Monate: Februar 2016

Zwischenstand wird Endresultat

Gegen Ende des Jahres war ich noch voller Vorsätze alles ganz neu und anders zu machen hier. Viele Ideen schleppe ich immer noch mit mir herum. Da ist so eine Vorstellung in meinem Kopf, wie es zu sein hätte, aber das verbuche ich jetzt unter überambitionierten Neujahrseuphorie, die von der Realität eingeholt wird. Spätestens im Februar ist das der Fall. Auch die Yoga-Karte wurde noch nicht so beansprucht, wie ursprünglich geplant. Aber was soll das Hadern und Verzagen? So wie es ist, ist es gut. Diese Einstellung hilft mir oft im Leben. Es hat sich aber auch einiges getan. Einiges verlief sogar nach Plan. Mir taten die alten Inhalte schon immer leid, die irgendwo schlummerten und jetzt dürfen sie in Magazinform in regelmäßigen Abständen wieder ins Rampenlicht. Nicht alle, weil einige verbuche ich unter der Rubrik: Wir lernen das neue Format Blog kennen. Das gehört eben auch zur Entwicklung, muss nicht nach ganz vorne, aber bleibt bestehen.  Für alle Chronologie-Nerds gibt es oben unter dem Register „Blog“ weiterhin das gewohnte Format. Für all diejenigen, die nur in ihren …

Zurück in die Vergangenheit: Zeitlos

Es gibt Bücher, deren Magie erschließt sich im Rückblick nicht mehr. Rausgewachsen ist man aus ihnen wie aus zu klein gewordenen Kleidern. Der Steppenwolf beispielsweise, den kann ich nicht mehr lesen so wie damals, weil ich eine andere geworden bin. Nicht mehr ganz so radikal, nicht mehr ganz so euphorisch. Milder bin ich mit dennoch gelegentlichen Ausbrüchen und das mag einer der Gründe sein, warum mir dieses Buch mittlerweile ein wenig fremd ist, so wie man etwas verwundert auf alte Liebschaften zurückblickt und nicht mehr sagen kann, was einen damals angezogen hat und den anderen so unwiderstehlich erscheinen lies. Aber es gibt Bücher, die berühren mich noch immer an den immer gleichen Stellen. Vielleicht weil ich in ihnen mein Ich von damals sehe. Dshamilja ist so eines. Ich habe es gerade noch einmal gelesen. An einem Samstag Vormittag aus Verlegenheit. Ich hielt es beim Aufräumen auf einmal in der Hand, wollte mich nur kurz damit aufs Sofa setzen, um etwas reinzulesen und konnte dann kein Ende finden. Es war so, genau so, wie damals. Nicht umsonst, wird sie bezeichnet, als eine der schönsten …

Schrittweise Erkenntnis

„Alles, was der Mensch tut, geschieht schrittweise. Alle Erkenntnisse, zu denen er gelangt, alle Gedanken, alles, was passiert und gesagt wird, fließt in Prozesse ein, Schicht auf Schicht von gemachten Erfahrungen. Das Leben an sich wird schrittweise gelebt, per definitionem, und das Bewussstein ist so gemacht, durch die Evolution. Wir streben die Liebe an, um zu spüren, dass jemand uns sieht.“ Lena Andersson in Widerrechtliche Inbesitznahme

Das Beste aus beiden Welten

„Best of breed“ nennt man im Softwarebereich die Philosophie, sich die besten Lösungsteile für jeden Anwendungsbereich zusammenzustellen. Nicht immer ist nämlich eine Lösung für jede Situation auch geeignet. Feine Sache. Und wie so oft im Leben begegnet man dieser Problematik auch in anderen Bereichen. Der Küche beispielsweise. Habe ich Lust auf Käsekuchen? Oder Schokoladenkuchen? Vielleicht im Gedenken an ihn? Was wäre besser und passend für einen Mittwoch Nachmittag? Wer sich nicht entscheiden kann, macht einfach beides. Zusammen. „Two in one“ ist das „best of breed“ der Kosmetikindustrie plus das Aufgreifen des Trends nach mehr Effizienz und Zeitgewinn. Shampoo und Spülung in einem, Duschgel und Bodylotion aus einer Flasche. Was Schönheitsmittel können, kann auch Kuchen. Käseschokoladenkuchen [hier gesehen und leicht abgewandelt] 125 Gramm weiche Butter 125 Gramm Zucker 2 Eier 1 Bourbonvanille 175 Gramm Mehl 1 Teelöffel Backpulver 80 Mililiter Sahne 75 Gramm Schokolade 3 Esslöffel Kakao 300 Gramm Frischkäse 80 Gramm Zucker 1 Esslöffel Speisestärke 2 Eier Butter und Zucker schaumig schlagen. Derweil die Schokolade über dem Wasserbad schmelzen. Den Ofen auf 150 Grad vorheizen. Eine Gugelhupfform buttern, was man eben so …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Eine Hängematte. Das lässt mich nicht los. Eine Hängematte in der Wohnung wäre eine feine Sache. Vielleicht, weil sie wie nichts anderes für das Loslassen steht. Mitten im Wohnzimmer am Abend ein paar Stunden lesen und schaukeln. Das würde ich mögen. Gelbe Aufbewahrungsgläser mag ich auch. Hang loose. Ich mag dieses Lied und finde, dass es der Welt nicht schaden würde, würden mehr Menschen in schönen Hauseingängen Ukulele spielend das Leben besingen. In diesem Sinne: Lasst Euch hängen, nehmt es leicht diese Woche.

aufgelistet: Leise Stimmen, neues Licht

Soll ich etwas schreiben oder soll ich nicht? Ist das meine Aufgabe? Reden nicht schon genug Menschen diese Tage und geben ihren Senf dazu? Was zählt da meine Stimme? Und was ist überhaupt mein Beitrag? Alle sind sich so sicher, wer auf der richtigen Seite steht, wer Schuld hat und was zu tun sei. Ich nicht. Ich höre den Argumenten der einen und denen der anderen Seite zu und versuche irgendwo dazwischen etwas zu finden, was nicht Wahrheit ist, weil ich nicht glaube, dass es die eine gibt, aber vielleicht einen Weg. Was schon einmal ein Ausweg wäre aus der Sackgasse des lauten Beschimpfens, der Schuldzuweisungen und der einfachen Antworten. Im Sinne von Hannah Arendt, die ich so bewundere für ihre Klarheit, versuche ich zu verstehen, was mir zwar nur mittelmäßig gelingt, mich aber nicht davon abhält, es weiterhin zu versuchen. Ein paar kleine, leise Stimmen, die mich zum Nachdenken gebracht haben in den letzten Wochen und eine neues Licht geworfen haben auf Aspekte, die ich so nicht gesehen oder bisher übersehen hatte. Einige, die mich einfach …

Mentales Kofferpacken

„Denn das ist das Harte am Reisen: Es ist kein Leben. Das Glück der Freiheit und der Fremde bedeutet den Verlust von Zugehörigkeit und Nähe und Kontinuität.“ „Wie das geht, einen ganzen Monat einfach so zu vertrödeln? … Es ist ganz leicht. Wir haben uns einfach nur nie getraut, das auszuprobieren. Vielleicht aus Angst, die Maschine nie wieder in Gang bringen zu können, wenn der Motor einmal aus isst. Vielleicht wollen wir aber auch -nur mal so als böser Verdacht – mit unserer ganzen Betriebsamkeit darüber hinwegtäuschen, dass sich dieser Tanz um eine verdammt leere Mitte dreht.“ aus: Das große Los von Meike Winnemuth

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Gerade würde ich den Lauf der Dinge als suboptimal für mich bezeichnen. Was einst Spaß machte, tut es nun nicht mehr ganz so sehr. Und jetzt stehe ich da und weiß auch nicht was machen. Abwarten wahrscheinlich. Den Sturm vorbeiziehen lassen. Aber wenigstens mit Stil ist mein Motto. Egal was einem begegnet: Gut aussehen dabei. Egal was und wer kommt: Immer mich ganz reingeben. Trage ich jetzt für jeden einsehbar auch mit mir herum. Das Tragen einer Schlupenbluse macht ungewisse Zustände irgendwie auch gleich erträglicher. Das mag ich. Ich mag, dass ich der geschätzen Frau Julia Fragen zu dieser Sache mit der Kultur beantworten durfte. Ich mag ein Lied, das mich wieder daran erinnert, dass ich gut aufgehoben bin, zu Hause bin, einen Hafen habe bei einem ganz wunderbaren Menschen. Das mag ich. Über alle Maßen und nicht nur an Montagen. Wenn ich so darüber nachdenke, doch eigentlich auch vieles optimal.

Auf der Suche nach dem gewissen Etwas: Magisches Brot

I ch gebe ab und an mit Freunden Essen. Das kam zu mir wie alle guten Dinge im Leben. Ich hatte Lust, eines kam zum anderen und auf einmal war ich Teil von etwas sehr, sehr Schönem und was einst Traum war, jetzt wahr. Ich wurde mal gefragt, wie so etwas funktioniert. Das fand ich eine gute Frage. Die stelle ich mir selbst oft. Was macht ein Produkt gut? Was einen Ort so besonders? Warum habe ich nach dem Gespräch mit diesem Menschen ein so gutes Gefühl? Warum bei anderen nicht? Was macht es aus? Ein wenig Magie ist immer dabei. Aber es hängt auch viel von der richtigen Zusammenstellung ab. Die Mischung macht es. Im Falle der Essen machen es die Menschen aus, die zum richtigen Zeitpunkt aufeinander treffen. Wenn jeder dann das, was er gut kann, einbringt, entsteht etwas das größer ist als der eigene kleine Beitrag. Das Brot, das ich für das letzte Essen gebacken habe, hat auch ein gewisses Etwas. Ich wollte eigentlich Pumpernickel selbst backen. Dieses Brot, das alles anders …

Austarierte Übergriffigkeit

„Einer liebt immer mehr“. Keine Ahnung, wer mir das einmal gesagt hat, wem ich das erzählt habe, wo ich das gelesen oder gehört habe. Ich weiß nur, dass mich dieser Gedanke nicht losgelassen hat, wie es manches Mal eben so mit Gedanken ist, die eine Struktur erfassen oder ein tiefer liegendes Muster beschreiben. Jeder war schon einmal auf der einen oder auf der anderen Seite. Keine fühlt sich gut an. Und selbst in den Beziehungen, in denen die Seiten grundsätzlich einigermaßen austariert sind, gibt es zuweilen Überhänge und Überschüsse, Defizite. Der Unterschied zu den Brüchen ist nur, dass es sich abwechselt. Mal liebt der eine, mal der andere mehr und dann wieder von vorne. Nicht weil es ums Bilanzieren ginge im Zwischenmenschlichen, vielleicht eher weil Balance und Gleichgewicht sehr starke Kräfte sind und immer am Werk, weil Entwicklungen unterschiedlich schnell und langsam verlaufen. In Widerrechtliche Inbesitznahme von Lena Andersson liebt eine nicht nur mehr, sie liebt übergriffig. Sie legt alles in die Waagschale. Sie zieht und zerrt am anderen. Sie versucht wieder und wieder ein Spiel zu …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich mochte die Nachricht heute nicht. Die, dass er nicht mehr da ist. Das ist ein Montag ohne Rosen. Das ist ein Montag, der eine Leere hinterlässt. „Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten“, hat er gesagt. Und deshalb und nur deshalb: Ein Lied.

Streifzug

Streifenshirts sind mir die liebsten. Die klassischen. Die Auswahl ist schon jetzt groß und eines Tages wird dieses hier dazukommen. Das sind auch nicht einfach Baumwolle mit Linien bedruckt. Das ist viel mehr. Wer Streifen trägt, trägt nicht einfach nur Streifen. Streifenshirts zu tragen ist ein Statement. Sie sind getragene Lebensbejahung. Streifen tragen trägt auch immer ein Hauch Maritimes, ein wenig Meer mit sich. Man sitzt zwar im Büro, aber nur temporär, eigentlich gehört man auf die See oder zumindest an den Strand. Und weil ich nach diesem Prinzip funktioniere und obendrein der Januar vorbei ist und ich jetzt bereit wäre für den Sommer, habe ich mal Streifen gesammelt für den Frühling. Ein wenig exzessiver. Dieses Streifenkleid [1] hat es mir sehr angetan. Streifen sind schon toll, Kleider ebenso und in Kombination ganz wunderbar. Streifen werden sogar in der Küche einziehen, weil Vorratsdosen hat man nie genug [2]. Ebenso wie der Klassiker unter den Sneakers: Gazelle [3]. Dieser Rock ist fröhlich [4] und wer es ganz gewagt will, trägt auch noch die passende Bluse dazu. Oder diese sehr klassische. …

Aufgabenstellung

„Man sollte immer versuchen, alle Sachen, auch die gewöhnlichsten, die ganz selbstverständlich da zu sein scheinen, mit neuen, erstaunten Augen, wie zum ersten Mal, zu sehen. Dadurch gewinnen sie ihre Erstaunlichkeit zurück, die im Selbstverständlichen eingeschlafen war, und die Welt bleibt frisch; sonst aber schläft alles ein,Leben, Freude und Staunen.“ Aus Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann, das ich damals verschlungen habe und diese Sätze nun wiederentdeckt bei Meike Winnemuth. Dazu ein Bild, dass ich während eines Spaziergangs gemacht habe von einem Mädchen, das mit größter Ausführlichkeit fast eine Stunde lang den Berg hoch unter wieder herunterlief und damit Thomas Mann in jungen Jahren bereits vollkommen verinnerlicht hat.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Dass jeder Tag anders ist gerade. Ich mag das Projekt und die Bilder von Alex Proba. A poster a day. Jeden Tag neu, jeden Tag anders. Dieses besonders. Ich mag diese Chaiselongue. Alleine das Wort. Und dann noch die Vorstellung darin zu liegen, die Tage vorbeiziehen zu lassen, darüber zu sinnieren, ob nicht auch alles ganz anders sein könnte – das hätte ich gerne. Dabei dieses Lied hören. Und dieses gleich hinterher. Ein ganz anderes. Aber genau das, das mag ich sehr.