Einen Freund besucht. Einen, der einfach so aus dem Leben gefallen ist. Gestern noch gesund, jetzt zur Kur. Zur Kur gehen – ein Wort, das ich zwar manches Mal gehört habe, aber das immer so weit weg schien.

Noch getrieben vom Alltag, von der Maxime immer soviel in einen Tag zu packen wie möglich, Effizienzgedanken im Kopf – so reisen wir zu einem Ort, an dem all dies nicht zählt. Eine Welt, in der schon ein kleiner Spaziergang ein großer Erfolg ist, in dem andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Das was ich jeden Tag für selbstverständlich nehme, nämlich das mein Körper funktioniert, müssen sich andere hart erarbeitet. In kleinsten Babyschritten.

Ein Zeitsprung. Als hätte jemand abrupt die Pausetaste gedrückt. Surreal. Ich beobachte Menschen, vor denen ich die größte Hochachtung habe, weil was sie sich erarbeiten Großes ist, auch wenn es nicht in Zahlen zu beziffern, in Bilanzen zu fassen oder als Output zu maximieren ist.

Ich nehme mit: Eine neue Ruhe, Dankbarkeit und die Erkenntnis, dass Erfolg ganz unterschiedliche Gesichter hat.
Ein Kurbesuch auch für mich, der mich genauso reich und demütig zurücklässt, wie den Besuchten.