Monate: Juli 2015

Sommer satt: Ein bisschen Tel Aviv in München

D er Sommer macht wahrscheinlich jede Stadt lebenswerter. Aber München, München ist im Sommer unvergleichlich. Abends mit einem Bier an der Isar in der Abendsonne zu sitzen, an der Glyptothek entlangradeln und erschlagen sein von der monumentalen Größe und der Geschichte, früher aus dem Büro gehen und im Biergarten alles viel relativer sehen oder sich im Englischen Garten verlaufen – das geht nur hier und nur hier so schön. Und wenn einen doch ein wenig das Reisefieber packt: Es gibt ein neues, sehr schönes, kleines israelisches Restaurant in Haidhausen. Im Juli frisch eröffnet. Das Nana. Im Sommer sitzt man fast auf der Straße und fühlt sich schon gleich in den Süden verschlagen. Es gibt diese Limonade mit Minze, die auch in einer Alkohol-Variante angeboten wird und die so erfrischend ist, dass man immer gleich nochmal eine bestellt und noch eine, weil man eh schon haufenweise Minze zwischen den Zähnen hängen hat und sie einfach zu süffig schmeckt um es bei einer oder zwei oder drei zu belassen. Es gibt bestes, noch leicht warmes Fladenbrot mit einem Humus-Teller. Es gibt …

bestens vorgesorgt für später

„Die beste Vorsorge für das Alter ist, dass man sich nichts entgehen lässt, was Freude macht. Dann wird man später die nötige Müdigkeit haben, und kein Bedauern, dass die Zeit um ist.“ Hat Franziska zu Reventlow geschrieben. Die Worte sofort verinnerlicht und darauf noch einen Eiskaffee getrunken. Man kann nicht früh genug an später denken, heißt es doch.

La vie. C´est ca.

I ch habe es hier schon gesagt, aber es bedarf einer Wiederholung: Au revoir Nizza. Du hast mein Haar blonder, meine Beine brauner, meinen Kopf voller und mein Herz leichter gemacht. Es war sicherlich nicht das Vernünftigste, was ich zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Aber ich halte es da mit Joanna: „Wer will schon auf seinem Grabstein „Sie hatte ein vernünftiges Leben gelebt, und alles so gemacht, wie man es sollte“ stehen haben?“ Au revoir Nizza. Salut München.

Unglaublich, aber wahr: Über eine Frau, ein Buch, das Meer

Es gibt vier Worte, die ändern alles, die vermögen einer Geschichte auf einen Schlag mehr Tiefe, mehr Bedeutung zu geben. „Nach einer wahren Begebenheit“. Wenn sie in Filmen auf dem Bildschirm erscheinen, dann geht alles was danach folgt näher und berührt einen mehr. Wie groß die Macht von Hollywood und der Unterhaltungsindustrie auch ist: Der Mensch hat ein sehr feines Gespür für den Unterschied zwischen Fiktion und Realität. Dass etwas tatsächlich so passiert ist und nun nur schöner ausgeleuchtet wird, berührt eine andere Dimension in uns als die rein phantastischen und erfundenen Geschichten. Wir Deutschen wissen das. Immer noch zu unglaublich ist der eine Teil unserer Geschichte, dass der Gedanke immer wieder aufkeimt, dass das doch nicht wahr sein kann, dass Menschen doch so etwas nicht tun können. Doch. Konnten sie und haben sie. Vom Konjunktiv II zum Perfekt. „Die kleinste Fessel drückt mich unerträglich: Das Leben der Franziska zu Reventlow“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Das musste ich mir immer wieder sagen beim Lesen, wenn ich den Kopf schüttle, ob dieser Frau, die sich mit …

aufgelistet: alles, was das Leben leichter macht

Ein paar Dinge, ein paar leichte, die es leichter machen, das Leben. Manchmal verschiebt sich die Perspektive und man denkt, dass wichtig sei, was nicht wichtig ist.  Wie Frauen andere Frauen auf der Straße ansehen. Der kurze Film hat seine Längen, aber einen Satz darin mochte ich so sehr: „And then you have this moment together“. Ich sehe manchmal andere Frauen, so Schöne, gut Angezogene und die fallen mir häufiger auf als Männer und dann ist es genau so. Man sieht sich an, freut sich miteinander und hat diesen kurzen Moment. Du weißt, dass ich weiß, dass Du weißt, dass Du toll aussiehst. Beiderseitige Freude. Nils Frahm. Screws ist immer noch eines der Alben, in dem es exakt zwei Sekunden braucht und ich werde weich. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Alltagsfrust, blöde Mails, Dominanzgehabe von Kollegen, Fristen und mein eigener Anspruch, der mich unter Druck sitzt, lassen mich verhärten und ich mache auf eine eigene Art und Weise innerlich zu. Aber dann kommen die ersten Tastenschläge und etwas löst sich in mir. Hier ist sein …

Wort der Erkenntnis

Einen Text überflogen auf der Suche nach etwas, von dem ich wusste, dass es da stehen muss. Statt „Gedenkgottesdienst“ „Gedankengottesdienst“ gelesen. Gelächelt über diesen Freudschen Verleser. Dankbar für dieses Wort, das bestens beschreibt, was mir manchmal, manchmal oft passiert: Das übermäßige Huldigen all dessen, was im Kopf entsteht, das Mitreißen lassen vom Chor der Gedanken, diesem Strom, der so schnell zum reißenden Fluss wird, des zu genauen Lauschens auf die Töne, die von oben gesendet werden, die Obertöne. Das Buch zugeklappt und beschlossen, dass es an der Zeit ist, nochmals runter ans Meer zu gehen.

Protokoll eines Gesprächsverlaufes

So kann es sein. So ist es manchmal. Es gibt Gespräche und Begegnungen, die hallen bei mir lange nach. Ich bin schon längst wieder zu Hause oder an einem anderen Ort, aber ich habe ein Stück mitgenommen. Der Dialog geht weiter alleine. Mir fällt noch so vieles ein, dass ich sagen möchte. Es geht nicht ums überzeugen, sondern ums verstehen. Es bleibt etwas zurück. Das sind die Art von Gesprächen an lauen Sommerabenden, die manchmal entstehen, die ein großes Glück und Geschenk sind und die einer besonderen Konstellation an Menschen bedürfen. „Man spricht nicht ernsthaft miteinander, ohne dass sich dabei in beiden etwas ändert“, hat Erich Fromm in Die Kraft der Liebe: Über Haben und Sein, Liebe und Gewalt, Leben und Tod , einer Sammlung von Aphorismen aus all seinen Werken, geschrieben. Was auch sehr lange nachhallt: Der Geruch von Lavendel. Frischer Lavendel hat eine große Magie. Manchmal intensiv, manchmal ganz zart, weht nur ein Hauch durch die Räume, obwohl der Strauß doch am anderen Ende der Wohnung neben dem Bett steht.

das gedruckte Internet

Das Bild ist nicht von mir, sondern von der talentierten Jules. Die Bilder darin sind allerdings von mir. Die Texte auch. Es ist ein Independent Publishing-Projekt von Anselm und Lina.  Lina war der erste Mensch, den ich nur über das Internet kannte und dann „in echt“ getroffen habe. Ich mochte ihren Blog sehr, wir hatten gemailt, es ergab sich, dass ich gerade in Berlin war und am Sonntagnachmittag Zeit hatte. Was war ich nervös. Man hört und liest ja die wildesten Sachen über Menschen, die sich im Internet präsentieren. Könnte in Wahrheit auch jemand ganz anders sein. Und wie bei einem echten Blind Date hatte ich mich vorsichtshalber erst einmal nur für eine Stunde verabredet. Die bekommt man immer überbrückt, dachte ich mir. Auf das Arrangieren eines fingierten Anruf  wegen eines Notfalls weswegen ich ganz schnell weg müsste, habe ich verzichtet. Und dann? Dann war es wie das Treffen mit einer Freundin, die ich schon sehr lange kenne. Was der andere mag und denkt, das Alltägliche, das normalerweise zum Einstieg dient, weiß man ja bereits über das Netz. So kann man …

Messfehler und Wort zum Dienstag

Dieser Drang, dieser Wunsch, dieses Bedürfnis etwas Bedeutungsvolles geschaffen zu haben. Wie schwer das ist mit dem genug haben, das nur eine Frage des Messens ist und damit, wer das Maß anlegt, woran gemessen wird und wie die Richtlinie aussieht. Dass wir unsere eigene Messlatte sind, dass das Beste vielleicht nicht noch kommt, sondern schon da war, dass das Gras überall grün ist und es auch gut ist, ausreicht. Genug. „Ich wäre dir so gern genug, aber es reicht dir nie. Nichts ist dir genug. Aber das ist alles, was du kriegst. Du kriegst mich und deine Familie und diese Welt. Das ist dein Leben. Tut mir leid, wenn du es scheiße findest. Aber du wirst niemals der erste Mensch auf dem Mars sein, und du wirst kein NBA-Star, und du wirst auch keine Nazis zur Strecke bringen.“ aus: Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Die Balance zu finden zwischen festhalten und loslassen. In Beziehungen, im Leben, im Tun, in allem. Wer liebt, lässt frei. Alles. Und dann noch dieses Regal für das Bad und den Flur. Es ist schlicht und lässt viel Raum. Außerdem dieses Lied. Es gibt schönere Videos, aber die Töne, die Töne. Die sind so leicht, beschwingt, sommerlich, dass eine möglicherweise vorhandene Montagmorgen-schlechte-Laune keine Chance hat sich festzusetzen. Dazu muss man einfach ein wenig durch die Wohnung tanzen. Es geht nicht anders. Und jetzt: Loslassen. Mit dem Rhythmus gehen. Oder den Wellen.

kurze Sequenzen, die lange nachhallen

Was Kino kann. Wenn es ein guter Film ist, dann bleibe ich noch ganz lange im Saal sitzen, weil ich noch so tief in der Geschichte versunken bin, nicht möchte, dass es aufhört. Das helle Licht draußen, die Geräusche das ist alles zuviel. Die Welt soll noch warten. Nur ein paar Minuten noch. Denn so schnell werden die Bildern in meinem Kopf überlagert und ich möchte sie noch ein wenig bewahren und halten.  Diese Filme hier sind kurz. Und doch gelingt das Baden und Versinken in den Bildern. Es ist nie eine Frage der Zeit. Wenige Minuten in einer anderen Welt genügen und man fühlt sich so leicht. Eingetaucht wie in das Abendlicht von Nizza. Dieser. Zehn Minuten eine kleine, verwobene, heitere-traurige Liebesgeschichte. Ganz langsam, manchmal auch in Zeitlupe und mit der schönen Natalie Portmann. Alleine die letzte Szene. In blau getaucht auf dem Balkon im gelben Bademantel. Zum Luft anhalten schön. Ein Bild zum immer mit sich tragen. Und dann ist noch die Musik, die verwobene Erzählung. Ein wunderbarer kleiner Eintauch-Abtauch-Film. Dieser. Der zeigt was die Filme von Wes Anderson …

Zitronenschicksal und schwere Entscheidung

Entscheidungsfreude würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen. Wenn ich sonst alles und vieles im Kopf drehe und wende, wenn es drauf ankommt, weiß ich was ich will und ziehe das auch durch. Bei großen Entscheidungen nicht sofort, was auch gut ist, aber bei den täglichen Entscheidungen hadere ich nicht lange. Menschen, die beim Einkaufen noch einmal zurück möchten in den ersten Laden, weil ihnen fünf später einfällt, dass das Kleid Nummer 3 doch schön war, verstehe ich nicht. Mag ich oder mag ich nicht. Geht schnell. In der französischen Patisserie am Morgen erkenne ich mich allerdings gerade nicht wieder. Schokoladentarte oder doch lieber die Himbeer-Macarons? Die Walnusskuchen sehen auch toll aus. Oh, und Kaffee-Eclairs sind gerade reingekommen. Es sei denn, es gibt Tarte au citron. Da bin ich wieder die Alte. Nehme ich sofort. Vorausschauend hatte ich vor dem Abflug schon einmal eine zu Hause gemacht. Zur Einstimmung. Quatsch. War eine spontane Entscheidung, weil die Lust zum Backen groß und noch genug Zitronen im Haus. Nicht lange gehadert, wurde sofort umgesetzt. Tarte au citron  …

Schuldfrage

„Es vollzieht sich das menschliche Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst.“ Max Frisch hat das gesagt. Wer sonst? In einem Satz alles, was man wissen muss und dass man aus der Nummer nicht mehr herauskommt.

Alles fürs schöne Leben

Es ist gerade alles gut. Gut wo es ist. Natürlich könnte immer noch etwas besser sein. Nur ist mir das gerade egal. C´est la vie. Und es ist jolie. Hemdblusenkleider [1] sind perfekt. 100% Südfrankreichtauglich. Darunter kann man den Bikini tragen, denn man braucht, weil die Gelegenheit morgens und in der Mittagspause und dann nochmals kurz abends ins Meer zu springen, sollte man nicht ungenutzt an sich vorüberziehen lassen. Ich mag das Design. So einfach ist es. [2] Ein gutes Magazin [3]. Ein so interessantes. Dieses übrigens auch. Ich werde nicht müde es zu betonen, weil ich mich für die zwei Menschen, die dahinterstehen, so freuen würde. Es ist schon Halbzeit. Nicht mehr lange. Und es wäre so schade, wen es nicht klappen würde.  Ich habe meine Stans verloren. Irgendwo liegen gelassen. Keine Ahnung wo. Dann gibt es eben neue. Dieses Mal in blau. [4] Ein Overall. [5] Ähnliches Prinzip wie das Kleid. Anziehen. Gut aussehen. Fertig. Und im Sommer ist keine Zeit zu verschwenden. Der Kopf weiß das. Nur vergisst er es manchmal. Und …