alles sonst so, denken, moegen
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aufgelistet: Sturmwarnung

273Brainstorming, die Methode der Problemlösung durch Sammeln spontaner Einfälle in einer Arbeitsgruppe, so die offizielle Definition hat ja einiges mitgemacht. Ich kenne die Anfänge nicht, aber ich weiß, wie es ist, wenn es richtig gut ist. Und wie es ist, wenn es so richtig schlecht ist. Wenn jeder Vorschlag mit einem „das haben wir noch nie so gemacht“ oder weiteren schwergewichtigen Gründen abgewürgt wird. Und dann wird die Luft dünner im Meetingraum, nicht nur wegen der trockenen Heizungsluft und weil mal wieder gelüftet werden sollte, sondern weil es sich gar nicht mehr lohnt Atem zu holen, um eine Idee in den Ring zu werfen. Kaum ausgesprochen, ist schon einer zur Stelle, der sie zunichte macht.
Dabei geht es ganz anders. Wenn Hierarchien keine Rolle spielen, weil der Chef nicht mit dem Titel automatisch auch das Patent für alle gute Ideen gepachtet hat. Wenn sie sich überbieten die Vorschläge und aufeinander aufbauen. Wenn es nicht darum geht, warum es nicht geht, sondern was wäre, wenn es doch ginge. Wenn mit mehreren Menschen etwas entsteht, das alleine nicht möglich gewesen wäre, weil ein Kopf alleine, so groß der Geist auch sei, immer limitiert ist. „The sky is the limit“ ist die einzige Regel die zählt. Auf den Boden der Tatsachen holen, kann man sie später immer noch.
Einiges, das einen kleinen Sturm im Gehirn auslösen kann, einiges, das den Geist in Höhen heben kann, wenn man es zulässt und nicht zuerst daran denkt, wozu es später verwertbar ist:

  • Ich habe das Buch „Gesellschaft der Angst“ sehr gerne gelesen. Warum lässt sich erahnen, wenn man in dieses Gespräch mit dem Autor Heinz Bude reinhört
  • mit der Zeitumstellung könnte ich auch meine Tagesplanung überdenken. Hier gibt es Anregung genug.
  • „Durch die Nacht mit …“ ist eine Sendung, die nach meinem Geschmack ist, weil sie das lebt, was ich glaube, nämlich dass wenn sich unterschiedlichste Menschen unvoreingenommen aufeinander einlassen etwas Großes dabei herauskommt.
  • dieses A bis Z der Beziehungsstati lässt keine Fragen offen.
  • ich weiß auch vieles nicht. Aber dass ich dieses Lied mag. Das weiß ich.
  • die Erkenntnis, dass mehr Menschlichkeit gut führt. Wie gerne ich daran glaube und wenn ich die einzige bleibe. Das ziehe ich durch.
  • Man sollte sich in dem Video darauf gefasst machen, dass „fucking“ als verstärkendes Adjektiv überstrapaziert wird. Außerdem stehen die erläuternde Vorankündigung mit 1:34 und eigentliches Lied mit 1:27 in einem Missverhältnis zueinander. Das macht nichts. Vielleicht weil ich seine Worte, bevor er zu spielen beginnt, so mag. Da freut sich einer. So fucking sehr. Weil er gespielt hat und gespielt hat, sich die Seele aus dem Leib gespielt hat und keiner wollte es hören. Er hat trotzdem weiter gemacht. Das Lied handelt von seinem Weg. Er singt nicht, er schreit es raus vielmehr. Und ich bin fucking gerührt und berührt, ob seiner Dankbarkeit und seines Durchhaltevermögens.
  • Ein Text über Literaturkritik, über ästhetische Urteile, darüber wer berechtigt ist selbige zu fällen. Es ist müßig darauf hinzuweisen, dass der gesamte Blog ganz wunderbar ist, denn das merkt jeder, der sich durchgelesen hat durch den ersten Artikel und dann zum nächsten springt und zum nächsten und auf einmal ist eine Stunde vorbei. Nicht mit allem immer einverstanden, aber darauf kommt es mir auch nicht an. 
  • Kunst oder vielmehr den Kunstmarkt besser verstehen. Kann nicht schaden. Wessen Interesse geweckt ist, kann hier noch mehr lernen. Ich habe mir einige angesehen und fand sie sehr gut.
  • dieser Text über Art Garfunkel. Einer zum drei Mal lesen. Mindestens. Art Garfunkel, dessen Musik ich zwar kannte, aber dessen Lieder ich nun ganz neu höre, weil die Seite hinter der Musik eine so faszinierende ist. „Art Garfunkel ist ein erstaunlicher Mensch. Weil er, obwohl er so viel gesehen und erlebt, so viel Applaus bekommen hat, ein staunender Mensch geblieben ist. Er ist immer in Bewegung, körperlich wie geistig. „Ich versuche“, sagt er, „für mich selbst interessant zu bleiben.“
    Oder dies: „Die Ansprüche, die er an sich selbst hat, stellt er auch an sein Gegenüber. Alles andere würde Langeweile bedeuten. Stillstand.“
    Und dieser. Der am Schluss stehen muss: 

    „Ich liebe das Leben mehr als jemals zuvor.

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Hirnstoff- Den Artikel über Art Garfunkel hatte ich vor deinem Blogbeitrag bereits gelesen und mich hat er auch total begeistert. „Für sich selbst interessant zu bleiben“ – Was für eine Aufgabe.

    Lg,
    Werner

  2. edda sagt

    danke für die vielen emp­feh­lungen. ich freue mich schon heute aufs wochenende, wenn wieder zeit für derlei beschäftigung bleibt. („durch die nacht mit“ habe ich zuletzt mit oliver polak und haftbefehl gesehen. bei den beiden ist der funke leider nicht übergesprungen..)

  3. stepanini sagt

    Ja, es sind nicht alle gut. Aber die Anne Will-Sendung, die mochte ich sehr. Und Hegemann will ich unbedingt sehen. Liebe Grüße, Stephanie

  4. Ich verliere mich gerade in den „Durch die Nacht“-Sendungen und freue mich über die kleinen und großen Momente, die über das Verstehen und das Scheitern erzählen. Danke für das Erinnern….. LG, Tomke

  5. Ich wollte es immer wieder tun, habe es dann aber verzögert, verschoben oder verdrängt. Hier und jetzt aber aus Berlin: Danke für Dein schönes Kompliment, das mich sehr gefreut hat. Wobei ich meine These zur Literaturkritik dahingehend einschränken möchte: Jeder darf und soll kritisieren. Zugleich aber bedarf es eines sensiblen Umgangs und eines guten Sensoriums, um über Literatur zu schreiben. Die besten Literaturkritiken – aber das ist freilich der Idealfall – wären selber ein Stück weit Kunst.

    Es freut mich insbesondere, daß Du meinen Blog gerne liest. Nicht mit allem übereinzustimmen, macht ja oft den Reiz aus. Leider ist das Internet ein Ort, wo Differenzen schnell bösartig ausgetragen werden. Ich nehme mich da selber nicht aus. Egal wie – dies ist eine weite Debatte. Danke fürs Verlinken und fürs Loben!

  6. betty sagt

    hach! die durch-die-nacht-mit ausflüge! die hegemann humpe kombination, hmhmhm, hegemann zappelnd und jung-erwachsen-unerträglich und humpe zwar lässig aber wurde dadurch so mütterlich… ich weiss nicht was ich davon halten soll. doch, ich hab diese folge gerne gesehn.
    und den garfunkel artikel fand ich ganz wundervoll. und –
    eigentlich: danke für deine immer zauberhaften anregungen zum denken und schauen!

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