25. Juli

Entdecke den Titan in Dir

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Ich habe nicht die leiseste Ahnung warum, wie und wo ich dieses Buch gekauft habe. Ein Buch, das den bescheidenen Titel “ Werkzeug der Titanen“ trägt. Ich zähle mich nicht zur Titanen-Kategorie. Nicht im entferntesten.

Ich bin der Antipol zum Titanen.

Nicht, dass ich mir nichts zutraue. Es gibt einige Dinge, die ich gut kann. Denken, Ideen haben und in die Tat umsetzen, Dinge anpacken, obwohl sie mir Angst machen, andere mitnehmen, vorangehen.

Es gibt Dinge, die ich nicht gut kann und wohl auch in diesem Leben nicht mehr beherrschen werde. Kontoauszüge abheften, Projektdetailpläne erstellen, immer gleich alles auf und wegräumen, mich nicht übernehmen, Physik. Da helfen auch keine morgendlichen Selbstaffirmationen vor dem Spiegel oder Wünsche ans Universum. Aber das ist okay so.

Ich fühle mich weder klein, noch groß. Ich mag das Zweifelnde und Hinterfragende in mir, weil ich mich nicht mit der erstbesten Möglichkeit zufrieden gebe, weil es mich die Offenheit bewahren lässt, die so essentiell ist für gute Gespräche: Die Möglichkeit zuzulassen, dass der andere Recht haben könnte.

Seltsamerweise kam mir diese Erkenntnis, dass es gut ist, dass ich gut bin wie ich bin beim Lesen des Titanenbuches.

Der Autor Tim Ferris ist der Titan im Titanenbusiness. Es ist nicht sein erstes Buch. Er hat die „4-Stunden Woche“ geschrieben, was sehr erfolgreich und gut war, gefolgt von der „4-Stunden Körper„, bei dem ich schon ausgestiegen bin, um dann mit dem „4-Stunden Chef-Koch“ nachzulegen und weil sich die 4 Stunden erschöpft hatten nun auf TitTaktiken, Routinen und Gewohnheiten der Weltklasse-Performer, Ikonen und Milliardäre (ja, so lautet der Untertitel) umzusteigen.

Auf Seite 197 schreibt Tim Ferris über eine seiner produktivsten Zeiten. Die acht Wochen in denen er sein passives Einkommen um 20 % steigerte, sich sein Traumhaus kaufte, zwei Mal am Tag meditierte, sehr viel Geld für ein Start-Up und für eine wohltätige Organisation einsammelte und noch ein paar Punkte mehr. Kategorie Titan eben.

Mit dieser Aufzählung beginnt er allerdings nicht. Sondern damit, dass in eben diesen drei Monaten er Morgen für Morgen auch einen ein bis zu dreistündigen Kampf mit dem Snooze-Knopf führte, weil er nicht in den Tag starten wollte. Davon, dass er zum Therapeuten ging, weil er keine Ahnung hatte wie er aus diesem Leben herauskommen sollte. Dass er soviel Kaffee trank, dass sein Ruhepuls auf 120 hochging.

Wie leicht doch alles von außen aussieht. Wie schnell ich nur die schöne, erfolgreiche glitzernde Seite bei anderen sehe und bei mir nur die weniger glorreichen, dass doch da immer auch beides ist. Zur gleichen Zeit.

Danke, Tim.

Die restlichen Seiten des immerhin 671-starken Buches habe ich mit einer Mischung aus Verwunderung und Belustigung gelesen. Es besteht nämlich aus den glitzernden Seiten der Titanen. Sehr schöne, fite, schlanke, reiche und erfolgreiche Menschen erzählen darin in kurzen Interviewsequenzen wie sie es geschafft haben so schön, fit, schlank, reich und erfolgreich zu sein. Das hat eine ganz eigene Faszination. Das kann ich nicht leugnen. Mir erschlossen sich neue Welten. Mit welcher Ernsthaftigkeit erklärt wird, warum hydorizerierte Gelantine am Morgen zu trinken ist, wie Gotu Kola Dehnungsstreifen verschwinden lässt, welche Muskeln den perfekten Trizeps formen. Mittelkettige Triglyercide in seinen Kaffee schütten, wie kann ein Mensch vor dem Frühstück 100 Squats machen ohne zu kollabieren? Es ist der Gefühlscocktail, den ich von Instagram kenne. Wenn ich fremden Menschen beim Posen und Leben vorzeigen zuschaue, mich eigentlich nicht gut fühle, weil ich im Vergleich dagegen so sehr abfalle, aber statt etwas anderes und sinnvolleres zu tun, doch weiterschaue.

Aber seit Neustem denke ich, wenn sich das leichte Gefühl des Ungenügens dabei einschleicht an Tim. An seinen Snooze-Button, seine zu viele Espressi, an Tiefpunkte. Daran dass ich die andere Seite nicht vergessen darf. Dass sie jeder hat, auch wenn er sie nicht zeigt. Dass das okay ist und uns zu Titanen macht.

Wie wir doch alle in etwas aussergewöhnlich gut sind. Im Schlafen, im Nachdenken, im Leben feiern, im sich gehen lassen, im es drauf ankommen lassen. Titanen.

Da dieser Beitrag Marken-, Menschen- und Produktnennungen enthält und dies nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Ich wurde von keinem gebeten oder dafür bezahlt, diesen Text zu schreiben. Ich habe das Buch selbst gekauft. Die erhaltenen Verlinkungen sind Affiliate-Links was bedeutet, dass ich bei Kauf über diesen Link einen kleinen prozentualen Anteil am Kaufpreis erhalte. Produkt-, Marken, Menschen oder Orte, die ich hier nenne, sind meine persönlichen Empfehlung und erfolgen im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl auf stepanini. Jede bezahlte Kooperation – sollte es eine geben – wird als solche gekennzeichnet.

2 Responses

  1. Sabine sagt:

    Liebe Stepanini,

    ich bin lange eine treue, anonyme Leserin deines blogs gewesen und dann habe ich es aufgegeben nachzuschauen…bis heute! Und da finde ich diesen Beitrag- seufz!! Wunderbar, danke und dass du nicht mehr wöchentlich schreibst, verbinde ich mit einer guten Balance und Selbstfürsorge. Ich habe mich immer gefragt wie diese schönen, kreativen…Bloggerinnen es schaffen täglich/wöchentlich Artikel zu schreiben, die ich Weichei, äh Titanin kaum schaffe zu lesen 😉 Danke liebe Stepanini! Ich mag was und wie du schreibst und vor allem, dass soviel authentisch, unperfekt Menschliches rüberkommt.

    Herzlich grüßt dich
    Sabine

  2. stepanini sagt:

    Danke liebe Sabine, für Deine Worte.
    Selbstfürsorge – das ist es und ich muss ja nicht davon leben, sondern schreibe einfach wenn mir danach ist.

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