Monate: Mai 2016

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wenn es überfließt. Ich mag den Sommerregen. „Wir können das Leben nicht verlängern, aber wir können es verdichten“, hat Roger Willemsen gesagt. Und das ist so schön und wahr, dass ich gleich diesen Satz von Elke Heidenreich hinterherschieben muss: „Ich lebe viel mehr, als ich schreibe, ich erlebe über meine Verhältnisse und muss immer bremsen, damit nicht zu viel passiert.“ Über seine Verhältnisse erleben – was ein schöner Gedanke. Den mag ich. Mochte ich schon am Sonntag. Ich mag dieses Fischkissen, wahlweise auch das. Ich mag das ich randvoll zum Überfließen bin gerade mit schönen Erlebnissen. Ich mag dieses Lied über Kirschblüten, die mindestens genauso schön sind wie Sommerregen. Und diesen Song, auch wenn er „Haut und Knochen“ heißt, was weniger überfließend, dafür eher asketisch daherkommt. Ich kann zählen und das sind mehr als zwei Dinge, die ich mag. Aber ich sage ja: Überfließen. Und wer würde da bitte nachrechnen?

Gegenüberstellung

„… dieser Widerspruch, dem wir uns alle stellen müssen, etwas perfekt zu machen, unserer Arbeit, unser Wissen und unsere Gefühle, alles strebt dem Ideal nach, während die Wirklichkeit stets unrein ist. Das Vollkommene kann man nur bewundern, das Unvollkommene muss man erst verstehen lernen, und dann kann es Gegenstand unserer Liebe werden.“ Aus einem meiner liebsten Bücher: Rot von Uwe Timm

Rhabarbertarte en detaille

Ein Abend, der so schön war, dass er dort endet, wo alle guten und langen Abende enden: In der Küche. Gespräche über, worüber man immer spricht, wenn der Abend lang und schön war und in der Küche endet: Über den Glauben. (Manches Mal auch über Marxismus, wobei mir gerade einfällt, dass dies – und das mag alters- und berufsbedingt sein, mittlerweile weniger Gesprächsthema ist). Die Frage, wo man herkommt und warum man da ist und wie unglaublich diese ganze Sache überhaupt ist, ist für spezielle Zeiten und Orte reserviert und kann ja auch nicht jeden Tag Thema sein, wenn es Bilanzen zu erstellen, Spülmaschinen auszuräumen, Doppelhaushälften abzubezahlen gilt. Aber es gibt sie doch immer wieder inmitten des ganzen geschäftig seins – die Momente des Staunens -, ob der Schönheit und der Größe dieser Welt und es ruckt sich etwas innerlich zurecht und vielleicht sogar wieder ein, wenn einem bewusst wird, dass man nur ein ganz, ganz kleiner Teil von etwas sehr, sehr Großem ist. Ungläubiges Staunen trifft mich immer wieder, wenn ich draußen bin. Wie schön, denke …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Shake it off. Erwartungen an sich und andere einfach abschütteln. Loslassen. Die Reset-Taste drücken. Von vorne beginnen. Ich mag diesen Spiegel. Sonnenspiegel. Mit einem morgendlichen Blick in einen Sonnenspiegel muss es leicht sein Altes hinter sich zu lassen und neu zu starten, überhaupt den Tag strahlend zu beginnen. Alles loslassen und die Welt kurz vergessen kann man auch, wenn man dieses Lied hört: When the poet sings. Alles Unnötige abschütteln, strahlen und es poetisch angehen. Das mag ich sehr, jeden Tag, ein ganzes Leben, nicht nur montags. Startet leicht in die Woche.

Gesprächsverkehr

Ich verliere manchmal in Gesprächen den Anschluss. Die Sache ist abgehandelt, man ist zum nächsten Thema gewechselt, die Meinung hat sich schon gebildet und ich hänge noch fest, klebe an einem Gedanken und bin dann für kurze Zeit draußen. Ich gehe kurz eine rauchen im Kopf. Ich klinke mich aus, weil ich aus einer Mischung aus Bewunderung und Unverständnis, immer diejenigen beobachte, die sich einer Sache sicher sind oder sie vehement vertreten. Ich bin noch am Suchen des Weges, da ist der andere schon längst angekommen. Während ich noch überlege, ob man nicht doch die Abzweigung hätte nehmen können, ist der Zug schon abgefahren. Ohne mich. Heute morgen dann das gefunden, was ich letzt gesucht habe, als ich mich im Kopf verlaufen habe. Eine Formulierung, die gerade passend gewesen wäre. „Hoffnung auf den Feierabend, Hoffnung auf das Wochenende, all diese lebenslängliche Hoffnung auf Ersatz, inbegriffen die jämmerliche Hoffnung auf das Jenseits, vielleicht genügte es schon, wenn man den Millionen angestellter Seelen, die Tag für Tag an ihren Pulten hocken, diese Art von Hoffnung nehmen würde: …

Aus Prinzip anders: Tabouleh-Punk

Ich mag Punk. Nicht die Musik, die ist mir oft zu laut. Aber die Haltung. Dem „das macht man aber so und das gehört sich nicht“ einfach ein Nein entgegenschleudern. Aus Prinzip. Ein Hoch auf unangepasstes Verhalten. Reine Leistungsverweigerung um seiner selbst Willen. Nicht funktioniern als Provokation. Ein einziges lautes „Ich muss überhaupt gar nichts.“ Vielleicht rührt meine Liebe zum Punk daher, dass ich oft das Gefühl hatte und habe nicht reinzupassen. Zu viele Fragen zu stellen, wo alle anderen doch kein Problem zu haben scheinen. Anders zu sein, nicht gemacht zu sein für vieles und immer wieder viel Kraft aufzuwenden, um passender zu werden. Manches Mal und manchmal immer öfter gelingt es mir das Gute daran zu sehen. Dass es einen Platz gibt für die immer währende Suche nach dem Sinn des Ganzen. Den inneren Irokesenschnitt mit Stolz zu tragen. Dass das was Kraft kostet, manchmal auch Stärke gibt. Mir die Welt passend zu  machen, anstatt mich der Welt anzupassen. Tabouleh macht man mit Couscous, Tomate, Petersilie und Gurke. Man kann aber auch den …

anders hören oder die Lauschstrategie

In dem Buch von Dan Harris gab es eine schöne Stelle, die wenig mit dem ganzen Inhalt zu tun hat, aber mich dennoch beschäftigt hat. Er berichtet davon, wie er den Psychotherapeuthen und Philosophen Sam Harris kennenlernte und der sagte, dass er sich freut ihn kennenzulernen. Und er hatte das Gefühl, dass er das auch wirklich so meinte. Im Zuhören liegt eine sehr große Magie. Man spürt, ob jemand interessiert ist, ob er es wirklich wissen will oder ob es allein die Höflichkeit ist, die fragen lässt. Ich lese viel und gerne. Und ich höre gerne zu. Ich bin einmal über den Begriff des dialogischen Denkens gestolpert. Ich glaube Susan Sonntag hat ihn verwendet und fand es einen schönen Ausdruck dafür, dass sich manche Gedanken nur im Dialog weiterentwickeln lassen. Einmal ausgesprochen, treffen sie auf andere Ansichten und entwickeln sich so weiter. Wenn ich Hörbücher höre, halte ich ein wenig einen gedanklichen Dialog. Im Lesen bin ich mit meinen Gedanken und denen des Autors alleine in meinem Kopf. Durch das Hören kommt eine Dimension von …

Montagsmögen

Jeden Montag und selbst an den Montagen, die sich nicht anfühlen wie Montage, sondern eher wie Sonntage: Zwei, die ich mag. Ich mag die „Oh, okay, but“-Graphik von dieser Seite, auf der ich auch sonst immer wieder gute Designanregungen finde. „Oh, okay but …“ der Satz all derjenigen, die es immer wieder im nachhinein besser wissen, schon vorher sagen, was alles nicht geht, bevor man es überhaupt versucht hat. Ich sehe das rosa, wie in dem Bild. Oh, okay, but I am doing it anyway. Ich mag diese Boxen, weil sich hier alles stapelt und das meinem minimalistischen Geschmack wiederspricht und so wie ich auf andere nicht immer höre, möchte ich nicht immer alles sehen und das würde dann in diesen Kisten ganz still und leise verschwinden. Großer Plan. Und auf dass keiner komme, der mir sagt, dass das nicht geht. Ich mag dieses Lied: I´m a man, weil es so schön und ruhig ist und ich mag „Get a life„, weil es so elektrisch Schwung gebend ist. Okay? Kein aber.

aufgelistet: Rebalancing

„The key to keeping your balance ist knowing when you´ve lost it“, habe ich einmal gelesen, mir sogleich notiert, weil ich dachte, dass kann man mal wieder gebrauchen. Ein beruhigender Satz, wie ich finde. Die Essensbalance ist mir abhanden gekommen. Das viele Reisen und unterwegs sein, die frühen Flüge und langen Tage führen immer dazu, dass ich nicht nur unregelmäßig, sondern auch einfach Ungutes esse. Nichts Verbotenes, weil ich von Essensverboten nicht viel halte, aber nicht das, worauf ich Lust hätte, sondern einfach das was gerade da ist und das sind dann Kaffee, Kekse, Brezeln und Fast Food. Weil dem gerade so ist, traf mich Meike Winnemuths Lobgesang auf das Fasten so unmittelbar und weil das gerade nicht geht, habe ich jetzt die Schmalspurversion eingelegt. Viel Saft, sonst von allem eher wenig. Das nennen Frauenzeitschriften dann Detox, was mich aber nicht weiter stört. Rebalancing nenne ich das. Das andere Extrem leben. Das gibt im ganzen betrachtet dann den Ausgleich. Soviel zu meinen Lebensweisheiten. Einiges aufgelistet, was mich bewegt und umtreibt seit langem in all den Bereichen, in …

blau machen

Feeling blue. So ein bisschen, manchmal. Um mich davon abzulenken, die Zeit damit verbracht mich für den Sommer zu rüsten und festgestellt, dass ich mehr blue Jeans brauche und zwar in allen Formen. Als Kleid [1], als nochmal Kleid, aber anders [2] und als Jumpsuit gleich dazu [3]. Ergänzt um goldene Schuhe. Denn die sind nie verkehrt. Neu eingekleidet ein wenig das Internet befragt, was es zur Schwermut zu sagen hat und diesen schönen Artikel über das Glück und die Melancholie gefunden. „Der Melancholiker wird gerade deshalb melancholisch, weil er erkennt, dass ihm niemand die Last seiner Existenz von den Schultern nehmen kann. Und deshalb hat er das Gefühl, in seiner Existenz vollkommen allein gelassen zu sein. Der Melancholiker kann sich an nichts festhalten, ihm ist, als habe ihn die Existenz verstossen. Wer melancholisch ist, bemerkt, dass die Dinge auch ein unbekanntes Gesicht haben. Er wird ein ständiges Heimweh nach jenen unbekannten Gefilden haben, nach denen dieses Gesicht blickt. Diese unbekannten Gefilde sind jenseits aller Grenzen. Nicht seine Trauer verzeiht die moderne Gesellschaft dem Melancholiker nicht, sondern dass er …

Verdrängungsmechanismus

Zwei Liedzeilen als Ansage für das Verabschieden eines anderen, wenn es denn auch mal gut ist.  Aber auch eine Strategie für alles, was wir vielleicht nicht so gerne sehen, nicht für gut betrachten an uns selbst.  „I never want to see your face again. But I will leave the light on.“  Hinsehen, immer hinsehen.  

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wenn ich nicht lange überlegen muss. Wie bei diesem Bild von der Australierin Nyssa Sharp. Gesehen, verstanden und nicht lange nachgedacht, sondern gleich gewusst, dass ich es jeden Tag ansehen möchte und wo es hängen soll. Auf den ersten Blick angetan war ich auch von Emmy Galle und Bruno Winter. Zwei sehr faszinierende Menschen mit einer großen Liebe für ihre Arbeit und die Welt gleich dazu. Sie hauchen altem Besteck neues Leben ein. Muss man nicht lange darüber nachdenken, dass das eine gute Sache ist und gut aussieht. Ein wenig überlegen muss ich immer bei Remixen. Das Alte loslassen, das Neue zulassen und kurz hinhören, ob die neue Nuance gut tut oder nicht. Ich liebe Nina Simone sehr. Meine Wegbegleiterin. Dass sie hier ein wenig elektronisch unterlegt wurde, gefiel mir auf Anhieb. Auf eine nachdenkliche, schöne Woche mit vielen schnellen Entscheidungsmomenten.

Grenzöffnung

Die Unfähigkeit mich auszudrücken. Es fehlt das richtige Wort, der passende Satz, die das vermitteln, was ich sagen möchte. Das ist eine Begrenzung, die weht tut. Manchmal fast körperlich. Habe ein Wort gefunden, das etwas ausdrückt, was sich schwer in Sprache packen lässt. Aus dem Japanischen. Wabi-Sabi. Ich weiß noch sehr wenig. Nur so viel, dass es schwer zu übersetzen ist. Dass es die Schönheit unvollkommener, vergänglicher und unvollständiger Dinge beschreibt. Dass es die Schönheit anspruchsloser und schlichter Dinge beschreibt. Dass es die Schönheit unkonventioneller Dinge beschreibt. Dass es Schönheit sieht in den kleinen Dingen, die so leicht übersehen werden. Im Riss einer Tasse. In allem, was nicht makellos ist. Dass es diesen Moment beschreibt, wenn viele Dinge zusammenkommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und dich zu etwas Neuem formen.  Noch bin ich nicht fähig es ganz zu verstehen, weiß schon jetzt, dass das sowieso ein aussichtloses Unterfangen ist und bin dennoch entschlossen zu versuchen die Philosophie der Bescheidenheit ein wenig zu begreifen. Grenzen sprengen im Kleinen. Worte finden für das Unaussprechliche. Es beginnt und endet immer mit Sprache. …