Ich sehe was, was Du nicht siehst

bilder2Ein später Herbstnachmittag in Regensburg. Beim Herausgehen aus dem Cafe, fällt mein Blick auf diesen Herren, den ich nicht kenne, der im Hauseingang steht und eine raucht.
Ich fand ihn sehr attraktiv, wie ich oft oder manchmal Menschen schön finde. Männer und Frauen. Momente. Augenblicke. Ich habe das Festhalten durch Fotografieren nie als Widerspruch zum da sein und im Moment sein empfunden, sondern eher als ein Herausgreifen. Es betont und hält an, blendet aus.

„Der Existenzialismus ist ein Lebensgefühl, das kein Morgen kennt, kein Leben nach dem Tod, es kommt von der Erfahrung des Krieges. Und das Prinzip Hoffnung, wie Ernst Bloch es denkt, nimmt doch dasselbe Gefühl zum Ausgang, und es lehrt, wie Lebenskraft und Fantasie und intellektuelle Kräfte uns vorantreiben, und beide Philosophien schließen einander nicht aus. Faust durchwandert die Welt, er betritt Stufen, auf jeder neuen beginnt er neu. Verweile doch, du bist so schön, das würde Faust so gerne einmal sagen, zum Augenblick, auf den hin er lebt. Camus´Meursault sagt: Du bist der Augenblick, bis der nächste kommt. Beide erleben ihre Momente des Entäußert-Seins und des In-der-Welt-Seins.“
So schreibt Tanja Langer in „Der Tag ist hell, ich schreibe dir.“
Und auch das will ich festhalten.

4 Comments
  1. herr r.

    17. November 10:52

    Er weiß es. Er will es. Er bewegt sich von Ort zu Ort. Immer auf der Suche nach Menschen, die genau diesen einen Augenblick sehen können und bewahren wollen. So gibt er sich für den Moment der Anderen. Das ist sein Sinn. Sein Glück. Und das der Anderen.

  2. anja

    17. November 18:25

    ich will es. ich bin sicher. dieses buch lesen .. faust. camus. alles lebensbegleiter. danke dafür …
    und den herren….

    • stepanini

      18. November 21:50

      Ich mochte es wirklich sehr. Auch weil die Briefe darin und das oben ist ein Auszug mich so erinnern an die Studentenzeit und Jugend. Dieses so fiebrig-eifrige Suchen nach Wahrheit und eine Absolutheit, die jetzt milder ist, viel milder.
      Ich kann verstehen, warum Herrhausen die Unterhaltung mit ihr so schätzte.

  3. julie

    18. November 21:52

    Ich weiß noch genau, wie er dort stand – und auch mir ins Auge stach. Du hast ihn ganz wunderbar eingefangen!

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