Monate: Dezember 2014

noch lange nicht fertig

Jetzt ist dieses Jahr zu Ende. Aber ich noch nicht fertig mit ihm. Ich habe noch längst nicht, noch nicht einmal in Ansätzen begriffen, was alles passiert ist und vorgefallen, was ich erleben durfte und gelebt habe. Macht nichts. Weitermachen. Aber kurz anhalten, inne halten und Danke sagen. Ab und zu da kommen Zeilen oder in diesen Tagen auch Karten an und ich bin gerührt, manchmal viel zu gerührt und bewegt, ob dieser Wärme, die mir entgegenstrahlt. Danke dafür. Und jetzt: Einfach weitermachen. „…. damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich ist – Es ist ohnehin schon wenig genug.“ Hat Max Frisch gesagt. Und besser als mit diesen Worten kann es nicht enden. Auf ein neues.

Strohfeuer

„Wir müssen uns alle von Zeit zu Zeit das Recht auf Projektionen zugestehen, die Gelegenheit, uns in die imaginären Roben und Abendanzüge dessen zu werfen, was nie war und nie sein wird. Das poliert unser mattes Leben etwas auf, und manchmal können wir eine Traum statt eines anderen wählen und in dieser Wahl etwas Erholung von der gewöhnlichen Traurigkeit finden. Schließlich kann keiner von uns allen das Knäuel von Fiktionen entwirren, die jenes wackelige Ding bilden, das wir Selbst nennen.“ aus: Der Sommer ohne Männer von Siri Hustvedt

aufgelistet: Aufgesammeltes

Lesen, nur noch eine Seite, eine Seite noch. Spazieren gehen, völlig zielllos durch die Straßen schlendern. Faul sein. Exzessiv faul sein. Dem Schnee beim Fallen zusehen. Zurückkehren. Pläne schmieden, träumen, sortieren, aufräumen. Und dabei einiges gefunden, das sich angesammelt hat. Versatzstücke. Zu schade, würden sie nur in meiner Schublade schlummern. Nicht alles wird durchs Teilen besser. Dieses hier schon. Das ist kein politischer Ort. Soll er auch nicht sein. Dafür gibt es andere. Aber diesen Text mochte ich. Weil er differenziert betrachtet, statt einfach zu diffamieren und eine mögliche Antwort ist auf das, was mir Angst macht. Ich muss einfach überhaupt gar nichts. Zielereichungsgrad dieser Tage. Ein Artikel über das Buch eines großen amerikanischen Autors, den ich gerade für mich entdeckt habe. In orbit. Einfach nur, weil ich es endlich bald erleben darf. warum manche Bilder die große Runde machen. Ein Erklärungsversuch. warum einer Bilder macht. Nicht irgendeiner. Genießen. Lesen. Um nicht servile Sachbearbeiter unseres Lebens zu werden. dieses Stück. Den Atem anhalten. Ganz leise sein. Weil es so ätherisch ist, so hauchzart, zerbrechlich und vielleicht gerade dadurch etwas …

Merry Christmas

Die letzten Stunden vor dem Fest. Das Kleid schon gerichtet, das Auto gepackt, Geschenke eingewickelt, Weihnachtspost gelesen, zu viele Kekse gegessen, ob der vielen guten Gedanken und der Rührung. Und auf einmal ist sie da. Diese seltsame Stimmung, der man sich so schwer entziehen kann. Dieses leichte Schneegestöber der Erwartung, der Freude, der Stille, der Dankbarkeit. Alles ganz leise. Die Welt ganz still. Ich auch. Für ein paar Tage nur. Merry Christmas.

Christbaum zum Nachtisch

Es heißt „life is short, eat dessert first“. Würde ich sofort unterstreichen. Lebe ich. Sehr konsequent. Aktuell zur Weihnachtszeit habe ich es umformuliert. „Christmas is short. Eat the tree first“. Oder so ähnlich. Ich wollte schon immer eine Pièce Montée machen. Und in diesem Jahr, das Tannenbaum schlagen verpasst, ersetzt es den Weihnachtsbaum. Weil eine andere Lebensphilosophie besagt, dass man aus dem, was man hat immer das Beste machen sollte. Die Form stimmt, die Farbe nicht ganz, aber mit ein paar Kerzen drauf und ein wenig Fantasie kommt es dem sehr nahe. Außerdem in puncto Nachhaltigkeit nicht zu überbieten, weil rückstandslos entsorgbar und die Hausfrau freut sich, weil hundert Prozent nadelfrei. Essbarer Weihnachtsbaum  [hier und aus The Art of French Baking abgeschaut] Pâte à choux * 1/8 Liter Wasser * 1/8 Liter Milch * 100 Gramm Btter * eine Prise Salz * 2 Teelöffel Zucker * 200 Gramm Mehl * 4 Eier Wasser, Milch, Butter, Salz und Zucker erhitzen. Sobald es kocht, das gesiebte Mehl schnell und in einem Schwung dazugeben und sofort mit einem Holzkochlöffel rühren. Sehr lange rühren, solange …

fernab aller Realität

Völlig aus dem Zusammenhang, dem Kontext gerissen. Aber das funktioniert und kann nur funktionieren, weil Worte, Sätze, manches Mal auch Bilder etwas einfangen, das größer ist, als das Beschriebene selbst und dann keines Rahmen mehr bedürfen. So gilt nicht nur für die Lieder eines Verstorbenen, sondern für so vieles: „Sie waren, sie sind, denn sie bleiben: wahr. Auch dann, wenn sie natürlich gelogen waren – wie jede große Kunst nicht allein der Wahrheit verpflichtet ist, sondern dem, was größer ist: der Gewissheit, dass etwas so sein könnte, wie es klingt, unabhängig von der Realität.“ von hier.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Nicht nur montags das Gefühl, den eigenen Stil langsam gefunden zu haben. So wie hier. Lässig, schlicht und von einem Modeblog {1}, bei dem mir wirklich jedes einzelne Bild gefällt und ich es mir merken muss für die Tage an denen ich vor dem Kleiderschrank stehe und nichts zu kombinieren weiß. Einverleiben will ich mir dieses herrlich-französisch Entspannte und doch Elegante. Außerdem: sich bedanken. Das hat Stil und noch mehr, wenn es mit sehr viel Stil geschieht. Wie mit diesem Merci {2}. Eine nicht nur Montags-, sondern eine lebenslange Liebe ist die zum Freisein. Die in diesem Lied so wunderbar steckt. Free fallin‘. In diesem Sinne: Stilvolle, dankbare und frei Weihnachtstage.

gemeinsame Sprachebene

Dieses Verwobensein, das sich einstellt, einschleicht in den vielen Jahren des gemeinsamen Lebens, der gemeinsam erlebten Geschichten. Wie sie sich in der Sprache äußert, eine eigene bildet und dort Spuren hinterlässt. In den Kleinigkeiten. „Wo hast Du das Auto geparkt?“ „Da wo Du immer den Manuel Neuer triffst.“ Und ich bin der einzige Mensch auf dieser Welt, der weiß, in welche Straße er jetzt einbiegen muss.

ganz nah

„Über die Intimität nachzudenken heißt demnach auch, über die Unterscheidung von Innen und Aussen zu sprechen. Gewöhnlich wird sie, was die Intimität betrifft, mit der Unterscheidung des Privaten und Öffentlichen in Verbindung gebracht. Das Private geschieht sozusagen in meinen eigenen vier Wänden und geht nur mich und die, die mit mir leben, etwas an. Das Öffentliche dagegen betrifft uns alle. Abgesehen von dieser längst prekären Differenz sind das Private und das Intime nicht dasselbe. Zwar ist die Öffentlichkeit etwas, womit die Intimität es zu tun hat, doch das Private ist niemals das Innerste, und nicht selten ertragen wir das Private nur, weil wir unsere Intimität vor ihm bewahren.“ aus: Ins Wasser geschrieben von Peter Trawny

Flexibles Ganzjahresgebäck: Die Weihnachtsvariante

Zu spät dran für das Weihnachtsgebäck. Aber die Cantuccini gehen ganz schnell und außerdem bin ich sehr angetan von der Tatsache, dass sie ganzjährig aufgetischt werden können. Saisonal anpassbar, flexibel sind sie. Eine Qualität, die nicht nur die Lebensdauer von Keksen erhöht, sonder das Leben generell leichter macht. Die Grundzutat ähnelt dem Christbaum, das macht das festliche Flair. Im Frühjahr könnten die Pistazien betont werden und im Herbst der Pecorino. Im Sommer wird eh nur Eis gegessen. All-Season Cantuccini {aus dem Buch ke:xs} * 40 Gramm Pecorino * 100 Gramm Mehl * 1 Messerspitze Backpulver * 70 Gramm Rohrzucker * 1 Prise Salz * 1 Ei * 30 g gesalzene Pistazien * 60 Gramm Haselnüsse * 2 Esslöffel frisch gehackter Rosmarin Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier belegen. Käse reiben. Das Mehl in einer Schüssel mit Backpulver, Zucker und Salz vermischen. In der Mitte eine Mulde bilden. Ei mit einer Gabel leicht verquirlen, mit Käse, Pistazien, Haselnüssen und Rosmarin in die Mulde geben.
Mit der Mehlmischung zu einem weichen Teig rühren und leicht zusammenkneten, bis er gerade hält. Auf einer …

Bilanz des Werdens

Ein Gespräch darüber, wie ich dort gelandet bin, wo ich bin. Beruflich. Und beim Erzählen merke ich, dass ich nicht, wie noch in den Jahren zuvor, mich entschuldige für die Wendungen und Sprünge, die unverhofften, ungeplanten, die mich dort hingeführt haben, wo ich mich selbst niemals verortet hätte, sondern sie aufzähle die Stationen und da doch ein Faden ist. Ein eigener Weg kann niemals exemplarisch sein, aber wenn ich sagen müsste, was ich gelernt habe und was immer wieder hilft, dann wäre es dies: Die Welt hat nicht auf mich gewartet. Die Dinge finden einen. Mut wird immer belohnt. Hart arbeiten, dranbleiben, groß träumen. Und dann aber auch gut sein lassen, weil es das Leben manchmal besser und größer mit einem meint, als der eigene, kleine Kopf es zu denken wagt. Dieser Definition von Verantwortung folgen. Dankbar sein. Fröhlich sein. Freundlich sein. Und vielleicht weil nicht nur für Berufliches gilt, dass einen findet, wenn man sucht, ist mir  Become von Emery Allen wieder in die Hände gefallen. Eine schöne Sammlung von Gedichten von einer, die auch Chancen ergriffen …

wünsch Dir was

Ich pflege Wunschlisten ganzjährig. Sammle alles, was ich mag, gerne hätte, was schön wäre und manchmal auch nützlich ist. Jetzt vor Weihnachten rückt das alles in greifbare Nähe. Zeit für ein Update. Aktuell auf der Liste stehen: Ein weiteres schlichtes Kleid{1}. Davon kann man nie genug haben. Eine Erinnerung {2} an die Wand, damit ich es nicht vergesse. Das neue von Paul Auster {3}. Die Theorie, dass ich teure nicht so schnell verliere und irgendwo liegenlasse, wurde zwar bereits schon mehrfach widerlegt. Nichts destotrotz. Cognacbraune Lederhandschuhe {4} müssen sein. Auch mein letztes Paar Turnschuhe ist irgendwie und irgendwo abhanden gekommen, weswegen die Stan Smiths nachgelegt werden müssen {5}. Eine Uhr mal wieder wäre schön. Eine klassische {6} oder die Wellington-Variante. Nie genug Kaschmir-Pullover. Mit dem U-Boot-Ausschnitt so elegant {7} oder ganz klassisch. Und diese Dose {8}. Für irgendwas. Wird sich schon etwas finden. Steht vielleicht auf einer anderen Wunschliste.

Müdes Montagsdienstagsmögen

Müde, unendlich müde. Zu spät für alles und mit jedem. Auch fürs Montagsmögen. Vielleicht liegt es am Novemberdezemberwetter {1}. Wenn die müde Melancholie Überhand nimmt, dann hilft ein wunderschön verpackter, sanfter Tee {2}. Ein müdes Stimmungslied dazu. Immer noch müde, aber schön müde.