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Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag: Picasso. Aber mehr noch seine Frauen. Da wäre Jaqueline, die zum Verlieben wunderschön melancholisch, ernst schaut. Noch ein wenig mehr hat es mir jedoch Francois Gilot angetan. Gilot – die einzige Frau, die ihn je verlassen hat, die Frau, die Nein gesagt hat, sowie wie diesen überaus klugen Satz: „Wenn du etwas riskierst, erlebst du auch schlimme Dinge, aber du lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig werden.“ [bei Sabine entdeckt]

Dann mag ich noch: Mut haben und freundlich sein. Immer wieder.

Ich mag diesen kleinen Ausschnitt einer Preisverleihung. Ich mag ihn nicht nur. Er macht mir Gänsehaut. Wahrheit, in Lacher verpackt, den richtigen Moment abgepasst und den Finger in die Wunde gelegt. „Then I´d be enough.“ Verstehen, dass man genug ist stellt alles in den Schatten.
Nie ohne Musik: Ich mag es den Tag mit diesem Lied zu starten: Superman.
Mutig, freundlich, Nein sagend, niemals langweilig. Genug.

Leicht verdauliche Päckchen

„Man nimmt sich selbst immer mit“ war ein Satz, den ich mir aufschrieb ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was das bedeuten sollte. Ich hatte gerade mein Abitur in der Tasche und sollte an einem Wochenende lernen was junge Menschen so erwartet, wenn sie für längere Zeit ins Ausland gehen. Wie das mit den Wasserreinigungstabletten funktioniert, worauf in der Kommunikation mit anderen Kulturen zu achten ist, warum Frauen keine Hosen tragen sollten und dass das was Max Frisch einmal über das Reisen sagte, nämlich dass wir es so mögen, weil es auch immer das Versprechen in sich birgt, dass man woanders auch ein ganz anderer sein könnte, eben nicht stimmt. „Man nimmt sich selbst immer mit“. Man hat neben dem Rucksack auf dem Rücken noch sein Päckchen dabei und das was man mitunter zurücklassen wollte, holt einen fernab von allem Vertrauten und Bekanntem stärker ein als man es sich wünschen oder träumen würde. Macht damals keinen Sinn, fünf Monate später schon.

Ein neues Jahr ist im kleinen ebenso ein großes Versprechen wie eine lange Reise. Vollgepackt mit Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen doch ein klein wenig besser zu werden, eigentlich ganz anders zu sein. Neu anzufangen. Ab jetzt wirklich jeden Morgen um sechs aufzustehen um eine Runde zu laufen, endlich mehr lesen, nun aber wirklich den Mut zu haben den Job zu schmeißen, jemandem seine Liebe zu gestehen oder eine alte hinzuwerfen.
Um den Jahreswechsel als ich gerade fleißig am Schmieden von Plänen und am Bauen eines besseren Selbst war, stieß ich auf den Gedanken, dass man statt nur draufzupacken und vollzuladen, man doch auch etwas zurücklassen sollte. Eine Idee, eine Vorstellung von sich selbst, von einer Beziehung, von was auch immer es auch ist, das man so ungefragt mit sich schleppt oder an dem man schwer trägt. Ein schöner Gedanke.

Dann bekam ich Hunger.

Packen, verabschieden kostet schließlich Kraft.

Nicht nur für Jahreswechsel, die Prüfungen des Lebens oder kleine Hungerattacken zwischendurch sind Mangold-Quinoa-Pilz-Päckchen bestens geeignet. Selbstredend darf auch gerne die Mangoldverpackung weggelassen werden, denn sie macht zugegebenermaßen ein wenig Arbeit. Nur tun das die meisten Dinge. Loslassen, entrümpeln, neu anfangen auch.


Quinoa mit Ziegenfrischkäse und Pilzen – im Mangoldpäckchen

  • 1/4 Packung Quinoa
  • 1 Päckchen Ziegenfrischkäse
  • verschiedene Pilze
  • Parmesan
  • Pfeffer und Salz
  • frischer Salbei
  • unbehandelte Zitrone

Den Mangold blanchieren, was ein wunderbarer technisch abschreckender Terminus für den einfachen Vorgang des Mangoldblätter ganz kurz einzeln in heißes Wasser geben und dann sofort danach in Eiswasser legen, ist. Sie werden dadurch weich und behalten trotzdem ihre Farbe. Wenn man vorher den Strunk etwas abschneidet, geht das mit dem Falten leichter. Die Salbeiblätter in etwas Butter kross anbraten. Die Pilze ebenso. Den Quinoa kochen und anschließend das Päckchen Ziegenkäse unterrühren. Salzen und Pfeffern. So viel Parmesan, Salbeiblätter und Abrieb einer Zitrone untermischen, wie es dem eigenen Gaumen gefällt. Die Salbeiblätter und Pilze unterheben. Ein oder zwei Esslöffel auf ein blanchiertes Mangoldblatt geben, einwickeln, stapeln oder gleich essen.

Gut verpackte, gar nicht schwere, sondern sogar leichte Päckchen. Sehr gesund. Wie hoffentlich all das, was Ihr in Zukunft zu tragen habt und mit Euch nehmt ins neue Jahr oder auf die nächste Reise.

Montagsmögen

Jeden Montag und somit auch im neuen Jahr: Zwei, die ich mag. „Du musst Dir schon selbst Konfetti in Dein Leben pusten.“ Ein Satz, der auch in 2017 noch gilt, der wahr ist und den ich mag.
Ich mag Sneakers und schaffe es  sehr zuverlässig sie irgendwo liegen zu lassen. Neue, alte Stan Smith mit jetzt mal ein wenig Rot mag ich daher sehr.
Ich mag dieses Lied. Sollte man zu müde zum Konfetti schmeißen sein, tut es gut einem hübschen Hipster zuzuhören, wie er einem die Welt verspricht: „I will be there.“

Kommt gut in die Woche.

aufgelistet: Geistige Warmmacher

Es ist kalt draußen. Das dürfte keinem entgangen sein.
Aber das macht nichts, weil es gibt viele Dinge, mit denen man es sich drinnen gemütlich machen kann. Geistige Warmmacher sozusagen. Hier wären einige:

  • Andrew Solomon über Mut, über schwierige Zeiten im Leben und Stärke. Über das, was uns zu dem macht, der wir sind. Ich kann mir diesen Vortrag immer wieder ansehen. Er ist so verletzlich, er ist so stark.
  • Ein Lied, das mich diese Woche begleitet hat. „We expected something more.“
  • Ein wunderschönes Lied, das ich bei Indre entdeckt habe.
  • John Berger nachtrauern. Ein Artikel über seine Kunst des Sehens, eines seiner Interviews mit Susan Sontag und ein Film über ihn.
  • Großzügigkeit gewinnt. Nicht der Stärkere. Ein Vortrag über das Geben von Adam Grant, den ich sehr mochte, weil er zeigt, wie wichtig und richtig und notwendig das auch in der Wirtschaft ist. Auf mehr und mehr unverbesserliche Businessromantiker. Unsere Zeit kommt!
  • Die erfolgreichsten Unternehmer unter 30, die Top 40 unter 40 und was noch mehr. Was ein Quatsch. Viel besser: Eine Liste, in der sich jeder wiederfindet. Auf mehr Entspannung.
  • Ein schöner Text über Kindheit. „Ich kann meine Kindheit nicht mehr sehen, nur noch vermuten, was dort vor sich geht, auf diesem anderen, fernen Kontinent. Ich spähe in den Nebel, dorthin, wo das verlorene Land ja schließlich irgendwo liegen muss.“
  • Wenn es keine Poesie mehr gibt, sind die Träume tot. Über ein Kunstprojekt und den Menschen dahinter. Noch ein Romantiker.
  • Tolle Filmzusammenstellung für lange Abende. Und ich ergänze um Toni Erdmann, der großartig war. Großartig traurig-lustig. Und „Wild“ von Nicolette Krebitz. Ein unglaublicher Film. Leidenschaftlich, wild, ganz nahe gehend.
  • „… forget your perfect offering. There is a crack in everything. That is how the light gets in.“  So etwas kann nur von Leonard Cohen sein. Der immer gut tut. Dieses Gedicht von ihm vorgetragen beispielsweise, in dem all die Spannung liegt, die so unglaublich sexy ist, dass Ryan Gosling einpacken kann. Ein Interview mit ihm über Karriere und Erfolg.
  • Ein schönes Interview mit Lilly Bret. Was eine Frau.
  • Anleitung zum gute Ideen zu bekommen, die man sobald es wärmer ist, dann alle, alle umsetzen kann. Oder auch nicht.
  • Ein kurzes Video nicht nur für kalte Tage: Über menschliche Wärme und warum sie so wichtig ist. Und das über Nähe schicke ich gleich hinterher, weil artverwandt. You better be prepared.

Habt es schön warm und ganz gut.

 

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Da wäre zum einen das Motto für das neue Jahr. Es hat schon im alten gut funktioniert.
Ich mag die neue Konstruktion am Bett, die noch rechtzeitig in 2016 fertig geworden ist. Fast unfallfrei.
Ich mag dieses Shirt, weil Ferien einfach immer gut sind.
Ich mag dieses Konzert. Perfekte Schreibbegleitmusik.
Und ich mag diesen Film, der mir noch sehr lange nachhing: Gnade.
Ich mag das neue Jahr. Genug gemocht. Für heute.

Auf ein Neues

Als ich über dieses Jahr nachgedacht habe, darüber was passiert ist und was nicht, da fiel mir diese Geschichte wieder ein.

Ein Abend in Berlin. Zusammen gekocht, mit der Familie gegessen und anschließend ein wenig durch den Friedrichshainer Kiez geschlendert. Ein warmer Spätherbstabend. Gespräche über das, was uns Angst macht, was wir tun könnten, Pläne schmieden.

Irgendwo in einer Straßenabzweigung scheint in einem Laden noch Licht. Der Besitzer mit einem Glas Wein in der Hand winkt uns herein. Ich stehe in einem verwinkelten Antiquariat voller Bücher. Alle Bände von Adorno, vollständig, in der richtigen Reihenfolge. Alle Werke von Foucault aufgereiht. Alle da. Alles da. So chronologisch und sauber sortiert, dass es sich verbat etwas zu kaufen, weil ich dann die heilige Ordnung durcheinandergebracht hätte. Im Rückhaus wird an die gegenüberliegende Hauswand ein Film projiziert. Selbstgemachtes Freilichtkino. Tschechiches Arthouse. Von oben hören wir Klaviermusik. Weil es Berlin ist und nicht München und man da so etwas machen kann, gehen wir die Stufen hoch, immer der Musik nach.

In einem leergeräumten, kahlen Zimmer steht nur ein Flügel, an dem eine junge Frau sitzt und spielt. Ihr schräg gegenüber in einem Sessel ein Mann um die fünfzig, weinrote Cordhosen, die Beine übereinander geschlagen. Selten abwesend. Sie spielte nur für ihn. Die schönste Art jemanden zu verführen. Er blickt gelangweilt auf sein Handy und gibt sich unbeeindruckt. Er sieht uns und fordert uns mit einer Handbewegung auf, einzutreten. Und da standen wir dann mitten im Zimmer. Waren auf einmal Teil der Szenerie. Sie spielte noch hingebungsvoller, er genoss die Bühne, die das Ganze durch uns bekam. Umworben zu werden vor Augen anderer – das schien ihm zu gefallen. Ich war Zuschauer, Beobachter und gleichzeitig Teil der Inszenierung.

Diese Szene steht für so vieles in diesem, meinem Jahr. Dafür, dass ich mich nicht herausnehmen kann. Dafür, dass ich mich an Orten und in Situationen wiedergefunden habe, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Dafür, dass ich mich mit Nachrichten konfrontiert wurde, die ich nicht einordnen kann. Dafür, dass ich mich immer wieder fragen musste, welche Rolle ich spielen will. Und welche nicht. Dafür, dass so vieles nicht in meiner Hand liegt und einiges doch. Dafür, dass ich mich einlassen kann, mich überraschen lassen, treiben lassen darf.

In der letzten Woche, in der ich zu Hause ausgiebigst nichts und nur mir selbst wohlgetan habe, war ich vor allem eines: Dankbar. Immer wieder. Trotz allem. Dass ich das erleben kann, dass sich immer wieder so viel Überraschendes auftut, dass doch und trotz allem so viel möglich ist. Nicht kleinzukriegen, bin ich und diese große Dankbarkeit in mir. Ebenso wie der Wunsch, der Glaube, dass es auch anders geht. Auch der ewige Romantiker ist durch nichts zu erschüttern.

Danke fürs Lesen. Fürs da sein. Für kleine Karten, Mails, Notizen und Geschenke. Für richtige Momente.

P.S. Kleine Glücklich-mach-Entdeckung gestern: Fragen bei Okka, die man an 2016 stellen kann. Mit den richtigen Fragen beginnt alles.
Auf ein Neues.

 

[Nr. 20 von 1/2]: Mut

Es scheint alles so unpassend. Bis vielleicht auf das, was ich gestern las beim Aufräumen und Sortieren, kurz bevor die ersten Anfragen kamen, ob es mir gut geht, ob ich schon in Berlin sei oder in München.

„Es kommt einzig auf den Mut an. Er geht auch den Tapfersten oft verloren, dann neigen wir zum Suchen nach Programmen, nach Sicherheiten und Garantien. Der Mut bedarf der Vernunft, aber er ist nicht ihr Kind, er kommt aus tieferen Schichten.“ Schreibt Hermann Hesse.

[Nr. 18 von 1/2]: fertig und frei

„Es gibt keinen Zustand, in dem irgendwann alles getan, geschafft, beendet ist. Darüber lässt sich keine Freiheit herstellen.
Frei zu haben lässt sich nicht verdienen.
Man kann es sich nur nehmen.“

Feststellung des Psychotherapeut Oskar Holzberg in seiner Auszeit, in der er statt großer Weltreisen oder eines neuen Projektes, einfach nichts machte. Dabei entdeckte er die Hingabe, die Freude an der Bedeutungslosigkeit.

Wem das mit dem Loslassen schwer fällt, hier noch einmal zum Mitsingen: Ich muss überhaupt gar nichts.

P.S. Hat nichts mit dem Text zu tun, außer dass ich mir die Freiheit nehme, das zu tun, was mir gefällt. Im Bild das überhaupt schönste Kleid, das an Weihnachten endlich einmal wieder zum Einsatz kommt. Genießt den freien Sonntag. 

[Nr. 17 von 1/2]: Wintersalat

Ein Salat für den Winter. Nicht irgendeiner. Einer, der herrlich rot leuchtet. Einer, der obwohl er gesund ist, nicht so schmeckt. Einer, der obwohl ein im Grunde kaltes Gericht, irgendwie warm macht.

Winterweihnachtssalt
[aus das vegetarische Kochbuch]

  • rote Beete
  • Radicchio
  • Feigen
  • Granatapfel
  • 3 Esslöffel Balsamicoessig
  • 1 Teelöffel scharfer Senf
  • 1 Esslöffel Feigenmarmelade
  • 6 Esslöffel Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Haselnüsse (ich habe Pinienkerne genommen, auch gut)
  • Ziegenkäserolle

Die rote Beete kochen, schälen und in Scheiben schneiden. Radicchio putzen, zupfen. Granatapfelkerne herausschälen, Feigen in Scheiben schneiden, den Käse auch. Die Nüsse in einer Pfanne anbraten. Den Ziegenkäse auch kurz von beiden Seiten. Balsamicoessig, Öl, Senf, Feigenmarmelade, Salz und Pfeffer vermischen. Über den Salat geben.

So gut.

[Nr. 15 von 1/2]: man selbst sein

„Ich glaube an so etwas wie ein echtes Selbst, und ich weiß wie selten es ist, so ein Selbst sprechen zu hören, zu sehen, wie es sich aus dem Kokon der Falschheit und des Nichtssagenden herausschält, aus den Scheingestalten, die wir anderen präsentieren, um ihnen zu gefallen, sie irrezuführen.
Je gefährlicher das echte Selbst, desto raffinierter die Masken. Je ätzender das Gift, das wir am liebsten über andere ausspeien würden – um sie zu lähmen, zu töten -, desto größer der Nektar, mit dem wir sie locken, zu uns zu kommen, in unserer Nähe zu sein, uns zu lieben.“

Aus „Du sagst es“ von Connie Palmen