Monate: März 2017

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Sommerzeit ist Hängemattenzeit. Ich mag beide so sehr. Ich mag es anzusprechen, auszusprechen, was ich fühle, denke, meine, sehe. Und diesen schönen Reminder für die Fälle, in denen ich es vergesse. Ich mag dieses Tanzlied. Kommt gut in die Woche.

schutzlos ausgeliefert

Das Bild auf dem Umschlag ist von Peter Hujar. Es heißt „orgasmic man“ und zeigt genau das: Einen Mann während des Orgasmus. Der Fotograf hat die wenigen Sekunden, in denen ein Mann sein eigenes Bild nicht unter Kontrolle hat, in denen er in keine Posen verfallen, sondern völlig schutzlos und verletzlich ist, festgehalten. Es gäbe keinen passenderen Einband für das Buch Ein wenig Leben. Ein Buch, das von vier Männern handelt, die sich am College kennenlernen und das von ihrer lebenslangen Freundschaft erzählt. Davon, wie das Gefühl als Kind nicht gewollt zu sein, einen bis ins Erwachsenenleben verfolgt und gegen alle Fassaden, die man aufbaut und äußerlichen Schutzräume, die man schafft immer wieder an die Oberfläche schwappt. Es gibt ein Gedicht von Yrsa Daley-Ward, an das ich beim Lesen manchmal denken musste. „Loving someone who hates himself is a special kind of violence. A fight inside the bones. A war within the blood.“ Es ist ein Buch, das in einem kämpft. Ein wenig Leben handelt von einem, der sich selbst zerstört, der Glück nicht zulässt, weil es nicht sein darf. Dem es …

Sanfte Geste

Während ich beobachte, wie sie ihm immer wieder durch die Haare fährt, mit den Fingern den Nacken streicht, während doch in aller Sanftheit etwas Besitzergreifendes mitschwingt, denke ich an die in meinen Augen zärtlichste aller Gesten, die zugleich eine so zupackende ist. Im Bett zu liegen, der Andere zurrt die Bettdecke unter einem fest. Eingepackt wie eine Mumie in den Schlaf entlassen zu werden. Eine der schönsten, weichsten, zärtlichsten Handlungen. Fernab aller Beobachtungen.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Welcome to the city of champions. Krönt bald mein Wohnzimmer. Ich mag diese fröhliche Tunika. Ziert mich bald. Ich mag dieses feine, zarte Lied. Es handelt davon, dass man sich manchmal nicht traut dem anderen zu sagen, was man fühlt. Ich mag, dass ich mich nicht geziert habe. Kommt gut in die Woche.

Geduld, Geduld

Eines der Bücher, das ganz lange in Vergessenheit geraten ist, aber so lange Zeit präsent in meinem Leben und Denken war, dass es nur einen kleinen Anstoß braucht und alles ist wieder da: Das sind für mich die „Briefe an einen jungen Dichter“ von Rainer Maria Rilke. Eine Jugendliebe schenkte sie mir. Von der Liebe ist nichts mehr da, ein paar vage Erinnerungen vielleicht, ein verblichenes Foto, ein zurückgelassenes Skateboard und dieses schöne Buch. Rainer Maria Rilke schrieb damals an Franz Xaver Kappus, der nicht wusste, ob er sich gegen die Offizierslaufbahn oder für das Schriftstellerleben entscheiden sollte. Rilke antwortet ihm und was er über das Leben, die Liebe, Kunst, über die Notwendigkeit des Schaffens sagt, sagt mir heute noch so viel wie damals als ich fünfzehn war und zwar glaubt schon alles zu wissen, aber auch ahnte, dass das da mehr sein musste. Und vor einer Woche zitierte mir dann jemand diese Passage und es war alles wieder da. Es hat nichts an Aktualität verloren. Ich stehe wieder am Anfang. „… und ich möchte Sie, so …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Mich gefragt, wie ich das mache, wie ich das angehe und ob ich das schaffe und dann diese Sätze gefunden und gewusst genau so. Mutig und freundlich. Mag ich. Ich hätte so gerne die Magritte-Ausstellung in Frankfurt gesehen. Vorbei. Stattdessen werde ich in diesem Buch blättern. Das Unmögliche versuchen. Genau. Ich atme. Ein Lied, das daran erinnert es nicht zu vergessen. Kommt gut, mutig, freundlich, das Unmögliche versuchend in die Woche.