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Keine Angst

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Ich sollte einen Fragebogen ausfüllen. 15 Fragen. Eine davon: „Wovor hast Du Angst?“
Das ist leicht beantwortet, das geht schnell, dachte ich. Ging es nicht. Ich, die ich mich Angsthase nenne, weil mich vieles immer wieder Überwindung kostet, musste erst einmal überlegen.

Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Das war mir in meinem Berufsleben jahrelang sehr hilfreich, denn die Qualen des frühen Aufstehen um vier Uhr für die frühen Flüge wurde durch das einstündige Schlafen im Flugzeug deutlich gemildert. Eingestiegen, Wolken und die Sicht von oben bewundert und schon war ich eingeschlafen.
Ich habe zwar nicht überhaupt keine Angst vor Höhen, lediglich einen gesunden Respekt, aber nicht so großen, dass ich Aussichtstürme, Hochhäuser nicht genießen könnte.
Ich bevorzuge einen gewissen Abstand zu Spinnen, aber Angst ist das nicht.
Ich habe keine Angst vor öffentlichen Auftritten. Das war nicht immer so. Anais Nin hat einmal gesagt, dass wir weniger Ängste haben, je mehr wir uns unseren Ängsten stellen. Das habe ich beherzigt und es hat mir geholfen über die Jahre. Geblieben ist ein Kribbeln im Magen als eine Achtung vor der großen Aufgabe des Unterhaltens, die ich ernst nehme und dem Publikum, das ich mir bewahren möchte, weil sie mich aufmerksam und wach bleiben lässt.

Wovor habe ich Angst?
Vor eigentlich lauter lächerlichen Kleinigkeiten, die sich aber oft im Alltag zu Bergen anhäufen. Diesen unbestimmten, nicht greifbaren: Erwartungen nicht erfüllen zu können, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein. Irrational und in den guten Momenten völlig weit weg, aber an manchen Tagen und Stunden auch sehr präsent, nah und übermächtig.

Zählen die vielen kleinen unbestimmten Ängste als Angst? Die Schatten, die sie werfen sind groß genug. „Let the fear of letting fear dictate your life dictate your life“ steht auf einer Karte, die über meinem Schreibtisch hängt. Das ist nicht nur ein Satz. Er ändert für mich so vieles. Wo Angst sonst eine Begrenzung ist und das Zeichen dafür, dass es ab hier nicht weiter geht, wird sie so zum genauen Gegenteil: Zu einer Aufforderung hinzusehen und weiterzugehen.

Wovor hast Du Angst? Immer weniger vor der Angst.

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1 Kommentare

  1. Interessante Frage. Hm, früher hatte ich viel mehr Ängste… angefangen vor einem finanziellen Ober-Gau bis hin zu persönlichen Ängsten. Heute habe ich auch selten Angst. Manchmal auf der Autobahn, ja, da passieren einfach zu oft zu schlimme Unfälle. Ich denke, Angst ensteht nur, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. Dabei gibt es immer einen Ausweg, eine Alternative…

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