Ich packe, packe ich, es packt mich. Ein Verb neu konjugiert.

G epackt. Oder besser gesagt alles Nötige in der Reisetasche verstaut. Gepackt klingt so nach bereit, fertig, vorbereitet.
Das bin ich nicht.
3 Wochen Sommeruniversität in Nizza. Nervös, gespannt, aufgeregt wie immer, wenn ich mir mal etwas überlegt hatte, um dann wenn ich kurz davor stehe, denke, dass das vielleicht doch keine so gute Idee war, aber ein Zurück sehr unelegant wäre und ich aus dieser Nummer wohl nicht herauskomme.
Dass sind die 3-Meter-Brett-Momente des Lebens. Und von denen habe ich so einige. 
Ich bin ein großer Angsthase. Ein sehr großer. Aber ich habe mir vorgenommen, dass ich immer wieder die Stufen zum Sprungturm hochgehen will. Immer wieder Anlauf nehmen. Und springen.
Weil die andere Angst noch größer ist. Die Angst vor der Unfreiheit, die die Angst mit sich bringt: I fear the fear of letting fear hinder me to do things. Kein Garant dafür, dass es nicht doch weh tut, höllisch schief geht, blamabel ist, eine Voll-Katastrophe. Aber das ist egal.
Die Malerin Georgia O´Keeffe, die den Blumenbildern das Kitschige nahm, hat es schön ausgedrückt: “I’ve been absolutely terrified every moment of my life and I’ve never let it keep me from doing a single thing that I wanted to do.” Und auf einmal ist man bei der Furchtlosigkeit gelandet. Nicht gelandet. Das klingt so einfach und als würde man dort abgesetzt. Aber ich bin ein Stück näher an der Freiheit, die mir so wichtig ist. Das Wichtigste vielleicht. Anais Nin, um noch eine schöne und kluge Frau zu zitieren hat gesagt: „Ich habe weniger Ängste, je mehr ich mich meinen Ängsten stelle.“ Es stellt sich zwar keine Routine ein, die Luft muss ich weiterhin jedes Mal anhalten, mich überwinden, aber weil es so oft schon auch gutgegangen ist oder selbst wenn nicht, es niemals auch nur an das vorher abgespielte Kopfkino heranreichte, werden die Türme höher. 5 Meter sind auch nicht so bedrohlich und die Schritte weniger schwer.

In diesem Sinne: Ich habe gepackt. Hello Nice.
Und überhaupt: Wann ist man bitte jemals zu etwas bereit? Ich packe es an.

6 Comments
  1. Iris

    4. Juli 22:37

    Liebe Stephanie,
    oh, wie spannend! Oh, wie toll! Ich wünsch dir viel Spaß! Das klingt super! Bin gespannt auf Berichte!
    Liebe Grüße
    Iris

    PS: Reach the stars
    Fly a fantasy….
    Dream a dream
    And what you see will be….

    Rhymes that keep their secrets
    Will unfold behind the clouds
    And there upon a rainbow
    Is the answer to a neverending story…
    Ah….
    Story…
    Ah….

    (instrumental)

    Show no fear
    For she may fade away…
    In your hands
    The birth of a new day…

    🙂 Hab ich letztens gehört und sehr gemocht 🙂

  2. ChristinaInAustralien

    5. Juli 6:09

    Stimmt, wenn man wartet, wenn man immer auf den richtigen Moment wartet, verbringt man viel zu viel Zeit mit Warten. Viel Spass in Nizza!

  3. Milchmädchen

    5. Juli 6:56

    3-Meter-Brett-Momente. Danke, dass Du dem Gefühl einen Namen gibst. Ein Gefühl, dass ich so gut kenne (aber das andere zum Glück auch).

  4. Fee ist mein Name

    6. Juli 12:44

    Ich bin auch ein sehr ängstlicher Mensch, trete den Ängsten aber bei weitem nicht so offensiv gegenüber. Ich sollte mir ein Beispiel an dir nehmen :-*

  5. julie

    8. Juli 21:22

    das ist nun wirklich nicht angsthasig, hab eine lehrreiche und unvergesslich mutige zeit!

  6. Werner

    9. Juli 8:29

    „drei-Meter-Brett-Momente“ …. wie schön.

    Lg,
    Werner

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