leichter Wegbegleiter

711Ich mag Bücher, an denen ich mich abarbeiten kann, die sich mir nicht erschließen, die ich knacken muss, bei denen ich um jede einzelne Seite, ach was, um jeden Satz kämpfe. Aber auch die leichten. Die, die mit denen ich lesend und wach wegdämmern kann, nicht nachdenken muss, wo es jetzt langgeht, sondern einfach der Geschichte folgen kann.
Wenn Bücher Gespräche sind, dann ist es eine nette Unterhaltung. Diese kleinen Pläusche zwischendrin, für die ich gerne anhalte. Nicht der sich ewig ziehende Small-Talk und auch nicht die Erkenntnis-schwere Unterhaltung beim Rotwein in der Nacht. Aber die drei Minuten mit der Nachbarin aus dem Erdgeschoss, die paar Worte mit dem türkischen Gemüsehändler – all die Gespräche, die nicht nötig wären, es aber doch lebenswerter machen das Leben.

Und alle so yeah ist so ein Buch. Ein leichtes, ein netter Plausch. Ein Buch, das in die Vergangenheit führt, das ich gerne gelesen hätte als ich jünger war. Wobei das Alter egal ist, weil es auch davon handelt, wie es ist, wenn es zu viele Möglichkeiten gibt, zu viele offene Türen, zu viele Chancen und immer die lauernde Angst den falschen Weg zu nehmen oder den richtigen Pfad zu verpassen. Das ist heutzutage alterslos.
Und deswegen eben tut es so gut, sich ein paar Stunden leicht zu unterhalten und dann tapfer weiter des Weges zu gehen.

“Wenn erwachsen werden bedeutet, Träumen beim Zerrinnen zuzuschauen, dann ist das keine schöne Beschäftigung. Da wäre es mir, glaube ich, lieber, ewig am äußersten Rand des Sprungbretts zu stehen, zu wissen, dass du gleich springen wirst, und nicht zu wissen, was das für ein Gefühl ist, nachdem du gesprungen bist. Das Gefühl nach dem Eintauchen und wie es ist, zurück an die Oberfläche zu straucheln, während der von deinem Sprung ausgelöste Strudel sich langsam auflöst. Ja, ich glaube, diesen Zustand wählte ich: Die Sehnsucht, die Vergangenheit hinter dir zu lassen, und die mit Furcht gepaarte Vorfreude, endlich den entscheidenden Schritt nach vorne zu treten.”

3 Comments
  1. Larissa//No Robots Magazine

    31. August 11:40

    Danke für den Tipp! Das merke ich mir, falls ich mal wieder keinen Nerv für schwere Kost habe. 🙂

  2. michaela

    31. August 15:22

    Einen fast identischen Text habe ich mal in meiner Adoleszenz verfasst. Wird interessant sein, zu erfahren, was sie schreibt, wenn sie dann 40 ist ,-)
    Man hat so herrlich viele Illusionen, wenn man noch nicht “eingetaucht” ist.

  3. heimatPOTTential

    3. September 20:50

    Deine Zitat-Posts mag ich sehr, sehr gern!

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