Monate: April 2015

C´est ne pas une Häuserwand

Das Städterleben bringt es mit sich, dass ich, wenn ich die Augen vom Schreibtisch hebe und aus dem Fenster schaue, statt auf saftig grüne Berg- und Wiesenpanoramen oder kristallklare Waldseen auf Häuserwände blicke. Ein Preis den ich gerne zahle im Tausch gegen die Möglichkeit jeden Abend türkisch, afghanisch, chinesisch oder wahlweise französisch essen gehen zu können, selbst wenn ich mir doch nur wieder in der eigenen Küche ein Brot mit Käse belege oder jederzeit in die Kinospätvorstellung gehen könnte, auch wenn ich die meisten Abende faul auf dem Sofa verbringe. Und so eine Häuserwand, die lehrt einen einiges. Dass man es sich das Leben so oder so einrichten kann beispielsweise. Dass man selbst wählt, ob man sie Blumenumrankt oder eher kahl sieht, die Welt.

seltener Zeitvertreib

Ich habe mal gelesen, dass eine der Merkmale des Älterwerdens die Erkenntnis ist, dass es selten ist, dass man Menschen begegnet, die einem wirklich viel bedeuten, mit denen man gerne und viel Zeit verbringt, die bleiben sollen. In der Jugend scheint die Welt noch voll davon. Nach dem Abitur glaubte ich, dass diese tiefe Verbindung zu den dreißig Mitschülern durch nichts zu kappen wäre. Schon nach den Sommerferien sah die Sache anders aus. Es mündet in einem: „Was machst Du jetzt? War schön Dich zu treffen. Ich muss dann auch weiter“, weil die gemeinsam verbrachte Zeit als alleiniges Fundament nicht ewig trägt. Aber jede Rucksackreise, jede Interrail-Tour, jeder Neuanfang und davon gibt es in der Jugend ja so viele, spült mehr Bekanntschaften ins Leben als Wellen an den Strand und die Vermutung liegt nahe, dass das immer so weiter geht. Tut es nicht. Es dünnt sich aus. Nicht, dass ich weniger Menschen treffe. Immer wieder mache ich Bekanntschaften, führe gute Gespräche und es ist schön, um nicht zu sagen nett. Aber dass es einen im Kern erschüttert, eine Vertrautheit …

glücklich geborgen

„Bücher beschützen. Dem Leben, das nachfühlbar erzählt wird, kann für kurze Zeit das Diffuse und Bedrohliche genommen werden. Nicht zuletzt rührt die Geborgenheit im Buch auch daher, dass gebannt ist, was den Lesenden ängstigt oder beunruhigt; gefesselt in der Formulierung, hat es keine Macht mehr über ihn, jedenfalls für die Dauer der Lektüre. Nur das Glück fühlt sich nicht wohl im Text, das Glück muss fliehen. Ein Reh ohne Scheu, das riecht immer gleich nach Disneyland.“ Sätze von Ralf Rothmann aus Feuer brennt nicht, denen nichts hinzuzufügen wäre. Außer dem Hinweis, dass das Brot wirklich sehr gut ist. Geborgenheit zwischen den Seiten und Glück im Topf gewissermaßen.

Montagsmögen

(Fast) jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wieder gesund sein, immer seltener husten, weniger von dieser Fieberschwere und wieder Zeit sich im Internet zu verlieren, in dem es nicht nur Katzenbilder gibt, sondern auch koreanischen Seiten mit herrlich fröhlich-gesund machenden Bildern. Die betrachte ich während ich Grünes, Gesundes, Vitamgetränktes aus der formschönsten aller Schalen zu mir nehme. Und meiner neusten Internetmusikentdeckung lausche. Geht doch. Mag ich.

Hack das Brot

Den Begriff des Hackens kennt man aus der Computerszene. Die schlauen Programmierer, überfordert von Informationsflut und Dateien schrieben einst Hilfsprogramme, um Software über verschiedene Rechner zu synchronisieren, Aufgabenlisten zu verwalten und To dos zu verteilen. Der RSS-Feed entstand so. Heute ist es Hacking ein Synonym für alles,  „dass ein alltägliches Probleme auf clevere, nicht-offensichtliche Art und Weise löst.“ Damit es schnell und effizient geht. Auch das Leben. Das nennt man dann Lifehacking. Mc Gyver-Tricks für den Alltag gewissermaßen. Wie man T-Shirts faltet oder Granatäpfel schält. Ich habe einen leichten Hang dazu mein Leben vollzupacken. Das bringt mit sich, dass manche Dinge nicht gehen. Sauerteigbrot beispielsweise. Nicht das Essen desselbigen. Aber das Backen von Sauerteigbrot und mein volles Leben vertragen sich nicht.  Es ist eine kleine Wissenschaft für sich. Mich würde es nicht wundern, wenn es dafür einen eigenen Bacherlor-Studiengang gäbe. Es fallen Schlagworte wie Dreistufenführung. Vereinfacht gesagt muss man einen Vorteig ansetzen, den richtigen Vorteig. Hier scheiden sich schon die Geister ob mit oder ohne Hefe. Dieser Vorteig, der dann als Ansatz dient, muss gehegt und gepflegt werden. …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Dankbar sein. Auf das sehen, was gut ist. Und das ist viel. Vielleicht helfen diese Brillen dabei. Sie sehen zumindest gut aus. Den Rest bringt die Zeit und das Alter. Aber weil ich vom Stadium der altersweisen Gelassenheit noch ein paar klitzekleine Jahre entfernt bin, nähere ich mich ihr mit dieser Reportage und dem Filmgespräch mit Max Frisch, der darin gewohnt klug über das alt werden sinniert. Dankbar bin ich außerdem für die Entdeckung des Liedes „one of these days“ und überhaupt dieser Stimme. Dankbar auch diesen Ort hier zu haben und für Euch, für die Mails, Briefe, für die Post, die Kommentare. Die tragen. Und tun so gut. So sehr dankbar bin ich dafür.

mehr dahinter

„Jedes Leben ist viel reicher an Gedanken, Gefühlen und Phantasien, als die äußere Biographie zeigt.“ Ein Satz des Philosophen Peter Bieri, den ich mir aus seinem Buch Wie wollen wir leben? herausgeschrieben habe. Als Erinnerung und für den Fall der Fälle, dass ich es vergessen sollte, dass ein zweiter Blick sich lohnt. Hinter die Fassaden, Lebensläufe, Oberflächen.  Und wie ich kürzlich lernen konnte, manchmal auch die eigenen. Gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Keine Angst, es wird kreativ

Ich arbeite in einer analytischen Welt. In einer, in der Kreativität mit dem Bemalen von Seidenkrawatten gleichgesetzt wird. Gegen dasselbige habe ich nichts. Es reduziert nur eine im tiefen Sinne sehr systematische Fähigkeit und unterschätzt sie. Vielleicht weil sie so leichter handhabbar scheint oder beherrschbar, was sie von Natur aus nicht ist. Immer wieder spüre ich, wie sie manchem Angst einjagt, und zwar zumeist denen, die immer noch glauben, die Komplexität dieser Welt sei in einzelne Prozessschritte gliederbar und abarbeitbar. [Diese Menschen sollten sich diese 3:32 Minuten gönnen]. Und so presst man Kreativität dann in bestimmte Räume, beäugt sie weiterhin mit Skepsis und versieht sie im Falle der Kreativwirtschaft sogar mit entsprechendem Etikett. Nur werden so leider die Möglichkeiten, die es gäbe nicht im entferntesten umrissen und genutzt. Was schade ist. So schade. Yasmina Reza, natürlich Yasmina Reza, hat Worte gefunden für diesen Menschentypus und auch wenn sich ihre Worte auf das Zwischenmenschliche beziehen, so treffen sie den Kern sehr genau und lassen sich beileibe nicht nur darauf reduzieren.  „Kreative Menschen erfinden aus nichts. Sie können sich für das kleinste …

aufgelistet: Sturmwarnung

Brainstorming, die Methode der Problemlösung durch Sammeln spontaner Einfälle in einer Arbeitsgruppe, so die offizielle Definition hat ja einiges mitgemacht. Ich kenne die Anfänge nicht, aber ich weiß, wie es ist, wenn es richtig gut ist. Und wie es ist, wenn es so richtig schlecht ist. Wenn jeder Vorschlag mit einem „das haben wir noch nie so gemacht“ oder weiteren schwergewichtigen Gründen abgewürgt wird. Und dann wird die Luft dünner im Meetingraum, nicht nur wegen der trockenen Heizungsluft und weil mal wieder gelüftet werden sollte, sondern weil es sich gar nicht mehr lohnt Atem zu holen, um eine Idee in den Ring zu werfen. Kaum ausgesprochen, ist schon einer zur Stelle, der sie zunichte macht. Dabei geht es ganz anders. Wenn Hierarchien keine Rolle spielen, weil der Chef nicht mit dem Titel automatisch auch das Patent für alle gute Ideen gepachtet hat. Wenn sie sich überbieten die Vorschläge und aufeinander aufbauen. Wenn es nicht darum geht, warum es nicht geht, sondern was wäre, wenn es doch ginge. Wenn mit mehreren Menschen etwas entsteht, das alleine nicht …

Übernahmeerklärung

„Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.“ So beginnt Odo Marquard einen Text mit philosophischen Bemerkungen zu Kunst und Politik. Und eine Rede zum 50-jährigen Doktorjubiläum mit den Worten:“ Verehrte offizielle Respektspersonen“. Beides finde ich großartig, beides habe ich hier entnommen und beides wird übernommen. Weiß nur noch nicht wann und wo.

und alles nochmal von vorn

Wie man mich sonst mit Wiederholung jagen kann. Wie ich Routine verachte. Wie mir alles Repetitive und dadurch so vorhersehbare zuwider ist. Wie er mein Tod ist, der ewig gleiche Trott. Und wie er mich bei den Jahreszeiten immer wieder begeistert. Weil die Wiederholung des ewigen Kreislaufes auch immer wieder viele erste Male mit sich bringt. Und auf erste Male, auf den Zauber des Neuanfangs lasse ich nichts kommen. das erste Mal wieder den Bikini erst aus- und dann einpacken. Man könnte ihn gebrauchen. Und selbst wenn nicht, zieht damit schon dieses Gefühl, das Badesachen so mit sich bringen, ein. Das nach sechzehn sein und endlos langen Ferientagen an Badeseen. Nach diesem Gemisch aus Salzwasser und Lichtschutzfaktor, dem Geruch von Sonne auf der Haut. das erste Eis des Jahres. Wenn es eigentlich noch viel zu kalt ist, aber das ist so etwas von egal, weil es ist das erste Eis und das geht quasi sobald keine Handschuhe mehr getragen werden müssen. Pistazie muss es sein. Und Vanille. die ersten Erdbeeren im Supermarkt. Die vollkommen farblos und wässrig aussehen, …