Jahr: 2015

Ein gutes Jahr

War es ein gutes Jahr? Wenn ein gutes Jahr eines ist, in dem alles glatt läuft und wie geschmiert, in dem ein Highlight das nächste jagt, in dem etwas Großes passiert, das alles andere in den Schatten stellt, dann nicht. Es ist nichts Großes passiert, aber ganz viel im Kleinen. Es war manchmal mühsam das Jahr. Es hat machmal weh getan. Manches Mal sogar sehr. Ich habe ein paar Schrammen und Kratzer davongetragen. Es hat mich vor Herausforderungen gestellt und auf die war ich überhaupt nicht vorbereitet.  Ich bin gewachsen an mir und an anderen. Ich habe hingesehen, wo ich vorher weggesehen hätte. Ich habe mich besser kennengelernt, ich habe Menschen kennengelernt, die zur richtigen Zeit in mein Leben gespült wurden, auf einmal einfach da waren und die ich nicht mehr missen möchte. Ich bin reich beschenkt worden. Ich habe so vieles nicht geschafft. Ich war nicht in Weimar, doch nicht in Kopenhagen  und Tokio und immer noch nicht in Vals. Dafür einen ganzen Sommer in Nizza und ein Wochenende in Regensburg, zu selten in Berlin, …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Heute drei. Weil die Tage zwischen den Jahren sowieso außer der Reihe tanzen. Noch nicht im neuen angekommen, aber auch nicht mehr ins alte investieren wollend. Die beste Gelegenheit um ein wenig zu träumen, zu imaginieren, Luftschlösser zu bauen, Schönes zu betrachten, sich und die Gedanken treiben zu lassen. Das braucht es auch. Dann kommen neue Ideen und Tatendrang wieder. Von ganz alleine. Zum Gedanken treiben lassen mag ich dieses Buch der Illustratorin Marion Fayolle. L´homme en pièces. Nur noch auf Französisch erhältlich. Und selbst dort schon vergriffen. Verstörend, zärtlich, ganz fein gezeichnet. Eine, die den Blick hat. Den, der tiefer geht. Ich mag diese Schuhe. Ganz oberflächlich betrachtet. Und ich mag dieses Lied. Ich mag diesen Satz von Pablo Picasso, der für mich, die ich gerade so hier herumwerkle, so passend ist: „Ich tue immer das, was ich nicht kann, um zu lernen, wie man es tut.“ In diesem Sinne: Tut was oder tut auch nichts. Tut Euch gut in jedem Falle. Träumt schön. Treibt es bunt.

Umstellung

Ich werde ein wenig umstellen in den nächsten Tagen. Ich habe mich sattgesehen und brauche etwas Neues. Auch in meinem virtuellen Zuhause. Das kann dauern, weil ich immer nur soviel mache, wie ich gerade Lust habe. Ich lasse mir Zeit. Das heißt, dass dann mal eine Kommode im Weg stehen wird oder jeden Tag die Schrift ein wenig anders daherkommt, die Bilder aus dem Rahmen springen, die Kategorien umeinanderhüpfen und einfach nicht alles mehr an dem Platz ist, an dem es vorher stand. Alles ein wenig unaufgeräumt. Das ist dann ungewohnt, gehört aber zur Umstellung dazu. Meike Winnemuth hat in einem etwas anderem Zusammenhang etwas geschrieben, dass ich nachempfinden kann:  „Freiheit ist erst mal eine Zumutung, niemand von uns hat gelernt, wie das geht. Wenn einem niemand die Entscheidung abnimmt, womit der Tag zu füllen ist- kein Boss, keine Familie, keine Institution -, und man völlig ohne Strukturen lebt, ist das ebenso berauschend wie beunruhigend.“  Steht in diesem schönen Buch, über das ich auch schreiben will. Im neuen Kleid dann. Wenn die Struktur auch hier wieder hergestellt …

kleines Feuer

Das alles passt, ist selten. Manchmal ist die Melodie wunderschön, über den Text muss allerdings hinweggehört werden. Ein anderes Mal sind die Texte ganz wunderschön, aber die Töne so eintönig und nicht besonderes, dass ich mir die Zeilen nur herausschreibe.  Letzt ein Lied entdeckt, bei dem beides passt und das ich seitdem rauf unter runterhöre. „Small fire“ heißt es. Mick Flannery singt es. Es ist unglaublich schön. Also Bonus oben drauf, habe ich einen Konzertmitschnitt entdeckt, in dem er die Geschichte hinter dem Lied erzählt. Sein Großvater spielte als er klein war am Heuschober seiner Eltern mit Streichhölzern. Bis der Heuschober dann Feuer fing und niederbrannte. Aus Angst vor der drohenden Strafe versteckte er sich unter dem Bett. Seine Mutter suchte ihn über zwei Stunden und als sie ihn endlich fand, sagte er: „I lit the small fire, I don´t know who lit the big one.“ Hat gar nicht so viel mit dem restlichen Lied zu tun, ist aber eine der schönsten Zeile darüber, wie aus Kleinem etwas Großes wird zuweilen. Kleine Gedanken, die zum Flächenbrand werden. Kleine Gesten, die einen …

erwartet

Auf einmal ist Weihnachten. Das ging sehr schnell. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte von dem geschafft, was ich noch machen wollte. Noch nicht einmal ansatzweise. Das hat auch etwas Gutes. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es egal ist und es sich noch nicht einmal lohnt überhaupt anzufangen mit dem Versenden von Karten, dem Besorgen von Geschenken und Aufmerksamkeiten, dem Planen von Weihnachtsmenüs. Beschämt war ich dann immer, wenn ich Weihnachtsgrüße aus dem Briefkasten holen konnte. Ich müsste auch. Ich will doch auch. Ging aber nicht. Jetzt ist Weihnachten. Und ich freue mich darauf wie selten. Ab dem Nachmittag kehrt Ruhe ein. Überall. Eine Ruhe, die es so in dieser Form das ganze Jahr über nicht gibt, sondern nur an den Weihnachtstagen. Keiner kommt auf die Idee Mails zu schreiben oder noch etwas von einem zu wollen. Die ganze kleine Welt steht ein wenig still. Drei Tage an denen die einzigen Aufgabe, die es zu erfüllen gilt, darin besteht zu essen, noch mehr zu essen, über die Maßen zu schlemmen, zu schenken und sich beschenken …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Was ich gerade mag? Diese Tage vor Weihnachten, wenn es schon ruhiger ist und ich noch umräumen, wegräumen kann. Mich ein wenig sortieren, feststellen, was alles war, was ich alles nicht geschafft habe und wie viel dann doch. Ein wenig Ordnung machen. Mit so einem Gitterdraht (hört sich besser als an Maschendrahtzaun) über meinem Schreibtisch zu Hause liebäugle ich schon länger. Hier gibt es noch mehr davon. Damit wäre alles, was zu tun ist, immer im Blick. Alles ganz ordentlich. Mein Schuhschrank ist überhaupt nicht aufgeräumt, was als respektabler Grund durchgeht, warum ich ein paar neue Weihnachtsschuhe brauche. Diese hier zum Beispiel. Die sehen ordentlich aus. Wenn wir heute geschafft haben, wird es übrigens heller. Jeden Tag ein wenig mehr. Dann ist die dunkelste Zeit vorüber. Ein Lied für dunkle Tage und die danach, weil es wunderschön ruhig, zart und sanft ist und eine eigene, eine innere Ordnung herstellt – das mag ich außerdem.

Montagsmögen, das am Freitag daherkommt

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich weiß, dass es Freitag ist. Aber da kam ein Husten daher und das Leben, das gerade turbulent ist und auf einmal sind vier Tage vergangen. Was ich mag? Mir ist so nach Einigeln. Mich zurückziehen, es mir warm machen, den Rest der Welt draußen lassen. Außerdem mag ich es warm an den Händen und trotzdem bitte fröhlich. Mit diesen Handschuhen, diesen oder jenen. Ich mag dieses Lied. Hold your head up high. Immer. Egal, wie schnell die Welt sich dreht, warm oder kalt es ist.

letzte Worte

Ein Buch bestellt. Allein des Titels wegen. Dankbarkeit. Dankbarkeit heißt es und von der hatte ich schon immer viel. Egal wie oft es schlecht lief, daneben ging, ins Leere führte und immer noch tut: Irgendwann gewinnt die Dankbarkeit dafür am leben zu sein, das Privileg da sein zu dürfen die Oberhand. „Ich kann nicht behaupten, ohne Furcht zu sein. Doch mein vorherrschendes Gefühl ist das der Dankbarkeit. Ich habe geliebt und wurde geliebt, ich habe viel bekommen und ein wenig zurückgegeben; ich habe gelesen und ferne Länder bereist und gedacht und geschrieben… Vor allem aber war ich ein fühlendes Wesen, ein denkendes Tier auf diesem schönen Planeten, und schon das allein war ein wunderbares Privileg und Abenteuer,“ hat Oliver Sacks geschrieben in einem Buch, seinem letzten.

Montagmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Es genießen, wie es ist. Ganz entspannt. Das ist ja Kopfsache und nicht etwa Resultat eines Wellness-Wochenendes, wie so viele meinen. Deshalb gefällt mir diese Illustration von 1eBeat so sehr. Tee trinken, wenn ich Tee trinke und nicht noch etwas nebenher zu machen oder gedanklich schon woanders zu sein – all das vergesse ich manchmal und dieser schöne Reminder schafft vielleicht Abhilfe.  Ich mag diese Jeans. Weil ich zwar schon fünf im Schrank habe, aber diese sehr entspannt ist. Ich mag dieses Lied und überhaupt diese Künstlerin, die ich auf der Party zum Einjährigen von akjumi und Kirsten Becken live hören durfte. Ganz entspannt war es da. Herrlich entspannt. So kann es weitergehen.

gesagt, getan

Es sollte einem zu jeder Zeit recht und vollkommen egal sein, was andere über einen sagen und denken und niemals nie sollte man sein Leben danach richten. Das, was der Philosoph Hans Jonas über Hannah Arendt gesagt hat, sind allerdings Worte, die einem nicht egal sein können und so zu leben, das andere ebensolches über mich sagen könnten, wäre durchaus erstrebenswert: „An ihr ware eine Intensität, eine innere Richtung, ein Instinkt für Qualität, eine Suche nach dem Wesentlichen, ein Eindringen in die Tiefe, das einen Zauber um sie verbreitete. Man spürte eine absolute Entschlossenheit, sie selbst zu sein, mit einer Zähigkeit, es trotz der eigenen Verwundbarkeit durchzusetzen.“

Let it snow, let it snow, let it snow

Für mich soll es rote Rosen regnen, sang die Knef. Zur Weihnachtszeit adaptiert: Für Dich soll es Rosenblätter schneien. Hier ein Keks. Zum Advent verschenke ich Rosenblütenwolkenkekse. Warum? Weil diese Wortkreation so schön ist. Weil die Kekse selbst so schön sind mit ihren Rosenblättersprenkeln und schwarzen Sesamtupfern. Weil sie außergewöhnlich sind. Nicht zu süß, nicht zu salzig. Und mit ihrer Besonderheit dem anderen verraten, dass ich ihn auch für etwa Besonderes halte. Weil sie schnell und einfach gemacht sind. Der Advent ist so kurz, Zeit so kostbar. Diese Kekse lassen sich in den Alltag reinschieben. Man kann den Teig an einem Abend zubereiten, die erste Fuhre erst am nächsten Tag und die nächste am Tag darauf backen. Weil selbstgemachte Kekse zum Tee passen, zum Frühstück, zum nur so zwischendurch, um sich selbst zu belohnen, zu später Stunde, wenn man eigentlich nichts mehr essen sollte, aber gerade so Lust hat auf irgendetwas Kleine. Weil Rosenblütenwolkenkeke so klein sind, dass sie in eine kleine Pergamenttüte passen. Damit bringen sie den anderen nicht in die Verlegenheit, dass er auch …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Genau hinsehen. Wie reich beschenkt bin ich worden in den letzten Wochen mit Menschen, mit Begegnungen. Jeder für sich genommen genau zum richtigen Zeitpunkt, auf die Minute perfekt und das an Orten, an denen ich es nicht vermutet hätte. Ich mag diesen Stern. Weil er ganz schlicht und leise die Zeit des Schenkens und der Dankbarkeit einläutet. Die zwei sind zwar nicht saisonal begrenzt, aber im Dezember treten sie so klar zutage wie selten. Ich mag dieses Lied, weil es ruhig ist, sanft wie leichter Nieselschnee.  

Kälteschutz

Es ist soweit. Ich habe die Heizung angestellt. Mich verflucht, weil ich mir nie merken kann,  wie diese Gastherme richtig einzustellen ist. Ich habe die dicken Dauenendecke rausgeholt und die Gummistiefel aus dem Keller getragen. Mir statt einem schnellen Salat am Abend zusammenzuwerfen, schon drei Mal ein richtig mächtiges Risotto mit Parmesan gekocht. Es wird kalt. Auch gut. Genug Gründe, um drinnen zu bleiben, vielleicht sogar gleich im Bett, zu lesen, Serien zu schauen und ausgiebigst nichts zu tun. Dennoch brauche ich eine dicke Jacke [1], weil ab und zu muss jeder einmal vor die Tür und dann sollte einen nicht gleich der Schlag treffen.  Weil ich die Heizung gerne voll aufdrehe, kann ich dann drinnen weiterhin kurzärmelig herumlaufen. In diesem schönen Kleid [2] beispielsweise. Geht immer. Weihnachtspost will geschrieben werden. Mit denen [3] schreibt es sich gut und sie sehen gut aus. Wale an die Wand [4]. Hat nichts mit Kälte zu tun, machen auch nicht warm. Sehen nur hübsch aus.  Ich mag keine Winterschuhe. Die sind so schwer an den Füßen. Damit kommt …

eine sehr rationale Angelegenheit

„Man glaubt die Vernunft zu beleidigen, wenn man für ihe Nebenbuhlerinnen eine Wort einlegt. Und dabei können doch nur Leidenschaften und zwar große Leidenschaften die Seele erheben  zu großen Gegenständen.“ Aus Philosophische Schriften von Diderot. Wiederentdeckt in Der Tag ist hell, ich schreibe dir von Tanja Langer. Mir sogleich notiert für den Fall der Fälle, dass ich kontern kann, wenn es darauf ankommt.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wie es läuft gerade. Nicht, dass es besonders gut oder besonders schlecht liefe. Leben halt. Aber es so zu nehmen, wie es kommt funktioniert gerade sehr gut. Mich über das freuen, was ist, vertrauen darauf, das es gut wird, wie es kommt. Leichtfüssig durchgehen, stolz flanieren und das geht in hohen Schuhen immer noch am besten. Ich mag außerdem, dass ich meine liebsten Gummistiefel wieder auspacken konnte. Das ist eine ganz andere Art des Laufens. Hallo Novemberregen. Der hat auch etwas. Und dieses Lied von Al Green mag ich sehr. Ein Regenlied. Ein Klassiker. Der immer wieder läuft. Läuft bei mir.