mit Rilke´s Blick

Es gibt ein Gedicht von Rilke, das ich fast vergessen hatte. Obwohl es mir einmal so viel bedeutet hat. Letzte Woche hat es jemand zitiert und ich bin wieder ganz hingerissen.
Die immer gleiche Routine, die Langeweile, die Gitterstäbe. Und darin ein Raubtier, das wenn es in seiner Natur und frei ist vor Spannung strotzt, voller Energie und Grazie ist. Schon zu viel gesagt.
Der Panther muss für sich alleine sprechen.

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

6 Comments
  1. Frau Gold

    25. April 13:50

    Es ist gut so. Es ist gut manches zu vergessen. Damit es- dann- neu gelesen werden kann.
    // ging mir mit obigem auch so.
    S.

  2. julie

    25. April 20:01

    Oh da nicke ich zustimmend mit frau gold mit. Es löst wieder etwas aus, auch wenn die Lebensphase eine andere ist. Schön, danke fürs Erinnern!

  3. Maren

    25. April 20:25

    sehr rührendes gedicht, bin neulich in “Rilke und die Frauen” von H. Schwilk darüber gestolpert. und noch über einiges mehr. lg maren

  4. Anonymous

    26. April 17:22

    mir auch.
    Ami

  5. Anonymous

    26. April 20:36

    Aber bitte ohne Apostroph. Sieht aus wie der Name eines stillosen Friseurs.

  6. uNTERWEGSiNsACHENkUNST

    28. April 8:46

    Immer und immer wieder. So schön melancholisch. Wunderbar herausgekramt, liebe Stephanie. Beim Blick auf Dein Foto erschienen mir kurz, wenn auch nur für einen Augenblick andere Worte Rilkes: “Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen…und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die anderen enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder … gegenüber dem Himmel.” (Gedichte 1910-22). Herzlichst, Daniela

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