Monate: Februar 2015

Neue Seitenansichten

„Als Bildermacher wollen die Leute dich immer in eine Schublade stecken. Ich glaube, dass jeder von uns viele verschiedene Seiten hat, und nicht immer dürfen wir alle diese Seiten zeigen, schon gar nicht gleichzeitig ausleben.“ Hat Mario Testino gesagt. Gilt nicht nur für Bildermacher, sondern für so vieles und uns alle. Ist ein Grund mehr sich diese Ausstellung anzusehen oder einfach ganz neu auf die eigenen Ecken seines selbst zu blicken und vielleicht sogar den Rahmen zu sprengen.

Dienstagsmögen

Jeden Montag, heute Dienstag, zwei, die ich mag: Das gesamt, bunte Leben mit allen Wirrungen,Verstrickungen, sowie all dem, dass ich manchmal nicht sehen möchte.Wie es sich wiederfindet in diesen Illustrationen von Alexandra Ethell. Und eine Tasche, in das ganze Leben passt. Oder zumindest alles, was ich zum Überleben brauche. Lippenstifte, Taschentücher, immer ein paar von diesen wahnsinnig guten Trüffelpralinen als Notfallration für blöde Tage, zehn Stifte, einer davon immer ohne Kappe und gerade mal keinen, wenn man einen braucht, Notizzettel, ein Notfallbuch für kluge Sätze zwischendurch, die französische Handcreme, die so schön nach Urlaub riecht, Kekskrümmel, alte U-Bahn-Tickets, mein Notizbuch, Post-Its, das Handy, Kopfhörer, um die Welt kurz auszublenden – Leben eben.

Recycling

„Indem ich dich liebe, der du mich liebst, finde ich mich in dir, der du an mich denkst, wieder und gewinne mich, nachdem ich mich selbst aufgab, in dir, der du mich erhälst, zurück.“ aus: Agonie des Eros von Byung-Chul Han, der Marisilio Ficino aus Über die Liebe oder Platons Gastmahl zitiert

Aufbruchsbereit

Schön wäre es. So einiges. Mir ist nach Neuem. Nach ein wenig Veränderung. Nach ein wenig Glanz und Abwechslung und Farbe. Nach frischer Luft und neuem Wind bitte gleich dazu. Dieses ab-heute-wird-alles-anders-Gefühl, das dann meist doch nur in den kleinen Aufbrüchen endet. Aber immerhin. Gelingen könnte es mit einer Lederjacke, wie dieser hier [1]. Lederjacken sind an sich ein Statement. Ich weiß nicht, was einem so angezogen nicht gelingen könnte und wer einem etwas anhaben könnte. Sie wirkt nach außen und nach innen. Eine neue Brille wäre schön. Nur damit ich nicht immer dieselbe tragen muss. Und wenn schon, dann wäre es dieses Mal eine mit hellerem Rahmen [2]. Dieses Buch von Leane Shapton, die ich so sehr mag und die gemeinsam mit tollen anderen Autoren über Frauen und Kleidung und was Kleidung mit Frauen macht und aus Frauen macht [3] geschrieben hat. Diese Jeanspants, die Jeans sind und Joggingspants und somit edel, aber auch lässig und darüber hinaus einfach sehr bequem sind. [4] Wenn alles neu wird, schadet das sicher nicht. Und ein gute-Laune-Sweat-Shirt. Eines …

Lass es einfach

„Es ist eine Kunst, das zu tun, was man wirklich will. Eine große Kunst aber ist es, das bleiben zu lassen, was man nicht will.“ Große Worte vom großartigen Tex Drieschner. Über die ich sinnieren kann. Und daran arbeiten. Am besten begleitet von einem großartigen Tönen.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Der kleine Ausbruch, der unverhoffte Bruch, das Unerwartete. Immer wenn es nicht zu stromlinienförmig ist. Wenn eine Komponente mit reinkommt, die das Gesamte in neuem Licht erscheinen lässt. Eine die es beherrscht, ist diese Dame, eingefangen von „The Sartorialist„. Elegant und geschäftig und mit Lederjacke und roten Lippen. Mit Faltenrock und spitzen Schuhen. Das sind Stilbrüche, kleine, aber konsequente und eine so gute Mischung, die das Ganze auf eine andere Ebene hebt. Ein Bruch mit dem immer gleichen Fotostil in der Cuisine. Ein Buch, das zeigt wie Essen fotografiert wurde. Die Käsewürfel in den achtzigern und die Opulenz der 90er. Eine Mischung verschiedenster Kochbuchdesigns [2] – das mag ich auch. Ein Meta-Designkochbuch sozusagen.

aufgelistet: Pausenfutter

Dafür sind Sonntage doch da. Zum zwischendrin anhalten und eine Pause machen. Das Tempo drosseln. Die Welt weiter laufen lassen und etwas lesen, das nicht zielführend ist, keinen direkten und erkennbaren Mehrwert liefert, aber den Horizont erweitert, den Blick schärft, die Richtung justiert. Etwas ansehen, das einfach nur schön ist, zum Weinen schön. Was beim Pause machen helfen könnte, habe ich gesammelt – nicht nur für Sonntags. Ferdinand von Schirach. Wie ich seine Bücher mag. Und diese Filme werden ihnen gerecht, was ja nicht immer gelingt bei Filmen zum Buch. Ein wenig Berlinale für zu Hause. Kurzfilme. 3-Minüter. In die viel reinpasst. Nämlich Beziehungstypisches Verhalten. Paare auf der Couch. Ein Text. Ein so schöner und guter. Über Schmerz. Zwei Mal – aus ganz unterschiedlichen Kontexten heraus, warum es sich lohnt zwei Mal hinzuschauen, zu hinterfragen, Bekanntes nicht so stehen zu lassen, tiefer zu sehen, den eigenen Standpunkt nicht mit dem alleinig richtigen gleichzusetzen. Erster Blick und zweiter Blick. gut aussehende Männer können alleine schon eine Augenweide sein. Aber gut aussehende Männer, lesend, mit einem Buch in der Hand heben das Ganze …

Aber das. Immerhin das. Das kann ich.

An Tagen, an denen ich denke, dass ich nichts, aber auch wirklich gar nichts zustande bringe, dass nichts klappt und überhaupt alle anderen Menschen auf dieser Welt schöner, klüger, erfolgreicher sind und souveräner durchmarschieren durch dieses Leben. An Tagen, an denen ich vergesse, dass ein halbwegs anständiger Mensch zu sein schon eine Lebensleistung an sich ist, da hilft die Küche. Nicht, dass dort nicht auch einiges schief ginge. Die Überreste des Schokoladenkuchenteigs, der sich noch heute in den Holzritzen des Küchenbodens finden lässt, erinnern mich daran. Aber es geht auch manches gut. Das liefert dann eine „instant gratification“, wie es die Psychologen nennen und mir das Gefühl in der persönlichen Erfolgsbilanz wenigstens etwas aufweisen zu können. Allerdings sollte man sich an Versagensgetränkten Tagen nicht aufmachen mit dem Ziel die französische Haute Cuisine zu bezwingen. Eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben, liefert allerdings auch nicht das Gefühl etwas erreicht zu haben, sondern verschlimmert mitunter noch alles. In Zeiten, in denen jeder zum Fernsehkoch avanciert, den Tag mit grünen Smoothies beginnt oder wenigstens das Gemüse selbst anbaut, reicht es …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Verloren sein. [1] Nicht, dass es schön wäre. Aber es passiert manchmal. So wie das Leben. Und das mag ich. Was auch oft passiert ist, dass vieles verloren geht. Trotz großer Tasche. [2] Oder in der großen Tasche. Schüssel, Handys sind wieder einmal nicht auffindbar, dafür aber fünf Lippenstifte und drei Handcremes. Egal.  Was ich uneingeschränkt mag, weil es tröstet, wenn wieder einmal etwas abhanden gekommen und ich verloren bin: Dieses Lied. 

vollkommen abwegig

“Mir kam niemals auch nur die Idee, dass ich nicht das Leben leben könnte, das ich leben wollte. Ich dachte, ich gebe einfach nicht auf.” Das hat Susan Sonntag gesagt. Das sollte und muss in seiner gesamten Großartigkeit einfach so stehen gelassen werden. Mir ist es kurz abhanden gekommen. Aber das passiert nicht wieder.

die wahre Freiheit

„Die wirklich wichtige Freiheit erfordert Aufmerksamkeit und Offenheit und Disziplin und Mühe und die Empathie, andere Menschen wirklich ernst zu nehmen und Opfer für sie zu bringen, wieder und wieder, auf unendlich verschiedene Weisen, völlig unsexy, Tag für Tag. Das ist die wahre Freiheit. Das heißt es, Denken zu lernen.“ aus: Das hier ist Wasser: Anstiftung zum Denken von David Foster Wallace Ein Auszug der Rede als Film.

Von den Amerikanern lernen. Von einem im besonderem.

Um einiges beneide ich die Amerikaner. Um M&Ms mit Erdnussbutter, um die eindeutig besseren Serien im Vorabendprogramm, um Einkäufe bei Jcrew ohne Zollgebühren zahlen zu müssen. Um den Superbowl, auch wenn ich die Regeln nicht verstehe, aber das Spektakel so herrlich groß und opulent ist, dass das auch egal ist.  Und um deren Uni-Abschluss-Reden. Während bei uns ein wenig auf dem Klavier geklimpert wird und der diesjähige Studienstiftungsempfänger und Jahrgangsbeste, sowie irgendein Landespolitiker ein paar warme Worte verlieren, wird dort in die Vollen gegriffen. Wahrscheinlich auch nicht überall. Aber ein deutsches Äquivalent für die Steve Jobs-Rede will mir nicht einfallen. Und ich mag dafür anfällig sein, aber sie berührt mich immer wieder. Stay hungry. Stay foolish. So will ich doch ins Leben starten. Nicht mit der neuesten Statistik über den Bedarf an Ingenieuren und Innovationen für die deutsche Wirtschaft, die Zuversicht stiften soll. Eine weniger bekannte Abschlussrede als die von Steve Jobs ist die von David Foster Wallace. Was so schade ist. Er hat überhaupt nur diese eine gehalten. Das hier ist Wasser heißt sie und ist auch in …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Weil ich weiß, dass es nie das Objekt selbst ist, das man kauft, sondern den versteckten Wunsch dahinter, hätte ich gerne diese Uhr und eigentlich einfach mehr Zeit. [1] Um zu verstehen, was da passiert, zum Einordnen. Und ein Streifenshirt [2]. Weil T-Shirts mit Streifen nicht einfach T-Shirts mit Streifen sind, sondern Frühling, leichte Meerbrise und faul auf der Veranda liegen. Was ich auf jeden Fall habe und zwar immer: Zeit für ein schönes Lied.

die beste Zeit

„…begriff ich, dass ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen war und dass es vermutlich der beste gewesen war. So geht es in unseren noch westlichen und sozialdemokratischen Gesellschaften allen, die ihr Studium beenden, nur ist es den meisten nicht oder nicht sofort bewusst, denn sie sind hypnotisiert vom Geld oder vom Konsum wie die Primitivsten, die die heftigste Sucht nach gewissen Dingen entwickelt haben (doch sie sind in der Minderzahl; die ernsthafterer und gemäßigtere Mehrheit entwickelt schlicht eine Faszination für Geld, diesen „unermüdlichen Proteus“). Noch willenloser sind sie ihrem Drang ausgeliefert, sich zu beweisen, sich einen beneidenswerten Platz in einer Gesellschaft des – wie sie denken und hoffen – Wettbewerbs zu erkämpfen, elektrisiert von der Anbetung austauschbarer Ikonen: Sportler, Modedesigner, Internetkreative, Schauspieler, Models.“ aus: Unterwerfung von Michel Houellebecq