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Vorherbesserwisser oder: Sushi muss man nicht grillen. Kann man aber

Max Frisch hat einmal auf die Frage, was er im Rückblick in seinem Leben anders gemacht hätte, gesagt, dass er im nachhinein sieht, dass er doch so vieles eigentlich früher gewusst habe und dann doch so lange gewartet hat. Mit der Architektur hätte er früher abschließen können, mit der ein oder anderen Frau ebenfalls.

Ich weiß nicht, ob man es früher weiß. Im Rückblick vielleicht. In dem erscheint alles so viel klarer und offensichtlicher. „Hinterher haben es immer alle vorher gewusst“, habe ich einmal irgendwo gelesen und ich weiß nicht mehr wo, aber ich denke oft daran, wenn wieder einmal einer der ewigen Bedenkenträger, einer der nicht den Mut hat, überhaupt ein Risiko einzugehen, schlau daherredet oder jemand die 10 ultimativen Erfolgsformeln anpreist, nur weil bei ihm einmal etwas geklappt hat. Im Rückblick ist es so einfach.

Mittendrin und davor ist es schwer und der Blick getrübt. Eine gewisse Blindheit gegenüber dem, was alles schiefgehen kann und keine Angst vor dem Scheitern selbst gehören dazu. Redet nur keiner darüber. Angst haben, es nicht genau wissen und trotzdem machen. Ein Professor für Psychologie aus Princeton hat letzt seinen Lebenslauf des Scheiterns veröffentlicht. Wo sonst alleinig die Erfolgsstationen aufgelistet werden, hat er notiert, was alles nicht geklappt hat. Wie erfrischend. Das erdet. Man weiß es nicht vorher. Man muss reingehen, es ausprobieren und wenn es nichts war, weitergehen zum nächsten. So vieles im Leben ist Zufall und Glück, das zwar nur den Vorbereiteten trifft, aber zu akzeptieren, dass nicht alles im Bereich unseres Machbaren liegt, dass wir nicht alles in der Hand haben, gehört auch dazu.

Ich darf so neunmalschlau daherreden, weil ich mit mir selbst spreche. Weil ich im Großen und Kleinen schon vieles ausprobiert habe, fest daran geglaubt, alles gegeben und dann war es doch nichts und vielleicht hätte ich es auch vorher gewusst – wer weiß. Aber irgendwie hat sich dann daraus wieder etwas anderes ergeben und ich habe etwas gelernt und wäre das nicht gewesen, wäre ich nicht jetzt und hier wo ich bin.

Das alles habe ich mir nach meinem letzten Küchenunfall gedacht. Einem kleine. Fisch grillen, so dass er nicht trocken wird, beherrsche ich jetzt. Bei der Recherche bin ich dann auf gegrilltes Sushi gestoßen. Hört sich aufregend an. Muss ausprobiert werden.

Sushi

  • 1/2 Tasse Sushireis
  • 60 ml Reisessig
  • 2 Esslöffel Zucker
  • 1 Teelöffel Salz
  • 4,5 Esslöffel Pflaumenwein
  • 200 Gramm sehr frisches Thunfischfilet
  • 1/2 Knoblauchknolle
  • 1 dünne Scheibe Ingwer
  • halbe kleine Chilischote
  • 4 Esslöffel Sesamöl
  • 2 Esslöffel helle Sojasauce
  • 1 Esslöffel Honig

Papaya-Tomaten-Salat

  • 1 Papaya
  • 4 Baumtomaten
  • 1/2 Gurke
  • 2 Esslöffel Olivenöl
  • 1 Esslöffel Reisessig
  • 1 Esslöffel Honig
  • 2 Frühlingslauchzwiebeln
  • 2 Handvoll Gartenkresse

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Sushireis nach Anleitung zubereiten und etwas abkühlen lassen.  Reisessig, Zucker, ein wenig Salz und den Pflaumenwein verrühren und unter den noch warmen Reis mischen. Den Reis eher schneiden als rühren, vollständig abkühlen lassen und zu Kugeln formen.

Das Thunfischfilet in dünne Scheiben schneiden. Knoblauch und Ingwer schälen und fein würfeln. Kerne der Chilischote mit einem Messer herauskratzen und ebenfalls fein würfeln. Alles mit Sesamöl, Sojasauce und Honig gut verrühren und die Thunfischscheiben damit marinieren.

Die Reisbällchen in einer Grillform etwas anbraten und grillen. Etwa 2 Minuten bevor die Bällchen fertig sind, die marinierten Thunfischscheiben kurz von einer Seite angrillen und auf die fast fertigen Reisbällchen geben. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer würzen und mit Koriander garnieren.

Die Papaya halbieren, Kerne mit einem Esslöffel entfernen. Die Hälften schälen, nochmals der Länge nach halbieren und in feine Scheiben schneiden. Tomaten in der Mitte halbieren, vorsichtig das Fruchtfleisch mit den Kernen herauskratzen und zu den Papayascheiben geben. Gurke waschen, schälen, halbieren, Kerngehäuse mit Hilfe eines Löffels auskratzen und ebenfalls in dünne Scheiben schneiden.

Olivenöl, Reisessig und Honig in einer separaten Schüssel verrühren (damit es sich besser verteilt), mit Salz und etwas Pfeffer würzen. Die Vinaigrette über Papaya und Tamarillo geben, Gurke zufügen und zuletzt den Frühlingslauch zugeben. Gegebenenfalls nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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Muss man nicht nochmals wiederholen. Konnte ich vorher nicht wissen. Sieht dafür aber hübsch aus. Immerhin. Eine weiteres Motto von mir: Egal wie es läuft. Immer bitte mit Stil. Und zwar so. Genau so.

7 Kommentare

  1. Ich kenne dieses Grübeln gut: warum hast Du das so lange ausgehalten, warum bist Du nicht früher gegangen, Du warst damit nicht glücklich, es hat Dir nicht gut getan… . Und rückblickend betrachtet? Es macht nicht immer Sinn, bis darauf… wäre die Zeit nicht so verstrichen, wie es geschah, wäre ich zu einem anderen Zeitpunkt nicht an einem bestimmten Ort oder in einer gewissen Situation gewesen und dann hätte sich wiederum anderes – wirklich wirklich gutes – ziemlich sicher nicht ergeben. Vielleicht ist das dann die Antwort.

  2. Die Fotos sind klasse. Aber warum genau muss man es nicht noch mal wiederholen?

  3. stepanini sagt

    Liebe Mathilde,

    es war mir dann doch zu umständlich. Weiß nicht. Es gibt Rezepte, die schaffen es, dass ich sie immmer wieder machen will und es gibt Onenight-stands. Das war einer. Kurze Liebe einfach.
    Aufregend für einen Abend. Muss aber nicht wiederholt werden.

    Macht das Sinn?

    Schöne Grüße

    Stephanie

  4. Was ein großartiger Text! Dankeschön. Sehr cool, der inhaltliche Bogen und die „Auflösung“ zum Schluss. Papaya-Salat – hört sich sehr lecker an und die Fotos sind natürlich der Hammer. Und danke für das Fritsch-Zitat 🙂

  5. Marion sagt

    „Hinterher haben es immer alle vorher gewusst“, habe ich einmal irgendwo gelesen und ich weiß nicht mehr wo

    Ich kenne es aus einem Lied von Laith al Deen…..Das Lied heisst „nie mehr“

  6. stepanini sagt

    Ah, das ist ja nett. Eine gute Gelegenheit ihn mal wieder zu hören. „Ich will nur wissen“ ist eines dieser Lieder, die ich nach so vielen Jahren noch so, so sehr mag.

  7. Marion sagt

    Nun, es findet sich nicht ganz so wider- er singt: „alle wusstens vorher schon so superklug“. Interessant ist, dass ich mir sicher war, es war analog das Zitat. Aber vom Inhalt her sagt es doch dasselbe. Oder? 😉
    Ja, „ich will nur wissen“, ist zeitlos. Textlich vorallem.
    Lieb Gruss und Danke für den neuen Beitrag; ja am Du wird das Ich zum Ich.

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