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Geduld, Geduld

Eines der Bücher, das ganz lange in Vergessenheit geraten ist, aber so lange Zeit präsent in meinem Leben und Denken war, dass es nur einen kleinen Anstoß braucht und alles ist wieder da: Das sind für mich die „Briefe an einen jungen Dichter“ von Rainer Maria Rilke. Eine Jugendliebe schenkte sie mir. Von der Liebe ist nichts mehr da, ein paar vage Erinnerungen vielleicht, ein verblichenes Foto, ein zurückgelassenes Skateboard und dieses schöne Buch.

Rainer Maria Rilke schrieb damals an Franz Xaver Kappus, der nicht wusste, ob er sich gegen die Offizierslaufbahn oder für das Schriftstellerleben entscheiden sollte. Rilke antwortet ihm und was er über das Leben, die Liebe, Kunst, über die Notwendigkeit des Schaffens sagt, sagt mir heute noch so viel wie damals als ich fünfzehn war und zwar glaubt schon alles zu wissen, aber auch ahnte, dass das da mehr sein musste.

Und vor einer Woche zitierte mir dann jemand diese Passage und es war alles wieder da. Es hat nichts an Aktualität verloren. Ich stehe wieder am Anfang.

„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

5 Kommentare

  1. hei, DANKE!!! hatte ich schon fast vergessen, dieses wunderbare Büchlein, vor Jahrzehnten verschlungen….. mit deinem Ausschnitt ist es wieder da und ich werde es gleich herauskramen:-)
    By the way…. ich liiiiebe deinen Blog!

  2. Herr R. sagt

    Wenn ich mit 15 nur annähernd das Gefühl gehabt hätte, alles zu wissen, wie wäre mein Leben wohl verlaufen? So wurde vieles von ängstlichen Spätzündungen befeuert. Aber vielleicht hat mich erst das Unvermögen zu handeln unfreiwillig dazu gebracht, dem Warten eine Chance zu geben. Und vielleicht ist gerade dadurch so vieles geschehen. Und vielleicht wird gerade dadurch so vieles noch passieren. Oder auch nicht. Ich kann es endlich erwarten.

  3. Ich herze dieses Zitat und dein wieder darüber stolpern sehr & musste mir jetzt prompt einen gesammelten Rilke bestellen. Lange überfällig. Danke für den Tipp!

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