Monate: November 2015

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Genau hinsehen. Wie reich beschenkt bin ich worden in den letzten Wochen mit Menschen, mit Begegnungen. Jeder für sich genommen genau zum richtigen Zeitpunkt, auf die Minute perfekt und das an Orten, an denen ich es nicht vermutet hätte. Ich mag diesen Stern. Weil er ganz schlicht und leise die Zeit des Schenkens und der Dankbarkeit einläutet. Die zwei sind zwar nicht saisonal begrenzt, aber im Dezember treten sie so klar zutage wie selten. Ich mag dieses Lied, weil es ruhig ist, sanft wie leichter Nieselschnee.  

Kälteschutz

Es ist soweit. Ich habe die Heizung angestellt. Mich verflucht, weil ich mir nie merken kann,  wie diese Gastherme richtig einzustellen ist. Ich habe die dicken Dauenendecke rausgeholt und die Gummistiefel aus dem Keller getragen. Mir statt einem schnellen Salat am Abend zusammenzuwerfen, schon drei Mal ein richtig mächtiges Risotto mit Parmesan gekocht. Es wird kalt. Auch gut. Genug Gründe, um drinnen zu bleiben, vielleicht sogar gleich im Bett, zu lesen, Serien zu schauen und ausgiebigst nichts zu tun. Dennoch brauche ich eine dicke Jacke [1], weil ab und zu muss jeder einmal vor die Tür und dann sollte einen nicht gleich der Schlag treffen.  Weil ich die Heizung gerne voll aufdrehe, kann ich dann drinnen weiterhin kurzärmelig herumlaufen. In diesem schönen Kleid [2] beispielsweise. Geht immer. Weihnachtspost will geschrieben werden. Mit denen [3] schreibt es sich gut und sie sehen gut aus. Wale an die Wand [4]. Hat nichts mit Kälte zu tun, machen auch nicht warm. Sehen nur hübsch aus.  Ich mag keine Winterschuhe. Die sind so schwer an den Füßen. Damit kommt …

eine sehr rationale Angelegenheit

„Man glaubt die Vernunft zu beleidigen, wenn man für ihe Nebenbuhlerinnen eine Wort einlegt. Und dabei können doch nur Leidenschaften und zwar große Leidenschaften die Seele erheben  zu großen Gegenständen.“ Aus Philosophische Schriften von Diderot. Wiederentdeckt in Der Tag ist hell, ich schreibe dir von Tanja Langer. Mir sogleich notiert für den Fall der Fälle, dass ich kontern kann, wenn es darauf ankommt.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wie es läuft gerade. Nicht, dass es besonders gut oder besonders schlecht liefe. Leben halt. Aber es so zu nehmen, wie es kommt funktioniert gerade sehr gut. Mich über das freuen, was ist, vertrauen darauf, das es gut wird, wie es kommt. Leichtfüssig durchgehen, stolz flanieren und das geht in hohen Schuhen immer noch am besten. Ich mag außerdem, dass ich meine liebsten Gummistiefel wieder auspacken konnte. Das ist eine ganz andere Art des Laufens. Hallo Novemberregen. Der hat auch etwas. Und dieses Lied von Al Green mag ich sehr. Ein Regenlied. Ein Klassiker. Der immer wieder läuft. Läuft bei mir.

nicht dafür: Ursprünglich menschlich

Im Norden entgegnen mir Menschen oft mit „Nicht dafür“, wenn ich mich bedanke für ihre Unterstützung oder Hilfe. „Doch dafür“, will ich dann immer reflexartig antworten, weil ich es nicht als selbstverständlich erachte, dass jemand einen Umweg macht für mich, länger bleibt, etwas für micht tut, mich unterstützt. „Gerne“, sage ich immer selbst, wenn sich jemand bei mir bedankt. Weil ich es auch so meine. Es ist schon ein wenig her, da hat sich jemand bei mir bedankt. Für meine Menschlichkeit. „Nicht dafür“, habe ich gesagt, statt „gerne“. Auf dem Weg nach Hause ist mir aufgefallen, dass in diesem schönen Wort Menschlichkeit doch eigentlich schon die ganze Antwort steckt. Alle Handlungsanweisungen werden gleich mitgeliefert. Es bleiben keine Fragen offen. Menschlichkeit: Ein Wort, das sagt, worum es geht. Menschlich sein. Wenn wir nach der deutschen Sprache gehen, scheinen wir dafür vorgesehen zu sein, das ist sie, das müsste sie sein, unsere Natur, das Ursprünglichste, das natürlichste der Welt. Nicht dafür. Dafür: Es gibt übrigens ein sehr schönes Filmprojekt von Arthus-Betrand über das Mensch sein, das auf den Filmfestspielen in Venedig …

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Ein später Herbstnachmittag in Regensburg. Beim Herausgehen aus dem Cafe, fällt mein Blick auf diesen Herren, den ich nicht kenne, der im Hauseingang steht und eine raucht. Ich fand ihn sehr attraktiv, wie ich oft oder manchmal Menschen schön finde. Männer und Frauen. Momente. Augenblicke. Ich habe das Festhalten durch Fotografieren nie als Widerspruch zum da sein und im Moment sein empfunden, sondern eher als ein Herausgreifen. Es betont und hält an, blendet aus. „Der Existenzialismus ist ein Lebensgefühl, das kein Morgen kennt, kein Leben nach dem Tod, es kommt von der Erfahrung des Krieges. Und das Prinzip Hoffnung, wie Ernst Bloch es denkt, nimmt doch dasselbe Gefühl zum Ausgang, und es lehrt, wie Lebenskraft und Fantasie und intellektuelle Kräfte uns vorantreiben, und beide Philosophien schließen einander nicht aus. Faust durchwandert die Welt, er betritt Stufen, auf jeder neuen beginnt er neu. Verweile doch, du bist so schön, das würde Faust so gerne einmal sagen, zum Augenblick, auf den hin er lebt. Camus´Meursault sagt: Du bist der Augenblick, bis der nächste kommt. Beide erleben ihre Momente des Entäußert-Seins und …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Noch hin- und hergerissen zwischen Wut und Traurigkeit, Beklommenheit angesichts der Nachrichten und doch immer wieder dem Glauben an Menschen und an das Gute. Das ist nicht klein zu kriegen. Was gut ist: Mister Frog von Holger Becken hat es mir sehr angetan. Ein Vater-Tochter-Projekt. Er zeichnet, sie weiß wie man es im Internet der Welt zugänglich macht. [Toll fotografieren kann sie auch]. Eine gute Sache. Das Buch Kindheiten von Sempé, diesem ganz besonderen Menschen, der voller Feingefühl war und einem Blick für die Besonderheiten der Menschen, habe ich schon vor langer Zeit ins Herz geschlossen. In diesem Buch zeichnet er seine eigene Kindheit einfach so, wie er sie sich gewünscht hätte. Sich eine gute, eine bessere Welt zu imaginieren kann und darf nicht verkehrt sein. Ein Anfang. Ein Lied noch, dass ich mag. Little Bird. Klein fängt es an.

Bitte bleib noch

Wenn man Liebeskummer hat, ist man sowieso schon in einem äußerst angreifbaren Zustand. Das mag erklären, dass einem nichts, aber auch gar nichts mehr peinlich ist. Wer leidet, dem empfehle ich Jaques Brel. Dem kann man in nüchternem Zustand kaum zuhören, aber wenn das Herz schmerzt oder der Kopf durch zu viel Wein benebelt ist, dann gibt es niemandem, der einen besser versteht als er. Er weiß was Leiden ist. Ne me quitte pas, verlass mich nicht, das muss man überhaupt erst einmal über die Lippen bringen und er singt es mit aller darin zu Grunde liegenden Verzweiflung. Ne me quitte pas. Die Quittenzeit nähert sich dem Ende, was mich traurig stimmt. Ich habe nämlich – und das passiert ja oft gegen Ende von Beziehungen – jetzt erst erkannt, was ich an ihr habe. Quittengelee und an guten Tagen ein Quittenlikör, mehr war nicht drin. Nun erst sehe ich das Potenzial und die vielen guten Seiten an ihr. Ist mir nicht aufgefallen, als sie sich noch auf dem Küchentisch stapelte. Da war sie so selbstverständlich und eben einfach …

aufgelistet: Kann man so sehen oder so

Wir haben immer die Wahl. Wie wir es sehen und auch was wir sehen. Entweder fällt einem das nervige Baugerüst ins Auge, dass jetzt schon seit über einem Monat die Sicht versperrt. Oder man bemerkt das Blatt, das sehr schöne, das im Novemberregen auf besagtem Gerüst vor meinem Fenster in der Sonne glitzert. Es ist beides drin. Immer. Es ist nur eine Frage der Perspektive. Einiges, dass auch so oder so betrachtet werden kann: Ein so guter Artikel darüber, warum vor lauter Sehnen nach dem Sabbatical der wahre Systemfehler unentdeckt bleibt und warum das ganze Gerede vom Aufladen, Auftanken vergessen lässt, dass wir keine Duracel-Häschen sind. Ein Lied. Ein altes. Ein immer noch so gutes. So schade, dass diese Frau nicht mehr unter uns weilt. Sie hat so viel Gutes gesagt und es dabei immer einfach gemacht. Weil gute Dinge sagen ja viele, aber manches Mal eben so, dass sie keiner versteht. Sie war immer klar und auf den Punkt. Vera Birkenbihl. Einer ihrer schönsten Beiträge über Kommunikation. Jeder sieht, was er will und was er sieht, sagt …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Diese Sätze von John Green aus dem Buch Looking for Alaska, weil sie mich daran erinnern da zu sein. Das tut vor allem Montags gut. Der Tag, an dem die Zukunft oder wenigstens die Woche so herrlich unverbraucht vor einem liegt. Ich mag außerdem diese Häkeleien von Claudia. Handgemacht, sehr liebevoll, zeitlos. Weihnachten liegt ja in nicht allzu ferner Zukunft. Desweiteren höre ich gerne dieses Lied am Abend und tanze zu diesem am Morgen. Ich mag überhaupt gerade alle Zeitzonen: Futur, Perfekt und das Präsenz, das zwischendrin. Ein guter Zustand. Der darf so bleiben.

das muss sein

„Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.“ Diese Worte von Alfred Herrhausen gingen mir nicht aus dem Kopf in den letzten Tagen, in den letzten Wochen. In der Tristesse der Hotelzimmer, die vorgeben ein Zuhause zu sein und es gerade deswegen doch nie oder selten sind. Sonst sage ich mir immer: „Wir müssen überhaupt gar nichts.“ Aber doch. Sagen, tun und sein – das müssen wir.

Der, die oder das Andere

„„Menschen sind Resonanzwesen. Das Gefühl gesehen und anerkannt zu werden ist so wichtig, wie kaum etwas anderes“, hat der Soziologe Hartmut Rosa gesagt. Das erklärt einiges, wenn nicht sogar vieles. Beispielsweise das Phänomen, dass wir ein Gespräch als gut empfinden und das Gegenüber als intelligent erachten, wenn unsere Meinungen und Ansichten in möglichst vielen Punkten übereinstimmen. Wir mögen generell Menschen, die so aussehen, so leben, sich so verhalten, wie wir es tun. Der andere ist ein Spiegel meiner selbst und zwar nicht nur in der engsten aller Beziehungen, der als Paar, sondern auch in den anderen außen herum. Und so umgibt man sich auch mit solchen. Im Studium und im Beruf kennengelernt ist man eines Tages unbemerkt von seinesgleichen umgeben. Das ist nicht unbedingt so gewollt. Es passiert einfach mit der Zeit. Und fällt nicht auf, weil das sicheres Terrain ist. Die Mediziner tummeln sich mit den Medizinern, die Juristen mit den Juristen. Die Banker mit den Bankern. Auch die Werber bleiben gerne unter sich. Wenn irgendwann Kinder kommen, kommt man mit anderen Berufgsruppen in Kontakt, aber in …

Drei Worte, die alles sagen

„Wachse und gedeihe“. Drei kleine Worte am Sonntagmorgen, die mich mehr berühren als alle Lobgesänge, Fürbitten oder die gesamte Predigt. So oft schon gehört und natürlich bekannt, aber nun sitze ich da in einem Gottesdienst, weil ich es versprochen hatte, weil es sich eben so gehört, mehr den Freunden zu Liebe als aus einem eigenen Antrieb heraus und gegen einen Widerwillen kämpfend, der immer auftaucht, wenn etwas mehr aus der Verpflichtung als aus meinem eigenen inneren Wunsch heraus geschieht. Und doch bin ich immer wieder gerührt auf diese seltsame Art und Weise, wenn Menschen sich Unmögliches versprechen oder, wie jetzt, ein sehr kleines Wesen gefeiert und getauft wird. Und wenn ich schon irgendwo bin, dann immer ganz, denke ich mir. Da sitze ich so und höre diese drei Worte, mit denen man das Kind ins weitere Leben entlässt: „Wachse und gedeihe“ Religiös oder nicht, Glaube hin oder her, sind sie das Schönste und Beste, was man einem Menschen, nicht nur einem sehr kleinen auf den Weg mitgeben kann. Was man sich für sich selbst wünschen und vornehmen kann. Wachsen und …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Jeans beispielsweise gerade sehr. Lange Zeit gar nicht und jetzt gerade fast nur. Liegt vielleicht daran, dass ich eine neue habe. Und neue Dinge muss ich immer sofort und ausgiebigst tragen. Diese Creme habe ich auch neu entdeckt und mag sie sehr. Riecht gut und ist geeignet für trockene Winterhaut. Dieses Lied kenne ich schon so lange und mag ich ebenso lange. Weiß nicht mehr, wo ich es entdeckt habe. Aber es ist eines, dass beim Autofahren nachts zu hören ist. Weiß nicht warum. Manche Lieder sind dafür einfach besser geeignet als andere. Und das ist so eines. Geeignet sein. Mag ich auch. Wofür auch immer.

Die nächste Stufe der Beziehung

Wenn man sich schon ein wenig näher kennt, wenn man ein oder zwei Abende miteinander verbracht hat und auch ein paar ganze Tage, wenn man sich und den anderen nicht mehr die ganze Zeit auf den Prüfstand stellt, dann erweitert sich irgendwann der Kreis der Zweisamkeit und man wird den Freunden vorgestellt. Das ist Vertrauensbeweis und das Zeichen, dass das nicht nur eine kurze Affäre ist, sondern sich zu etwas entwickeln könnte von Dauer. Irgendwann sind dann auch die Eltern dran und die Familienfeier. Diese Erweiterung des Kosmoses ist ein Beleg dafür, dass die Beziehung trägt, dass der andere eingelassen wird in den Kreis derjenigen, die schon vorher da waren. Dort entdeckt, man nochmals andere Seiten am Anderen. Wie er den Coolen gibt vor seinen Freunden. Wie man eine Ahnung bekommt, von dem kleinen Jungen, der er mal war, wenn er wieder am Esstisch seiner Eltern sitzt. Das musste ich mir vor Augen führen, als ich dieses Buch über Roger Willemsen las. Den glaubte ich nämlich zu kennen. Aus dem einfachen Grund, dass ich sehr für ihn schwärme. Vielleicht …