Rhabarbertarte en detaille

Ein Abend, der so schön war, dass er dort endet, wo alle guten und langen Abende enden: In der Küche. Gespräche über, worüber man immer spricht, wenn der Abend lang und schön war und in der Küche endet: Über den Glauben. (Manches Mal auch über Marxismus, wobei mir gerade einfällt, dass dies – und das mag alters- und berufsbedingt sein, mittlerweile weniger Gesprächsthema ist).
Die Frage, wo man herkommt und warum man da ist und wie unglaublich diese ganze Sache überhaupt ist, ist für spezielle Zeiten und Orte reserviert und kann ja auch nicht jeden Tag Thema sein, wenn es Bilanzen zu erstellen, Spülmaschinen auszuräumen, Doppelhaushälften abzubezahlen gilt. Aber es gibt sie doch immer wieder inmitten des ganzen geschäftig seins – die Momente des Staunens -, ob der Schönheit und der Größe dieser Welt und es ruckt sich etwas innerlich zurecht und vielleicht sogar wieder ein, wenn einem bewusst wird, dass man nur ein ganz, ganz kleiner Teil von etwas sehr, sehr Großem ist.

Ungläubiges Staunen trifft mich immer wieder, wenn ich draußen bin. Wie schön, denke ich mir. Wie wunderschön. Und wie verschwenderisch mit der Schönheit umgegangen wird und wie sie manchmal einzig sich selbst als Zweck hat. Wie Lilien geformt sind, die Tatsache, dass Zebras Streifen haben, Streifen! Das wäre doch auch reduzierter gegangen. Wie bunt, schön und geschmeidig Fische sind, die doch eh die meiste Zeit im Wasser und gar nicht zu sehen. Überhaupt wie sich im Wasser nochmals eine zweite Welt eröffnet mit einer ganz ruhigen, eindringlichen Schönheit. Als hätte jemand größte Freude gehabt am Gestalten, an ganz vielen Kleinigkeiten, die überall in dieser Welt versteckt sind auf dass sie jemand findet, sieht und lächelt, weil er den Hinweis verstanden hat.

Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass sich jemand ganz besonders ins Zeug gelegt hat. „Details are not the details. Details make the design“, hat Charles Eames gesagt. Ich habe mir diesen Spruch über meinen Schreibtisch gehängt. Sich in Details verlieren, muss nicht zwangsläufig heißen das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Es kann genau das Gegenteil sein. Es kann bedeuten, dass man achtsam genug ist und um die Größe von Kleinigkeiten weiß und seinen ureigenen kleinen Platz im großen Ganzen.

Vor Freude darüber einen Kuchen gebacken. Einen der nicht sein musste, einen sehr detaillierten.

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Rhabarbertarte mit Panna Cotta 

  • 75 Gramm Butter
  • 35 Gramm Puderzucker
  • 1 Ei
  • 15 Gramm gemahlene Mandeln
  • 125 Gramm Mehl
  • 500 Mililiter Sahne
  • 1 Vanilleschote
  • 50 Gramm Zucker
  • 2 gestrichene Teelöffel Agar Agar- Pulver
  • 3 Esslöffel Wasser
  • 4 Stangen Rhabarber

Butter und Puderzucker schaumig schlagen. Das Ei untermischen und weiterhin cremig schlagen. Die Mandeln unterheben. Danach nach und nach das Mehl. Nur leicht kneten, dann in Folie wickeln und über Nacht in den Kühlschrank legen.
Eine kleine Tarteform oder sehr viele kleine buttern. Den Teig zwischen der Folie dünn ausrollen und die Form damit auslegen. Mit der Gabel einstechen, mit Backpapier bedecken und 10 Minuten blind ausbacken. Nach 15 Minuten Backpapier entfernen und nochmals 5 – 10 Minuten backen.

Sahne mit der Vanilleschote in einen Topf geben und bei mittlerer Flamme soeben zum Köcheln bringen. Vom Herd nehmen, abdecken und 30 Minuten ziehen lassen. Nach 25 Minuten das Agar Agar in 3 Esslöffel Wasser auflösen. Nach 30 Minuten die Vanilleschote entfernen. Zucker und Agar Agar zur Sahne geben und bei mittlerer Flamme soeben zum Köcheln bringen. Kräftig mit dem Schneebesen schlagen, damit sich das Agar Agar auflöst. Vom Herd nehmen und 10 Minuten abkühlen lassen. Nochmals mit dem Schneebesen kräftig aufschlagen und die Panna cotta auf den abgekühlten Tarteboden gießen.
Den Rhabarber schälen und danach entweder normal in Streifen schneiden und köcheln oder gesamt dünn schälen. Mit etwas Zucker weich kochen.

Das Panna Cotta auf den abgekühlten Tarteboden geben und aus die Rhabarberstreifen um den Finger wickeln und in das Panna Cotta drücken. Mindestens 2 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen.
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Das ist eine sehr fisselige Angelegenheit. Ich dachte mir zwischendrin, sieht doch eh keiner und die letzten Varianten habe ich der Natur freien Lauf lassen und einfach frei adaptiert. Aber bei einigen habe ich mir besonders Mühe gegeben, weil ich dachte: Wer weiß, vielleicht bemerkt es einer, lächelt und weiß genau, worum es geht.181

1 Comment
  1. melanie garanin

    31. Mai 12:59

    War das der Samstagmorgen, als ich beim Kaffeemachen dies hier per Handy las?
    Wo ich kurz vorher, seit langem mal wieder, nach dem Aufwachen aufsprang, um ganz kurz was aufzuschreiben?
    Und las dann dies hier.
    „…..auf dass sie jemand findet, sieht und lächelt, weil er den Hinweis verstanden hat.“
    Das konnte ich jetzt nicht unkommentiert lassen.
    Auch wenn es schon ein paar Tage später ist.
    Liebe Grüsse und immer wieder Danke für deine Gedanken!

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