Monate: Mai 2015

Mach Dir kein Bildnis

Die Frage nach der Realität ist natürlich eine sehr große. Da wäre die eigene, die die wir zu kennen glauben, die die wir sehen und wahrscheinlich noch viele mehr. Es ist kompliziert.  Nicht, dass dieses Buch es einfacher macht. Im Gegenteil. Es macht das, was oft passiert, wenn man eintaucht. Eine Schicht aufgebrochen, nur um zu entdecken, dass dahinter noch viel mehr sind. Ich sagte, es ist kompliziert. Ich mochte das Bild auf der Schutzhülle. Die Melancholie. Wie die Frau durch den Fluß watet, den Rock angehoben. Erfrischung an einem heißen Sommertag. Aber es ist komplizierter. Die Fotografie stammt aus 1942. Die Frau wurde als lebendes Minensuchgerät eingesetzt. Und schon ist er da der Moment, in dem ich merke, dass ich nichts verstehe. Und für diese Erkenntnis mag ich Bücher und Menschen. Die zwei, von denen ich glaube, dass sie mich am meisten prägen. Wie viel Wirklichkeit hinter Bildern steckt, versucht dieses zu erläutern. Eine Schule des Sehens ist es.  „Es liegt an uns, den Wirklichkeitsgrad der Erscheinungen zu bestimmen.“ Diesen Satz und noch viele mehr, habe ich mehr …

Sommerpackliste

Los geht es erst im Juli. Aber im Kopf schon einmal gepackt. Eine Liste geschrieben. Denn im Listen schreiben bin ich groß. Ein Kleid oder eine Bluse. Je nachdem, wie braun die Beine schon sind. Auf jeden Fall ist es rot und es sind Blumen drauf. [1] Und was soll einem damit schon passieren? Ich bin fest davon überzeugt, dass mit Flip Flops an den Füßen jeder Weg, den man zu gehen hat, ein leichterer ist. Und in Kupfer nochmals mehr [2]. Ich sehne mich nach diesem Ort. Obwohl ich noch nie da war. Aber bald. Ganz bald. Solange blättere ich noch ein wenig [3]. Diese Becher [4]. Sind so zart, schön und filigran. Ich mag sie sehr. Gestreifte Shorts [5]. Anziehen, angezogen sein. Sich wie Sommer fühlen, wie die Haut riecht, wie sie nur im Sommer riecht. Nach Meer, selbst wenn es ganz weit weg ist. Ich mag Kleider. Elegante, schlichte, die die sich zurücknehmen [6] und mir dadurch mehr Raum geben. Aber das habe ich erst später verstanden. Ich weiß nicht, was mich mehr …

Unterhaltungsprogramm

Über das Wort Entertainment nachgedacht. Wie ihm so etwas Anrüchiges anhaftet. Wie es kleingeredet wird als Gabe. Prosieben-Shows, Glitzermädels und seichte Unterhaltung. Wie aber doch auch so eine unglaubliche Größe in diesem Talent liegen kann. Wie im Gastgeber sein. Andere unterhalten, wirklich unterhalten, kann nur gelingen, wenn man sich selbst auch zurücknimmt und gleichzeitig voll da ist, sich reingibt. Wenn man nur der ist,  der den Boden bereitet, Platz und Raum gibt für mehr, sich einlässt. Und dann fiel mir diese Worte von Connie Palmen wieder ein, die sie für ihren Mann fand:“ Er macht Menschen fröhlich, glücklich und ein wenig weiser. Er bewirkt, dass sich etwas in ihnen löst, und ihn dabei beobachtend sehe ich plötzlich, welche Güte, Freigebigkeit und Intelligenz dazu gehören, andere zu unterhalten. Es steckt viel Liebe in der Unterhaltung und im Geschichtenerzählen.“ Let me entertain you. Was damit doch möglich ist. Sein könnte.

Musiklehre

Musik zu erläutern ist sinnlos. Entweder sie erschließt sich einem oder eben nicht. Entweder sie rührt an, regt auf, bewegt etwas oder sie lässt einen kalt. Wo Töne nicht ankommen, helfen auch keine Worte weiter. Bei dem Köln Concert möchte ich eine Ausnahme machen. Weil es eine Ebene hinter der Musik gibt. Zumindest für mich. Zwei Gründe, warum man es hören sollte. Immer wieder. Keith Jarret improvisiert. Dieser Satz, der sich so leicht liest, bedeutet in der Konsequenz, dass dieser Mann eine Bühne betritt in dem Wissen, dass über tausend Menschen im Publikum sitzen mit der frohen Erwartungshaltung für ihr bezahltes Eintrittsgeld nun auch entsprechendes Entertainment zu erhalten. Er hat aber nichts. Außer sich selbst. Er weiß noch nicht was kommt, ob etwas kommt. Er muss darauf vertrauen, dass es im richtigen Moment einsetzt. Jeder, der schon einmal vor einem weißen Blatt Papier saß oder auf die zündende Idee gehofft und gewartet hat, der kann sich ausmalen, welch immensen Druck dies bedeutet, wie klar und fokussiert der Kopf sein muss, wie frei der Weg zum Herzen, …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Durcheinander, weil es sich gleichzeitig auch so lebendig anfühlt. Völliges Wirrwarr, aber das Wissen oder vielmehr Vertrauen darauf, dass es gut wird und doch irgendwie zusammenhängt. Realisieren, dass ich im Theorietisieren formidabel, aber in der praktischen Umsetzung miserabel bin zuweilen. Daraufhin Keith Jarret hören. Das Köln Concert. Part II c vor allem. Ach was. Alle. Sich in der Musik von dem verlieren, der immer improvisiert hat, der bei keinem Konzert im Vorfeld wusste, was am Ende herauskommt, der nur darauf vertrauen konnte, dass alles in ihm steckt und zur richtigen Zeit zutage tritt. Der sich so völlig hingegeben hat, eingelassen, wie kein Zweiter. Wenn ich es lange genug höre, dann fällt immer etwas für mich ab.

ein Haufen Arbeit

Das mit der Arbeit ist so eine Sache. Noch eine, die ich, wie so vieles noch nicht raus habe. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sie mich mehr. Oder eigentlich schon länger. Wenn es darum geht, wie Neues in die Welt kommen kann und das ist meine Hauptbeschäftigung, während dieser Ort ein Nebenschauplatz ist, dann ist es systemimmanent Altes und Bewährtes in Frage zu stellen. Wie könnte es denn doch gehen? Muss das so sein? Was wäre, wenn es doch ginge? Das treibt mich an. Natürlich bin ich Teil des Systems. Ich arbeite viel und gerne. Gehe auf in dem, was ich tue. Zuweilen zu sehr vielleicht. Und ich habe schon alle Arbeitsformen ausprobiert. Selbstständig, eigenes Unternehmen, angestellt, Freelancer. Manchmal auch alles zusammen und gleichzeitig. Hatte schon mehr und mal weniger Verantwortung. Manches war Broterwerb und manches reine Lusterfüllung und Freude am Tun. Manchmal auch beides zusammen und gleichzeitig. The Slash Generation heißt es dann wohl oder digitale Boheme, weil das Ausleben der verschiedenen Varianten meiner Selbst meist das Digitale überhaupt erst möglich macht. Wie sähe es aus, nicht …

aufgelistet: Glücksversuche

Fee hat mich vor längerem gefragt, was Glück für mich ist. Mein Kopf hat versucht zu antworten. Dabei spielt der in der ganzen Geschichte die kleinste Rolle. Aber so wenig ich das Glück halten kann, so wenig konnte ich es in Worte fassen, geschweige denn die richtigen finden. Das was mich oft umtreibt, dieses Unvermögen mich auszudrücken, eigentlich etwas ganz anderes sagen zu wollen und nicht so wirklich zum Kern vorzudringen – alles dies ist drin im Versuch einer Antwort auf ihre Frage. Aber es ist ein Versuch und ein Versuch ist immer ein Anfang. Ich lerne. Auch das gehört dazu. Entwicklung zuzulassen, die eigenen Schritte wohlwollend stehen zu lassen, gnädig mit mir zu sein und dennoch es versuchen, immer wieder neu.  Und darüber dann glücklich werden. Was mir sonst Glücksmomente verschafft hat: Kuttner trifft. In diesem Fall Roger Willemsen, den ich so sehr mag. Und der alleine jede Sendung sehenswert macht. Aber in dieser Kombination, über Verantwortung und das älter werden nochmals mehr. Sesam-Karamell-Kekse – wie gut das klingt. Muss probiert werden. Ein Text über Blogkultur und einer über Literaturblogs. …

Wissensfrage

„Es scheint selbstverständlich – und dennoch muss es unaufhörlich bewusst gemacht werden: Das Wissen, das sich hochqualifizierte Spezialisten auf eng begrenzten Gebieten verschaffen, wird immer ein isoliertes Wissen bleiben und niemals einen Wert an sich verkörpern können, sondern einzig und allein nur insoweit es in einer Synthese mit allem anderen Wissen zur Beantwortung dieser einen Frage beizutragen vermag: „Wer sind wir?“ Erwin Schrödinger. Der mit der Katze.

maßlos gut

In Zeiten des Maßhaltens, der grünen Smoothies und Tofuwürstchen ist es leicht zu vergessen, wer der beste Geschmacksträger ist. Butter nämlich. Butter, Butter, Butter. Oder wie es Wolfram Siebeck als die entscheidende Zutat für Kartoffelpüree beschreibt: Butter bis der Krankenwagen kommt. Für den besten aller Milchreise gilt: Und dann noch ordentlich Sahne hinterherkippen.  Die Belohnung ist ein sämiger, ganz weicher, sanfter Milchreis. Vor dem Butterschock bewahren der Krokant und die Orangenhälften. Michreis mit getränkten Orangen und Kürbiskernkrokant. * 180 Gramm Milchreis * 1 Vanilleschote * 1 Liter Vollmilch * 100 Gramm Zucker * 1/2 Liter Sahne * 150 Gramm Butter Den Milchreis in einem Topf mit etwas Butter anbraten. Mit der Milch auffüllen und zum Kochen bringen. Das Mark der Vanilleschote herauskratzen und in die Milch-Reis-Mischung geben. Die gesamte Schote auch gleich mitköcheln lassen. Ungefähr 20 Minuten auf dem Herd köcheln lassen. Immer umrühren dabei. Den Zucker zum Schluss hinzugeben. Gegen Ende die Butter unterrühren und geschlagene Sahne unterheben. * 150 Gramm Zucker * 50 Gramm Kürbiskerne Den Zucker mit 3 Esslöffeln Wasser in einem Topf erhitzen, …

Ich habe verstanden

Menschen finden und begegnen einem. Zur richtigen Zeit. Sätze aber auch. Und wie mich dieser gefunden hat. „Muss man verstehen, um zu fühlen? Sie fühlt und meint, das sei genug.“ Hat Anais Nin gesagt. Und damit viel oder schon fast alles verstanden.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, heute drei, die ich mag. Französinnen, Frankreich. französische Küche. Elegant und klassisch, aber nie zuviel die Mode. Die Sprache so geschwungen schön. Und die Küche und überhaupt. Alleine der Bilder wegen, blättere ich gerne in diesem Kochbuch. Der Teppich ist zwar aus Dänemark, trotzdem sehr schön und wer wird es denn in Zeiten Europas so genau nehmen?  Dann wäre da noch ein Lied, das länderübergreifend Anhänger finden wird. Denn „if you gotta go, go now“ hat sich wohl jeder Mensch schon einmal gedacht. Happy monday. 

Berlinesque

Vier Tage in Berlin. Und wieder einmal gemerkt, wie sehr ich sie mag, diese Stadt. Sie ist so anders als München. Sie irritiert. Immer wieder. Sie ist nicht gefällig, regt auf, ist greller und lauter, ein wenig hässlich und dadurch wieder so schön. Sie lässt einen nicht so in Ruhe, sondern wühlt auf und das tut gut zuweilen.  Wegsehen geht da nicht. Dazu gibt es auch zuviel zu entdecken.