Monate: Dezember 2016

Auf ein Neues

Als ich über dieses Jahr nachgedacht habe, darüber was passiert ist und was nicht, da fiel mir diese Geschichte wieder ein. Ein Abend in Berlin. Zusammen gekocht, mit der Familie gegessen und anschließend ein wenig durch den Friedrichshainer Kiez geschlendert. Ein warmer Spätherbstabend. Gespräche über das, was uns Angst macht, was wir tun könnten, Pläne schmieden. Irgendwo in einer Straßenabzweigung scheint in einem Laden noch Licht. Der Besitzer mit einem Glas Wein in der Hand winkt uns herein. Ich stehe in einem verwinkelten Antiquariat voller Bücher. Alle Bände von Adorno, vollständig, in der richtigen Reihenfolge. Alle Werke von Foucault aufgereiht. Alle da. Alles da. So chronologisch und sauber sortiert, dass es sich verbat etwas zu kaufen, weil ich dann die heilige Ordnung durcheinandergebracht hätte. Im Rückhaus wird an die gegenüberliegende Hauswand ein Film projiziert. Selbstgemachtes Freilichtkino. Tschechiches Arthouse. Von oben hören wir Klaviermusik. Weil es Berlin ist und nicht München und man da so etwas machen kann, gehen wir die Stufen hoch, immer der Musik nach. In einem leergeräumten, kahlen Zimmer steht nur ein Flügel, …

[Nr. 20 von 1/2]: Mut

Es scheint alles so unpassend. Bis vielleicht auf das, was ich gestern las beim Aufräumen und Sortieren, kurz bevor die ersten Anfragen kamen, ob es mir gut geht, ob ich schon in Berlin sei oder in München. „Es kommt einzig auf den Mut an. Er geht auch den Tapfersten oft verloren, dann neigen wir zum Suchen nach Programmen, nach Sicherheiten und Garantien. Der Mut bedarf der Vernunft, aber er ist nicht ihr Kind, er kommt aus tieferen Schichten.“ Schreibt Hermann Hesse.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich mag zum einen diese überhaupt beste Wettbewerbsstrategie. Unschlagbar. Und dann mag ich noch diese Wolkenkissen. Man sitzt leichter auf Wolkenkissen. Das muss so sein. Ich mag dieses perfekte Schluss-mach-Lied: Hang with me. Stilvoller kann man es nicht beenden. Kommt gut in die Woche.

[Nr. 18 von 1/2]: fertig und frei

„Es gibt keinen Zustand, in dem irgendwann alles getan, geschafft, beendet ist. Darüber lässt sich keine Freiheit herstellen. Frei zu haben lässt sich nicht verdienen. Man kann es sich nur nehmen.“ Feststellung des Psychotherapeut Oskar Holzberg in seiner Auszeit, in der er statt großer Weltreisen oder eines neuen Projektes, einfach nichts machte. Dabei entdeckte er die Hingabe, die Freude an der Bedeutungslosigkeit. Wem das mit dem Loslassen schwer fällt, hier noch einmal zum Mitsingen: Ich muss überhaupt gar nichts. P.S. Hat nichts mit dem Text zu tun, außer dass ich mir die Freiheit nehme, das zu tun, was mir gefällt. Im Bild das überhaupt schönste Kleid, das an Weihnachten endlich einmal wieder zum Einsatz kommt. Genießt den freien Sonntag. 

[Nr. 17 von 1/2]: Wintersalat

Ein Salat für den Winter. Nicht irgendeiner. Einer, der herrlich rot leuchtet. Einer, der obwohl er gesund ist, nicht so schmeckt. Einer, der obwohl ein im Grunde kaltes Gericht, irgendwie warm macht. Winterweihnachtssalt [aus das vegetarische Kochbuch] rote Beete Radicchio Feigen Granatapfel 3 Esslöffel Balsamicoessig 1 Teelöffel scharfer Senf 1 Esslöffel Feigenmarmelade 6 Esslöffel Olivenöl Salz und Pfeffer Haselnüsse (ich habe Pinienkerne genommen, auch gut) Ziegenkäserolle Die rote Beete kochen, schälen und in Scheiben schneiden. Radicchio putzen, zupfen. Granatapfelkerne herausschälen, Feigen in Scheiben schneiden, den Käse auch. Die Nüsse in einer Pfanne anbraten. Den Ziegenkäse auch kurz von beiden Seiten. Balsamicoessig, Öl, Senf, Feigenmarmelade, Salz und Pfeffer vermischen. Über den Salat geben. So gut.

[Nr. 16 von 1/2]: Eukalyptuskränze

Eukalyptuszweige kaufen und mit einem Stück Kreis zum Kranz binden. So schlicht, so schön. Im Bad riecht es so gut, am Fenster sieht es gleich festlicher aus, als Ringe halten sie Servietten zusammen, sie verzieren Kuchen und man muss der Fantasie nur freien Lauf lassen und dann sind den Einsatzmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Lied zum dabei hören: If we make it through december.

[Nr. 15 von 1/2]: man selbst sein

„Ich glaube an so etwas wie ein echtes Selbst, und ich weiß wie selten es ist, so ein Selbst sprechen zu hören, zu sehen, wie es sich aus dem Kokon der Falschheit und des Nichtssagenden herausschält, aus den Scheingestalten, die wir anderen präsentieren, um ihnen zu gefallen, sie irrezuführen. Je gefährlicher das echte Selbst, desto raffinierter die Masken. Je ätzender das Gift, das wir am liebsten über andere ausspeien würden – um sie zu lähmen, zu töten -, desto größer der Nektar, mit dem wir sie locken, zu uns zu kommen, in unserer Nähe zu sein, uns zu lieben.“ Aus „Du sagst es“ von Connie Palmen

[Nr. 14 von 1/2]: Weihnachtskarottentannenzapfen

Sehr simpel: Ich hatte Lust auf Karottenkuchen. Der hat zwar gerade keine Saison, aber mit Lebkuchengewürz und ein wenig Rosmarin untergemischt und der richtigen Darreichung merkt das keiner. Was nicht passt, wird passend gemacht.  200 g brauner Zucker 180 g Pflanzenöl  3 EL fetter Joghurt 3 Eier  1 TL Vanille-Extrakt oder das Mark einer Schote  250 g Mehl 1 TL Backpulver 2 TL Zimt  1/4 TL Muskatnuss 3 Teelöffel Lebkuchengewürz  1/2 TL Salz 260 g geriebene Karotten 150 g Walnüsse Frosting: 300 g Frischkäse 120 g zimmerwarme Butter 200 g Puderzucker Mark einer Vanilleschote 1/2 TL Salz viele Mandeln Braunen Zucker, Öl, Eier, Vanille, Zimt, Muskat, Salz und Joghurt in einer Schüssel verrühren, bis eine homogene Masse entstanden ist. Mehl und Backpulver nach und nach einsieben und weiterrühren, bis sich die Zutaten verbunden haben. Karotten schälen und fein raspeln. Die Walnüsse grob hacken und beides zum Teig geben. Um die Tannenzapfenform zu erhalten, habe ich einfach aus Backpapier eine Türenform gerollt, so wie man Fisch garen würde. Hat prima geklappt. Den Teig hineinfüllen und den Kuchen bei …

[Nr. 13 von 1/2] Ab in den Wald

Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte. Wenn es zu trubelig wird um einen und die Listen mit noch zu Erledigendem zu lange werden, könnte man einfach diesen Satz auf einen Zettel schreiben, ihn auf den Küchentisch legen und ins Grüne oder wahlweise auch ins Kino gehen. In genau diesen Film. Einen Film über Peter Handke. Ich mochte ihn so sehr. Handke schon lange, aber noch mehr nach diesem Kinovormittag. Wie überlegt er spricht, wie zart und genau. Und was er sagt über das Schreiben und das Erfinden. Über den wunderschönen und ungeheuren Gedanken, dass alles fremd ist und neu ist und unentdeckt. Dass noch nichts erzählt ist. Wer es nicht ins Kino schafft, kann einfach diesen schönen Satz von ihm aus einem seiner Bücher als Vorsatz mit in den Tag nehmen: „Ich werde mich entschlossen verirren.“

[Nr. 12 von 1/2]: Die reduzierte Tanne

Weihnachten kann schnell kitschig werden. Mit dieser schlichten Tannenkreation umgeht man diese Gefahr sehr geschickt. Die Grundform herausgearbeitet, aufs Wesentliche reduziert. Der Gestalter jubiliert. Der Minimalist nickt wissend. Noch Weihnachten, fast schon Kunst. Einfach Zweige abschneiden, mit Draht fixieren, wenn nötig und dann mit transparenter Schnur aneinanderbinden. Eines der Bilder, die sonst die Wand zieren abnehmen und dafür diesen saisonalen Schmuck an den Nagel hängen.  

Der 1/2 Adventskalender

Noch zwölf Tage dann ist Weihnachten. Zeit einzusteigen für mich und für diejenigen, die schon seit November dabei sind vielleicht ein wenig auszusteigen. Das Jahr ging zu schnell rum und es ist zuviel passiert. Ich bin nicht nachgekommen mit so vielem, auch hier nicht. Ich wollte mir keinen Druck machen, auch weil ich mich kenne und weiß, dass ich nur wirklich gut funktioniere, wenn ich frei bin, keine festen Rahmen, sondern viel Raum habe. Seit gestern habe ich nun große Lust auf Weihnachten. Ich freue mich darauf und ich habe diesen Ort ein wenig vermisst. Er war und ist für mich auch immer eine kleine Oase gewesen. Deshalb der Plan: Ab heute poste ich jeden Tag etwas Kleines. Ein halber Adventskalender für Erwachsene. Jeden Morgen ein Türchen zum Öffnen. Dafür ist man nie zu alt. Mal ein Rezept, mal einen Satz, mal eine Idee, wie man es sich mit wenig Aufwand weihnachtlich machen kann. Mal irgend etwas, einfach nur weil es schön ist. Das habe ich noch nicht durchgeplant, ich überrasche mich selbst. Es geht nicht darum mehr in …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Da wäre heute das neue Buch von Joan Didion. Wie ich diese Frau bewundere und ihre Sprache liebe. Ihre Klarheit und den Mut Dinge zu benennen. Da wäre immer und schon lebenslang die Freiheit. „Love her but leave her wild“. Die Freiheit mein eigenes zu machen. Deshalb auch noch sehr begeistert von meiner gestrigen Idee erst heute zum zwölften Dezember in das Weihnachtskarussell einzusteigen. Ab jetzt dann jeden Tag etwas Kleines zur Festzeit. Was genau, weiß ich noch nicht. Es lebe die Freiheit, die die man sich selbst geben muss. Ich mag zwei Lieder, weil ich mich nicht entscheiden konnte: Wände und Bis ans Ende der Hölle. Beide gut. Kommt gut und frei von allen Erwartungen in die Woche.

Verlauf im Rückspiegel

„Die zentrale Frage war: Bist du weitergekommen? Was war gut daran, was schlecht, wo warst du gelangweilt? Wie eitel warst du? Das sind die Kurven, in denen alles verläuft.“  Du wirst gespiegelt in dem, was du bist.“ Grönemeyer. In einem Interview. Für mich gelernt: Unterschätze Popstars nicht.

Späte Wunschliste

Zu spät dran. Was mich nicht stört. Noch keine Plätzchen gebacken, noch keine Geschenke gekauft. Was auf dem Tisch steht, könnte man mit viel Fantasie als Adventskranz bezeichnen. Mit viel Fantasie. Ein paar Tannenzweige stecken in der Vase im Wohnzimmer. Sonst nichts. Macht auch nichts. Das Gute daran, wenn man oft in seiner eigenen inneren Welt verloren geht ist, dass einen die äußere nicht sonderlich beeinträchtigt. Ich steige einfach zur zweiten Halbzeit ein, dachte ich mir heute. Ab dem zwölften Dezember kommt deshalb ein Adventskalender für die letzte Hälfte der Weihnachtszeit. Konzentriert, minimalistisch, auf den Punkt. Ich habe mir noch nicht bis ins Detail überlegt, wie das aussehen könnte. Dinge entstehen beim Machen. „Wer macht hat Recht“ steht über meinem Schreibtisch. Und weil mir heute schon nach Weihnachten, machen und einfach so danach war, starte ich – auch wenn erst der elfte ist – mit meiner Weihnachtswunschliste. Zehn. Stimmt gar nicht, dass es bisher nicht weihnachtlich zugeht. Alle ausgedruckten Studien und sonstiges zu Lesendes werden seit Dezember von goldenen Klammern zusammengehalten. [1] Gefällt mir so gut, …