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lost in Schlummerland

Es gibt Menschen, die hören das erste Weckerklingeln und stehen auf. Und es gibt die Snoozer. Ich gehöre zu letzteren. Aus Überzeugung. Die snooze-Zeit am Morgen, dieser schöne Zustand zwischen den Welten  ist mir heilig. Noch nichts ganz. Noch nicht ganz wach, nicht mehr ganz schlafend, träumend zwischen der einen und der anderen Realität hin- und herwechseln. Irgendetwas dazwischen. Ein Zwischenraum. Und davor ein Raum der Möglichkeiten. Das ist der Unterschied zum Abend, an dem ich auch für mich alleine bin, wenn die ganze Welt außen herum schon schläft. Auch da schwanke ich zwischen den Zuständen. Schon müde, aber noch wach. Nur ist da ist der Tag schon rum, das Tagwerk erledig. Er liegt nicht mehr wie ein Versprechen vor einem. Es geht ums Abschließen, nicht ums Aufbrechen.
Am Morgen ist das Dahindämmern ein anderes, weil die kleine Möglichkeit besteht, dass die Träume auch wahr werden können. Viele Stunden liegen vor einem und wollen gefüllt sein. Statt der Bilanz dessen was-ich-alles-nicht-geschafft-habe, erstreckt sich der weite Möglichkeitsraum der das-will-ich-alles-heute-machen Gedanken.

Yrsa Daley-Ward hat einmal geschrieben: „Find me in the morning, before the day has done its work on us.“ Das Bett ist so schön weich und beschützt, die Luft ist frisch und alles möglich. Noch ist alles möglich.

Das Buch „Die unsichtbare Frau“ von Siri Hustvedt besitzt diese Magie des Zwischenraums zwischen Wachen und Träumen, der Möglichkeit und des Versprechens, dass es wahr sein und wahr werden könnte. Fiebrig sei die Sprache. So sagt es der Klappentext. Es ist ihr erstes Buch. Und es erzählt Episoden, die unwirklich sind, aber niemals so unwirklich, dass sie nicht wahr sein könnten. Es handelt von Iris Vegan, einer Literaturstudentin aus New York. Es springt, es ist sinnlich, verträumt, suchend, fordernd, alles wäre möglich und nichts würde überraschen. Es ist unwirklich, aber nicht fern der Realität. Es könnte so passiert sein, es könnte aber auch nur ein Traum gewesen sein.

So sehr wie ich meine drei Mal zehn Minuten, die ich länger lieben bleibe am Morgen liebe, so sehr mochte ich dieses Buch. Eine traumhafte Erzählung.

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