eine Frau, die man mögen muss

124Ich mag diese Frau. Lange hatte ich keine Meinung oder eher eine vorgefertigte. Ladykracher nie gesehen oder mal im Hotel reingezappt. Hat einfach nicht gepasst oder war nicht auf meinem Radar, wie es eben mit so manchen Sachen ist, im Leben. Man kann ja nicht alles konsumieren, was die Medienlandschaft einem so bietet. Dann war da dieser kleine kluge Satz über die Aserbaidschan bei der Moderation des Eurovision Song Contest und das ging mir nach, weil es mutig ist, raffiniert und so gewitzt.
Und dann habe ich irgendwann diese Reportage gesehen und seitdem bin ich hin und weg von Anke Engelke. Sie sucht das Glück und das könnte schrecklich trivial sein, aber was so berührt und mir so nachgeht, ist ihre ungezwungene Art, wie sie den Kindern auf der Krebsstation begegnet. Ich frage mich, wie ich reagieren würde und alleine der Gedanke lässt mich ein wenig hilflos zurück.

Aber wenn, dann bitte so wie sie. Das ist nicht diese weinerliche, bemitleidende Art, das Umgehen oder Wegducken oder der manchmal von oben herabschauende Erwachsenenduktus, sondern so ehrlich und klar. Beim Jonglieren fällt da ein Satz über die Halskrause des Jungen, die ja auch ein Basketballkorb sein könnte und da ist kurz der Gedanke, darf man so etwas sagen, bis klar wird, man muss. Es ist die einzig richtige Antwort. Die volle Breitseite, hinsehen, ansprechen, weil es doch eh da ist und je mehr man wegsieht, desto stärker hängt es im Raum. Es ist genau die Klarheit, die ich schon an diesem Buch so mochte.

Ich verliere mich oder auch nicht, weil ich eigentlich sagen wollte, dass ich diese Frau mag und warum. Natürlich auch, weil sie zusammen mit Roger Willemsen auftritt und für den hege ich eine uneingeschränkte Bewunderung. Und dann hat sie noch eine nicht mehr ganz so neue Sendung. „Anke hat Zeit“ heißt sie und da stellt sie vor, was sie so mag und da sind Künstler dabei, Schauspieler, Politisches. Es ist ein feines Potpourri an Themen, Meinungen, Sichtweisen und eine dieser Sendungen, die einen anders zurücklässt, weil man mehr gesehen hat, anderes gesehen hat. Es ist leicht und seicht und fröhlich, aber schrappt auch immer ein Stück am Abgrund zu mehr und da ist wieder dieses Hinsehen und Ansprechen und das erzeugt dann so eine Mischung aus Lächeln und Verwunderung, wie sie nur wenige erzeugen können.
Hatte ich schon gesagt, dass ich diese Frau mag?

5 Comments
  1. Britta

    22. Juli 10:44

    Liebe Stefanie,
    vielen Dank für den Tipp „Anke hat Zeit“ – ich kannte diese Sendung tatsächlich nicht und bin jetzt schon – nach 20 Minuten Mediathek-Beitrag – restlos begeistert. So wie von dieser Frau…ich mag sie auch.
    Britta

  2. eni

    22. Juli 11:02

    ich mag sie auch, diese frau.
    sehr sogar.
    weil sie, wie du sagst, echt ist.
    irgendwie.

    die reportage läuft gerade. so gut.

    liebgruss
    eni

  3. Lyra Paris

    22. Juli 12:19

    sehr spannend – danke für diesen Impuls!

  4. Uschi59

    22. Juli 12:31

    Ja, ich mag sie auch. Eigentlich kann man nur sagen: „Danke, Anke – daß es Dich gibt.“

  5. merlanne

    23. Juli 11:53

    Ich mag sie sehr, schon seit Jahren und meine Tochter ist absoluter Anke Engelke-Fan. Danke für den Link zum Film, den schauen wir uns zusammen an.
    LG
    Claudine

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