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Leicht verdauliche Päckchen

„Man nimmt sich selbst immer mit“ war ein Satz, den ich mir aufschrieb ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was das bedeuten sollte. Ich hatte gerade mein Abitur in der Tasche und sollte an einem Wochenende lernen was junge Menschen so erwartet, wenn sie für längere Zeit ins Ausland gehen. Wie das mit den Wasserreinigungstabletten funktioniert, worauf in der Kommunikation mit anderen Kulturen zu achten ist, warum Frauen keine Hosen tragen sollten und dass das was Max Frisch einmal über das Reisen sagte, nämlich dass wir es so mögen, weil es auch immer das Versprechen in sich birgt, dass man woanders auch ein ganz anderer sein könnte, eben nicht stimmt. „Man nimmt sich selbst immer mit“. Man hat neben dem Rucksack auf dem Rücken noch sein Päckchen dabei und das was man mitunter zurücklassen wollte, holt einen fernab von allem Vertrauten und Bekanntem stärker ein als man es sich wünschen oder träumen würde. Macht damals keinen Sinn, fünf Monate später schon.

Ein neues Jahr ist im kleinen ebenso ein großes Versprechen wie eine lange Reise. Vollgepackt mit Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen doch ein klein wenig besser zu werden, eigentlich ganz anders zu sein. Neu anzufangen. Ab jetzt wirklich jeden Morgen um sechs aufzustehen um eine Runde zu laufen, endlich mehr lesen, nun aber wirklich den Mut zu haben den Job zu schmeißen, jemandem seine Liebe zu gestehen oder eine alte hinzuwerfen.
Um den Jahreswechsel als ich gerade fleißig am Schmieden von Plänen und am Bauen eines besseren Selbst war, stieß ich auf den Gedanken, dass man statt nur draufzupacken und vollzuladen, man doch auch etwas zurücklassen sollte. Eine Idee, eine Vorstellung von sich selbst, von einer Beziehung, von was auch immer es auch ist, das man so ungefragt mit sich schleppt oder an dem man schwer trägt. Ein schöner Gedanke.

Dann bekam ich Hunger.

Packen, verabschieden kostet schließlich Kraft.

Nicht nur für Jahreswechsel, die Prüfungen des Lebens oder kleine Hungerattacken zwischendurch sind Mangold-Quinoa-Pilz-Päckchen bestens geeignet. Selbstredend darf auch gerne die Mangoldverpackung weggelassen werden, denn sie macht zugegebenermaßen ein wenig Arbeit. Nur tun das die meisten Dinge. Loslassen, entrümpeln, neu anfangen auch.


Quinoa mit Ziegenfrischkäse und Pilzen – im Mangoldpäckchen

  • 1/4 Packung Quinoa
  • 1 Päckchen Ziegenfrischkäse
  • verschiedene Pilze
  • Parmesan
  • Pfeffer und Salz
  • frischer Salbei
  • unbehandelte Zitrone

Den Mangold blanchieren, was ein wunderbarer technisch abschreckender Terminus für den einfachen Vorgang des Mangoldblätter ganz kurz einzeln in heißes Wasser geben und dann sofort danach in Eiswasser legen, ist. Sie werden dadurch weich und behalten trotzdem ihre Farbe. Wenn man vorher den Strunk etwas abschneidet, geht das mit dem Falten leichter. Die Salbeiblätter in etwas Butter kross anbraten. Die Pilze ebenso. Den Quinoa kochen und anschließend das Päckchen Ziegenkäse unterrühren. Salzen und Pfeffern. So viel Parmesan, Salbeiblätter und Abrieb einer Zitrone untermischen, wie es dem eigenen Gaumen gefällt. Die Salbeiblätter und Pilze unterheben. Ein oder zwei Esslöffel auf ein blanchiertes Mangoldblatt geben, einwickeln, stapeln oder gleich essen.

Gut verpackte, gar nicht schwere, sondern sogar leichte Päckchen. Sehr gesund. Wie hoffentlich all das, was Ihr in Zukunft zu tragen habt und mit Euch nehmt ins neue Jahr oder auf die nächste Reise.

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