ganz nah dran

ganz_nah_ganz-fernF. Scott Fitzgerald hat sehr viele, sehr gute Sachen gesagt. Aber dieser Satz von ihm, der geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Darüber, dass wen man jemanden oder etwas sehr nahe an sich heran gelassen hat, man sich nicht mehr so einfach davon erholt und lossagen kann. Wie schön, wie wahr, wie schmerzhaft vielleicht auch, aber wie lebendig. Zaungast sein gilt nicht. Voll rein und dann ist der Weg heraus eben manches Mal nicht mehr so einfach zu finden.

Dinge, die man aus der Ferne betrachten kann oder ganz nah. Dinge, die man an sich heranlassen kann. Dinge, mit denen man sich ablenken kann von Dingen, die einem nahe gehen. Oder einfach Dinge. Man muss es auch nicht immer verkomplizieren.

  • Ein Blumenshirt [1]. Gebt mir ein Blumenshirt und der Tag wird gut.
  • Beschluss des Tages: In dieser meiner Wohnung muss neu gestapelt werden. Hier liegen Stapel um Stapel von Papieren herum, die ich dringend lesen will, soll, muss – so genau kann ich das nicht mehr unterscheiden. Allerdings lege ich sie jetzt erst einmal in ein paar Kisten [2] , damit ich sie nicht immer ansehen muss, weil sie mir nur dauernd ein schlechtes Gewissen machen, weil soviel wie ich lesen wollen, sollen, können, müssen muss, ich gerade nicht packe. Aus den Augen aus dem Sinn ist deshalb die Devise. Ein Hoch auf den gepflegten Selbstbetrug. Wir zwei waren schon immer gute Freunde.
  • Blumen helfen immer. Wenn der Blick vom Schreibtisch und Computerbildschirm schweift, weil immer nur Jahresplanung, Budgetzahlen zu betrachten, erträgt kein Mensch, soll er auf Schönes blicken. Außerdem ist sich selbst beschenken, sich selbst Gutes tun eine sehr feine, überlebenswichtige Sache. Da schwöre ich drauf. Die schönsten Blumen aussuchen und dann in diese schöne Vase [3] stellen. Oder nur die Vase ansehen ohne Blumen darin, denn sie macht auch solo eine gute Figur.
  • Ich finde ja man sollte als Mensch per se ein Statement sein. Aber das geht ja auch nicht jeden Tag. An solchen, an denen das nicht geht, könnte ein Statement-Shirt unterstützen. Der Welt quer über die Brust mitzuteilen, dass nicht alles schlecht ist, sondern eigentlich ganz gut, kann nicht schaden [4]. 
  • Eine lange Bluse [5]. Eine weiße, schlichte. Es gibt viel zu tun, zu denken, zu machen, zu verändern. Da kann ich mir nicht jeden Morgen Gedanken darüber machen, was ich anziehen soll. Und deshalb ist es gut, Dinge im Schrank zu haben, die immer funktionieren. Diese Bluse wäre so ein Kandidat.
  • Zu wenig Bügel im Schrank. Auch hier muss Ordnung rein. Und nichts ist schlimmer als ungleiche Bügel. Ich mag es einheitlich. Wenn im Kopf und Herz manches Mal Chaos herrschen, soll wenigstens der Schrank aufgeräumt sein.
  • Dieses Lied. Geht mir irgendwie nah. Dieses auch. Und dies auch. Von einem Mann, der die meiste Zeit barfuß durch die Welt marschiert, was schon alles oder zumindest sehr viel sagt.
  • Fischkissen [7]. Ich lasse das Wort so stehen. Weil weitere Erläuterungen erübrigen sich. Nein, ich wiederhole es, weil es so schön ist: Fischkissen.
  • Ein Pullover [8]. Nicht irgendein Pullover, sondern ein gelber. Ein Pullover, der sagt: Ich bin fröhlich, ich bin freundlich. Komm ruhig näher.
3 Comments
  1. Anja

    23. August 17:44

    Liebe Stephanie oder Liebe Frau Stepanini oder Liebe Stepanini…
    Immer wenn ich erstmals auf einem Blog lande, weiß ich nicht so recht, wie ich meinen Kommentar anfangen soll… Bitte die Lieblingsanrede aussuchen…
    So ein schöner Blog. Mir gefällt der Stil von Sprache und Design. Sehr gelungen. Irgendwie unaufgeregt und mit viel Tiefgang… Ich schaue bestimmt öfter mal vorbei…

    In diesem Text hat mir besonders gefallen: ” Ein Hoch auf den gepflegten Selbstbetrug.” Das kenne ich. Die Formulierung bringt es auf den Punkt. Großartig!

    Viele Grüße
    Anja

    • stepanini

      24. August 21:53

      Liebe Anja,

      liebe Frau stepanini hatte ich noch nie. Das nehme ich. Und sage Dankeschön für Deine schönen Worte, die freuen mich sehr.

  2. Micha

    26. August 14:47

    Ein wunderschönes Satzfundstück, liebe frau stepanini….

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