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aufgelistet: Innerlich unabhängig

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Manchmal schnappe ich kleine Fragmente auf. Keine großen, weltverändernden Gedankenblitze, aber kleine Ideenglühwürmchen. Unabhängig, unzusammenhängend. Manchmal kann ich sie an etwas anknüpfen was sich in meinem Kopf schon geformt hat, manches Mal nicht. Ein anderes Mal finde ich auch einfach nur den Gedanken an sich schön, manchmal zum Weinen schön. Da muss sich nichts zusammenfügen. Das darf einfach so stehen bleiben. Manches Mal und mit manchen Menschen tausche ich das Stückwerk aus und manches Mal knüpfen sie bei einem anderen an etwas an und etwas Neues formt sich.

„Die innere Unabhängigkeitserklärung“ ist ein Fragment. Eine schöne Wortkonstruktion, die ich aufgeschnappt habe. In den Kommentarspalten, in denen sonst weniger Erquickliches zu finden ist. Aber die guten Perlen sind oft fein versteckt. Ein Redner fand diese Worte, als ihm passendere fehlten. Was der Tenor, das Motiv einer Gruppe Studenten in einer Diskussion gewesen sei, wurde er gefragt. Genau könne er es nicht sagen. Etwas wie eine innere Unabhängigkeitserklärung schiene ihr Antrieb zu sein, antwortete er.

Eine innere Unabhängigkeitserklärung. Was ein wundervoller Gedanke. Die sollte eigentlich jeder schreiben und haben und künftig ohne nicht mehr aus dem Haus gehen.

Einige Gedanken. Lose, feine, schöne, freie, unabhängige. Noch ohne Erklärung. Aber die kann sich ja noch formen.

  • Manchmal kommt die Angst, dass sie mich verlassen und nie wiederkommen. Die Ideen. Wo sie herkommen, wie sie gedeihen zeigt ein schönes Video.
  • Kann man Charakter lernen? Über Führung und die Schule des Lebens diskutieren zwei, die sich der Frage ganz unterschiedlich genähert haben.
  • Anti-Aging ganz anders. Ein Interview über das Altern oder die Konstruktion davon, dass den wunderschönen Satz enthält: „Die entscheidende Ressource ist menschliche Wärme.“ Gilt für jedes Alter.
  • Ein Interview mit vielen sehr klugen Sätzen von einem Professor, den ich sehr mag über Unternehmertum. Und das meint nicht, die Start-Up-Kultur in all ihrer Selbstverliebtheit, dem Hecheln nach dem schnellen Geld und des nächsten VC-Pitch, sondern die des Gestaltens, der Verantwortung. „Ich setze meine Hoffnung auf Entrepreneure, die als Problemlöser fungieren und ziehe dabei bewusst Personen wie Künstler, Außenseiter oder engagierte Mitmenschen ein: Wir sind das Kapital. Wir müssen selbst in den Ring steigen; müssen selbst unternehmen. Wirtschaft ist etwas viel zu wichtiges, als dass wir sie allein den Ökonomen überlassen dürfen.“
  • Ein Beitrag über die Muße. Die kommt nach dem Unternehmen und Machen und sollte immer Teil davon sein. Weil es doch nur so funktioniert. Neue Ideen strömen dort ein, wo der Raum für sie frei ist.
  • Es gibt Lieder, die sind wie fürs Autofahren gemacht. Das ist so eines. Fenster aufdrehen, die Musik auch und in der untergehenden Sonne entgegendüsen.
  • Warum Natur? Ganz früher ging der Mensch dort hin, weil er etwas zu essen brauchte. Heute um wieder zu fühlen. Andreas Weber, von dem ich schon einmal geschwärmt habe und den man mit Hartmut Rosa an einen Tisch setzen müsste, über die Natur, die uns wieder lehrt zu fühlen.
  • Ich habe auch gefühlt. Sehr. Wie sehr, das spürt man den Bildern hier vielleicht an, denn so sind sie entstanden. Im intensivsten Fühlen, Bewundern und Austauschen von Fragmenten, Ideen und Träumen. Anna hat das so beschrieben, wie ich es nicht könnte. Danke nochmals. Es klingt so nach.
  • Freundlich sein zu sich und zu anderen. Ein Video, warum ersteres Voraussetzung für letzteres ist.
  • Woher die Sehnsucht nach Natur kommt, warum wir in Landlust-Ausgaben blätternd alte Apfelsorten studieren und gleichzeitig mit dem SUV ins Seenland brettern. Der Versuche einer Analyse.
  • Man kann nicht nur cruisen. Man soll auch sitzen und genießen . Das ist ein Lied, das genau dafür gemacht ist. Für den frühen Abend mit einem Glas Wein auf dem Balkon sich freuen an der Welt, sich selbst und einem lieben Menschen.
  • Miranda July, die ich bewundere und das sehr, prokrastiniert. Das macht sie mir noch sympathischer, als sie es sowieso schon ist. Ihr Prinzip habe ich mir unterbewusst schon lange angeeignet und darauf schwöre ich. Hier für alle zum Nachlesen: Anleitung zum intelligenten Selbstbetrug.
  • Im Nachruf stand, dass er über diese Mischung verfügte, die wenige haben, die aber so eine eigene Magie verströmt: Intensität, Hingabe, Leidenschaft. Für immer, für Dich. Ein Lied für die späteren Stunden. Die bedingungslosen.
  • Dieses Kinderbuch. Lied für Louise. Ich mag die Illustratorin Isabelle Arsenault und das kombiniert mit der Tatsache, dass es Kinder an die Kunst von Louise Bourgoise heranführt, ist unschlagbar. Sie, die zu wenige kennen, deren Arbeiten mir sehr viel bedeuten, mich immer wieder berühren, weil sie einen Teil anrühren, der weh tut, aber da ist. Sie selbst beschreibt das so. „Mich interessiert die Überwindung von Angst: Sich vor ihr zu verstecken, wegzurennen, sich ihr zu stellen, sie zu exorzieren, sich deswegen zu schämen und schließlich, Angst vor der Angst zu haben.“ 

Über all dies kann man nachdenken und grübeln, es mit anderen teilen oder die Gedanken treiben lassen. Auf jeden Fall weiter an der eigenen innere Unabhängigkeitserklärung schreiben.

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2 Kommentare

  1. Sehr schöne Bilder ! Das Video von David Lynch mochte ich auch sehr, ich bin (und bleibe?) ein großer Lynch-Fan.
    Louise Bourgois – freue mich immer, wenn es Leute gibt, die sie kennen und schätzen. Es gab eine wundervolle Lesung von Siri Hustvedt im Rahmen der Bourgois Ausstellung im Haus der Kunst vor ein paar Monaten. Kinderbuch oder nicht, habe das Buch auf meinen Wunschzettel gepackt und die innere Unabhängigkeitserklärung steht. Liebe Grüße, Sabine

  2. Pingback: Muße

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