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Venedig

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Zuviel. Das erste Mal Venedig und die ersten Stunde in dieser Stadt waren zu viel. Zu viel Hitze, zu viel Lärm, zu viele Amerikaner und Japaner, zu viele Hochzeitsreisende am vermeintlichen Ziel ihrer Träume, zu viele venezianische Maskenstände und Restaurants die mit Fotos ihrer Speisen werben. Zu viel. Und zu unwirklich. Aber mit jeder Gasse, jeder Brücke und jedem Schritt, kam ich dieser Stadt näher und desto mehr wurden wir Freunde. Und dann kam Rizzo. Eine kleine Bar an irgendeiner Brücke an irgendeinem Kanal. Alles schon ruhiger und unendlich schöne Menschen mit unendlich brauner, so brauner Haut sitzen auf der Bank davor, auf den Treppen und am Kanal. In der Hand ein Glas Wein und einen Teller mit Tapas. Die dort Cicchetti heißen und wunderbar waren. Auf einmal war es nicht mehr zu viel. Ich konnte gar nicht mehr genug bekommen und wollte nicht mehr aufhören zu sehen. Sehen, wie sie das Balzen und Gestikulieren und Stolzieren beherrschen. Kleine Kinder, die schon im zarten Alter von vier …

Schönes in München

So vieles richtig gemacht: Weiß geflieste Wände, Bertoia-Chairs mit alten Schulstühlen gemischt, große Holztische zum Tafeln, Baguette und Brot in Körben an der Wand, lässiger Industriechick, die schönen Salz- und Pfeffermühlen, der Kaffee mit dickem Milchschaum und Muster, die Saftschorle in kleinen Milchflaschen und ein French Toast, der sich sehen lassen kann. Kein entspannter Wohlfühl-, sondern eher ein gesehen-werden-Ort. Aber da muss man ja nicht mitmachen und kann sich ganz auf das Frühstück konzentrieren. Oder auf das Steak am Abend. Den das soll wirklich auch sehr gut sein. theresa Theresienstraße 29 80333 München werktags ab 11:00 uhr samstags, sonntags, feiertags ab 9:00 uhr

Lieblingsort

Drei Tage raus. In etwas weniger als drei Stunden in einer anderen Welt. Am liebsten Ort über den Alpen. Der Fußboden im Frühstücksraum knarzt so herrlich, der Cappucino wird in der Tasse mit Hotelwappen serviert, im Park ist der Lärm der Stadt so fern. Es plätschert so vor sich hin. Ankommen, in gestärkten Bettlaken bei offenem Fenster kurz ausruhen. Nicht nur die Dienstuniformen der Hausmädchen, so vieles erinnert hier an einem Thomas-Mann-Roman. Wäre Bozen nicht so schön, würde ich die drei Tage im Hotel verbringen.

seelig

Keine Gedanken machen. Einfach sein. Das geht an manchen Orten besser als an anderen. Weil sie auch eine Seele haben. Das Cafe Pini ist so einer. Einer mit Seele. Unscheinbar von außen. Auch innen nicht spektakulär. Außer auf seine so unkomplizierte Art und Weise. Da strengt sich einer nicht an zu gefallen und das Resultat ist ein heimeliger Ort, irgenwie seelenruhig und in sich ruhend, leckere Paninis, guter Kaffee, viele Zeitschriften, ordentlich etwas zu sehen und für alle von auswärts (ja, so heißt das hier) gibt es über dem Cafe noch eine Pension. Café Pini Bibite Panini Giornali Klenzestraße 45 Mo bis Fr: 8 bis 22 Uhr Sa: 9 bis 22 Uhr So: 9 bis 19 Uhr

das Marais in München

Es gibt Cafes, die sind genau so, wie ich sie machen würde, wenn ich dann doch mal selbst eines eröffnen sollte. Marais ist so eines.  Die Süddeutsche nannte es, einen Ort, zu schön, um wahr zu sein. Benannt ist es nach einem der schönsten Pariser Stadtviertel, das Inventar stammt den 20er Jahren und wurde von einem ehemaligen Textil-Warenhaus übernommen. Der Kuchen ist sensationell, der Kaffee sehr gut und dazwischen lässt sich zwischen Antiquitäten, Möbel, Schmuck und Kindersachen stöbern. Marais Parkstrasse 2 80339 München Dienstag bis Samstag   8.00 – 20.00 Sonntag 10.00 – 18.00

Potsdam-Tipp

Ein Cafe in Potsdam, in dem es nur Käsekuchen gibt. Blaubeere, Johannisbeere, Stachelbeere, Karamel oder Florentiner. Wir haben nicht alle probiert, aber zwei. Der Kaffee konnte sich auch sehen lassen.

Verkannte Stadt

„Potsdam, was brauchen wir, um glücklich zu sein.“ Hat Friedrich, der Große wohl gesagt. Außer Potsdam bedarf es nichts. Zum ersten Mal dort gewesen und so verliebt in diese Stadt. Eine schön sanierte Altbauwohnung reiht sich an die andere. Im holländischen Viertel von süßen Läden in Klinkerbau zum anderen gelaufen. Schöne Märkte und studentisches Flair. Ein Park, der vor lauter Grün nur so strotzt.

Alternde Schönheit Meran

Meran ist keine Stadt. Meran ist ein Gefühl. Diese Stadt katapultiert mich direkt in einen Thomas-Mann-Roman. Das alte Kur-und Seebad ist zu spüren. All die herrschaftlichen Häuser, die vielen Promenaden. Die vielen, kleinen Zeichen, dass die besten Zeiten bereits vergangen sind. Als wäre die Stadt einfach vergessen worden. Ein Paradies für Liebhaber verlassener Orte. Meran ist wie eine sitzengelassene Liebe, die noch voller Würde altert, sich bewusst ist, dass ihre besten Tage vorbei sind, die sich aber noch ihren Stolz bewahrt hat. In der Tram-Bahn am Morgen sehe ich manchmal eine alten Dame begegnet. Sehr elegant gekleidet. Sie muss umwerfend schön gewesen sein in ihrer Jugend. Diese Würde und diesen Stolz umgibt sie immer noch. Meran ist ebenso. Eine Schönheit, der anderen Art und der ich mich kaum entziehen kann.

Bilderreise und Kopfkino

Ich fotografiere gerne.  Durch den Sucher der Kamera sieht die Welt ganz anders aus. Das ist ein anderer Blick, den ich dann habe. Schärfer. Genauer. Mehr auf Details gerichtet. Auf das Besondere im Alltäglichen. Ein Auge, das mich aufmerksam macht und mir bewusst macht, dass jeder Lebensmoment großes Kino ist. Ob ich so dies gehört hätte? Bei den großen Momenten im Leben frage ich mich immer aber auch, ob ich sie nicht auch anders festhalten kann. Ob das Klicken den großen Moment reduziert auf ein einzelnes Bild, ob das Festhalten-Wollen schon ein Verlieren ist. Habe festgestellt, dass es für mich ein Multiplizieren ist. Ein Klick und ich habe für immer ein Lesezeichen, das ich aufschlagen kann. Ich muss nur einmal auf ein Bild blicken und schon ist das Gefühl wieder da. Wie das Stockholm-Gefühl vom letzen Sommer, an das ich heute denken musste. Ein Blick und es ist als, ob die Füße wieder im Wasser hängen, als ob die Welt wieder ruhig ist, still steht. Die endlos langen Schifffahrten, die so gut taten. Weil es so …