Anlauf für den besten Absprung in den Herbst

Max Frisch wurde in einem Interview einmal gefragt, was ihm im Rückblick auf sein Leben aufgefallen ist, nicht was er anders machen würde, einfach was ihn ihn im Resümieren wundert. Er zögert lange und antwortet schließlich, dass er feststellt, dass er so vieles doch schon früher gewusst hat und es dann doch so lange gebraucht hat, bis er handelte. Der Arbeitsplatz, den er früher hätte verlassen, die Ehe, die er zeitiger beenden hätte können.

Nichts liegt mir ferner als dem zu widersprechen, den ich so verehre. Aber vielleicht, so kam mir der Gedanke, unterschätzt er die Bedeutung des Anlaufs.
Ich denke, dass viele Dinge im Leben Anlauf benötigen. Das ermöglicht einen guten Absprung und einen sanften Übergang. Im Leichtathletik-Unterricht in der Schule lag mir eigentlich immer nur das Laufen. Das ist mir auch bis heute geblieben. Aber da gab es noch den Weitsprung. Dort entscheidet der Anlauf über Erfolg oder Misserfolg des Sprungs. Präzise, kraftvoll muss er sein. Das ist eine Kunst. Die beherrscht sein will wie alles im Leben. Selten gelingt  etwas aus dem Stand heraus. Es braucht den Anlauf. Manches Mal auch mehrere. Und den Übergang. Nur dann gleitet man lang und weit, landet sanft im Sand.

Es wird Herbst. Es ist zumindest nicht mehr Hochsommer. Es ist ein dazwischen. Es wurde Anlauf genommen. Die Anzeichen mehren sich. Die ersten Blätter auf den Straßen. Schon werden statt Erdbeeren Kürbisse am Straßenrand angeboten. Ich zögere das noch hinaus. Noch ist es so warm am Sonntag, dass man an den See fahren kann, zwar nicht mehr baden, aber mit Jacke in der Sonne sitzen. Es ist schon nicht mehr dasselbe, weil immer mitschwingt, dass es der letzte sein könnte für dieses Jahr. Der letzte warme Spätsommertag.

Selbstgemachtes Softeis mit Kürbiskernöl ist der beste Anlauf, den man nehmen kann. Es ist ganz vorsichtig den großen Zeh ins Wasser namens Herbst gesteckt (Ja, da ging die Poesie mit mir durch. Man könnte auch sagen, ich habe zu viel frische Herbstluft geschnuppert). Das Eis ist noch Sommer und das Kürbiskernöl schon Herbst. Zusammen ergeben sie eine wirklich göttliche Kombination, die süchtig macht, die Anlauf nehmen lässt: Zum Kühlschrank laufend, um sich noch einmal eines zu holen.

uebergang (3)Selbstgemachtes Softeis mit Kürbiskernöl
[auf diesem sehr großartigen Foodblog entdeckt]

  • 1 1/2 Tassen Vollmilch
  • 1/2 Tasse gesüßte Kondensmilch
  • 1/4 Tasse Zucker
  • 2 1/2 Teelöffel Gelantinepulver
  • 1-2 Messerspitzen Salz
  • 1 1/4 Tasse Mascarpone
  • Kürbiskernöl

Milch, gesüßte Kondensmlich und den Zucker in einen Topf geben und schaumig schlagen. Das Gelantinepulver einrühren und das Salz. Die Mischung leicht köcheln lassen. Vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Die Mascarpone unterrühren, so dass eine cremige und glatte Masse entsteht. In eine Form geben und für bis zu vier Stunden in das Tiefkühlfach geben. Wenn die Masse fester geworden ist in Würfel schneiden.
Wenn serviert werden soll, ein paar Würfel aus der Form nehmen. Leicht antauen lassen und dann in einen Mixer geben. Das rüttelt ein wenig und der Mixer sollte stabil sei. Wenn das der Fall ist, dann entsteht so die cremige Softeismasse. Für die schöne Optik in eine Spritzform füllen und dann in eine Tasse geben. Sehr gutes Kürbiskernöl darüber geben.

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5 Comments
  1. Patricia

    23. September 9:02

    Wie toll ist das denn !! Selbst gemachtes Softeis und es hört sich gar nicht schwer an es zu machen.
    Liebe Dank für das Rezept.
    Patricia

  2. Petra

    23. September 10:52

    Schöne Gedanken! Ich denke auch, dass manchmal der Weg das Ziel ist.
    Andererseits ist man im Nachhinein natürlich immer schlauer – oder zumindest im Idealfall.

    Das Rezept sieht lecker aus 🙂 Muss ich mir mal speichern.
    Liebe Grüße
    Petra

  3. britta

    25. September 13:08

    das hört sich toll an! hast du kürbiskernöl genommen oder den balsamicoessig von deinem foto?

    • stepanini

      26. September 18:51

      Liebe Britta,

      beides. Erst das Balsamicoessig, weil im Originalrezept empfohlen. Das war ganz nett. Aber ein zweites Mal musste nicht sein. Mit Kürbiskernöl hingegen mochte ich es sehr viel lieber. Das ist eine ganz besondere Verbindung. Nussig-bitter. Außerdem gibt sie so schöne grüne Schlieren. Da hatte ich dann schon zwei oder drei Nachschläge.

      Schöne Grüße

      Stephanie

  4. alma

    26. September 18:54

    ich bin immer so ergriffen von deinen worten.
    davon, wie du schreibst. und davon, dass du so recht hast.
    so sehr!

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