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ein Haufen Arbeit

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Das mit der Arbeit ist so eine Sache. Noch eine, die ich, wie so vieles noch nicht raus habe. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sie mich mehr. Oder eigentlich schon länger. Wenn es darum geht, wie Neues in die Welt kommen kann und das ist meine Hauptbeschäftigung, während dieser Ort ein Nebenschauplatz ist, dann ist es systemimmanent Altes und Bewährtes in Frage zu stellen. Wie könnte es denn doch gehen? Muss das so sein? Was wäre, wenn es doch ginge? Das treibt mich an.

Natürlich bin ich Teil des Systems. Ich arbeite viel und gerne. Gehe auf in dem, was ich tue. Zuweilen zu sehr vielleicht. Und ich habe schon alle Arbeitsformen ausprobiert. Selbstständig, eigenes Unternehmen, angestellt, Freelancer. Manchmal auch alles zusammen und gleichzeitig. Hatte schon mehr und mal weniger Verantwortung. Manches war Broterwerb und manches reine Lusterfüllung und Freude am Tun. Manchmal auch beides zusammen und gleichzeitig. The Slash Generation heißt es dann wohl oder digitale Boheme, weil das Ausleben der verschiedenen Varianten meiner Selbst meist das Digitale überhaupt erst möglich macht.

Wie sähe es aus, nicht die Erfüllung in der Arbeit zu suchen und zu finden, aber doch in ihr aufzugehen, mich nicht über die eigene Leistung zu definieren, die Grenzen zu kennen und dennoch etwas zu schaffen, einen Beitrag zu leisten, weil es doch gut tut, das Können und alles Hineingeben und etwas bewegen?
Wie das gehen soll, weiß ich auch nicht. Dass es gehen kann, hoffe ich. Wie schwer solche neuen Formen sind, das ahne ich. Weil sie an Grundfesten rütteln. An unserem Verständnis von Führung, von Leistung, von Wert, von Kontrolle, von Macht.
Und doch erfahre ich im Kleinen immer wieder, wie viel doch geht. Selbst wenn das immer wieder neu Aushandeln und Verhandeln, das Fragen und Hinterfragen, wo genau meine Rolle ist, die eigene Bedeutung, das Justieren, die fließenden Grenzen furchtbar anstrengend sind. Es lohnt sich. Einer muss es doch tun.

Drei Filme habe ich in letzter Zeit zu diesem Thema gesehen, die mich nachdenklich gestimmt haben:

Auf Augenhöhe ist ein Film, der neue Formen der Arbeit und der Zusammenarbeit beschreibt. Die kleinen Firmen sind es, die mich bewegen. Weil ich bei den großen oft das Gefühl habe, dass es doch nur um die Leistungssteigerung geht und dafür jetzt ein neues Etikett gefunden wurde. Innovative Formen der Zusammenarbeit als die die neue Nachhaltigkeit. Aber wenn eine Klinikangestellte im herrlichsten Schwäbisch davon berichtet, wie der Umzug in ein anderes Haus ganz ohne Regeln und Plan geklappt hat, einfach weil jeder mit angepackt hat, dann ist das ein wunderschöner Moment. Und ein ebenso trauriger, wenn sich ein Fließbandmitarbeiter freut, dass er begrüßt wurde von der Leitungsebene. Das sei ja nicht selbstverständlich.

+ Frohes Schaffen. Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral. Grandios. Rettet die Arbeitswütigen und führt sie vor. Die Religion der Arbeit, das Glaubenssystem, die Glorifzierung des Beschäftigtseins, die Selbstoptimierungsspirale. Er stellt so vieles, wenn nicht gar alles in Frage. Jeremy Rifkins, der sowieso sehr konsequent denkt, kommt zu Wort. Einer der traurigsten Momente ist ein Real Life-Center, ein simulierter Supermarkt, in dem Langzeitarbeitslose mit Spielgeld 40 Stunden dem Kreislauf angepasst werden. Ganz feste schlucken musste ich.

+ Work hard, play hard ist quasi die Fortsetzung. Denn die Antwort alleine ist nicht nur Freiheit. Oder neue Formen wie Leanmanagement. Da weht so ein kühler Wind durch diesen Film. Es lässt einen zittern vor Kälte. Einmal mehr, weil es sich nicht um Fiktion handelt, keinem Drehbuch gefolgt wird, sondern es sich um eine Dokumentation und damit nur die reine, nackte Realität ausgeleuchtet wird.

Aber aufgeben gilt nicht. Schöne Beispiele, die ich – nicht nur – von der „Work in progress“ im Frühjahr in Hamburg mitgenommen habe. Lösungsansätze, die nicht aus der Politik kamen, sondern von Einzelnen, von Querdenkern, Andersmachern, Trotzdemhandlern.

  • Dark Horse, eine Agentur gegründet von 30 Freunden, die immer wieder neu aushandeln was Arbeit für sie ist, ob die 70-Stunden-Woche oder die zwei Monate im Jahr auf Bali, wie sich Zusammenarbeiten organisieren lässt. 
  • Beim Digital Bauhaus im Juli geht es unter anderem viel um Social Entrepreneurship. 
  • Anna von blinkblink, die immer wieder neue Formen ausprobiert des Arbeitens und Zusammenarbeitens.
  • Das Kunstprojekt Schwarzmarkt und Florian Dohmann, der unter anderem dahinter steckt. Der den Wert von Arbeit hinterfragt. 4 Tage die Woche arbeitet und den fünften der Kunst widmet.
  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Personalvorstand mit guten Thesen über die Herausforderungen, vor denen große Unternehmen stehen.
  • Geesche Jost außerdem, die fragt und sich fragt, wie die Rolle einer Professorin aussieht, wenn doch alles Wissen verfügbar ist im Netz und sowieso schnell veraltet und die neue Formen der universitären Wissensvermittlung schafft. Eine Plattform.
  • Van Bo Le-Mentzel, von dem ich seine Hartz-4-Möbel kannte, auf dessen Vortrag ich gar nicht so Lust hatte und der mich dann so beeindruckt hat durch seine Gedanken, seine unaufgeregte Art, sein Hinterfragen unserer Nachhaltigkeits-Wertschöpfungskettendenke, das Verbinden des asiatischen mit dem westlichen Gedankengut.
  • Und die Klassiker: Superwork und „work is not a job“ und „Im Augenblick“ – sowieso immer wieder gut.

Keine Ahnung, wie es gehen kann. Noch viel Arbeit.
Aber in diesem Falle gute.
Und vielleicht finden sich ja noch mehr, die daran mitarbeiten.

1 Kommentare

  1. Wieder einmal so viele gute Links und Denkanstöße. Danke Stephanie. Und auch, dass ich mich hier wiederfinde. Geherzt.

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