellen. Weil es so schade wäre. das würde ich zu gerne ausprobieren und weil schon auf Ewigkeiten ausgebucht, bis dahin große Lust dem Tomaten-Crumble zu versuchen. noch so ein Lied. Das mir nicht aus dem Kopf geht. muss ja nicht immer lang sein. Ein Kurzfilm über Fotografie, in dem so viel steckt.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Mir wäre der Sinn gerade danach ein wenig unterzutauchen, abzutauchen, alles vorbeiziehen zu lassen. How to avoid everything quasi. Nur für eine klitzekleine Weile {1}. Und nach einem Karo-Hemd steht der Sinn ebenfalls. Die Freiheit des Cowboys nicht leben, aber wenigstens tragen. Der Ausbruch im kleinen. Und ein Lied. „So if i were you, i had a little trust.“ Nie verkehrt. In diesem Sinne.

nah dran

In einem dieser Träume, von denen ich nie einem erzähle, weil ich so groß nicht denken wagt, hatte ich immer ein kleines Café im Kopf. Meinen eigenen Ort. Das habe ich nicht verfolgt, weil ich sehr wohl weiß, dass die Realität anders aussehen würde als meine Tagträume. Doch jetzt bin ich ein wenig, ein klitzekleines bisschen beteiligt an einer Bar in München. Sie ist so, wie eine Bar wäre, hätte ich sie mir erträumt, wäre sie meine. So wie solche Orte sein müssen. Mit viel Liebe zum Detail, zu den kleinen Dingen, zur Sache  an sich. Ein Design, das ich mag. Die Cocktailkarte in alten Büchern, die freigelegten Rohre, eine sehr klare Linie, aber nicht kühl, sondern im Gegenteil sehr warm und einladend. Und hätte ich nicht diese Bilder vom Eröffnungsabend, könnte ich immer noch nicht glauben, dass dem nun tatsächlich so ist. Das ist schon ziemlich nahe dran. Am unausgesprochenen Träumereien. Oder nicht mehr ganz so weit entfernt. Manches Mal überholt die Realität die Träume. Unausgesprochen.

das richtige Gemüt

Einen Satz gefunden oder er mich. Wer weiß das schon so genau. Aber auch wenn wir uns erst kurz kennen. Er bedeutet mir viel. „Er hat und das ist vielleicht sein größtes Glück, das richtige Gemüt, um nicht zu verzweifeln. Er hat nicht die Aussichtslosigkeit des großen Ganzen im Blick, sondern die Machbarkeit des nächsten Schritts.“ aus dem Zeitmagazin

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Diese Französinnen. Oh mein Gott oder Dieu. Auf jeden Fall sind sie klassisch und elegant und wunderschön. Zum Dahinschmelzen sind auch diese Trüffel. [1] Die weißen. Unglaublich. Zum Daniederknien. Und ein Lied. Zum im Liebesschmerz daniederliegen.

Und schon wieder: Kürbis

So gut und schön das saisonale Kochen auch ist, die negative Seite daran ist, dass einem Gemüse irgendwann über werden. Kürbissuppe in allen Variationen (wobei die mit Orangensaft weiterhin meine liebste ist), Kürbisauflauf, Kürbigulasch, Kürbispizza, Kürbischutney, Kürbispasta – alles schon gehabt. Aber irgendwo liegt immer noch ein Hokkaido rum, der aufgebraucht werden muss. Es droht zu kippen. Von der Kürbislust zum Kürbisfrust. Aber es gibt Kuchen. Und Kuchen hilft immer. Und wenn der Kürbis schon im Kaffee landet, dann passt er auch in den Kuchen. Kürbiskuchen/ Pumpkin Spice Latte Ergänzung [Ausgangslage war dieses Rezept] * 2 Tassen Mehl * 3 Teelöffel Backpulver * 1/2 Teelöffel Salz * 1/2 Tasse Butter * 1 Tasse Zucker * 3 Eier * 1 kleiner Hokkaido * 3 Teelöffel Kürbisgewürz (Kurkurma, Zimt, Nelkenpulver, Piment, Muskat, Vanille, Ingwer) * 1 Tasse Walnüsse Den Kürbis klein schneiden und bei 180 Grad in den Ofen geben, bis das Fleisch weich ist und sich leicht von der Schale lösen lässt. Butter und Zucker schaumig schlagen, die Eier dazugeben, Kürbisgewürz und das leicht abgekühlte Kürbispüree. Langsam und nach und nach …

Samstagskaffee

Ein Samstagskaffee. Einer, der über fünfzig Jahre zurückgeht. Zu einem ganz wundervollen Gespräch. Hannah Arendt im Interview mit Günter Gaus. Eine Zeitreise. Ein zeitloses Gespräch. Ich frage mich, ob sich das gegenseitig bedingt. Hannah Arendt, die so klar und unaufgeregt spricht. Die nicht wirken muss oder beeindrucken möchte und es gerade deshalb tut. Ein Fragender, der die ein oder andere Gedankenschleife zulässt und nicht reduziert zuschneidet, einzig allein mit der Absicht eine möglichst provokante Headline zu produzieren. Es ist ein Gespräch. Und ob es an dieser Art zu fragen liegt, die selbst schon suchend ist, weiss ich nicht, aber dies erlaubt Sätze wie „…ob ich damit Recht habe oder nicht, weiß ich nicht“ und alleine dies tut gut in einer Zeit der immer Bescheidwisser und Allesversteher, der aufgergten Talkshows und dem lauten Meinungsgetöse. 1 Stunde 12 Minuten. Das reicht für zwei Espressi und hallt lange nach, wie es Gespräche immer tun, die diesen Namen auch verdienen, weil in ihnen Fragender und Antwortender gemeinsam suchen und versuchen zu verstehen. „…Ich habe einfach immer gemacht, was ich gerne machen wollte …

Formschönes Highlight des Tages

Ich habe eine Überlistungsstrategie. Ich setzte mir Highlights. Einmal am Tag muss es eine Belohnung geben. Etwas Kleines, auf das ich mich freue. Es gibt Tage, da muss ich sehr, sehr früh aufstehen und einen Flieger in den Norden nehmen. Der Norden ist schön, aber das Aufstehen mitten in der Nacht, das macht mir den Rhythmus kaputt und bringt mich aus dem Takt. Aber das macht nichts, denn mit dem viel zu frühen Aufstehen ist das Tageshighlight Franzbrötchen verbunden. Im Süden unbekannt, dabei sind sie so wunderbar formschön. Eines davon am Morgen und für alles entschädigt. Franzbrötchen für zu Hause [aus dem Buch Daylicious und von lykellig] * 1 Hefewürfel * 200 ml lauwarme Milch * 500 Gramm Mehl * 50 Gramm weiche Butter * 50 Gramm Zucker * 1 Ei * 1 Prise Salz * 120 Gramm Butter für die Füllung * 50 Gramm Zucker * 1 Esslöffel Zimt Die Hefe in der lauwarmen Milch auflösen. Währenddessen die Butter schmelzen. Zuerst das Ei unterquirlen, dann die Butter, den Zucker untermischen und schließlich das Mehl mit Salz hinzukneten. …

Wilde Wünsche

Struktur gibt es doch immer genug. Bei Wünschen darf es durcheinander gehen. Einen Perserteppich suche ich fürs Wohnzimmer. Einen gebrauchten [1]. Irgendwo gesehen, weiß nicht mehr wo, aber seitdem auf der Suche. Sehr konsistent, man könnte sagen systematisch bin ich bei Turnschuhen. Gazellen mag ich weiterhin am liebsten [2]. Und Jeanshemden [3]. Wiederentdeckt. Und grandios sind sie. Ein toller Blog, dem ich das Rezept für das gesündeste Brot überhaupt verdanke und der jetzt als Buch [4] erscheint, landet ebenfalls auf meiner Wunschliste. Eine Chemex [5], eine so klassische wäre gut. Dieser Rock [6], bei dem man Parallelen zum Perserteppich ziehen könnte und in den ich mich, ich weiß nicht warum, schrecklich verliebt habe. Wie wunderschön er wäre, mit besagtem Jeanshemd beispielsweise. Dazu dann spitze Schuhe [7] und ein grüner Parka [7]. Redaktioneller Hinweis: Das Verzählen ist beabsichtigter Systemfehler. Wildes Durcheinander mit System. Struktur erst wieder am Montag.

wie ein offenes Buch

„Offenheit für ein Buch ist unerlässlich, und Offenheit ist einfach eine Bereitschaft, sich von dem, was wir lesen, verändern zu lassen. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Viele Menschen lesen, um ihre eigenen Ansichten zu erhärten. Sie lesen nur über ihre eigenen Interessengebiete. Sie glauben zu wissen, was für ein Buch es ist, ehe sie es aufgeschlagen haben, oder sie haben Regeln, die, wie sie sich einbilden, befolgt werden sollten, und reagieren mit Bestürzung, wenn etwas ihren Vorhersagen zuwiderläuft. Bis zu einem gewissen Grad liegt dies in der Natur der Wahrnehmung. Wiederholte Erfahrung schafft Erwartung, was die Art und Weise formt, wie wir die Welt, Bücher eingeschlossen, wahrnehmen.“ aus: Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt