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Eine Zigarettenlänge ausgesprochen

Eine Zigarettenlänge ausgesprochen

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So lange nichts gelistet, obwohl doch ohne das Aufnotieren so vieles verloren geht. Genau hinsehen, gerade weil es so laut und so schnell zugeht. “Was ich noch zu sagen hätte, dauerte eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehen” heißt es in einem Lied von Reinhard Mey. Ein Therapheut meinte, dass ganz oft kurz vorm Ende der Stunde, die wirklich wichtigen Themen angesprochen werden. Fast beiläufig wird das ausgesprochen um das man vorher kreiste.
Einiges, von dem es schade wäre, ginge es unter und bevor es zu spät ist.

  • Gehört: Felix Kramer – dieser Wiener Schmäh! Das beste Lied übers bleiben, wenn man nicht mehr weiß warum eigentlich. “Trotzdem nix woan” als eine ehrliche und zärtliche Sicht aufs Scheitern.
  • Wenn man wie ich im Innovationsmanagement arbeitet, kommt man an Steve Jobs nicht vorbei. Ich dachte, ich wüsste so ziemlich alles über ihn. Biographie gelesen, verlinke seine Videos in Vorlesungen und überfliege den LinkedIn-Post jedes Volksbankenmitarbeiters, wenn er ihn erwähnt – und das tun sie, weil mit Steve Jobs umgibt sich jeder noch so Tradierte mit dem Hauch von Neuem. Dieses Dokument ist anders. Poetischer, feiner und auf eine Art klüger. Wenn er sich in einer Rede an die Mitarbeiter von Apple mit der Frage beschäftigt, ob George Orwell mit 1984 Recht hatte, ein Memo von 1986 in dem er nach unterbrechungsfreier Arbeitszeit verlangte, lange bevor “focus work” ein Begriff wurde. Oder das Zitat “Your aesthetics get better as you make mistakes”, das mir bei einem Neubeginn geholfen hat. “Make something wonderful” ist der Titel des Dokumentes. Wundervoll ist es. Und viel zu wenig bekannt.
  • Schlagt Eure Butter auf! Mehr gibt es nicht zu sagen. Sonst kein Fan von Schaumschlägerei, aber in diesem Fall sind es zehn bestens investierte Minute und ein wenig Buttermilch die nicht einfach einen Unterschied machen, Welten liegen zwischen Butter und aufgeschlagener Butter. Ein neues Butterkapitel wird aufgeschlagen! Butterbrot next level. Butter yourself up!
  • Mich neu in die Musik von Bugge Wesseltoft verhört. Vor allem in dieses Album. “Be am“. Mit seinem ganz eigenen ruhigen Jazz. “Jazz is composing live” hat er gesagt. Und komponieren, improvisieren wir uns nicht auch alle durchs Leben? Und wenn dann vielleicht wenigstens in seiner ruhigen überlegten Art.
  • Ich fand dieses Sweater der Paperartkünstlerin Nina großartig. “GoodBadGoodBad” heißt es. Weil es doch nicht immer so leicht zu unterscheiden ist, was gut und was schlecht ist und manchmal ist es einfach beides gleichzeitig. Gleichzeitigkeit aushalten. Ambiguität nennt man das auch. Das Sweatshirt ist ausverkauft. Aber “Imagine” gibt es noch. Und Vorstellungskraft benötigen wir auch mehr.
  • Einer der ersten (und bisher einzigen Filme), die ich in diesem Jahr gesehen habe ist “Perfect days” von Wim Wenders. So ganz ruhig, so ganz anders, so leise, so lebensbejahend, so weise. Es geht um Hingabe. Im Alltäglichen. Über Routinen und wie gut sie sein können. Im Podcast mit Matze Hielscher spricht Wim Wenders über die große Frage, die sich durch all seine Filme zieht: Wie soll man leben?
    Eine Frage, die der Philosoph Peter Bieri in einem meiner liebsten Bücher beantwortet hat: “In einer Kultur der Stille”. Nicht nur eine Zigarettenlänge lang.
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