Vom Beginn des Sommers

Amerikanische Universitäten geben eine Sommerbuchempfehlung. Die Idee dahinter ist die, dass die Studenten gleich zu Beginn des neuen Semesters über etwas Gemeinsames unterhalten können. Ich habe mein eigenes Sommerbuch. Nicht, um mich mit jemandem darüber zu unterhalten, wobei das auch immer nett ist. Aber ich habe immer ein Buch, das für mich den Sommer einläutet. Die Zeit, in der es ein wenig ruhiger zugeht, in dem allem das Tempo genommen ist, weil entweder immer jemand im Urlaub ist, weil klar ist, dass vor Anfang September sich eh nichts tun wird oder es einfach zu heiß ist für kühne Pläne und…

Montagsmögen

Fast jeden Montag: Zwei, die ich mag. In Momenten des Zweifelns erinnere ich mich an die eine Sache, in der ich wirklich und unwiderruflich unschlagbar bin. Ich bin zäh. Ich habe Ausdauer. Wieder und Wieder. Das mag ich. Ich mag dieses Geschirr vom kleinen Label motelamio so sehr. Wunderschöne Sachen. Ich mag dieses Lied. (Beginnt erst ab Sekunde 33. Soviel Ausdauer muss sein. Wird aber danach belohnt mit schönsten Tönen).…

Ausbruch

Über die Wut: Der Psychoanalytiker Arno Gruen formulierte einmal die These, dass für menschliche Ohren Babygeschrei so schwer auzuhalten sei, weil wir diese Ungeheuerlichkeit, dass ein kleines Wesen sein Unwohlsein und Nicht-Gefallen an dieser Existenz und Welt einfach so frei herausbrüllt nicht ertragen. Es ist das schlichte Ungehaltenensein, das im so großen Gegensatz steht zu der Beherrschtheit von uns Erwachsenen steht. Der Kraftaufwand ist ähnlich groß, nur leiten wir ihn anders um. Wir verwenden die Energie nicht um lauthals zu schreien, sondern um die Zähne zusammenzubeißen und uns nicht so anzustellen.  …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Fragen, immer fragen. Hinterfragen. Das Fragebuch von Max Frisch liegt mir schon lange am Herzen. Fragen an mich selbst und an das Leben habe ich kürzlich entdeckt. Und gestern erst diese sieben Fragen von André Heller. Kommen in die Küche. Mag ich. Ich mag diese rote Regenjacke. Meine Antwort auf Regenwetter. Ich mag dieses Lied und diesen kleinen Film übers glücklich sein. Noch Fragen? Kommt gut in die Woche.…

Machen wir was. Besuch mich

Früher hingen wir rum. Oder ab. Ich weiß nicht mehr, was damals genau der Jugendjargon war. Wir trafen uns am Nachmittag. Was hätte man auch sonst machen sollen auf dem Land? Micha, Ami und David. Manches Mal kamen noch andere dazu. Meist aber waren wir  zu viert. Es wurde ausgemacht, wo wir uns trafen. Meist bei Micha. Wir saßen so rum und überlegten gemeinsam, was man wohl tun könnte. Wir wussten nichts so recht mit uns anzufangen, vielleicht weil man in dem Alter noch gar nicht weiß wo sein Platz in der Welt ist. Manchmal fuhren wir an den Fluß.…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Schönheit. Und diese besonders. Ich mag schöne Form. Wie in diesem Bild. Und ich mag dieses wunderschöne, klare Lied. Pull it away. Kommt schön, formvollendet und klar in diese Woche.…

was zurückbleibt

In der U-Bahn erzählt eine ältere Frau ihrer Bekannten, dass der Arzt zur Magenspiegelung geraten hat. Das hätte sie spannend gefunden. Das sei doch auch eine Gelegenheit. Biologie sei immer ihr Lieblingsfach gewesen und mal so ins eigene Innere sehen zu können und zugucken, was da drin so vor sich geht - wer könne das schon. Aber jetzt hätte sie erst einmal einen Zettel bekommen, was alles passieren könne. Das sei einiges! Das hörte gar nicht mehr auf. Sie sei jetzt zögerlich. Sie müsse zuerst einmal ein Testament machen und aufräumen. Aufräumen. Wie stark das Bedürfnis, etwas aus seinem Leben…

auflisten: Von ganz weit oben

Ich war ganz weit oben. Von da aus sieht so vieles ganz anders aus. Wieder unten habe ich gesammelt. Allerhand. Auf dass es den Blick weit macht, den Kopf frei, das Herz weit und leicht. Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen,“ ist einer meiner Lebenssätze. Habe ich von Astrid Lindgren übernommen. Zehn weitere sehr schlaue Ratschläge fürs Leben von ihr. Sei authentisch! Sei einfach Du selbst. Oder lass es. Amüsanter Blick auf Peak Individualism Was das Bett ein wunderschöner Ort ist. Mein Rückzugsort. Die alte Formel aus Kindertagen, dass einem unter…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich kann das erklären. "Darling, you are different". Genauso ist es. Erst spontan weggefahren, dann spontan länger geblieben, dann das Design umgestellt, nur um festzustellen, dass es vorher doch besser war. Es anders zu machen ist immer ein Versuch wert. Und das mag ich. Ich mag diese Tunika. Mehr Sommer geht nicht. Und das ändert sich nie. Es ist nicht so wie Du denkst. Ein Lied, das ich mag.…

Gradmesser

Die Geschichten anderer, meine eigene und kurz der Wunsch nach einer dickeren Haut, die mich abschirmt, so dass nicht alles so tief geht, eindringt und sich breit macht in mir. Aber dann wieder das Wissen, dass das nun mal der Kern von Mitfühlen ist, dass es weh tun muss, wenn es echt ist, dass nur totes Fleisch nichts mehr spürt, dass das die Nebenwirkungen von Lebendigkeit sind. Dass es mir Welten eröffnet, die anderen verschlossen bleiben. Dass das der Preis ist, den ich gerne in Kauf nehme. "Some people when they hear your story. contract. others upon hearing your story.…

Darum

"Warum machst Du das?" Ich weiß es nicht. Es macht mir Spaß. Weil es gut tut, Dinge nur um des Machens willens zu tun. Ohne zu fragen, was direkt dabei herauskommt, wie es verwertbar ist. Das macht man schon Montag bis Freitag. Weil es ein schönes Gefühl ist, eine Vorstellung im Kopf zu haben und sie dann in die Tat umzusetzen. Weil ich noch Tage danach erfüllt bin. Weil ich mich gerne verausgabe und verliere. Weil es schön und erfüllend ist, Schönes zu machen. Weil es nicht für alles einen Grund braucht.     MerkenMerken…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Werden, sein und irgendwas dazwischen. Die Ruhe und Gewissheit, dass es gut ist. Nicht immer da, aber gerade schon und das mag ich sehr. Diese Töpfeleiter mag ich ebenfalls für den Balkon oder die Küche. Ich weiß es noch nicht. Der Natur beim Wachsen zuzusehen ist nie verkehrt. Ich mag dieses Lied: Off the main drag. Abseits der gängigen Wege und Straßen hat es mir schon immer gefallen. Kommt gut, gerne auch abwegig und mit der Gewissheit, dass es gut ist und wird in die Woche. P.S. Ich werde in den nächsten Wochen ein…

Erkannt

"Sich selbst zu kennen heißt, selbst zu sein, heißt, Herr seiner selbst zu sein, sich von den anderen zu unterscheiden, aus dem Chaos auszuscheren, ein ordnendes Element zu sein, aber eins der eigenen Ordnung und der eignen einem Ideal verantwortlichen Disziplin. Und das kann niemand erreichen,  der nicht die anderen kennt, ihre Geschichte, die Folgen ihrer Mühen, diejenigen zu werden, die sie in der Tiefe sind (...) All das gilt es zu lernen, ohne das letzte Ziel aus den Augen zu verlieren, nämlich sich selbst durch die anderen besser zu erkennen und die anderen durch sich selbst." Antonio Gramsci. Gelesen…

The answer is love

Arno Gruen beginnt eines seiner Bücher mit dem unglaublichen Satz: "Die menschliche Entwicklung bietet zwei Möglichkeiten, die der Liebe und die der Macht." Eigentlich müsste man nicht mehr weiterlesen. Alles Wesentliche bis zum Rest des Lebens ist gesagt. Ich habe die ganze Woche über ein Lied gehört. Entdeckt habe ich es bei Juli. Entstanden ist es, weil die Sängerin lange auf ein vier-jähriges Mädchen aufgepasst hat und sie sich irgendwann, als sie weniger Zeit füreinander hatten, anfingen sich Videobotschaften zu schicken. Während sie mitten im Songschreiben steckte und nicht weiterkam, kam eine Nachricht von ihr. Das kleine Mädchen sitzt am Tisch, isst…

Nehmen Sie bitte Platz

"The place in which I will fit will not exist until I make it." Hat James Baldwin schon vor langem gesagt. Ich es erst vor kurzem entdeckt. Und es macht einen Unterschied. Nicht länger zu suchen, sondern selbst zu erschaffen.…