Ein gutes Jahr

War es ein gutes Jahr? Wenn ein gutes Jahr eines ist, in dem alles glatt läuft und wie geschmiert, in dem ein Highlight das nächste jagt, in dem etwas Großes passiert, das alles andere in den Schatten stellt, dann nicht.

Es ist nichts Großes passiert, aber ganz viel im Kleinen. Es war manchmal mühsam das Jahr. Es hat machmal weh getan. Manches Mal sogar sehr. Ich habe ein paar Schrammen und Kratzer davongetragen. Es hat mich vor Herausforderungen gestellt und auf die war ich überhaupt nicht vorbereitet.  Ich bin gewachsen an mir und an anderen. Ich habe hingesehen, wo ich vorher weggesehen hätte. Ich habe mich besser kennengelernt, ich habe Menschen kennengelernt, die zur richtigen Zeit in mein Leben gespült wurden, auf einmal einfach da waren und die ich nicht mehr missen möchte. Ich bin reich beschenkt worden. Ich habe so vieles nicht geschafft. Ich war nicht in Weimar, doch nicht in Kopenhagen  und Tokio und immer noch nicht in Vals. Dafür einen ganzen Sommer in Nizza und ein Wochenende in Regensburg, zu selten in Berlin, das ich doch so mag.

Es haben sich Träume zerschlagen und neue sind entstanden. Ich habe mich sehr gefreut oft. Sehr oft. Ein paar Mal geweint. Machmal weil es so schön war, dass ich es nicht ertragen kann und manches Mal, weil ich es so ungerecht fand, dass ich es nicht ertragen kann. Ich hatte mir vieles anders vorgestellt, geplant und ausgemalt und ich suche noch die zuständige Stelle, bei der ich das reklamieren kann.
Es hat wenig Sinn gemacht, so weniges Sinn gemacht in diesem Jahr. Aber das macht es wahrscheinlich selten. Noch einmal an einen Satz von Roger Willemsen gedacht, der einmal gesagt hat: „Es ist ein weiter Weg, bis man sich in den Besitz des eigenen Ichs gebracht hat.“ Es bleibt also auch in den nächsten Jahren noch genug zu tun.

Ich bin sehr dankbar.
Es war ein gutes Jahr.
Darauf stoße ich an. Da tanze ich rein.

Auf ein neues.

11 Comments
  1. rotkraut

    31. Dezember 18:00

    dies sind die Jahre, die gut für die Biografie sind, dann muss man nichts mehr hinzu (er)finden!!!

    herzliche Grüße und ein gutes, ein sehr gutes Neues

  2. Susanne

    31. Dezember 20:49

    liebe stephanini, danke für dieses jahr…mit dir…du bist teil meiner tage…du bereicherst meine gedanken, meine seele….ich fühle mich dir verbunden…in einem lied von metallica heißt es….” you live it or you lie it”…deine schönheiten bringen mich immer wiecer weiter es zu leben…so gerne! ich wünsche dir ein schönes 2016 voller schöner, warmer intensiver momente..sanni

  3. Taija

    1. Januar 10:46

    Hab vielen Dank für den “Willems´schen Satz”…der rührt mich sehr an, denn ich mag ihn auch sehr.Und Deine Beschreibung ist seinem Momente sammeln ja auch sehr ähnlich. Die Augenblicke sehen und schätzen, für alles was sie sind, dann daraus wachsen und sogar die Zeit verdichtet haben. Ich mag Dein Blog sehr. sei bedankt dafür und auch für all die Feinheiten und Wortwahlen darin. Auf ein gutes neues Jahr!
    Taija

  4. lingonsmak/hejyoga

    1. Januar 11:09

    alles für den augenblick. alles liebe. k

  5. Uschi aus Aachen

    1. Januar 12:44

    Bin und bleibe beglückte Leserin Deiner Gedanken…

  6. Maria Schneider

    1. Januar 15:30

    Danke für deine sehr berührenden Worte!
    Immer wieder!
    Maria

  7. Katja

    1. Januar 15:37

    Und wenn sich die kleinen Dinge zusammenfügen, ist es doch nicht mehr so klein.
    Ich wünsche Dir alles Liebe für dieses funkelnagelneue unbeschriebene Jahr.
    Und bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht.

  8. Elke

    2. Januar 9:53

    Vielen Dank für die vielen schönen Worte!
    Liebe Grüße
    Elke

  9. herr r.

    3. Januar 14:21

    2016 ist nur eine Zahl und nicht das Leben. Eine träge mäandernde Düne im Sandsturm. Eine taktlose Sequenz in einer Melodie. Tröstlich. Denn je kürzer die Abschnitte, desto häufiger die Hoffnung auf ein neues, schemenhaftes Glück. Vielleicht ist nicht alles im Fluss. Vielleicht sind wir verteilt auf unendlich viele Momente, aneinanderhaftend. Ein Puzzle aus Erinnerungen, Angst und Liebe. Vielleicht beschneiden wir die Zeit, um das Ungewisse in kleinen Dosen besser zu ertragen. Um die Illusion der Kontrolle zu bewahren. Lassen wir die Jahre gehen. Geben wir Ihnen keine Namen. Genießen wir sie als frei fliessende Zeit, die uns bleibt. Lasst das Leben in Ruhe einfach sein.

    In diesem oder einem vergleichbaren Sinne: Ich wünsche Dir eine tolle Zeit, ob Du sie nun 2016 nennst oder nicht ;o)

  10. stepanini

    4. Januar 18:57

    Ich danke Euch so.
    Für alle die schönen Worte und Wünsche.
    Und auch wenn es nur ein Jahr ist und nicht das Leben sind Eure Kommentare ein wunderbarer Start und Begleiter in die ersten Tage.

  11. Sam

    5. Januar 2:53

    Frohes Neues Jahr – Happy News Year – alles Gute und Liebe für 2016

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