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[Nr. 18 von 1/2]: fertig und frei

„Es gibt keinen Zustand, in dem irgendwann alles getan, geschafft, beendet ist. Darüber lässt sich keine Freiheit herstellen. Frei zu haben lässt sich nicht verdienen. Man kann es sich nur nehmen.“ Feststellung des Psychotherapeut Oskar Holzberg in seiner Auszeit, in der er statt großer Weltreisen oder eines neuen Projektes, einfach nichts machte. Dabei entdeckte er die Hingabe, die Freude an der Bedeutungslosigkeit. Wem das mit dem Loslassen schwer fällt, hier noch einmal zum Mitsingen: Ich muss überhaupt gar nichts. P.S. Hat nichts mit dem Text zu tun, außer dass ich mir die Freiheit nehme, das zu tun, was mir gefällt. Im Bild das überhaupt schönste Kleid, das an Weihnachten endlich einmal wieder zum Einsatz kommt. Genießt den freien Sonntag. 

[Nr. 16 von 1/2]: Eukalyptuskränze

Eukalyptuszweige kaufen und mit einem Stück Kreis zum Kranz binden. So schlicht, so schön. Im Bad riecht es so gut, am Fenster sieht es gleich festlicher aus, als Ringe halten sie Servietten zusammen, sie verzieren Kuchen und man muss der Fantasie nur freien Lauf lassen und dann sind den Einsatzmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Lied zum dabei hören: If we make it through december.

[Nr. 13 von 1/2] Ab in den Wald

Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte. Wenn es zu trubelig wird um einen und die Listen mit noch zu Erledigendem zu lange werden, könnte man einfach diesen Satz auf einen Zettel schreiben, ihn auf den Küchentisch legen und ins Grüne oder wahlweise auch ins Kino gehen. In genau diesen Film. Einen Film über Peter Handke. Ich mochte ihn so sehr. Handke schon lange, aber noch mehr nach diesem Kinovormittag. Wie überlegt er spricht, wie zart und genau. Und was er sagt über das Schreiben und das Erfinden. Über den wunderschönen und ungeheuren Gedanken, dass alles fremd ist und neu ist und unentdeckt. Dass noch nichts erzählt ist. Wer es nicht ins Kino schafft, kann einfach diesen schönen Satz von ihm aus einem seiner Bücher als Vorsatz mit in den Tag nehmen: „Ich werde mich entschlossen verirren.“

[Nr. 12 von 1/2]: Die reduzierte Tanne

Weihnachten kann schnell kitschig werden. Mit dieser schlichten Tannenkreation umgeht man diese Gefahr sehr geschickt. Die Grundform herausgearbeitet, aufs Wesentliche reduziert. Der Gestalter jubiliert. Der Minimalist nickt wissend. Noch Weihnachten, fast schon Kunst. Einfach Zweige abschneiden, mit Draht fixieren, wenn nötig und dann mit transparenter Schnur aneinanderbinden. Eines der Bilder, die sonst die Wand zieren abnehmen und dafür diesen saisonalen Schmuck an den Nagel hängen.  

Der 1/2 Adventskalender

Noch zwölf Tage dann ist Weihnachten. Zeit einzusteigen für mich und für diejenigen, die schon seit November dabei sind vielleicht ein wenig auszusteigen. Das Jahr ging zu schnell rum und es ist zuviel passiert. Ich bin nicht nachgekommen mit so vielem, auch hier nicht. Ich wollte mir keinen Druck machen, auch weil ich mich kenne und weiß, dass ich nur wirklich gut funktioniere, wenn ich frei bin, keine festen Rahmen, sondern viel Raum habe. Seit gestern habe ich nun große Lust auf Weihnachten. Ich freue mich darauf und ich habe diesen Ort ein wenig vermisst. Er war und ist für mich auch immer eine kleine Oase gewesen. Deshalb der Plan: Ab heute poste ich jeden Tag etwas Kleines. Ein halber Adventskalender für Erwachsene. Jeden Morgen ein Türchen zum Öffnen. Dafür ist man nie zu alt. Mal ein Rezept, mal einen Satz, mal eine Idee, wie man es sich mit wenig Aufwand weihnachtlich machen kann. Mal irgend etwas, einfach nur weil es schön ist. Das habe ich noch nicht durchgeplant, ich überrasche mich selbst. Es geht nicht darum mehr in …

anders hören oder die Lauschstrategie

In dem Buch von Dan Harris gab es eine schöne Stelle, die wenig mit dem ganzen Inhalt zu tun hat, aber mich dennoch beschäftigt hat. Er berichtet davon, wie er den Psychotherapeuthen und Philosophen Sam Harris kennenlernte und der sagte, dass er sich freut ihn kennenzulernen. Und er hatte das Gefühl, dass er das auch wirklich so meinte. Im Zuhören liegt eine sehr große Magie. Man spürt, ob jemand interessiert ist, ob er es wirklich wissen will oder ob es allein die Höflichkeit ist, die fragen lässt. Ich lese viel und gerne. Und ich höre gerne zu. Ich bin einmal über den Begriff des dialogischen Denkens gestolpert. Ich glaube Susan Sonntag hat ihn verwendet und fand es einen schönen Ausdruck dafür, dass sich manche Gedanken nur im Dialog weiterentwickeln lassen. Einmal ausgesprochen, treffen sie auf andere Ansichten und entwickeln sich so weiter. Wenn ich Hörbücher höre, halte ich ein wenig einen gedanklichen Dialog. Im Lesen bin ich mit meinen Gedanken und denen des Autors alleine in meinem Kopf. Durch das Hören kommt eine Dimension von …

Nie fertig und gut ist

„S chäm Dich nicht, Mensch zu sein, sei stolz! In dir öffnet sich Gewölbe um Gewölbe, endlos. Du wirst nie fertig, und es ist, wie es sein soll.“ Mit diesen Worte von Tomas Tranströmer eröffnet Henning Mankell sein letztes, ein sehr persönliches Buch. Ich trug sie immer bei mir in den letzten Tagen. Auch als ich eine Werkstatt besuchen durfte. Auch noch als ich mir die Bilder ansah, die ich dort gemacht hatte und überlegte, was dazu zu schreiben wäre. Passt nicht zusammen, dachte ich. Wäre der klassiche Fall einer Text-Bild-Schere. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht sind sie auch einfach die beste Begleitung für einen Ort, an dem Silber, Gold und Messing seine Form finden: Von der ersten Skizze bis zum fertigen Schmuck. Vielleicht ist genau damit alles gesagt.Legieren, entwerfen, schmelzen und gießen, zuschneiden, walzen, Drähte ziehen und Stangen schmieden, Formen herausarbeiten, Kanten bohren, fräsen und abschlagen, hämmern, ausformen, weichglühen, schmieden, strecken oder treiben durch Hämmern, Fassungen anfertigen, Edelsteine verarbeiten und einsetzen, stechen, granulieren, ziselieren, verzieren, tauschieren, montieren, schleifen, reinigen, polieren, gravieren, feinschleifen, aufarbeiten, reparieren, umarbeiten, reinigen, ausrichten, entfetten, hämmern, feilen. Kann man alles machen. „Du wirst nie fertig, und …

Nizza – für immer oder einen Sommer

Nizza, meine amour fou. Nizza war meine wilde Sommerliebe. Eine heftige amour fou mit allen Auf und Abs. Wie jede große Liebe traf sie mich völlig unerwartet und unvorbereitet. Ich hatte nicht wirklich Lust auf diese Stadt und hegte die geringste aller Erwartungshaltungen. Vier Wochen standen auf dem Programm und meine selbst gesetzte Devise war: Die ziehe ich jetzt eben durch. Irgendwie. So dachte ich. Redete mir selbst noch gut zu, als ich endlich landete auf diesem klitzekleinen Flughafen. Vielleicht begann es da. Denn der Flughafen ist ja nichts anderes wie die erste Begegnung mit einem neuen Menschen, da entscheidet sich oft schon, ob es gut geht oder nicht, ob man sich gewogen ist oder nicht, ob da eine feine Verbindungslinie ist, auf der sich aufbauen lässt. Und dieser winzige Flughafen überraschte mich gleich, denn er hatte so gar nichts Provinzielles an sich, sondern die Grandezza einer alten Dame und ganz viel von der südfranzösischen Gelassenheit, die ich so schätzen lernen sollte. Umarmt von der warmen und immer feuchten Luft, eingehüllt, fühlte ich mich so willkommen. Und meine innere Abwehrhaltung bekam …

Sommer satt: Ein bisschen Tel Aviv in München

D er Sommer macht wahrscheinlich jede Stadt lebenswerter. Aber München, München ist im Sommer unvergleichlich. Abends mit einem Bier an der Isar in der Abendsonne zu sitzen, an der Glyptothek entlangradeln und erschlagen sein von der monumentalen Größe und der Geschichte, früher aus dem Büro gehen und im Biergarten alles viel relativer sehen oder sich im Englischen Garten verlaufen – das geht nur hier und nur hier so schön. Und wenn einen doch ein wenig das Reisefieber packt: Es gibt ein neues, sehr schönes, kleines israelisches Restaurant in Haidhausen. Im Juli frisch eröffnet. Das Nana. Im Sommer sitzt man fast auf der Straße und fühlt sich schon gleich in den Süden verschlagen. Es gibt diese Limonade mit Minze, die auch in einer Alkohol-Variante angeboten wird und die so erfrischend ist, dass man immer gleich nochmal eine bestellt und noch eine, weil man eh schon haufenweise Minze zwischen den Zähnen hängen hat und sie einfach zu süffig schmeckt um es bei einer oder zwei oder drei zu belassen. Es gibt bestes, noch leicht warmes Fladenbrot mit einem Humus-Teller. Es gibt …

La vie. C´est ca.

I ch habe es hier schon gesagt, aber es bedarf einer Wiederholung: Au revoir Nizza. Du hast mein Haar blonder, meine Beine brauner, meinen Kopf voller und mein Herz leichter gemacht. Es war sicherlich nicht das Vernünftigste, was ich zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Aber ich halte es da mit Joanna: „Wer will schon auf seinem Grabstein „Sie hatte ein vernünftiges Leben gelebt, und alles so gemacht, wie man es sollte“ stehen haben?“ Au revoir Nizza. Salut München.

Berlinesque

Vier Tage in Berlin. Und wieder einmal gemerkt, wie sehr ich sie mag, diese Stadt. Sie ist so anders als München. Sie irritiert. Immer wieder. Sie ist nicht gefällig, regt auf, ist greller und lauter, ein wenig hässlich und dadurch wieder so schön. Sie lässt einen nicht so in Ruhe, sondern wühlt auf und das tut gut zuweilen.  Wegsehen geht da nicht. Dazu gibt es auch zuviel zu entdecken.

nah dran

In einem dieser Träume, von denen ich nie einem erzähle, weil ich so groß nicht denken wagt, hatte ich immer ein kleines Café im Kopf. Meinen eigenen Ort. Das habe ich nicht verfolgt, weil ich sehr wohl weiß, dass die Realität anders aussehen würde als meine Tagträume. Doch jetzt bin ich ein wenig, ein klitzekleines bisschen beteiligt an einer Bar in München. Sie ist so, wie eine Bar wäre, hätte ich sie mir erträumt, wäre sie meine. So wie solche Orte sein müssen. Mit viel Liebe zum Detail, zu den kleinen Dingen, zur Sache  an sich. Ein Design, das ich mag. Die Cocktailkarte in alten Büchern, die freigelegten Rohre, eine sehr klare Linie, aber nicht kühl, sondern im Gegenteil sehr warm und einladend. Und hätte ich nicht diese Bilder vom Eröffnungsabend, könnte ich immer noch nicht glauben, dass dem nun tatsächlich so ist. Das ist schon ziemlich nahe dran. Am unausgesprochenen Träumereien. Oder nicht mehr ganz so weit entfernt. Manches Mal überholt die Realität die Träume. Unausgesprochen.

Mutterreisen und Rollentausch

Max Frisch, natürlich Max Frisch, hat etwas wunderbar Wahres gesagt über das Kennen des anderen und das Ende der Liebe. „Unsere Meinung, dass wir das andere kennen ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: Weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns.“ Gilt für die romantische Liebe. Die zu den Eltern ist da außen vorgenommen. Weil egal was passiert, man bleibt ja immer das Kind seiner Eltern. Diese eine Sicherheit, die jeder Mensch doch braucht, egal wie alt. Ein letzter Rückzugsort, von dem es gut ist, um ihn zu wissen und ihn zu kennen, auch wenn man nicht in die Situation kommen möchte, ihn nutzen zu müssen. Und da wären wir doch wieder bei Frisch, weil wen, wenn nicht seine Mutter, glaubt man zu kennen. Die Rollen wurde zwar vor langer Zeit schon neu gemischt, schließlich macht ja jeder jetzt …