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Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich habe so eine große Sehnsucht nach Ruhe. Einfach wegfahren, weg von allem wäre gerade mein Wunsch. Bis ich diesen Vortrag gehört habe. Die Idee, in sich selbst Ruhe zu finden ist sicher nicht immer die einfachste Option, aber definitiv in Erwägung zu ziehen. Dieses Bild von Nirav Patel mag ich dennoch sehr. Weil es einen Sehnsuchts-ruheort zeigt. So könnte es aussehen dort, wo ich mich hinsehne. Außerdem mag ich Menschen von hier, die das Beste aus der aktuellen Situation machen. Sie haben einen leckeren Gin brennen lassen, dessen Einnahmen in die Flüchtlingshilfe fließen. Sehr feine Sache. Mag ich. Und ich mag dieses Lied, dafür dass es mich ruhig macht, egal wo ich gerade bin.

Die Welt zu Gast bei Freunden oder: Ein Integrationskuchen

Geht eigentlich auch jemand gegen die Amerikanisierung des Abendlandes auf die Straße? Mir kam der Gedanke, weil Halloween näherrückt. Dieser Tag, der heute so selbstverständlich erscheint, den aber zu meiner Kindheit kaum ein Mensch kannte oder bestenfalls nur aus amerikanischen Serien im Fernsehen. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal etwas hilflos einem Kind gegenüberstand, dass mich mit den Worten „Süßes oder Saures“ fordernd ansah und dem schwer beizubringen war, dass ich wirklich nichts anbieten konnte, weil ich gerade auf den Trend der zuckerfreien Ernährung aufgesprungen war. Dass der auch aus diesem Land von über dem großen Teich kam, stieß dabei auf wenig Interesse. Den Valentinstag haben sie uns auch übergestülpt. Gab es früher nicht. Nur ein paar hilflose Anläufe von Fleurop ihn uns näher zu bringen, die scheiterten, weil das Ziel der Steigerung des Blumenumsatzes wohl zu offensichtlich war. Aber jetzt haben wir ihn und was hat er verdrängt? Eine eigentlich so schöne Tradition für Verliebte: Das Maibaum-Aufstellen. Nicht der große auf dem Dorfplatz. Sondern die kleinen, selbstgeschlagenen, die dem angeschwärmten Mädchen vor die Tür gestellt wurden. …

das mit dem Leben

„Das Leben zerrint einem zwischen den Fingern. Man kämpft um Konzentration und träumt von Bedeutsamkeit und Nähe, und doch gehen viele Tage dahin, die man nur durchlebt, mit Einkäufen, Betäubung, Oberflächlichkeiten. Vielleicht ist das nicht schlimm: Paul Feyerabends Autobiographie heißt Killing Time, und manchmal ist es auch eine Gnade, nicht nachdenken zu müssen, sondern die Zeit irgendwie füllen und absitzen zu können.“ Nora Kreft über die Bücher Momentum und Der Knacks von Roger Willemsen

Läuft bei mir. Habe ja noch Zeit.

Anfang Oktober las ich: Es sind noch 85 Tage bis Weihnachten. Diese Information erzeugte eine gewisse Unruhe in mir. Das kann doch nicht sein. Ich will doch noch so viel tun. Ich will noch auf die Bienale, war immer noch nicht hier, muss dringend nach Weimar. Die Liste der Vorhaben für 2015 ist noch nicht annähernd abgearbeitet. Ich halte also mal die Zeit an und liste auf. Auflisten ist immer gut. Was ich noch gerne hätte, machen muss, woran ich noch denken will: Dieses Top [1] sieht elegant aus und könnte unter dem Blazer getragen werden und abends auch so. Und zur Weihnachtsfeier unter dem Christbaum macht es sich bestimmt auch ganz großartig. Der Tisch in der Küche verlangt spätestens jetzt wenn es wieder früher dunkel und in der Früh auch noch dunkel ist nach einer neuen Lampe. Das wollte ich schon Anfang des Jahres in Angriff nehmen. Hat noch Zeit, dachte ich immer. Hat es nicht. Diese [2] würde sich gut machen. Das Wichtigste nicht vergessen. Freundlich sein, gut sein. [nicht mit immer nett sein …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wachsen. Wobei mögen zuviel gesagt ist. Es handelt sich eher um eine Art Hassliebe. Die Tatsache, dass zwar mein Körper vor langer Zeit die Größe von 1,73 erreicht hat, aber ich als Person noch Wachstumspotential habe, begeistert mich an den Tagen, an denen ich denke, dass ich meine Lektion jetzt gelernt habe und bereit bin für die nächste Stufe und frustriert mich an denen, an denen ich merke, dass ich noch ganz am Anfang stehe. Trotzdem mag ich sie. Die kleinen Wachstumsschübe, die man so als Mensch machen darf. Beruhigend der Satz von Roger Willemsen dazu: „Es ist ein weiter Weg, bis man sich in den Besitz des eigenen Ichs gebracht hat.“ Während ich so meinen Lebensweg gehe und im Repeat-Modus stecke, spiele ich mal wieder mit dem Gedanken mir die Haare wachsen zu lassen, weil ich sie dann zu so einem schönen Chignon rollen könnte oder besser rollen lassen könnte, weil selbst bekäme ich das nie im Leben hin. Da kann ich wachsen und reifen so lange ich will. Und weil ich ausgewachsen …

Ein Hauch Karibik in Fürstenfeldbruck

Ich bin meist zufrieden mit dem was ich habe und wie es ist. An Dankbarkeit mangelt es mir nicht. Aber manchmal, wenn es jetzt dunkel wird und kalt, dann sehne ich mich ein wenig. Nach Wärme, nach dem Sommer, der so schön war und denke mir, wie schön warmer Sand zwischen den Zehen wäre statt mit dicken Schuhen an den Füßen in Regenpfützen zu stehen. Ich sehne mich nach ein wenig Exotik statt Steckrüben und Kohl. Nicht jeden Tag, nur ab und an. Ein wenig. Das merke ich, weil ich tatsächlich am Duftbaum Kokos im Auto eines Helfers schnuppere und die Reisewerbung nicht einfach ignoriere, sondern mir nur mal so ein paar Flüge zusammenklicke. So ein wenig Karibik oder Südamerika oder vielleicht Bali. Hawaii ginge auch. Auf jeden Fall warm und Meer.  Ich habe mal gelesen, dass das beste Rezept für eine glückliche Ehe ist, dass man dem anderen die Illusionen, die er über sich selbst hat, lässt. Gilt bestimmt auch außerhalb von Beziehungen. In diesem Sinne schaffe ich  mir mein eigene Illusion: Ich lege mir ein wenig …

Ich habe da jemanden kennengelernt

Wenn jemand das nicht kennt, dann ist das schwer zu erklären. Die Tatsache, dass man zu einem Buch eine Beziehung haben kann, dass es ein Wegbegleiter wird für eine Weile. Ich erinnere mich oft über Bücher an gewisse Zeiten im Leben. Das habe ich gelesen, als ich gerade mit dem Studium anfing und nicht so recht wusste, was das alles sollte. Das, als ich so schlimmen Liebeskummer hatte. Das im Urlaub in der Camarque, in dem ich von Mücken zerfressen wurde. Eine kurze Zeit verbringt man gemeinsam. Das hinterlässt Spuren. Immer. Der eine mehr, der andere weniger. Gilt für Menschen wie für Bücher. Wenn es gut läuft, sind es nicht nur Buchstaben auf ein bisschen Papier, dann sind es Geschichten und die Menschen darin werden manchmal zu guten Bekannten. Es gab im Sommer ein paar Abende, da habe ich die Zeit mit Léon und Louise verbracht und sie ins Herz geschlossen. Louise, weil sie so herrlich ehrlich, schlagfertig und witzig ist. Sie nimmt sich, was sie braucht, macht sich nie klein. Sie ist die Art …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich mag es, mich mit diesen Ringen und Armreifen zu schmücken. Ich mag die wunderbare Frau, die gemeinsam mit ihrem Vater hinter dem Schmuck steht. (Wer sich dieses Video angesehen hat, dem wird es ebenso gehen). Ich mag Gemeinschaft, Freundschaft mit besonderen Menschen. So gerne ich alleine bin, so übervoll macht es, so lange hallt es nach, wenn man umgeben ist von solchen der guten Sorte, wenn es stimmig ist, wenn es unangestrengt ist, wenn es offen, ehrlich ist, wenn es entspannt ist und so leicht. Ich mag außerdem dieses Lied, dass ich nach einem watteweichen, schönen ebensolchen Wochenende im Auto  voller Dankbarkeit immer und immer wieder gehört habe.

Das pappt ganz schön fest

„Jeder bekommt seine KIndheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer. Später erst zeigt sich, was darin war. Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch die Kostüme wechseln wie er will.“ Gelesen bei Heimito von Doderer, den ich wiederentdeckt habe.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Überrascht zu werden. Gute Ideen. Dinge anders zu machen. Überraschungsmomente. Zu verblüffen. Und so kann ich mich nicht einkriegen ob dieser fantastischen Idee von Sugared & Spiced ein Heißgetränk zu zuckern. Eine Zuckerwattenwolke lässt Süße in den heißen Kaffee regnen. Wie wundervoll, wie anders, wie überraschend, was ein anderer Blick auf das Alltägliche. Nicht für jeden Tag, aber für diesen einen Moment, für dieses Detail, das den Unterschied macht am Ende. Es sind imer die Details, die Feinheiten. Außerdem hat es mir dieser Leuchtkasten schwer angetan, den ich mir sehr gut in meiner Wohnung vorstellen könnte. Sehr gut. Wäre mal etwas anderes. Der Spruch gleich dazu, weil die schönste Idee wird schal, wenn sie nicht angepackt wird. Dieses Lied hat mich sehr begeistert. Schöne Töne über nichts Neues, sondern Altbekanntes. Über eine Liebe, die vorüber ist. Kommt vor. Aber auch das kann gut sein. Zeit und Platz für etwas Neues. Das Leben hat seine eigenen Ideen und ist immer wieder für eine Überraschungen gut.

Sehnsucht, Wohlstand und eine Scheibe Brot

Toast Hawaii war in den 50er Jahren in Deutschland der Hit. Heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Ebenso wie der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, dem wir diese Kreation zu verdanken haben. „Wilmenrod bündelte auf wenigen Quadratzentimetern Weizenbrot die Sehnsüchte einer ganzen Epoche: Die verschwenderische Kombination aus Schinken und Käse demonstrierte den neu gewonnenen Wohlstand, Ananas und Cocktailkirschen drückten die Sehnsucht nach der weiten Welt aus, “ schreibt Gudrun Rothaug in ihrem Buch mit dem herrlichen Titel „Vom Toast Hawaii zum Döner: Essen in Deutschland“. Und wieder bin ich um eine Erkenntnisse reicher, von der man nie weiß, wann man die mal gebrauchen kann. Die weite Welt ist nur noch einen Mausklick entfernt und das hanseatische Understatement lag mir schon immer mehr als das neureiche Protzen, aber verschwenderisch sein in kleinen Dingen wie dem Abendbrot und sehnsüchtig sowieso, kann auch heutzutage nicht schaden. Die Kombination aus Brot, Käse und Frucht ist zeitlos. Geht ganz leicht: Bauernbrot auf einem Blech mit Olivenöl leicht antoasten. Dann mit Ricotta belegen und Feigen. Pinienkerne derweil anrösten. Auf die Toastbrote ein wenig Pfeffer …

Nüchtern betrachtet

Ich habe es ein wenig wie im Rausch gelesen. Ein Buch über das Trinken, über das zuviel Trinken, über das Trinken über den Durst hinaus, darüber dass das Trinken, um dem Alltag zu entfliehen irgendwann Alltag wird, darüber dass die Grenzen sehr zart und sehr fließend sind, darüber wie sich Abhängigkeit tarnt, sehr mies tarnt, dass sie nicht so offensichtlich ist, wie wir in unserer selbstbeherrschten Überheblichkeit zu glauben meinen, darüber dass sie verschiedene Kleider trägt. Nüchtern: Über das Trinken und das Glück heißt das Buch bezeichnender Weise. „Es war gar nicht so, dass wir exzessiv tranken, mein Partner und ich. Obwohl wir an den Wochenenden oft ausschweifend feierten, blieben wir lange bei der gemeinsamen abendlichen Flasche, und das noch nicht einmal jeden Tag. Die Wahrheit aber war, dass ich mir schon damals das Leben, das wir uns eingerichtet hatten, nicht ohne diesen Wein vorstellen konnte. Eigentlich hatte ich schon damals das Gefühl, dass dieses erwachsene Leben nur einen Sinn hat, wenn man auch trinkt,“ schreibt der Autor. Betrifft mich nicht, könnte man denken. Weil es …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Der Abstand, der im Wissenserwerb liegt. Dieser Zwischenraum, der mir vermeintliche Sicherheit und Zeit verschafft, wenn ich noch ein Buch zum Thema lese und noch eines, um gut vorbereitet zu sein, wenn ich mich im Theoretischen verliere, im Abstrakten verlaufe und damit vielleicht manches Mal ein klitzekleines wenig vor der Umsetzung fliehe. Ich mag diesen Spiegel, weil einziges Kriterium für das eigene Handeln sein sollte, dass man sich danach auch weiterhin im Spiegel ansehen kann. Zu jeder Zeit. Sonnenumrankt ist das allerdings einfacher. Da fallen die kleinen Fältchen, die der exzessiven Nachtlektüre geschuldet sind, auch gar nicht mehr so auf. Dann mag ich noch ein Lied. „Keep it simple. Keep it slow“ singt sie. Kann nicht schaden, das was ich schon weiß, nochmals vorgesungen zu bekommen. Startet gut in die Woche. Oder eignet Euch vorher noch ein wenig theoretisches Wissen darüber an.

Anlauf für den besten Absprung in den Herbst

Max Frisch wurde in einem Interview einmal gefragt, was ihm im Rückblick auf sein Leben aufgefallen ist, nicht was er anders machen würde, einfach was ihn ihn im Resümieren wundert. Er zögert lange und antwortet schließlich, dass er feststellt, dass er so vieles doch schon früher gewusst hat und es dann doch so lange gebraucht hat, bis er handelte. Der Arbeitsplatz, den er früher hätte verlassen, die Ehe, die er zeitiger beenden hätte können. Nichts liegt mir ferner als dem zu widersprechen, den ich so verehre. Aber vielleicht, so kam mir der Gedanke, unterschätzt er die Bedeutung des Anlaufs. Ich denke, dass viele Dinge im Leben Anlauf benötigen. Das ermöglicht einen guten Absprung und einen sanften Übergang. Im Leichtathletik-Unterricht in der Schule lag mir eigentlich immer nur das Laufen. Das ist mir auch bis heute geblieben. Aber da gab es noch den Weitsprung. Dort entscheidet der Anlauf über Erfolg oder Misserfolg des Sprungs. Präzise, kraftvoll muss er sein. Das ist eine Kunst. Die beherrscht sein will wie alles im Leben. Selten gelingt  etwas aus dem Stand heraus. …

aufgelistet: Monochrome Grünstimmung meets kind of blue

Grünen Tee in Litern getrunken, weil die Tage lang und die Nächte kurz sind gerade. Gerabeitet, nicht hintergekommen, noch mehr gearbeitet, aber immer das Gefühl, das alles gar nicht einholen zu können, kurz davor zu sein, überrollt zu werden. Ein wenig Miles Davis zugehört. Neben Keith Jarrett ist er mein verlässlicher Ruhigmacher, ein nicht verschreibungspflichtiger Tranquilizer. Ich glaube, es ist das Trompeten. Das kann ich nicht, aber ich weiß, dass man dafür ruhig und kräftig atmen muss und das schadet in übervollen Zeiten auch nicht. Überträgt sich irgendwie. Musikalische Atemtherapie. Außerdem liefert kind of blue genau die richtigen Töne für die Nachtstunden, wenn ich das Gefühl habe ganz alleine auf dieser Welt zu sein. Der Rest schläft nämlich. Nur ich und ich arbeiten dann so vor sich hin und sinnieren zwischendrin über den schönen Satz, den Miles David mal gesagt hat: „Sometimes you have to play a long time to be able to play like yourself.” Noch ein Punkt, der abzuarbeiten wäre. Aber ein guter. Alles eine Frage der Zeit. Was sonst noch überhaupt nicht einfarbig, sondern neue Farbnuancen ins Leben …