das eigene Spiegelbild

009024“Ist das Foto von einem Ereignis am Ende mehr oder weniger wert als die paar Sekunden, die wir nicht hingeguckt haben, um die richtige Schärfe der Kamera einzustellen? Und was ist eigentlich überhaupt noch das wirkliche Geschehen: Das Ereignis oder das Foto?
Ist es vielleicht auch eine Illusion, dass man gleichzeitig durch die Linse schauen, ablichten und dazu noch hinsehen kann? Kann man überhaupt gleichzeitig leben und übertragen? Könnte irgendwer von uns noch leben, ohne zu übertragen?
Und wenn nicht: Worauf soll sich unsere Verpassensangst richten? Darauf, dass wir selbst den Moment verpassen, oder darauf, dass andere nichts von ihm mitbekommen? Wem sollen wir unsere Energie und unsere Aufmerksamkeit mehr widmen? Dem Moment oder seiner Verdoppelung? Und gibt es uns, wenn wir ihn verdoppeln, nicht irgendwann auch doppelt? Oder sind wir etwas schon jetzt in zwei Teile aufgebrochen? Und wenn ja: Welcher Teil ist der wichtigere? Und wen gehören überhaupt all diese Augenpaare, die uns ständig beobachten? Wer sind all diese Gesichter in unserem Spiegellabyrinth?”

aus: LG;-) Wie wir vor lauter Kommunizieren unser Leben verpassen von Nina Pauer

2 Comments
  1. Micha

    25. Juni 11:20

    Toll formuliert! Die Krönung ist die letzte Frage!
    Und wer gibt uns verzerrt wieder und wie ist man selbst ein wahrhaftiges Gegenüber, das als *aufrechtes* Spiegelbild dienen kann?

  2. julie

    27. Juni 20:28

    diese gedanken sollte man nie verlieren!

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