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leben

blaue Gesellschaft

Eine blaue Stunde, die ihrem Namen alle Ehre macht. Gelernt, dass es einen japanischen Spruch gibt: "Tai-mo hitori-ha umakazu" - "Even sea bream is not delicious when eaten in silence". Selbst der edelste Fisch schmeckt nicht ohne Gesellschaft. Diesen Satz mitgenommen und gleich erlebt, wie wahr das ist. Dabei nochmals herzhaft ein Stück vom Brot abgebissen. Das, dass ich nur schnell beim Bäcker geholt hatte und noch nicht einmal beim guten. Es hätte geschmacklich den Vergleich mit der besten aller Doraden nicht scheuen müssen.  …

jetzt spreche ich

Ein Abend, an dem nach der Arbeit noch Cocktails getrunken werden. Eine bunte Mischung aus Männer und Frauen durch den Beruf bekannt, lose verbunden. Die kleinen Gesprächen über Alltag, Job, Karriere. Die erste Runde war gut. Es wird eine zweite bestellt und auf die Frage, was es denn jetzt sein darf, sagt eine Stimme: "Nochmals das mit Gin." Und eine andere: "Das, was am wenigsten Arbeit macht." Und ich muss nicht auf die Tonlage achten, um zu wissen, welchem Geschlecht welche Bestellung zuzuordnen ist.  Da musste ich an diese Sätze von der Soziologin Deborah Tannen denken, die ich letzt über Kommunikation gelesen…

bestens vorgesorgt für später

"Die beste Vorsorge für das Alter ist, dass man sich nichts entgehen lässt, was Freude macht. Dann wird man später die nötige Müdigkeit haben, und kein Bedauern, dass die Zeit um ist." Hat Franziska zu Reventlow geschrieben. Die Worte sofort verinnerlicht und darauf noch einen Eiskaffee getrunken. Man kann nicht früh genug an später denken, heißt es doch.…

La vie. C´est ca.

I ch habe es hier schon gesagt, aber es bedarf einer Wiederholung: Au revoir Nizza. Du hast mein Haar blonder, meine Beine brauner, meinen Kopf voller und mein Herz leichter gemacht. Es war sicherlich nicht das Vernünftigste, was ich zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Aber ich halte es da mit Joanna: "Wer will schon auf seinem Grabstein "Sie hatte ein vernünftiges Leben gelebt, und alles so gemacht, wie man es sollte" stehen haben?" Au revoir Nizza. Salut München.…

kurze Sequenzen, die lange nachhallen

Was Kino kann. Wenn es ein guter Film ist, dann bleibe ich noch ganz lange im Saal sitzen, weil ich noch so tief in der Geschichte versunken bin, nicht möchte, dass es aufhört. Das helle Licht draußen, die Geräusche das ist alles zuviel. Die Welt soll noch warten. Nur ein paar Minuten noch. Denn so schnell werden die Bildern in meinem Kopf überlagert und ich möchte sie noch ein wenig bewahren und halten.  Diese Filme hier sind kurz. Und doch gelingt das Baden und Versinken in den Bildern. Es ist nie eine Frage der Zeit. Wenige Minuten in einer anderen…

Schuldfrage

"Es vollzieht sich das menschliche Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst." Max Frisch hat das gesagt. Wer sonst? In einem Satz alles, was man wissen muss und dass man aus der Nummer nicht mehr herauskommt.…

Die Lektion des Lebens über zu laute Parties und Mülltrennung

Ich bin nun schon seit einer Woche mittendrin in etwas was man wohl als kompetitives Umfeld bezeichnen würde. Ein Accelerator wird das in neuem Deutsch genannt, was einfach heißt, dass möglichst viel Programm in möglichst wenig Tage gepresst wird. "The World's largest extreme accelerator focused on IT innovations. 500 people from 72 countries" nennen es die Amerikaner, die noch nie um Superlative verlegen waren. Es gäbe viel zu sagen und zu erzählen, aber vielleicht nicht hier. Oder doch. Eine Kleinigkeit und auch wieder nicht, weil sie für mich stellvertretend steht für so vieles. Das Programm wird von verschiedenen Universitäten unterstützt, die dann…

des Kaisers neue Kleider

"Und selbst wenn ihr etwas lernt, damit ihr glaubt, ihr könntet etwas ist immer jemand da, der das besser kann als ihr. [...] Du wirst bestimmt Designerin und stöckelst auf hohen Schuhen herum und spielst die Smarte und überzeugst alle anderen, dass sie glauben, wenn sie nur in Sachen von deiner Marke herumlaufen, seien sie auch smart. Aber du wirst feststellen, dass du ein Clown in irgendeinem überflüssigen Zirkus bist, wo alle versuchen, sich gegenseitig vorzumachen, es sei lebensnotwendig, in einem Jahr auf diese Weise gekleidet zu sein und im nächsten auf eine andere. Und du wirst feststellen, dass der…

Unterhaltungsprogramm

Über das Wort Entertainment nachgedacht. Wie ihm so etwas Anrüchiges anhaftet. Wie es kleingeredet wird als Gabe. Prosieben-Shows, Glitzermädels und seichte Unterhaltung. Wie aber doch auch so eine unglaubliche Größe in diesem Talent liegen kann. Wie im Gastgeber sein. Andere unterhalten, wirklich unterhalten, kann nur gelingen, wenn man sich selbst auch zurücknimmt und gleichzeitig voll da ist, sich reingibt. Wenn man nur der ist,  der den Boden bereitet, Platz und Raum gibt für mehr, sich einlässt. Und dann fiel mir diese Worte von Connie Palmen wieder ein, die sie für ihren Mann fand:" Er macht Menschen fröhlich, glücklich und ein wenig weiser.…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Durcheinander, weil es sich gleichzeitig auch so lebendig anfühlt. Völliges Wirrwarr, aber das Wissen oder vielmehr Vertrauen darauf, dass es gut wird und doch irgendwie zusammenhängt. Realisieren, dass ich im Theorietisieren formidabel, aber in der praktischen Umsetzung miserabel bin zuweilen. Daraufhin Keith Jarret hören. Das Köln Concert. Part II c vor allem. Ach was. Alle. Sich in der Musik von dem verlieren, der immer improvisiert hat, der bei keinem Konzert im Vorfeld wusste, was am Ende herauskommt, der nur darauf vertrauen konnte, dass alles in ihm steckt und zur richtigen Zeit zutage tritt. Der sich so völlig…

Grund genug

Immer wieder höre ich die Frage, warum ich das mache. So oft, dass ich sie mir dann selbst stelle. Das Unabsichtsvolle ist auch eine Provokation. Es gilt gesetzt, dass immer etwas herauskommen soll am Ende. Ich nehme mich da nicht aus. Bin es gewohnt ein Ziel zu haben. Aber manchmal werden daraus dann "um zus". Und das ist gefährlich. Studieren, um den Abschluss zu erhalten, den Film sehen, um mitreden zu können, den und den treffen, um von seinen Kontakten zu profitieren. Dann mache ich mir selbst Vorwürfe oder habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich statt ein Buch zu lesen oder…

verpasst, aus und vorbei

"Das Ich ist dann von der Vorstellung beherrscht, dass die versäumte Gelegenheit nicht irgendeine war, vielmehr die entscheidende, die man im Leben hatte. [...] Jede lebenspraktisch bedeutsame Entscheidung ist ein Wagnis, das, wiederum mit Kierkegaard, nach vorne gelebt und nach hinten verstanden wird. Womöglich liegt hier der eigentliche Grund für ein verfehltes Leben: dass das Ich das Risiko der Entscheidung, hier Ja und dort Nein zu sagen, umgehen will. Obwohl Zögern und Zaudern klug und menschlich sein können, ist die Angst der Unentschlossenen, [...] das Hinauszögern sei der Ersatz für Unsterblichkeit, womöglich die Angst unserer Zeit. Sie definiert ein Leben…