Monate: August 2015

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Es ist fast schon Dienstag und mir fällt nichts ein, dass ich gerade mag. Doch. Das Montagsmögen. Dass es gut ist, einmal mindestens in der Woche anzuhalten und mich fragen zu müssen, was ich eigentlich mag, wen ich eigentlich mag. Dankbar bin ich. Sehr, sehr, sehr. Und daran muss ich wieder denken, bevor ich das alles hier wieder für selbstverständlich erachte, was es nicht ist. Niemals ist. Dieses Bild, dass ich vor sehr langer Zeit gemacht habe, ist eine Erinnerung daran.  Und ein Lied, dass mich schon seit vielen Jahren begleitet, ebenso. One Life. Ein gutes draus zu machen. Mag ich.

einschlafen und aufwachen

Jeder Mensch hat seine Mechanismen um mit dem, was das Leben einem so entgegenschleudert oder auf den Rücken packt, umzugehen. Die entwickeln sich eben im Laufe der Jahre. Welches Geheimrezept aus dem Apothekerkasten gegen die Sinnfragen und den Weltschmerz am besten funktioniert, hat man irgendwann heraus. Manche rennen davon, mancher betrinkt sich, andere zerstreuen sich und manches Mal hilft auch nur alles zusammen oder wahlweise hintereinander. Mache ich auch alles gerne. Aber mein ultimatives Heilmittel ist der Schlaf. In den Momenten, in denen die Welt ein wenig zu viel für mich ist und ich nicht weiß was tun, wie die richtige Antwort lautet, was jetzt das Passende zu sagen, zu tun oder zu lassen wäre, da ist für mich die Lösung: Mich hinlegen. Mich ins Bett begeben, schlafen oder wenigstens wegdämmern ist ein recht zuverlässiger Ausweg aus jeder noch so komplexen Fragestellung. Wobei ich eigentlich nur einschlafen möchte, um dann wieder aufzuwachen. Egal zu welcher Tageszeit ist Aufwachen auch immer ein Neubeginn. „There is always a second chance: It is called tomorrow“ oder wie Audrey Hepburn gesagt hat:“  I believe …

angekommen

»Manchmal denke ich, wir sollten an einem ganz anderen Ort wohnen, in einem anderen Haus, wir könnten ein ganz anderes Leben leben; doch sobald ich den Kiesweg hochgehe und die Tür aufschließe, bin ich unendlich froh, zu Hause zu sein«, hat Tomas Espedal gesagt. Gerne gebe ich es nicht zu, aber neidvoll und voller Bewunderung blicke ich auf diese Worte. Weil er solch passende gefunden hat, aber auch weil ich den Eindruck habe, dass sie für ihn wahr sein könnten. 

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Diesen Vorsatz, den ich mir ausgedruckt und an die Wand gehängt habe. Von dem ich sehr, sehr weit entfernt bin, was mich aber nicht daran hindern soll, es jeden einzelnen Tag wieder zu versuchen. Das viele versuchen und immer wieder versuchen kann anstregend sein und ich bin überzeugt davon, dass mir das Ausruhen vom Tagwerk noch besser gelänge, wenn ich es auf diesen himmelblauen Tolix-Stühlen tun könnte. Wobei ich auch von der Idee einer Hängematte auf dem Balkon schwer begeistert bin. Das Hängemattengefühl ist nämlich ein unbeschreibliches. Wie ich die auf meinem winzigen Stadtbalkon, auf den maximal zwei Menschen gleichzeitig passen, anbringen will, weiß ich nicht. Werde etwas versuchen. Und weil alles versuchen, freundlich sein, gnädig sein mit sich und anderen, wenn es nicht so gelingt, wie es gelingen sollen, mit Musik besser geht: Dieses Lied. Ein morgen-versuche-ich-es-wieder-Hängematten-Lied, dass passenderweise von Trapezkünstlern handelt. Einer Kunst, für die man viel üben, sehr viel versuchen muss, bis sie einem gelingt. Und selbst dann bleibt es eine wacklige Angelegenheit.

ganz nah dran

F. Scott Fitzgerald hat sehr viele, sehr gute Sachen gesagt. Aber dieser Satz von ihm, der geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Darüber, dass wen man jemanden oder etwas sehr nahe an sich heran gelassen hat, man sich nicht mehr so einfach davon erholt und lossagen kann. Wie schön, wie wahr, wie schmerzhaft vielleicht auch, aber wie lebendig. Zaungast sein gilt nicht. Voll rein und dann ist der Weg heraus eben manches Mal nicht mehr so einfach zu finden. Dinge, die man aus der Ferne betrachten kann oder ganz nah. Dinge, die man an sich heranlassen kann. Dinge, mit denen man sich ablenken kann von Dingen, die einem nahe gehen. Oder einfach Dinge. Man muss es auch nicht immer verkomplizieren. Ein Blumenshirt [1]. Gebt mir ein Blumenshirt und der Tag wird gut. Beschluss des Tages: In dieser meiner Wohnung muss neu gestapelt werden. Hier liegen Stapel um Stapel von Papieren herum, die ich dringend lesen will, soll, muss – so genau kann ich das nicht mehr unterscheiden. Allerdings lege ich sie jetzt erst einmal in ein paar …

Die Sache zieht sich

Mäandern. Ich habe mich in dieses Wort verliebt. Weil es sich so hinzieht, weil da alles drin steckt. Die ewig sich schlängelnden Serpentinen. Das Wort selbst ist ein einziges langgezogenes: Mama, wie lange noch? Ich möchte am Wochenende ein wenig mäandern. Das können nicht nur Straßen, habe ich beschlossen. Auch ich will mich langmachen auf der Couch, mich ziehen, strecken und dehnen, herumlungern, mich ganz und gar dem Nichtstun widmen, überraschen lassen von dem, was sich hinter der nächsten Gedankengabelung verbirgt, mit was das Leben so aufwartet, verlaufen, blind folgen, durchschlängeln, mich verlieren. Mich der Provokation des Unabsichtsvollen hingeben. Wann sind wir endlich da? Noch lange nicht. Noch lange, lange nicht.

Es ist nicht nur die Sehkraft, die nachlässt

„Leider ist es so, dass wir mit zunehmendem Alter […] eine gewisse Sensibilität einbüßen. Unserer Rezeptoren stumpfen ab. Deshalb ist das Alter so unerträglich, weil man sich plötzlich daran erinnert, wie es war […] ein Herz zu haben, ein Herz, das einen zu großen, unbesonnenen Taten befähigte, dazu, sich für etwas zu begeistern und sich als Teil des Lebens auf diesem Planeten zu fühlen.“ aus: Eine schöne junge Frau von Tommy Wieringa

Kenn` ich schon

„Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei. Es ist ohnehin schon wenig genug.“ Von Max Frisch. Von wem sonst? Wenn ich reise, bin ich eine andere. Schon ich. Nur angepasst an die Umgebung und da erkenne ich neue Züge an mir, neue Seiten. Und ich entdecke überhaupt so viel Neues. Weil ich dem Glauben alles zu kennen ein für allemal überhaupt nicht anheimfallen kann. Angekommen in einer fremden Stadt, einem fremden Land, einer neuen Umgebung brauche ich ein wenig um mir eine grobe Orientierung anzueignen. So richtig streunern kann ich erst, wenn ich ungefähr das Gefühl habe, wieder nach Hause finden zu können. Aber wenn das da ist, dann bewege ich mich mit einer Neugier durch die Straßen, die ich zu Hause nicht habe. Da kenne ich schon alles. Glaube alles zu kennen. Und gebe damit so vielem gar keine Chance mehr. In Südfrankreich bin ich jeden Morgen zur Universität und …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Frei schwimmen, mich freischwimmen. Dafür gab es früher sogar ein Abzeichen. Den Freischwimmer. Richtig so. Ist ja auch nicht ganz so einfach. Dann mag ich noch mein sehr einfaches Vorhaben die Küche umzusortieren und alle herumstehenden Öle und Flüssigkeiten in diese schlichten Flaschen abzufüllen. Ich mag dieses Lied, weil in ihm Freiheit steckt, Größe, Weite. Weil es, wenn man es zulässt, einen umgibt und umarmt wie das Wasser im Ozean. Außerdem mag ich noch die myself. Fürs mich mögen. Nein, nicht nur dafür. Aber für Sätze wie diese, die ich in in der neusten Ausgabe in einem Artikel über Ingrid Bergmann gefunden habe: „Wie jeder wirklich interessante Mensch und Künstler trägt sie zwei Seiten in sich, die ständig miteinander ringen und dabei viel Energie und Sinnlichkeit freisetzen. Da ist Freiheitssehnsucht und Wildheit in ihr, aber auch Schutzbedürfnis und Schwäche.“ Und da wäre es wieder: Das frei schwimmen, das Freischwimmen.

Nizza – für immer oder einen Sommer

Nizza, meine amour fou. Nizza war meine wilde Sommerliebe. Eine heftige amour fou mit allen Auf und Abs. Wie jede große Liebe traf sie mich völlig unerwartet und unvorbereitet. Ich hatte nicht wirklich Lust auf diese Stadt und hegte die geringste aller Erwartungshaltungen. Vier Wochen standen auf dem Programm und meine selbst gesetzte Devise war: Die ziehe ich jetzt eben durch. Irgendwie. So dachte ich. Redete mir selbst noch gut zu, als ich endlich landete auf diesem klitzekleinen Flughafen. Vielleicht begann es da. Denn der Flughafen ist ja nichts anderes wie die erste Begegnung mit einem neuen Menschen, da entscheidet sich oft schon, ob es gut geht oder nicht, ob man sich gewogen ist oder nicht, ob da eine feine Verbindungslinie ist, auf der sich aufbauen lässt. Und dieser winzige Flughafen überraschte mich gleich, denn er hatte so gar nichts Provinzielles an sich, sondern die Grandezza einer alten Dame und ganz viel von der südfranzösischen Gelassenheit, die ich so schätzen lernen sollte. Umarmt von der warmen und immer feuchten Luft, eingehüllt, fühlte ich mich so willkommen. Und meine innere Abwehrhaltung bekam …

aufgelistet: ein wenig mittelschwere Kost

Nicht wirklich schwere Kost. Eher mittelschwere. Aber ein wenig das, worüber man normalerweise nicht in den ersten fünf Minuten spricht, sondern erst nach zwei, drei, vier oder manchmal auch fünf Gläsern Wein. Das, wozu es die richtigen Menschen, die passende Gesellschaft, den entsprechenden Abend braucht. Das, was nicht jeden Tag Platz hat, aber wenn es dafür gar keinen Raum gäbe, es auch sehr schade wäre. Aber auch Leichtes und Schönes. Es ist immer die Mischung, die es macht. Dieser Film über die Komikerin Tig Notaro. Die alles, was ihr das Leben entgegenschleudert mit Humor nimmmt. Wir haben doch oft keine andere Chance. Groß. Diesen Blog, den ich bei Okka entdeckt habe. Allein dieser Satz: „Ich denke, Schönes entsteht, wann immer Menschen die Augen nicht verschließen und ein bisschen Mut aufbringen.“ Eine, die sich hundert Tage lang einfach mal all ihren Ängsten gestellt hat. Kreative muss man lieben. 10 Punkte, die dabei zu beachten sind. Ein ganz zartes, feines Lied. Für alle Sinnsucher. Ich habe überhaupt eine Passion für Radiohörspiele. Sie haben so etwas herrlich Antiquiertes und …

Gefunden, verletzt, geweint. Über ein Buch und seine Folgen

Wie ich Bücher finde? Das weiß ich nicht. Vielleicht weil ich ein wenig daran glaube, dass sie auch mich finden. Zur rechten Zeit.  Dieses hat mich gefunden. Ich habe es ausgesucht oder es mich. Wer weiß, dass schon so genau? Begegnet sind wir uns schon früher. So viele hatten davon erzählt. Sie hätten am Ende geweint. Es sei so bewegend. Ein Krebsbuch. Es bewegt sehr. Es ist ein gutes Buch. Und ich habe geweint. Nicht, weil es um Krebs und um den Tod geht. Da wird mir wieder einmal klar, warum es so furchtbar sinnlos ist, Bücher zu beschreiben, indem man den Inhalt wiedergibt. Ob es um ein Mädchen oder einen Jungen geht oder um Krebs oder Leben, ob es ein Jugendbuch ist oder ein Roman ist so nebensächlich angesichts der Tatsache, dass Bücher entweder anrühren oder nicht. Und hier ist nicht Kafka überzustrapazieren, mit seinem Satz, dass ein Buch sein muss wie eine Axt für das gefrorene Meer in Dir, obwohl er Recht hat und dieses eines von denen war, auf die das zutrifft.  Es geht …