Süßkartoffelkompetenz ausgedehnt

sueskartoffel - KopieEs gibt einen Grundsatz, der aus der Kybernetik stammt und den ich sehr mag: “Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird. ” Das gilt als eines der Erfolgsrezepte, um Komplexität zu managen. Und wenn diese Welt und das Leben nicht komplex ist, dann weiß ich auch nicht.
Umsetzen kann man dies, indem man sich nicht allzu früh für eine der Wahlmöglichkeiten entscheidet, sondern solange als möglich konkurrierende im Kopf behält. So schärft man die eigene Wahrnehmung für die Vorteile vieler Lösungen, bleibt offen und findet wahrscheinlich einen dritten Weg, der die Vorteile kombiniert. Die Synthese.

Komplexität soll in diesem Falle sogar klug machen.
Jetzt ist das leider nicht so einfach, denn die wenigsten Menschen halten gerne viele konkurrierende Optionen im Kopf offen. Denn das ist anstrengend. Widersprüche, die mit konkurrierenden Optionen einhergehen, stehen im Widerspruch zu unserem Wunsch nach Eindeutigkeit. Oder anders formuliert: Die Ambiguitätstoleranz des Menschen ist begrenzt.

In der Regel entscheiden sich Menschen recht schnell für eine Alternative und finden und suchen dann immer nur die Informationen, die ihre Entscheidung bestätigen.
Das ist zwar einfacher, aber eben nicht erfolgreicher und gute Komplexitätskompetenz sieht anders aus.

Die Küche ist an und für sich nicht sonderlich komplex, allerdings ertappte ich mich hier dabei, die Lösungsfindung zu schnell abgeschlossen zu haben, denn ich hatte mich in Fragen der Süßkartoffel sehr schnell und zügig auf einen Salat eingeschossen. Der zugegebener Maßen auch sehr gut ist. Andere Optionen kamen allerdings nicht mehr in Betracht. Was schade ist.

Aber es gibt Varianten. Die Ambiguität ist dehnbar.

Süßkartoffelreibekuchen

* 1/2 Süßkartoffel
* 2 Eier
* Salz und Pfeffer
* 3 Teelöffel Zucker

Eine zugegeben sehr einfache Option. Aber eine sehr gute. Die einfachen Lösungen sind oft die besten. Nur dass man nicht so einfach drauf kommt.
Süßkartoffeln raspeln, ein Ei zerschlagen, salzen und mit dem Zucker aufschlagen. Die Süßkartoffelraspeln untermengen und  in der Pfanne anbraten.

Süßkartoffelkuchen mit Thymian
[etwas abgewandelt nach einem Rezept von Virginia Horstmann]

* 300 Gramm Mehl
* 1 1/2 Teelöffel Backpulver
* 1 Prise Salz
* 1/4 Teelöffel Natron
* 80 Milliliter Sahne
* 80 Milliliter Vollmilch
* 1 Süßkartoffel (geschält)
* 115 Gramm warme Butter
* 135 Gramm brauner Zucker
* 2 Eier
* Thymianzweige

Mehl, Backpulver, Salz und Natron in einer Schüssel vermischen. Süßkartoffel schälen, in Stücke schneiden und im heißen Backofen so lange backen, bis sie ganz weich wird. Zermanschen und mit der Sahne und der Milch in einer Schüssel vermischen. Butter und Zucker schaumig schlagen. Die Eier hinzufügen. Mehl und die Kartoffelmilchmischung dazugeben. Zum Schluss Thymian unterrühren. Gebutterte Formen mit Teig füllen und bei 175 Grad für zwanzig Minuten in den Ofen. Mit einer Mischung aus zerlaufener Butter, Zimt und Zucker beträufeln – wer mag.
sueskartoffelSo gewappnet und gestärkt, lässt es sich weitere Grundsätze der Kybernetik studieren, die Widersprüche der Welt und der eigenen Personen sehr viel besser ertragen und gute Lösungen für diese komplexe Welt ersinnen.

 

3 Comments
  1. Annett

    21. März 10:26

    Wenn man es so betrachtet, mache ich ja alles richtig. und ich dachte immer, ich hätte ein problem, mich zu entscheiden. dank an dich und dank an die kybernetik für den entspannten start in den tag! liebe grüße, annett

  2. M i MA

    21. März 17:43

    MMMH. Das schaut lecker aus. …
    Was die Komplexität anbelangt, glaube ich immer: “Ich kann nur einfach, nicht komplex.” Warum? Weil man sich in der Situation doch immer für eine der vielen Optionen entscheiden muss. Was sagt die Kybernetik dazu?

    • stepanini

      22. März 11:44

      Ich hatte diesen Kybernetik-Satz aus einem Buch zur Komplexität. Und fand es passend für die Ideenfindung. Weil ich da oft merke, dass gewisse Optionen entweder gar nicht in Betracht gezogen werden oder einmalig getroffene Entscheidungen unendlich lange aufrecht erhalten werden. Nicht weil sie die besten sind, sondern weil anderes zu weit gedacht, zu abstrakt wäre.
      Bin da auch mittendrin in einem Buch, von dem ich noch nicht weiß, was ich davon halten soll. Antifragilität. Darüber dass in Netzwerkstrukturen und sich immer wieder verändernden Rahmenbedingungen nur antifragile, d.h. immer anpassbare Lösungen, durchsetzen werden. Oder einen widerstandsfähiger machen. Und das macht schon Sinn. Und ist alles überhaupt sehr spannend. Kommt in die Stoffsammlung für das nächste Berlin-Treffen.

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